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Episode #23

Freunde der Forschung mit Mieke Kröger

10. January 2025

Neues Jahr, neuer Name und ein ganz besonderer Gast! In dieser Folge erfahrt ihr, warum wir ab sofort A Faster You heißen. Außerdem haben wir die großartige Mieke Kröger zu Gast, die uns spannende Einblicke in ihre Karriere gibt und erzählt, wie es sich anfühlt, Olympiasiegerin zu werden. Viel Spaß mit der neuen Folge!

Transkript

Niclas: Willkommen zum A Faster You Podcast, wo sich alles um Ausdauersport und Training dreht. Hier geben euch Sebastian Schluricke, Björn Kafka und Niklas Ranker wertvolle Tipps und Einblicke, die euch helfen, eure Performance auf das nächste Level zu bringen. So, herzlich willkommen zu einer neuen Folge A Faster You Podcast. Wir haben einen neuen Namen. Björn, erstmal hallo und warum haben wir einen neuen Namen?

Björn: Weil wir einfach cooler sind. Ganz einfach. Nee, Aerotune ist ja der Name, den es mal ganz am Anfang gab, weil Aerotune sich vor allen Dingen auf Aerodynamik spezialisiert hatte. Und dann kam ich mit brennender Fackel an und habe gesagt, wir machen es noch viel besser. Und dann habe ich das Feuer entzündet. Und seitdem trainieren wir auch Olympioniken, so wie Mikkel Kröger. Deshalb heißen wir jetzt alle schneller. Mega Überleitung, oder?

Niclas: Also die Überleitung fand ich gerade richtig geil.

Björn: Das war einfach so.

Niclas: Nicht schlecht. Wir haben heute einen Gast, und zwar Mieke Kröger. Genau, Mieke, hallo.

Mieke Kröger: Hallo.

Niclas: Wo bist du gerade? Trainingslager oder daheim?

Mieke Kröger: Ich bin in Spanien im ausgedehnten Trainingslager. Ein Monat in Jalón. Xalo, wie der Deutsche zu sagen pflegt.

Niclas: Sehr cool. Das hört sich gut an. Sollen wir direkt einfach einmal, willst du dich selbst einmal kurz vorstellen? Für die, die dich nicht kennen.

Mieke Kröger: Okay, das ist mein Lieblingsauftrag. Also, mein Name ist Mieke Kröger, ich bin 31 Jahre alt, ich bin seit vielen Jahren Berufsradsportlerin, mittlerweile als Sportsoldatin in der Bundeswehr tätig, deswegen muss ich mein Geld nicht mehr im World Tour Circus verdienen und genieße das vollends. Sehr gut. Ja, ich bin Olympiasiegerin und habe eigentlich schon alles mal gewonnen, mache aber trotzdem weiter, weil es mir Spaß macht.

Niclas: Ja, also das mit dem alles mal gewonnen, finde ich wirklich krass. Erstmal Respekt dafür, weil ich habe vorhin mich auf die Folge vorbereitet. Und wenn man, ich mache immer alles mit JetGPT, und wenn man JetGPT fragt, was du schon alles hingekriegt hast, beziehungsweise was deine Erfolge sind, dann hast du eigentlich alles schon gewonnen, was man gewinnen kann. Ah, Weltmeister, Zeit fahren.

UNKNOWN: Okay. Ja.

Niclas: Aber du hast doch schon mal, bist du nicht, nein, du bist Weltmeister einer Verfolgung?

Mieke Kröger: Nee.

Niclas: In den Junioren gewesen? Doch.

Mieke Kröger: So, Junioren, ja, ja, ja.

Niclas: Ja, also U19 zählt auch. Muss man auch erstmal gewinnen. Absolut. Also, hab ich nicht. So, dann Weltmeisterin Mannschaftszeit fahren.

SPEAKER_01: Ja.

Niclas: Dann Weltmeisterin Mannschaftsverfolgung Bahn. Olympiasiegerin mit Weltrekord. Europameisterin Bahn, Mannschaftsverfolgung. Deutsche Meisterin, Einzelzeitfahren, Straße in Junioren und Elite.

Mieke Kröger: Berg. Auch das darf man nicht. Jawohl, ich war mal Deutsche Meisterin.

Björn: Berg. Aber gut, ich glaube, es ist Deutsche Meisterin Berg.

Mieke Kröger: Ja, ja.

Björn: Ja, ich erinnere mich.

Niclas: Also, es fehlt eigentlich nur ein Weltmeistertitel noch im Zeitfahren oder auf der Straße.

Mieke Kröger: Ja, mit der Straße, das wird, glaube ich, nichts mehr. Aber Zeitfahrt, ach ja Gott, das sind jetzt aber Ambitionen. Also ich habe schon irgendwie die Ambition, da nochmal richtig gut zu werden und noch sicherer irgendwie. Und dann mal gucken, wofür es reicht. Ja. Aber ich bin auf jeden Fall, meine Ambitionen sind irgendwie hoch. Meine Motivation jetzt, wo ich in Spanien bin, auch wieder. Habe aber auch sehr lange nicht trainiert, letzten Monat, weil ich krank war und so.

Niclas: Ja, ich glaube, die Phasen hat jeder mal.

Mieke Kröger: Ja, das war wirklich meine längste Off-Season, also krankheitsbedingt sozusagen, seit einigen Jahren. Aber wer weiß, wofür es gut ist. Ich glaube, tut mein Körper vielleicht mal ganz gut, so ein kleiner Reset.

Niclas: Was sagt Björn dazu?

Björn: Ja. Gutti, sag ich jetzt. Guck mal, jetzt rede ich schon von Gutti. Übrigens da hinten.

Mieke Kröger: Ja, ja, ich sehe das die ganze Zeit. Da hängt Gutti.

Björn: Da ist ja Gutti, da ist Mieke gar nicht drauf. Das ist nämlich noch die alte, die ältere Kombi der Verfolgerinnen. Und da ist Gutti noch dabei. Nee, ähm, für alle, die sie nicht kennen. Da seid ihr Vize-Weltmeister geworden. Ja.

Mieke Kröger: Genau, in Berlin.

Björn: Aber ich nicht dabei. Ja, wer war da eigentlich mit? War Laura noch mit als Ersatz?

Mieke Kröger: Oh, das weiß ich gar nicht. Also das waren Lisa, Klein, Lisa Brenner, Gudi Stock und?

Björn: Franzi.

Mieke Kröger: Franzi, ja klar. Wer da als Ersatz mit war? Ich glaube Charlotte Becker war mit dabei als Ersatz.

Björn: Was ich dazu sage, eigentlich sind wir mit einer Bomben-Shape rausgekommen. Das kann man einfach so sagen. Dann war so ein Lehrgang, glaube ich, bei der Bundeswehr. Da hat man viel Muskelkater gekriegt von Dingen, die man nicht tut. Und dann bist du ein bisschen krank geworden und dann gab es hier und da noch mal einige Sachen, die wir nicht detailliert beschreiben möchten. Und jetzt sind wir aber in Spanien und da wird halt jeden Tag Kilojoule, Wahnsinn. Ich habe gesagt, alles was geht. Kenne ich auch.

Mieke Kröger: Ja.

Björn: Die sieben Stunden kommen auch noch.

Mieke Kröger: Geil, ich freue mich drauf. Ich glaube, ich werde hier keine Companions finden, aber sehe ich auch so durch.

Björn: Ja, einfach nach Girona fahren, da übernachten und wieder zurückfahren.

UNKNOWN: Boah.

Mieke Kröger: Boah, sowas kann man sich wirklich überlegen. Ja, mach das. Dann fahren wir schnell noch mal zu, also wir waren gerade bei Decathlon und haben uns so lustige Blinklichter gekauft. Dann fahren wir einfach noch mal dahin und kaufen uns jetzt bestimmt Bikepacking-Zeug oder so. Ja, klar. Das ist eine gute Idee.

Björn: Kennst du da, ich meine, gibt es da noch genug? Keine Ahnung.

Mieke Kröger: Ich kenne da bestimmt irgendwen, wo wir unterkommen können.

Björn: Ja, ich kenne auch genug. Die Oma Tati, mit der bist du nicht mehr gefahren, ne?

Mieke Kröger: Nee, Omi. Aber ich habe viel über sie gehört.

Niclas: Wenn wir gerade bei Training sind, weil ich habe mir auch ein paar Fragen an Mika aufgeschrieben. Was ist dein Lieblingstraining?

Mieke Kröger: Oh, das kann ich gar nicht genau sagen. Das kommt immer voll darauf an, in was ich gerade gut bin oder was ich gewöhnt bin. Manchmal liebe ich es, einfach nur Grundlage zu fahren und lange zu fahren und mir die Welt anzugucken. Und manchmal liebe ich auch einfach nur schnell rausfahren, irgendwo Intervalle knallen und schnell wieder zurückfahren. Und bei Intervallen, also ich kann zumindest sagen, was ich gar nicht so gern mag, das ist so 30 Sekunden bis eine Minute. Da bin ich immer so schrecklich aufgeregt, weil das so weh tut. Wenn man sich da so konzentrieren muss, also alle anderen Intervalle, da kann man sich irgendwie so ein bisschen reingrooven. Aber wenn es wirklich darum geht, konzentriert eine Minute lang Vollgas zu geben, dann...

Niclas: nicht so mein Favorit. Ich finde, 30 Sekunden geht eigentlich noch, weil 30 Sekunden kannst du so richtig schön reinsprinten. Und klar, die letzten 5 sind sehr unangenehm, aber die gehen noch. Eine Minute ist schon sehr eklig, aber ganz schlimm, 2 Minuten. Also so 2 Minuten All-Out fahren, das ist ja wirklich, also 2 Minuten All-Out fahren ist eigentlich echt so die Höchststrafe, die man kriegen kann an Training, finde ich.

Mieke Kröger: Aber ich finde, auch da kann man sich reinpacen.

Björn: Ja, aber All-Out ist ja nicht Pacen. Ja, eben.

Mieke Kröger: Ich bin eine große Freundin von Pacen.

Björn: Richtig, genau. Womit wir bei einem Punkt wären. Mikes Training sieht immer aus, als ob sie auf Swift fahren würde, tut sie aber nicht. Das ist halt so abartig. Es ist immer so ein Strich und dann kommt so ein Intervall und dann geht es wieder runter. Oder wie Sebastian Schluricke von Faster You, Aerothium, so schön sagte, das ist so toll mit Nike, die fährt so toll Fahrrad, die hält ihre Position so sauber und so gut, die kann so gut Aero testen. Ich bin groß begeistert von dieser Fähigkeit, sich so unglaublich gut zu pacen. Das ist der Hammer.

Mieke Kröger: Das ist, glaube ich, eine Stärke, aber auch ein bisschen problematisch an anderen Stellen. Also ich bin auch niemand, also am Hinterrad leiden, da haben Niklas und ich, glaube ich, auch schon mal drüber geredet, am Hinterrad leiden, da schalte ich halt direkt ab, weil das ist halt nicht das Tempo, was ich mir aussuche. Alleine vorne könnte ich vielleicht sogar schneller fahren, aber am Hinterrad leiden, Ganz schlimm, weil es halt nicht mein gepacetes Tempo ist.

Niclas: Ja und wir hatten da auf dem, als wir von Böttgen zurückgefahren sind, hatten wir glaube ich darüber gesprochen und ich finde am Hinterrad leiden auch viel schlimmer. Weil wenn du vorne fährst, fährst du halt vorne. Und das ist, finde ich, für den Kopf auch immer so, du bist halt der Erste, du bist halt der, der vorne fährt. Und das ist vom Kopf, finde ich, viel angenehmer und dann macht Leiden viel mehr Spaß, als wenn du weißt, okay, ich glaube, Jens Vogt nennt das dann das schmerzgebende Ende und nicht das schmerznehmende Ende. So, und wenn zum Beispiel, wenn ich hinter Paul einen Berg hochfahren muss, bin ich halt klar, das schmerznehmende Ende und es macht halt gar keinen Bock, weil er halt vorne fährt und ich hintendran einfach nur am Leiden bin. Und das ist ja dasselbe.

Mieke Kröger: Ja.

Niclas: Also immer versuchen, das schmerzgebende Ende zu sein.

Mieke Kröger: Ja, das habe ich mir jetzt so ein bisschen auch zurechtgelegt mit dem, wie ich den Sport jetzt ausübe. Aber dennoch gibt es ja auch Situationen oder Disziplinen, in denen man auch das schmerzgebende Ende sein muss und da auch durch muss irgendwie. Aber

Niclas: Würdest du sagen, dass wenn du jetzt auf der Bahn fährst in der Viererverfolgung, fühlt sich das, wenn du zum Beispiel an den hinteren drei Positionen fährst, auch nach dem schmerznehmenden Ende an? Oder ist das eigentlich so ein Tempo, dass du sagst, okay, das passt dir auch sehr gut und die vier Minuten gehen auch so gut durch?

Mieke Kröger: Es ist für mich... eher einen Steigerungslauf. Und das kann ich auch sehr gut. Also, wir haben halt den stehenden Start, der ist auf der Position 4 jetzt auch nicht unendlich hart. Es gab Zeiten, da kam ich da nicht mit, aber die sind zum Glück rum. Und dann... wird die Leistung eigentlich von Position zu Position, die man nach vorne rückt, immer ein bisschen höher, bis ich halt ganz vorne bin und dann halt so lang diese Pace war, wie ich kann. Und das ist ja wirklich meine absolute... Paralleldisziplin bzw. Comfortzone, dass ich dann einfach so lang fahre, wie ich kann und das auch zum Glück sehr gut mache und den anderen sehr viel Windschatten gebe, dass die sich ausdrücken können und dann gehe ich halt einfach flöten danach. Ich bin dann raus, ich muss dann nicht mehr rein in den Vierer. Also so ist es gerade, so war es kurz vor Tokio, da haben wir das angefangen, so haben wir gewonnen und das machen wir auch jetzt gerade noch, aber ich bin auch dabei, mich Nee, ich habe mich eigentlich auch schon mit dem Gedanken angefreut, dass ich definitiv irgendwie das schaffen muss, wieder reinzugehen und hinten drauf dann wirklich das Schmerz neben der Ende zu sein.

Niclas: Wenn du so eine Führung fährst, wie du es gerade machst, denkst du, du kannst dann nochmal hinten draufhängen? Oder fährst du diese Führung eigentlich so, dass du danach nicht mehr draufhängen könntest, weil du halt komplett tot bist?

Mieke Kröger: Genau, also zurzeit fahre ich so lange ich kann und noch ein bisschen länger. Also wir müssen uns halt unendlich strecken, weil wir halt nur eine gewisse Anzahl an Führungen zur Verfügung haben, das wird jetzt gleich ein bisschen tief gehen. Aber in Tokio bin ich noch vier Runden gefahren und natürlich auch ein bisschen schneller als jetzt. Und jetzt fahre ich mittlerweile fünf bis zu fünfeinhalb Runden vorne und dann die letzte Runde ist auch wirklich immer irgendwie nur noch rausgequetscht. Aber im Grunde fahre ich so lange, bis kurz bevor die Pace droppt. Also die Pace darf halt nicht runtergehen, weil dann bremst man den ganzen Vierer aus und das kriegt man dann, man kriegt das wieder hochbeschleunigt, also Franzi kriegt das wieder hochbeschleunigt, aber es tut halt unendlich weh, den anderen.

Niclas: Und es holt sie auch im Endeffekt aus eurem Plan und auch irgendwie der Übersetzung, die ihr geplant habt, auch so ein bisschen raus, oder? Wie meinst du das? Na, ihr habt ja einen gewissen Gang quasi gekettet und ihr habt ja auch auf eine gewisse Pace trainiert. Und wenn ihr unter diese Pace fallt, wird es ja einfach auch muskulär anstrengender, die wieder hochzukriegen.

Mieke Kröger: Ja, ja, dann wird der Gang ein bisschen dick, sagt man. Genau, ja, das meine ich. Ja, absolut.

Niclas: Ich glaube, das ist so für die meisten, die wahrscheinlich zuhören, die sind halt noch nie auf der Bahn gefahren. Und das ist ja, ich sag mal, auf der Bahn so ein bisschen das Problem. Du hast halt nur einen Gang. Du musst den beschleunigen, musst in die Pace kommen, in der man quasi den Gang gesetzt hat. Und dann musst du dort fahren. Und wenn du dort nicht fahren kannst, wird's echt scheiße. Mhm.

Björn: Ja. Wir arbeiten jetzt schon nicht mehr zusammen.

UNKNOWN: Aber...

Björn: Wie fühlt man sich denn eigentlich nach so einem Finallauf körperlich?

Mieke Kröger: Beschreib das mal. Das ist jetzt vielleicht ein bisschen enttäuschend, aber in der Mannschaftserfolgung ist es wirklich so, also ich vergleiche jetzt mal Einachverfolgung und Mannschaftserfolgung. In der Mannschaftserfolgung, da starten wir, kommen auf eine Pace und halten die, also im Optimalfall bis zum Ende. Da gibt es keinen Drop. Dementsprechend, wenn ich meine fünf Runden von vorne fahre, Ich latsch, bis ich nicht mehr kann auf diesem Gang rum, sodass die Frequenz nicht langsamer wird. Aber sobald sie langsamer wird, muss ich rausgehen. Und das ist aber noch nicht mein absolutes Maximum. Schon für den Gang, für die Geschwindigkeit ist es mein absolutes Maximum. Aber in der eine Verfolgung beispielsweise, da startest du und... Außer bei Gunner droppt bei jedem die Pace. Und du kannst nicht mehr und du latscht auf diesem Garo und die Frequenz wird langsamer und langsamer und du latscht einfach weiter. Du latscht immer weiter auf diesem Laktat rum und die letzten zwei, drei Runden von einer Verfolgung sind definitiv härter als die Mannschaftsverfolgung. Also das klingt jetzt so, als würden wir irgendwie eine Dulli-Disziplin fahren, das ist nicht so. Das ist immer noch sehr hart.

Niclas: Und ja, aber also... Die Mannschaftsverfolgung ist vielmehr dann Gefühl und vor allem auch zu wissen, okay, wann musst du quasi rausgehen und kannst für das Team in Anführungszeichen nichts mehr bringen, so, oder?

Mieke Kröger: Ja, genau. Also ich meine, frag mal Laura Süßemilch oder Lisa Klein. Ganz die weniger, die liefert einfach immer nur ab. Die anderen liefern auch ab, das will ich damit nicht sagen, aber die hatten schon Rennen, wo die wirklich das absolut Schmerznehmens der Ende waren und einfach sich dran gebissen haben und irgendwie dran geblieben sind. Und die würden sagen, Mannschaftsverfolgung kann definitiv mindestens genau so was sein wie in einer Verfolgung.

Björn: Ich weiß nicht, ob du es oder Guddi, ich fand das so beeindruckend, dieser Satz, ich steige dann vom Rad und dann sind die Arme erstmal so ein bisschen taub und es kribbelt überall. Das ist okay, so muss man sich auch erstmal abschließen.

Mieke Kröger: Ne, das war nicht ich.

Björn: Das war eine Bahn.

Mieke Kröger: Also ich hatte das mal vor dem Rennen, bis mir die Arme weggekribbelt sind und ich habe die nicht mehr gespürt, weil ich glaube, ich habe ein bisschen viel B-Cup gezündet. Und Koffein und dann, oh Gott. Und ich saß da vor dem Start und dachte nur... Wie soll ich das machen, wenn ich doch meine Arme gerade nicht spüre?

Björn: Ich bin einfach cool geblieben.

Mieke Kröger: Ich habe mir gedacht, das können die schon. Die werden das halten, den Lenker. Haben sie geschafft.

SPEAKER_03: Geil, das habe ich aber auch noch nicht geschafft. Also das hört sich gut an.

Björn: Ja. Ich hatte mal einen Worldtour-Profi, der sich auch so ein bisschen überdosiert hat mit Beta-Alanin und Koffein. Beta-Alanin fängt ja auch ganz eklig an zu kribbeln, finde ich. Er hat statt 4 Gramm 16 Gramm genommen. Und dann irgendwie auch so eine viel zu hohe Dosis an Koffein. Und ich glaube, er gehört auch zu dieser Generation Snooze. Und die ersten fünf Kilometer fuhr er auch noch echt schnell. Danach fuhr er nur noch Schlangenlinien und war froh, dass er ins Ziel kam. Er sagte, er ist strange, hat er sich noch nicht gefühlt. Da habe ich ihn gefragt, was hast du denn gemacht? Hast du denn die vier Gramm? Ach so, nee, ich habe da irgendwie, ich weiß nicht, wie viele Tabletten der genommen hat, aber es waren irgendwie 30 Tabletten. Und dann habe ich gesagt, das war definitiv, liegt richtig. Ja, sehr lustig.

Niclas: Okay, ich würde gerne einmal so ein bisschen deine Karriere durchgehen, weil wenn man jetzt mal schaut, du hast relativ spät angefangen, oder? Ja.

Mieke Kröger: Ja, mit so 15,5.

Niclas: Du hast mit 15,5, 16 angefangen, warst aber in der Junioren-Kategorie schon basically Weltspitze. Na ja, also im Vergleich zu einem anderen U19 warst du direkt Weltspitze.

Mieke Kröger: Ja, das... Ein gewisses körperliches Talent scheint dich irgendwie mitzubringen. Also natürlich, so schlau bin ich nicht gefahren. Ich bin, genau, also ich habe irgendwann 2008 dachte ich, ich möchte ein Rennrad haben. Mit dem Wunsch bin ich an meine Mutter herangetreten, die sagte, aber Kind, das steht ja noch nur in der Ecke rum. Und dann sollte ich in einem Verein nachfragen, um auch ein Probetraining zu machen und eine Probefahrt. Und ein Kollege von meiner Mutter und ein ehemaliger Grundschullehrer von mir sind und waren in diesem Verein Erfurt-Heuteburg-Dragwede. Bester Verein. Und dann habe ich dem Herrn Spiekermann, dem Grundschullehrer, eine E-Mail geschrieben. Ganz aufgeregt, nochmal fünfmal drüber geguckt, ob auch alles richtig ist. Abgeschickt und dann habe ich gesehen, dass ich Spiekermann mit SCH geschrieben habe. Boah, das ist mir nicht aufgefallen. Das Probetraining habe ich absolviert. Das hat mir Spaß gemacht und dann bin ich halt immer so zum Wintertraining gegangen. Ich habe mir so die Füße abgefroren und die Hände und so und ich habe immer gesagt, mir ist nicht kalt. Also ich konnte wirklich deutlich besser leiden, als ich es heute kann, was so äußere Bedingungen angeht. Und dann, nach einem halben Jahr, haben die mich gefragt, ob ich nicht mal ein Rennen fahren möchte. Das Hauptargument war eigentlich, dass ich mich nicht abhängen lasse, dass ich gut um die Kurven fahre oder zumindest mich traue. Ja, dann bin ich, dann haben wir, also ich hatte nicht mal eine Lizenz, ich hatte irgendwie eine Tageslizenz oder sowas, aber das war dann mein Heimrennen vom Verein. Okay. Und dann war ich so on fire, dass ich einfach nur von vorne gefahren bin und jede Prämie gewonnen habe und den Schlusssprint. Ich habe also mein erstes Radrennen immer gewonnen.

Niclas: Das erste Radrennen, was du gefahren bist, hast du auch alles gewonnen?

Mieke Kröger: Ja. Ich war so stolz, ey. Junge, Junge. So gut war ich noch nie in etwas.

SPEAKER_03: Das ist die Definition von Talent, würde ich sagen.

Mieke Kröger: Ja. Es war halt so ein regionales Rennen. Ich hatte sechs oder sieben Konkurrenten. Aber das war krass für mich. Ja. Ich hatte einen Blumenstrauß und meine Mutter, Ziegerkranz, alles mögliche. Ich stand da mit meinem Helmchen und Schirmchen, also Schirmchen am Helm natürlich, auf dem Podest und habe gegrinst wie ein Honigkuchenpferd. Und dann war ich natürlich huckt.

Niclas: Und dann ging es los. Weil allein in der Juniorenzeit... Du bist in der Juniorenzeit Weltmeisterin der Einerverfolgung geworden, deutsche Meisterin und bei der WM auf der Straße auch schon Achte, richtig?

Mieke Kröger: Genau, im ersten Jahr, Junioren, da bin ich nur... Ja, das muss dann 2010 gewesen sein. Da bin ich dann in Ofida im Zeitfahren Achter geworden. Da hab ich mich auf Bülse gemauelt. Das war ein geiles Zeitfahren, das war eigentlich nur bergab. Hätte ich da gewusst, was ich heute weiß... Da dachte ich noch, man müsste bergab richtig, also es gab so eine relativ steile, schnelle Abfahrt vor dem Zielanstieg. Und ich dachte, die müsste ich Vollgas fahren. Ich habe mir da so, mit dieser Ersetzungsbeschränkung, ich habe mir da so einen abgeleiert. Und ich war todesgrau vor dem letzten Anstieg. Würde ich heute anders machen.

Niclas: Ja, wahrscheinlich. Okay, krass. Und dann nach den Junioren in die U23 und aus den U23 raus dann in die Worldtour und Straßenrennen Frauen hauptsächlich gefahren hast, oder?

Mieke Kröger: Ja, genau. Es hat so ein paar Jahre gedauert. Ich war erst noch in dem Bundesligateam für Frauen, dann noch zwei Jahre in so... Ich weiß es gar nicht mehr. In welchem?

Björn: Ja, bei welchem, ja.

Mieke Kröger: wie der klassiker rothaus in freiburg die mark schneider mit katrin das war cool irgendwie hat spaß gemacht genau weil ich noch zwei jahren so einen kleinen holländischen belgischen team irgendwie Und dann durfte ich als U23-Europameisterin im Zeitfahren, hatte ich ein persönliches Startrecht bei der Elite-WM-Zeitfahren. Und dann bin ich einfach vierte geworden.

Niclas: Das war so krass. Mein bestes Ergebnis bisher. Du warst amtierende Europameisterin in der U23 im Zeitfahren und bist dann bei den Elite-Frauen im Weltmeisterschaftszeitplan vierte geworden.

Mieke Kröger: Ja.

Björn: Krass. Wer hat da gewonnen? Weißt du das Podium?

Mieke Kröger: Lisa Brennauer. Lisa Brennauer. Warte mal, ich will jetzt nichts falsch erzählen, aber doch, ich glaube schon.

UNKNOWN: Okay.

Niclas: Das können wir ja nachschauen.

Mieke Kröger: Ja, 2014. Ja, vielleicht war das... Ja, ja, ja. Lisa hat gewonnen.

Björn: Moment.

UNKNOWN: 2014.

Björn: Wo war das? Ja.

Mieke Kröger: Ponferrada.

Björn: War das mit diesem Anstieg dazwischen?

Mieke Kröger: Am Ende. Also genau, am Ende ging es einmal hoch und wieder runter. Und der Rest war halt flach.

Björn: Wurde da Wiggins bei den Männern Weltmeister?

Mieke Kröger: Da fragst du mich was. Nee.

Björn: Das muss ich hier parallel... Ach, vielleicht. Ich weiß es nicht. Moment. 2014 wurde er, glaube ich, Weltmeister. Zeit war. Ja. Wurde. Da ist Lars Treutenberg nämlich auch gefahren.

Mieke Kröger: Ja, das kann sogar sein. Ja, stimmt.

Niclas: Ja, ich erinnere mich. Toni Martin, Zweiter. Richtig. Dann Nikias Arndt, 22. Aber Teutenberg finde ich nicht in der Liste.

Mieke Kröger: Du bist so schnell gefahren. Krass. Ja, Mann. Ich weiß auch nicht, wie das ging.

Niclas: Welches Fahrrad hattest du damals?

Mieke Kröger: Ein Zanata.

UNKNOWN: Ein was?

Mieke Kröger: Zanata. Zanata. Ja, Z-A-N-N-A-T-A. Ich glaube, das ist so eine belgische Marke. Aber ich bin jetzt für das Team Zanata Futurum Shop oder so gefahren.

Niclas: Okay. Crazy. Wenn du jetzt durch deine Karriere guckst, auf welches Rennen schaust du so zurück? Wo hattest du am meisten Spaß wirklich? Wo du so denkst, auch während dem Rennen, das hat so Bock gemacht, das würde ich gerne nochmal fahren.

Mieke Kröger: Boah. Björn, was lachst du?

Björn: Denk mal an die Olympischen Spiele dieses Jahr. Einzelzeit.

Mieke Kröger: Da hatte ich... Also wenn, dann waren es schon die Olympischen Spiele 21. Was heißt Spaß? Man ist ultra angespannt und so. Aber irgendwie hatten wir auch so eine Lockerheit. Das war so eine konzentrierte Anspannung. Die war so richtig auf das Richtige konzentriert, die Anspannung. Es lief einfach so weg. Unfassbar. Und es war auch das erste Mal, dass ich in einer Mannschaftserfolgung genau wusste, was mein Job ist und dass ich den kann. Ich war mir so sicher, dass wenn die anderen ihren Job machen, dann mache ich auch einfach nur meinen Job und dann läuft das Ding. Das war eine coole Erfahrung auf jeden Fall.

Niclas: Wart ihr euch sicher, dass ihr gewinnt?

Mieke Kröger: Nee, also...

Niclas: Ihr habt in den Vorläufen ja auch schon Weltrekorde aufgestellt.

Mieke Kröger: Ja, also das hat sich so entwickelt im Laufe des Wettkampfs. Wir sind im Training schon sehr schnell gefahren. So unter vier Minuten fliegend. Und dann haben natürlich alle große Augen gehabt und geguckt, so die Konkurrenz, die stoppen ja alle immer mit, das ist ganz witzig auf der Bahn. Drehen sich irgendwie alle immer im Kreis, weil sie mitstoppen. Aber die anderen Mannschaften sind halt auch ultra rumgepaced. Also das ist eine sehr schnelle Bahn, schnelle Bedingungen, niedriger Luftdruck. Und dann haben wir halt mal den Ball flach gehalten, aber Lisa Brennauer sagte in der Besprechung, Mädels, wir sind als Dritte in der Quali dran, ich hatte mal so einen Traum, der war es, einmal Weltrekord zu fahren, egal wie lange er hält. Und dann hat sie das gesagt und das klang jetzt nicht utopisch. Und dann sind wir Weltrekord-Pace angegangen. Und das hat ja auch geklappt. In der Quali sind wir Weltrekord gefahren, 4.07. Und dann wurde auch einfach nicht gebrochen, die ganze Quali lang. Und dann schwante uns langsam... Junge, Junge, das könnte ja was geben. Aber diese Gedanken an einen Sieg oder so, die habe ich nicht zugelassen. Ich habe einfach nur meinen Stiefel gemacht. Mal kam dann so ein Gedanke und dann dachte ich, nein, nein, nein, du fährst dich jetzt aus und dann fahren wir zurück und dann gehen wir essen und dann gehen wir schlafen und morgen früh fahren wir Rolle. Und dann machen wir unsere Routine wie immer und dann fahren wir einfach nur, ich mache einfach nur meinen Job. Wir starten, dann setzen wir uns hin, dann atmen wir einmal durch, also ich. Und dann bringen die mich auf diese Geschwindigkeit, dann fahre ich meine vier Runden, gehe raus. Und wenn alle das machen, was sie geübt haben, dann sind wir schnell. Und dann haben wir in der ersten Runde... Da ist es ja so, dass eins gegen vier fährt und zwei gegen drei aus der Quali. Dementsprechend sind eins waren wir und vier Italien, glaube ich.

Niclas: War nicht das Finale gegen Italien?

Mieke Kröger: Nee, gegen Großbritannien. Eins gegen vier ist ein sehr komfortabler Lauf für die Eins, weil meistens ist der Zeitabstand ja größer. Also wir hatten zwei, drei Sekunden Vorsprung in der Quali gehabt. Das heißt, wir müssen nur den Lauf gewinnen. Es geht nicht mehr um die Zeit. Und im Lauf vor uns ist dann 2 gegen 3 gefahren. Das war Großbritannien gegen die USA. Und das war eine ultra knappe Geschichte. Und da ging es halt für die zwei Mannschaften darum, ihren Lauf zu gewinnen. Oder diesen Lauf zu gewinnen. Und dann mussten sie sich halt richtig einen einschenken. Und dann sind die Britinnen Weltrekord gefahren. Eine 4-0-6. Haben somit den Einzug ins große Finale geschafft.

Niclas: Und die Spannung angehoben.

Mieke Kröger: Und haben unseren Weltrekord weggenommen. Und dann sind wir halt gefahren, unser Rennen gegen die Italienerinnen. Und wir hatten die schon, ich weiß nicht, ob wir die gesehen haben, aber wir lagen auf jeden Fall klar vorne. Es war alles safe. Wir mussten einfach nur noch in der Geschwindigkeit nach Hause fahren. Aber dann dachte sich Lisa Klein... Nein, du holtest den Battlecourt zurück. Und ist nochmal richtig drauf gelatscht. Und dann haben wir uns den Battlecourt wieder zurückgeholt. Einfach crazy. Als ob das ein Spiel gewesen wäre. Und danach hatten wir nur noch anderthalb Stunden Zeit bis zum Finale. Und dann, ich erinnere mich, dass Franzi und ich sind irgendwie zur Toilette gegangen und da habe ich zu ihr gesagt, boah Franzi, ich habe mich immer gefragt, wie sich das anfühlt, wenn man Weltbester ist. Oder wenn man halt in einem großen Finale fährt, wenn man um Gold fährt. Und es fühlt sich einfach ganz normal an. Wie ein normales Rennen. Also schon irgendwie so ein bisschen... Tut schon gut, aber es ist einfach nur ein Rennen. Und dann sind wir zur Finale gefahren.

SPEAKER_03: Und gewonnen.

Mieke Kröger: Also ja, ich glaube Tokio war mein Favorit. Und irgendwie DM-Zeit fahren dieses Jahr hat mir auch sehr viel Spaß gemacht.

Niclas: Das war aber, bist du da der Zeit von schon das neue Rad gefahren oder war das die knappe Kiste mit dem... Na, knapp war das nicht. Nee, nee, aber für, ihr hattet doch, du bist auf dem alten Rad dann DM gefahren und hast danach noch ein neues bekommen. Und das musstet ihr doch irgendwie noch möglichst schnell aerodynamisch gut hinbekommen.

Mieke Kröger: Ja, das war knapp und anstrengend, ja.

Niclas: Dann hing das Rad im Zoll fest.

Mieke Kröger: Junge, Junge, hab ich rumtelefoniert, ey. Und dann hatte ich, genau, ich hab also... Moment. chronologisch richtig erstmal deutsche meisterschaften hast du gesagt war geil wieso ja ja ich weiß auch nicht also weiß nicht das war halt so ein rennen ich war ich war zwar auch sehr aufgeregt vorher aber irgendwie noch kontrolliert auf jeden fall und ich war mir sicher dass ich gut in form bin Und ich habe mir meinen Plan zurechtgelegt und der war irgendwie schon ambitioniert so. Also ich lege mir halt so eine Pacing-Strategie fest im Kopf und der Kurs war ja relativ profiliert und dementsprechend kann man ja auch gut so eine Pacing-Strategie angehen. Also dass man an dem Anstieg, ich sage jetzt nicht, will ich so und so viel Prozent fahren, sondern ich sage mir irgendwie immer so, das soll sich so und so anfühlen. Und das war schon ambitioniert, was ich mir da so auferlegt habe.

Niclas: Fährst du das nach Wattzahlen oder wirklich einfach nur nach Gefühl? Guckst du überhaupt auf die Watt in so einem Rennen? Weil auf der Bahn zum Beispiel fahrt ihr ja komplett ohne Anzeige. Da fährt ihr nur nach Gefühl. Beziehungsweise Pace, der euch von außen gesagt wird.

Mieke Kröger: Ja, genau. Auf der Bahn haben wir keine Wattanzeige. Wir haben zwar einen Powermeter, aber es ist verboten, so einen Computer vorne zu haben und sich die Watts anzeigen zu lassen. Und im Zeitfahren lasse ich mir meistens nur die ersten zwei, drei, vier Minuten anzeigen, damit ich halt nicht überpace. Weil manchmal ist das Gefühl so ein bisschen off, wenn man aufgeregt ist und nervös und keine Ahnung, alles mögliche und die ganzen Eindrücke, dass man zu schnell oder manchmal auch zu langsam fährt. Und deswegen lasse ich mir die ersten paar Minuten anzeigen und dann schalte ich das weg und fahre nur noch nach Gefühl. Hat auch bisher meistens gut geklappt. Ja. Genau.

Niclas: Okay, das ist schon verrückt. Also ich finde nach Gefühl fahren, gerade wenn es hinten raus in so ein Rennen geht, schon auch echt immer schwer. Weil ich zum Beispiel benutze die Wattzahlen dann sehr gerne, um mich nochmal so zu pushen. Also nochmal, ah fuck, die Watt gehen runter, komm jetzt, du willst die und die Watt halten, jetzt leg nochmal einen drauf.

Mieke Kröger: Ja, das pusht mich halt gar nicht. Das demoralisiert mich leider komplett bisher. Mein Trainer möchte, dass ich daran arbeite. Ich möchte auch daran arbeiten, weil wir hatten ein Rennen diese Saison und das war EM-Zeitfahren. Da habe ich mich so gut gefühlt bis zum Ende und ich dachte halt, ich sei ultraschnell, aber ich bin halt einfach zu langsam gefahren und war deswegen noch so schön spritzig. Was heißt zu langsam? Das war jetzt nicht ultraschlecht, aber... Du bist siebte geworden. Genau, ich bin siebte geworden. Aber es wäre definitiv mehr drin gewesen. Ich glaube, ich wusste einfach... Ja, ich wusste nicht, wie gut ich in Form bin. Ich hatte halt nochmal ein richtig extensives Trainings-Bikepacking-Lager. Urlaub, um genau zu sein. Aber mit viel Radfahren. Ja, und irgendwie hatte ich dann doch ganz gut Form zur EM. Das hat irgendwie alles nicht so gepasst da. Aber es war trotzdem ein gutes Rennen.

Niclas: Sonst wird man in so einem Rennen auch nicht siebte, ne?

Mieke Kröger: Ja, es hätte halt mehr sein können, aber da ist man halt schlauer hinterher.

Niclas: Okay, also dieses Jahr Deutsche Meisterin Zeit fahren. Und dann neues Rad bekommen und das nochmal musst du dir nochmal schnell machen. Weil Björn, du hattest erzählt, ihr wart mit der Position auf dem Vorgängermodell super zufrieden, oder? Ihr wart richtig schnell von den Reihen vom CDA-Wert, oder?

Björn: Ja. War gut. Ja, ist schon gut. Plasma 5 war das, glaube ich, ne? Ja.

Mieke Kröger: Ja, genau. Das ist schon ein tolles Fahrrad.

Björn: Und dann wurde getestet. Ich habe die Position übernommen und dann poppen die CDA-Werte auf und ich denke so, soll ich eigentlich doch hier das alte Rad fahren? Und das musste, ne, Mieke war in Böttgen auf der Bahn, hat dann getestet und ich habe das dann live am Rechner verfolgt und dann sah ich das und dachte... Wie verkaufe ich ihr das denn jetzt, dass das Rad nicht so geil ist? Und dann haben wir aber richtig, richtig viel rumgeschraubt und dann wurde das auch immer schneller. Und dann wurde es auch nachher einen Ticken schneller. Und das war die richtige Wahl, weil die Scheibe bei dem Rennen, vor allen Dingen bei den Witterungsbedingungen, sprich nass, war die Scheibe schon ganz gut.

Niclas: Bei den Witterungsbedingungen meinst du jetzt das Olympia-Zeitfahren in Paris?

Björn: Ja, genau. Es war pitsche-patsche nass. Ich erinnere mich nur an die arme Amerikanerin, die sich dreimal auf die Nase gelegt hat oder viermal. Beim ersten Mal hat man noch so gesagt, beim zweiten Mal so, um Gottes willen. Beim dritten Mal ging das schon so grotesk. Es war einfach echt nass, richtig nass.

Mieke Kröger: Ja, genau. Im Nachhinein hätte ich dann doch vielleicht lieber Hitze anstatt Nässe gehabt, aber dafür trocken. Aber ja, der Kurs in Paris war halt so im Trockenen sehr gleichmäßig, also sehr rhythmisch. Hätte man das fahren können, weil man halt viele Kurven einfach... Ja, so durchsiegeln hätte können. Man hätte nicht viel bremsen müssen. Aber in dem Regen, da musste man halt andauernd bremsen, wieder beschleunigen. Ja, war jetzt nicht so eine Stärke. Ja.

Niclas: Okay. Darf ich fragen, wie viel Watt kannst du über so eine Zeit fahren? Oder wie viel bist du in Paris gefahren?

Mieke Kröger: Weißt du das?

Björn: Boah, gar nicht mal so viel, ne? Das war echt, da mussten wir so viel rumeiern. Aber so, naja, du musst die Zahlen nennen.

Mieke Kröger: Boah, ich weiß es nicht mehr genau. Es war nicht so, es war wirklich nicht das, was ich mir vorgenommen hatte.

Niclas: Wie lang war das? Das war lang.

Mieke Kröger: Stunde?

UNKNOWN: 34? 35?

Mieke Kröger: 34?

Björn: Echt? Ich habe es irgendwie länger in Erinnerung.

Mieke Kröger: Ja, ich habe es auch sehr lange in Erinnerung. Boah, aber so, 320 oder sowas, Björn, war das sowas? Ja. Ja, aber ganz ehrlich, den Umständen entsprechend war das schon alles okay. Ich war so drüber.

Niclas: Du müsstest knapp 42 Minuten 40 gebraucht haben.

Mieke Kröger: Ja, kann sein.

Niclas: Dreizehnter.

SPEAKER_01: Ja.

Niclas: Okay. 45er Schnitt. 45,7. Zumindest laut Pro-Cycling-Stats. Das stimmt. Was kannst du im Optimalfall über 42 Minuten treten?

SPEAKER_01: Jetzt gerade?

Niclas: Wir müssen ja nicht probieren, wenn du sagst, dürfen wir nicht, können wir nicht verraten. Ich weiß nur, es ist ja für die Leute immer interessant. Aber wenn du sagst, wir verraten es nicht...

Björn: Das muss Mieke sagen. Nein, aber mehr als 320 oder 330 schon.

SPEAKER_03: Ja.

SPEAKER_01: Okay, okay.

Niclas: Sehr gut. Für so ein Rennen, du musst Carbo-Loading machen. Was ist so dein perfektes Carbo-Loading? Wie machst du das am liebsten? Wie sieht das bei dir aus?

Mieke Kröger: Am liebsten mache ich es gar nicht, weil es mir einfach die ganze Zeit schlecht ist und ich will einfach nicht mehr essen. Aber ich trinke bestimmt einen Liter Saft am Tag. Keine Ahnung, ich denke, dann habe ich schon mal ein paar Carbs drin, dann esse ich so, also Milchbrötchen mit Marmelade, Gummibärchen, so diese Rosinenbrötchen von Aldi, die Sechserpackung, diese holländischen.

Björn: Jetzt sind die bald alle ausverkauft.

Mieke Kröger: Schokomüsli.

Niclas: Also gar nicht klassisch Reisnudeln in großen Mengen.

Mieke Kröger: Ja, eine Mahlzeit halt so Nudeln lieber als Reis, wenn dann. Okay. Aber ja, es ist auf jeden Fall hart.

Niclas: Okay, also du bist kein großer Carbo-Loading-Fan?

Mieke Kröger: Doch voll. Ich denke mir, also ich freue mich vor dem Carbo-Loading aufs Carbo-Loading, weil ich mich dann auf dieses Power-Gefühl nach dem Carbo-Loading freue. Aber während des Carbo-Loadings, das ist ein Gefresse. Das mag ich eigentlich nicht so gerne. Aber was muss, das muss.

Niclas: Okay. Grundsätzlich außerhalb von Carbo-Loading Lieblingsessen?

Mieke Kröger: Schon so ein Pasta-Gericht, glaube ich. Okay. So, meine Freundin macht so ein leckeres Tomate-Tomate oder so. Was heißt das? Ich weiß nicht. Da brät man halt Tomatenmark an und Tomaten und getrocknete Tomaten. Und naja, das ist auf jeden Fall sehr lecker. Und dann noch viel Parmesan drauf. Und die Nudeln sind natürlich auch nicht unerheblich. Ähm. Spaghetti sind lame, aber so Tagliatelle sind Premium. Dann Farfalle sind lame, Penne sind lame, aber ja, irgend so eine wilde Form, wo möglichst viel Soße hängen bleibt. Das ist gut.

Björn: Ja, am besten selber frisch gemacht ins... Klar, mache ich immer. Wasser muss so richtig voller Stärke sein. Und dann in die Soße muss natürlich die Nudel rein. Nicht so deutscher Style. Dann natürlich noch Nudelwasser rein. Ja, exakt. Und dann nehmen die Spaghetti den ganzen Kram richtig auf. Deutschland ist ja furchtbar, dass sie da ihre Soße einzeln kochen und dann wird es drüber gekauft. Das schmeckt halt gar nicht. Schmeckt halt nach nichts. Das ist so wie trockenes Weißbrot mit Tomatenmark draufgeschmiert.

Mieke Kröger: Ah, und was ich auch gern esse, ist Bocadillo, Francesa, irgendwas mit Ei halt.

Björn: Du snackst dich jetzt da mit Churros die ganze Zeit durch.

Mieke Kröger: Nee, aber mit Baguette mit Nutella. Hahaha.

Niclas: Ja gut, Baguette mit Nutellas natürlich. Gibt wenig Menschen, die das glaube ich nicht mögen, oder?

Mieke Kröger: Ja, hoffentlich.

Niclas: Okay, Zukunftspläne. Was hast du Radsport technisch noch vor?

Mieke Kröger: Also... Wenn mir das weiterhin Spaß macht und das gut funktioniert, so wie ich das jetzt mache, wenn die Leistung stimmt und so, dann würde ich schon gerne weitermachen bis L.A. Ich will ja immer noch Snoop Dogg treffen. Ich mache das irgendwie wenig an so Ergebnissen fest, die ich erreichen will, sondern eher an meiner Leistungsfähigkeit. Ich will einfach besser werden. Ich denke halt immer, irgendwie ist da noch was in mir drin. Hoffentlich, es muss nur geweckt werden.

Niclas: Okay, das ist dann Björns Aufgabe.

Mieke Kröger: Genau. Du hast den Hut jetzt auf, Björn.

Björn: Bitte, mach mal. Zauber doch jetzt mal.

Mieke Kröger: Wahrscheinlich ist es halt auch wirklich so, also es ist ja oft so, dass man denkt, oh, wenn ich die so... Veränderungen jetzt mache, dann mache ich diesen letzten Sprung und wahrscheinlich ist es halt einfach nur lame, dass man einfach immer weiter trainieren muss.

Björn: Leider ja. Es sind immer so Baby-Steps. Aber ich finde, wir haben das ganz gut hingekriegt.

Mieke Kröger: Ja, finde ich auch. Ich erinnere mich gerne an meine Leistungsdiagnostik am Ende des Jahres.

Björn: Die war killer.

Mieke Kröger: Ja.

Björn: Von daher?

Mieke Kröger: Hat mir auf jeden Fall Motivation gegeben.

UNKNOWN: Ja.

Niclas: Sehr gut. Björn, meine Fragen sind soweit durch.

Björn: Ich habe auch keine mehr. Freunde der Forschung.

Niclas: Freunde der Forschung. So wird auf jeden Fall die Folge heißen, weil kurz bevor wir angefangen haben aufzunehmen, ist Björn noch einmal raus zu seinen Kindern und hat sie mit Freunde der Forschung angesprochen und sich darum gebeten, leise zu sein.

Björn: Ein oberintellektueller Haushalt hier. Ja.

SPEAKER_03: Sehr schön. Okay.

Björn: Ich habe keine Fragen. Ich fand das super. Ich musste nicht reden. Wenig. Und war Zaungast, weil ich das natürlich total toll finde. Und dazu zu hören. Und vor allen Dingen auch Dinge dann zu hören, die ich vielleicht auch noch nicht so gehört habe. Oha. Ja, das ist... Wir hören uns zwar auch schon oft, aber manche Sachen habe ich dann vielleicht auch überhört oder vergessen. Von daher fand ich das total cool. Ich sitze hier so in der Mitte. Hör zu. Klingt gut.

Niclas: Sehr schön. Dann erst mal vielen Dank.

Mieke Kröger: Ja, was will ich morgen eigentlich? Und nächste Woche soll schlechteres Wetter werden. Dann müssen wir vielleicht ein bisschen gucken, dass wir die Ruhetage auf die Schlechtwettertage legen. Machen wir. Aber kriegen wir hin, ne?

Björn: Wir mussten ja dadurch, dass Mika ja ein bisschen angenockt war, mussten wir uns so langsam vortasten, was die Umfänge angeht. Und dadurch, dass es ja gut funktioniert hat, darfst du morgen gleich mal einen Fünfer und dann einen Sechser fahren.

Mieke Kröger: Wir freuen uns.

Niclas: Lang und locker. Sehr schön.

Mieke Kröger: Lang und locker.

Niclas: Sehr schön. Dann vielen Dank, Mieke.

Mieke Kröger: Ja, ich danke auch.

Niclas: Euch einen schönen Abend noch und ein gutes Trainingslager.

Mieke Kröger: Dankeschön.

Niclas: Ciao, ciao.

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