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Episode #13

Von der Off-Season zum Trainingsplan: Wie du deine Saison effektiv planst

15. October 2024

Nach der Erholung in der Off-Season und der Analyse der vergangenen Saison, tauchen Björn und Niclas nun in die strategische Planung des kommenden Trainingsjahres ein. Sie diskutieren, welche Faktoren bei der Gestaltung der Saison entscheidend sind, wie Wettkämpfe und Trainingslager sinnvoll eingeplant werden, und geben wertvolle Tipps zur individuellen Trainingsperiodisierung.

Transkript

Björn: Willkommen zum Aerotune Podcast, wo sich alles um Ausdauersport und Training dreht. Hier geben euch Sebastian Schluricke, Björn Kafka und Niklas Ranker wertvolle Tipps und Einblicke, die euch helfen, eure Performance auf das nächste Level zu bringen. So, herzlich willkommen zu einer neuen Folge Aerotune Podcast. Heute pünktlich, Björn. Sehr schön.

Niclas: Mega, ne? Aber maximal unvorbereitet. Ich frage mich ja immer, wie andere das machen. ob die so... sich so vorher absprechen und wie machen wir das genau? Ich komme immer nur so reingejagt. Niklas hat schon mal einen Fahrplan vorbereitet, muss man ehrlicherweise sagen. Der ist ja immer top vorbereitet, wobei ich will nicht wissen, wie viel Jet-GPT da drin ist. Das sieht mir immer zu ordentlich aus.

Björn: Oder? Ja, aber das ist doch das Geheimnis. Es muss erst mal auf den ersten Blick nur professionell aussehen, wie viel Zeit da im Endeffekt drin steckt. Das ist ja zweitrangig. Solange wir einen Fahrplan für die Folge haben, passt es doch.

Niclas: Ja, absolut. Ich denke immer nachts darüber nach, worüber wir sprechen. Und da kommen mir dann manchmal Ideen und dann ziehe ich mir nochmal so ein Buch aus der Bibliothek raus und lese nochmal nach oder irgendwie so weiter. Wobei heute Morgen war das so. Warte, ich habe über etwas ganz anderes nachgedacht.

Björn: Wir können jetzt auch noch ganz spontan das Thema ändern.

Niclas: Sollen wir über Krafttraining und Radsport? Nee, nee, das machen wir beim nächsten Mal. Wir reden jetzt über... Niklas, worüber reden wir?

Björn: Über die Trainingsplanung über das ganze Jahr hinweg. Also wir haben ja jetzt die Off-Season besprochen, dann haben wir quasi besprochen, wie analysiert man sein Jahr und jetzt reden wir quasi darüber, wie plant man das kommende Jahr. Weil bevor man nicht einmal einen großen Plan hat und weiß, okay, was ist denn überhaupt mein Workaround, muss man sich ja gar nicht erst... über Sachen wie Krafttraining und so Gedanken machen, weil braucht man selbst überhaupt Krafttraining? Richtig.

Niclas: Und ich würde da sogar nochmal ein bisschen anders einsteigen, weil wenn ich Pläne schreibe, dann denke ich manchmal noch ganz anders. Da denke ich so in so einem olympischen Zyklus. Ich habe jetzt vier Jahre Zeit. Was mache ich denn in diesen vier Jahren? Und dann redest du über einen Makrozyklus, also du fängst irgendwie bei diesem Quadrennial an sozusagen, dann redest du über einen Makrozyklus, dann über einen Mesozyklus, so ein paar Wochen halt, Mikrozyklus, eine Woche, ein paar Tage, dann das Training selber und dann die einzelnen Inhalte im Training. Also so splittest du das auf, so zack, zack, zack, zack. Okay. So denke ich erstmal. Also ich denke erstmal vor allen Dingen in, jetzt nehmen wir mal den Olympischen Zyklus raus, weil das betrifft glaube ich die allerwenigsten Hörer hier. Aber so einen Jahreszyklus schaue ich mir an und dann lege ich die einzelnen Zyklen rein. Ja. Und die bastle ich auch erstmal so ein bisschen so zurecht. Aber was hast du?

Björn: Ich finde das eigentlich gerade schon einen guten Einstieg, weil wenn man sich diesen Gedanken macht, dann ist es ja oftmals schon so, bei vielen Athleten ist eigentlich so das Training für das ganze Jahr im Groben schon mal fast gesetzt, weil wenn zum Beispiel die V2 Max einfach für die Ziele, die man vielleicht langfristig hat, gar nicht ausreicht, ja gut, dann hast du die nächsten Jahre eigentlich einen festen Plan, du wirst deine V2 Max steigern wollen. Dann musst du dir über andere Trainingsinhalte gar nicht so viele Gedanken machen. Und da fand ich zum Beispiel, als wir beide angefangen haben zu arbeiten, das auch ganz interessant, weil das... eigentlich genau das Gleiche war. Du hast von Anfang an gesagt, okay, erstmal nur Faulermax senken. Bevor wir die nicht runterbekommen, müssen wir gar nichts anderes machen. Und dann war das erstmal, der Fahrplan war quasi erstmal vollkommen gesetzt für das Jahr.

Niclas: Ja, Faulermax senken bzw. Laktatverwertung verbessern. Ich gehe jetzt mal ein Stück zurück. Man hat vielleicht eventuell sogar zwei Fahrpläne. Einmal möchtest du bei irgendwelchen Rennen unterwegs sein und dann hast du so ein übergeordnetes Ziel von immer besser werden. Immer höhere Sauerstoffaufnahme, immer bessere Ökonomisierung, Laktatverwertung, Faulamax-Senkung, was weiß ich. Oder irgendwelche spezifischen Sachen, Technik besser. Am Ende des Tages heißt es, besseres rennergebnis fahren ja und ich nehme ich habe ein rennen im kopf und da zielt der plan darauf hin aber welche übergeordneten themen gibt es ja also sagen wir jetzt stoffwechselmäßig wie wie wie möchte ich die VO2 Max haben, kann ich das bis dahin erreichen, höchstwahrscheinlich nicht, wie sehen die Zwischenziele aus, welche anderen Themen gibt es auch noch und ich weiß nicht, wie du das machst, aber ich glaube, das ist so der Standard, du siehst hier irgendwie, keine Ahnung, ich will jetzt Cape Epic fahren oder Flandern oder irgendwie sowas und dann sagst du, okay, ich habe jetzt noch vier Monate oder fünf Monate, wie sehen dir die fünf Monate aus und dann fängst du halt von hinten an, ja. Und dann sagst du, okay, ich meine, so eine Wache vor der Flandern-Rundfahrt ist relativ simpel. Also du guckst dir irgendwie den Kurs dann nochmal ein paar Mal an. Machst nochmal so ein richtig langes Ding, irgendwie drei Tage vorher. Und die Wochen vorher bist du halt spezifisch unterwegs. Welche Anforderungen werden an dieses Rennen gestellt? Und dann wird es eigentlich immer... einfacher zu planen. Also du gehst von dieser totalen Spezifik hin zu so einem relativ generalisierten Training. Und da kommen wir auch gleich auf ein großes Thema, nämlich Blocktraining, was ich total spannend finde und auch seit Jahren mache. Und daraus dann die Vermischung aus einem Blocktraining und einer klassischen Periodisierung, würde ich mal sagen, oder einer sehr starken Spezifikation auf ein Rennen. Gut, das beschreibt Isurin, der das Blocktraining mehr oder minder erfunden hat, auch. Aber ich gehe da nochmal sehr, sehr speziell auf die Anforderungen des Rennens ein. Und so arbeite ich. So, jetzt habe ich jetzt erstmal total viel auf den Tisch gelegt, wie man anfangen kann. Aber grundsätzlich... Merken, oder wie ich es mache, ist fünf Monate ein Rennen. Wie ziehe ich das Pferd von hinten auf? Das ist so... Reverse Engineering sozusagen. Was will ich haben? Wie komme ich da hin? Wie sehen die Wochen davor aus? Es ist simpel. Welche Leistung muss ich davor erreicht haben, damit ich diese Sachen vielleicht schon fahren kann, möchte? Welche technischen Fähigkeiten brauche ich? Und die passe ich dann, was weiß ich, dann habe ich sechs Wochen vor dem Rennen. Und welche Inhalte soll ich bis dahin können? Was soll ich bis dahin können? Was soll ich bis dahin können? Also ich habe einzelne Stufen. Das ist gemein, das sieht nie ein Sportler bei mir. Ich habe es halt immer so schön vermerkt bei mir, also auf Heid und so oder in meinem schwarzen Büchlein. Und da steht dann drin, Niklas Ranker oder Worldtour-Profi XY muss bis da und dahin das und das erreicht haben. Und dann weiß ich, das können wir abhaken oder das müssen wir jetzt nur noch in die... Frischhaltefolie packen oder auf die Werbeplatte stellen und hoffentlich bleibt das dann auch so und dann wird das nächste Thema beackert.

Björn: Okay, wenn wir uns jetzt aber mal den wahrscheinlich normalen Athleten anschauen, der wahrscheinlich so unser Zuhörer ist und dann finde ich es eigentlich... wenn ich mir das anschaue, immer interessant zu schauen, wie alt ist die Person, welche Erfahrung hat sie und vor allem, wie ist denn der aktuelle Trainingsstand, also wie ist die körperliche Fitness gerade, wie setzt sich die Leistung zusammen? Macht man am besten erstmal einen Aerotune-Test zum Beispiel? Und was ist denn überhaupt die verfügbare Trainingszeit so? Weil dann, finde ich, kann man schon mal ganz vielen Sportlern sagen, ja, das Ziel ist realistisch, was du da hast oder das Ziel ist vielleicht nicht realistisch. Ähm, Und dann einfach mit dem Athleten zusammen schon mal ein realistisches Ziel einfach setzen. Genau.

Niclas: Fällt dir das immer so einfach? Ich finde das manchmal gar nicht so. Wenn mir jemand sagt, ich will jetzt einen Marathon in drei Stunden rennen und der kommt halt mit Also das kann ich schon abschätzen. Wenn jemand irgendwie vorher ein Zehner in einer Stunde 15 gelaufen ist, dann sage ich, das ist jetzt in fünf Monaten eher schwierig realisierbar. Das kann ich schon einschätzen. Aber es gibt manchmal so Themen, da denke ich so, da lehne ich mich jetzt weit aus dem Fenster, ob ich das packe oder ob wir das schaffen. Also auch wenn mich Leute fragen, Björn, wo ist mein Limit? Wo ist mein genetisches Limit? Keine Ahnung. Also alle, die das behaupten, lügen, muss ich ehrlich sagen.

Björn: Absolut. Also ich hatte gerade gestern ein Gespräch mit einem Athleten, wo wir darüber auch gesprochen haben, weil er sich Gedanken darüber gemacht hat, was ist denn vielleicht sein Limit oder ist er schon an seinem Limit, weil es quasi die letzten Fortschritte relativ langsam ging, vielleicht, so mindestens für sein Gefühl. Und da habe ich auch gesagt, ja, das... kann dir niemand sagen. Und das wirst du auch nur herausfinden, wenn du es ausprobierst. Und selbst wenn du, keine Ahnung, jetzt zwei Jahre lang Vollgas trainierst, vielleicht hast du es dann immer noch nicht erreicht. Das weiß man einfach nicht.

Niclas: Also ich sage mal so, wenn jemand 90 Kilo wiegt und einen erhöhten Körperfettanteil hat, dann ist es natürlich, und ich sage, okay, wir haben die Leistung und wir senken das jetzt und halten die Leistung, dann kann man das schon ganz gut abschätzen. Aber es gibt so oft so Bereiche, Oder wenn ich irgendwelche wundersamen FDP-Steigerungen höre und das dann so als Claim so, hey, das kannst du auch, da denke ich mir so, huch, da lehnt sich jemand weit aus dem Fenster.

Björn: Absolut. Wie sehr... Planst du in so einem Jahreszyklus zum Beispiel, ich sage jetzt mal, bei einem normalen Athleten, Job, Familie, Reisestrapazen und sowas, wie versuchst du das zumindest zu berücksichtigen? Weil ich sehe viele Athleten, die das meiner Meinung nach völlig unterschätzen, das gerade auf ein Jahr gesehen. Also ein Athlet kommt zu dir, und fragt so, ja, okay, wie können wir denn das Jahr planen? So, und dann höre ich immer hier Trainingslager, da Rennen, da Rennen, hier. Ich habe aber oft das Gefühl, für sein Setting, dass die meisten Athleten sich viel zu viel vornehmen, weil sie irgendwie vergessen so, dass immer wenn sie aus dem Trainingslager zurückkommen, sie halt noch einen Job und eine Family haben und dasselbe auch, sie kommen vom Rennen zurück und müssen dann die Woche danach halt immer noch trainieren, ihr normales Leben quasi bewältigen. Jetzt ist das für einen Profiathleten relativ leicht. Der legt sich eine Woche lang auf die Couch und er ist erholt. Aber der normale Athlet ist da, finde ich, deutlich mehr gefordert und sollte das auch immer sehr deutlich berücksichtigen.

Niclas: Ich muss mir da nicht so viele Gedanken drüber machen. Das klingt jetzt hart. Ich habe gar nicht so viele Sportler... wo der Alltag so beschneidend wirkt. Klar habe ich die auch. Interessanterweise sind das dann meistens Menschen, mit denen ich a schon sehr lange zusammenarbeite und b die das extrem gut schon im Griff haben. Da wissen wir von Anfang an, okay, du hast zwölf, zehn Stunden in der Woche. so sieht es aus oder ich gucke mir vor allem mal die Trainingshistorie an, sage, okay, sind acht Stunden und mehr machen wir auch nicht. Also wenn mir jemand sagt, ich habe jetzt irgendwie die letzten zwei Jahre acht Stunden gemacht, aber ich kann jetzt zwölf Stunden und sage, wo zauberst du jetzt die mehr Stunden her? Gehst du jetzt irgendwie auf dem, keine Ahnung, auf dem Jupiter, wo ein Tag 26 Stunden dauert? Keine Ahnung, ob das jetzt so ist. Weiß nicht, wie die Rotationsgeschwindigkeit ist. Wobei, der hat ja auch verschiedene Äquatoren. Und da andere Rotationsgeschwindigkeiten. Aber, ähm, Erstmal gucken, was da ist und dann so klassische Stressoren, die tauchen aber auch bei normalen Profiathleten aus. Darüber haben wir schon öfters gesprochen. Also wenn ich jetzt jemanden habe und der trennt sich von seiner Freundin, hat er ein Problem. Oder auf Fotoshooting, auch das... Und vor allem der Reisestress, das ist halt eine ganz andere Nummer. Die fliegen halt über den ganzen Globus. Jetzt habe ich hier ein paar Leute in den USA gehabt, jetzt kommen die wieder. Jetzt habe ich welche in China, jetzt fliegen welche nach Japan. Das musst du irgendwie alles mit berücksichtigen. Und da gehen die halt brutal. Viele Trainingstage, in Anführungsstrichen, flöten. Die müssen sich einfach anpassen. Aber wenn mir eine Zahl genannt wird und ich kenne diesen Sportler nicht, dann schaue ich die Historie an, sage, okay, das sieht realistisch aus. Wenn das so eine Zahl ist, die so ein bisschen geflunkert ist, dann stellt sich das relativ schnell raus. Was ich oft erlebe oder öfters erlebt habe, das ist, dass Sportler wahnsinnig motiviert sind am Anfang, wenn sie neu anfangen und in der Regel sogar mehr machen, als sie eigentlich sollen. Und dann brennen sie spätestens im Februar aus. Und sind ziemlich durch. Das hat man bei Profis nicht. Das habe ich mit den Sportlern, die ich aktuell jetzt habe, eigentlich auch nicht. Von daher bin ich da ganz happy. Aber ich bremse immer gerne ein. Wenn jemand im November schon meint, er müsse als normaler Mensch, Mutter, Vater, wie auch immer, zwei Kinder und Job, jetzt 15 Stunden in der Woche im November kloppen, dann sage ich, okay, was machen wir jetzt im Februar? 25 Stunden oder wie? Und dann auch immer zu schnell unterwegs ist. Von daher eher langsam anpassen. Und du hast da natürlich total recht. Das macht natürlich was mit einem, wenn du einen Job hast und ein normales Leben, sage ich mal in Anführungsstrichen, um dich herum. Das kostet einfach Kapazitäten. Absolut. Absolut richtig. Und wenn jemand schreibt, es geht halt gerade nicht. dann geht es halt nicht. Das Training muss ja, bevor ein Trainingsstress so groß wird, dass er die Regeneration behindert, einschränkt und der nächste Trainingsreiz am darauffolgenden Tag nicht erreicht werden kann, zu wenig gegessen, zu viel Stress, zu wenig geschlafen, und die Regeneration immer weiter nachhängt, dann... muss man einschränken. Muss man sagen, okay, wie kriegen wir es auf die Reihe, das Training vielleicht am Tag davor lockerer machen. Da muss man sich so generalisierte Pläne mal überlegen, dass man dem Sportler sagt, okay, wenn es nicht geht, dann machst du locker oder machst du mal auch ganz frei. Und dann passt das auch. Fortschritt findet immer dann statt, wenn wir auch die passende Regeneration haben. Und die Angst zu haben, dass wenn ich jetzt nicht trainiere und auch nicht diesen Inhalt mache, dass es dann rückwärts geht. Das ist totaler Quatsch. Rückwärts geht es vor allem dann, wenn ich A zu viel mache, mich überfordere. Das funktioniert dann zwei, drei Wochen. Dann werde ich krank. Dann verliere ich zwei Wochen, wenn nicht sogar drei Wochen durch Wiedereinstieg und so weiter. dann lieber auf die Trainingseinheit verzichten oder sie deutlich abschwächen und dann läuft das auch.

Björn: Also das sehe ich auch. Und was ich sehr, sehr gerne in Erstgesprächen oder auch so in den Anfangsphasen mit neuen Athleten an die Hand gebe, ist, gib mir lieber schon weniger Zeit zur Verfügung. Also wenn ihr einem Athleten ein Wochenbudget zur Verfügung gebt, sage ich immer sehr gerne, zieht da jeden Tag noch 15 Minuten, 20 Minuten ab dass es für dich einfach entspannter wird, dass du es auch realistisch immer umsetzen kannst. Weil lieber habe ich einen Athleten, der mir jede Woche 10 Stunden zur Verfügung gibt, das aber das ganze Jahr über abfährt und gesund bleibt vor allem, als einen Athleten, der mir 15 Stunden im ersten Monat gibt, 12 im zweiten Monat und im dritten Monat mir sagt, ja, meine Frau tötet mich. Ja, super, hast du nichts gewonnen. hast du wahrscheinlich im Endeffekt sogar noch deutlich mehr Stress, als du mit konstant zwölf Stunden zum Beispiel gehabt hättest.

Niclas: Ja, aber fangen wir mal an. Jetzt sind wir vor so einem blanken Papier. Und haben jetzt mal kurz besprochen, die Do's und Don'ts, sage ich mal. Also vor allem Zeitmanagement ist Thema. Und kann ich das mit meiner Familie, mit meinem sozialen Umfeld verantworten? Auch das betrifft Profis. Weniger als normale Menschen. Jetzt sitze ich da vor, in fünf Monaten habe ich den ersten Wettkampf. Was machst du? Womit legst du los? Soll ich sagen?

Björn: Okay. Also Stand jetzt würde ich eigentlich immer sagen, die ersten zwei Wochen erstmal. Also wir kommen jetzt aus der Offseason raus. Der Athlet hat jetzt zwei, drei Wochen nichts gemacht. Würde ich fast sagen, die ersten vier Wochen sind Einstieg ins Training. Das heißt, ich fange in der ersten Woche mit. Lockerem Grundlagentraining an, lass vielleicht das Laufen und die Athletik noch dabei. Fahr vielleicht von fünf oder sechs möglichen Tagen Rad, fahre ich vier Tage Rad. Den anderen Tag zwei Ruhetage und mein lockeres Lauftraining und Krafttraining. Das mache ich die ersten zwei, drei Wochen, steige da so langsam hoch die Stunden. Und dann kann man mit so leichten, also ich bin ein Freund von leichten Sitintervallen, Nicht direkt mit 30-30ern oder V2-Max-Intervallen draufhauen, sondern einfach das Ganze langsam und gemächlich aufbauen.

Niclas: Du musst es kurz erklären, was Sit-Intervalle sind.

Björn: Ah, Sit-Intervalle. Das sind Sprint-Intervalle. Also zum Beispiel 6x30 Sekunden, sitzend gefahren im Optimalfall, mit zum Beispiel 5 Minuten Pause dazwischen. Man fährt sich warm, fährt 6x30 Sekunden mit 5 Minuten Pause dazwischen, im Fatmax-Bereich zum Beispiel, und den Rest der Einheit gehst du wieder rumrollen, beziehungsweise fährst du einfach locker weiter. Das zum Beispiel einmal die Woche, in der zweiten Woche zweimal, in der dritten Woche machst du nicht sechsmal, sondern achtmal, steigerst das einfach so langsam hoch und dann kann man so nach dem ersten Monat vielleicht mit dem ersten kleineren V2max-Bock anfangen, zwei Wochen, paar V2max-Intervalle, Und dann würde ich oder bevorzuge ich es sehr gern, so nach sechs bis acht Wochen den ersten Test mal zu fahren, um zu schauen, okay, wo ist die Person wieder? Sind wir vielleicht schon wieder auf dem V2-Max-Wert der Vorsaison? Da sind die Leute ja wirklich sehr unterschiedlich.

Niclas: Ja, ich mache es ein bisschen anders. Aber wie gesagt, beziehungsweise falsch, nicht ein bisschen anders, sondern... Das unterscheidet sich ganz, ganz massiv von Sportler zu Sportler. Wenn du jetzt jemanden hast, der Crossfährt, dann ballerst du halt die ganze Zeit schon rum. Natürlich. Das Stichwort Reverse Periodization funktioniert halt genauso. Aber jetzt fange ich mal. Normaler Mensch, beziehungsweise normaler Straßenprofi, da... würde ich mit allem Möglichen erst mal loslegen. Und zwar zwei Wochen lang so ein bisschen Schrotgewehr, Gießkanne. Das heißt, der fährt ein bisschen Umfang. Ich lasse den ein bisschen V2 Max knallen. Ich lasse ein bisschen Schwelle knallen. Alles jetzt nicht so furchtbar wild, aber zumindest, dass jedes System so ein bisschen angesprochen wird. Der wird ein bisschen laufen. Es tut schon ein bisschen weh. Und dann fahre ich nach zwei Wochen den ersten Test. Ich möchte halt relativ früh schon Werte haben, mit denen ich arbeiten kann. Und ich weiß, dass in den ersten zwei Wochen unglaublich viel passiert. Da hast du halt immer die meiste Adaption. Und wenn ich dann jedes System so ein bisschen angesprochen habe, dann baue ich auch schon so Intervalle, die so halb lang sind wie der Test eventuell, dass ich schon mal so ein Gefühl dafür kriege, okay, das ist realistisch, das ist nicht realistisch. Der Sportler stellt sich schon ein bisschen darauf ein, dann fahre ich nach zwei Wochen den ersten Test und dann... wird es je nach Testausgang erstmal entschieden, was kommt. In der Regel ist es natürlich ein Grundlagenblock, den ich dann auch würze mit ein bisschen 30-30er-Sit-Intervalle. Muss ich mal wieder machen, guter Plan. Aber die sind vor allem dann super, um die VO2-Max zu erhalten. Von daher, das ist von Rönnestad, glaube ich, sogar. Von daher ist es ein nettes und probates Mittel. Und dann entscheide ich je nachdem, wo wir, keine Ahnung, die glykolytische Leistung, Stichwort Laktatwirkungsrate gerade steckt, was ich da mache. Bei jungen Fahrern mit hohen Laktatwerten, die lasse ich, und das ist halt auch einfach für die, die lasse ich relativ viel Fett max. knallen, sogar richtig viel. Das tut denen auch gar nicht so weh. und dann hast du halt drei Wochen Grundlage, mache ich, progressiv, gesteigert, manchmal als Welle, dass ich sage, erste Woche so viel, dass ich 15 Stunden, zweite Woche 18 Stunden, dritte Woche 16 Stunden, ja, dann ein bisschen Rest, wobei meistens ist das noch nicht mal ausgereizt, sage ich mal, da kommt gar nicht groß Rest dran, dann gehe ich schon gleich in den V2-Marktblock rein, also es gibt gar keine Restperiod, Und dann zwei Wochen bzw. drei Wochen VO2 Max. Schwelle, da hebt man sich dann so ein bisschen auf. Stichwort hier polarisiertes Training kann dann auch sinnvoll sein. Wobei auch da kommt es immer darauf an, wie groß der Anteil der VO2 Max ist, die ich ausschöpfe. Jemand, der eine 0,2er Laktatbewegungsrate hat, wenn du den halt kurz über der Schwelle rumballern lässt mit 5, 6 Minuten Intervallen, dann ist das halt für den VO2 Max Training. Darf man nicht vergessen. Und je länger du in diesem Bereich unterwegs bist, desto besser ist halt die Adaption an der Sauerstoffaufnahme. Und spätestens nach diesen zwei, drei Wochen kommt dann mal eine richtige Pause. Und je nachdem, wie viel Volumen der Sportler verträgt, baue ich da teilweise gar nicht groß Pausen erstmal ein, sondern baue mit so Wellen. Kilojoule Wellen sozusagen. Erstmal deutlich unter dem Optimum, dann vielleicht am Optimum, dann ein bisschen drunter wieder, dann in den VO2 Max Block rein, den voll durchziehen, je nachdem, auch als Welle oder einfach progressiv über 30, 30er. Da haben wir gestern drüber gesprochen. Ich habe gesagt, 30, 30er und dann gleich 40, 20er. Und du so, 40, 20er, das ist ja schon hart. Und dann habe ich gesagt, ja, können wir mal 30-15er, wobei Rönnestad, glaube ich, da voll durchgeballert ist in diesem Bereich. Er hat also 13 Minuten Intervalle, das finde ich auch schon sportlich. Und ich bin dann, oder je nachdem, wie die glykolytische Leistung ist, baue ich da vielleicht auch einfach gefühlt Schwellenintervalle, würde man dann sagen, ein. um da an der VO2Max was zu bewegen, weil mit 30-30 und 40-20 passiert ja gar nicht so richtig viel bei solchen Leuten. Und dann kommt die Pause.

Björn: Ich finde halt auf jeden Fall das, was du meintest, dass der erste Test wirklich sehr aussagekräftig ist. was danach mit dem athleten gemacht wird weil jeder athlet sich da einfach unterschiedlich entwickelt und wenn die v2 max nach denen bei mir zum beispiel ersten sechs bis acht wochen schon wieder auf einem guten level ist und das vielleicht für die nächste saison gar nicht mein hauptaugenmerk sein sollte oder weil der sportler vielleicht gut genug ist dann kann ich da ja vielleicht schon anfangen an seinen schwächen zu arbeiten Um da vielleicht das erste Mal die Faula Max schon mal zu senken, weil er vielleicht Mountainbike Marathon fahren will und eine 08er Faula Max hat. Und dann ist halt nicht im Winter V2 Max Training angesagt, sondern vielleicht ist im Winter dann auch schon viel Sweetspot Fatmax Training angesagt. Ja, ja. Also der erste Test ist da, glaube ich, wirklich immer das Wichtige. Und sollte man auch wirklich über den Winter zwei, drei Tests, lasse ich da schon sehr gerne fahren, bevor es wirklich in die Saison reingeht.

Niclas: Ja, ich bin ja gemein. Manchmal baue ich so richtig Tests rein, manchmal lasse ich auch einfach Intervalle fahren, die halt für mich ein Test sind, damit die Leute da keine Panik kriegen. Aber so alle sechs, acht Wochen bastel ich da was rein. Dann haben wir bei Aerotune auch immer schön den Verlauf, was passiert an der Foulsermax, was passiert an der Foulermax. Das ist bei Sportlern, die halt schon echt ein gutes System haben, da passiert gar nicht so richtig viel, die sind halt immer fit. Dann hast du, wenn du die Heat-Training machen lässt, dann ist es immer spannend, wenn man mal Heat-Training macht. und das aufzeichnet und das dann mal auswerten lässt, dann sieht man halt, wie krass der Einfluss von Wärmeleistung an der VO2 Max oder wie die VO2 Max senkt. Das zerhagelt dann immer so ein bisschen die Berechnung. Aber das ist auch ganz cool zu sehen, weil du hast jemanden, der hat eine 78er Sauerstoffaufnahme, der macht ein Heat Training und der hat dann eigentlich nur noch eine Leistung von einer 65er, vielleicht eine 68er Sauerstoffaufnahme. Das ist immer total spannend zu sehen. Und je nachdem, erster Test habe ich ja gesagt, jetzt sind wir schon mal hier irgendwie zwei Wochen, dann haben wir sechs, sieben Wochen und dann kommt der nächste Test. Dann sind wir schon irgendwie bei, lass es Woche zehn sein. Was kommt bei Test zwei raus? Große Glaskugel. Wird dann dran gerieben, der Nebel löst sich und dann sage ich, oh, V2Max gestiegen, oh, Faulamax gestiegen. Dann sage ich, okay, damit können wir leben. Manchmal kommen auch ganz andere Sachen raus, sowas wie, oh, V2Max gesungen, oh, Faulamax gesungen. Dann denkst du, okay, irgendwas lief nicht richtig. Und die Interpretation des Trainings, beziehungsweise des Testes, Das ist dann der nächste Schritt. Jeder Test bedarf einer Interpretation, um dann das Training anzugleichen, beziehungsweise die Lebensumstände anzugleichen. Beispiel. Sagen wir mal, du hast jemanden, der fängt nach dem ersten Zwei-Wochen-Test, keine Ahnung, 70er Sauerstoffaufnahme, 0,5er Laktatbildungsrate. Dann denkst du, okay, alles klar, kannst du machen, was du willst. Du machst eigentlich nie was falsch mit solchen Menschen. Sechs Wochen später, oder sieben Wochen später, nächster Test. 66er Sauerstoffaufnahme, 0,25er Laktatbildungsrate. Da denkst du so, der hat einen super 20-Minuten-Test, 12-Minuten-Test, was er sich gefahren hat. Und der fühlt sich total super. Und dann guckst du dir das Training an und dann musst du erst mal fragen, habe ich was falsch geplant? Das ist die erste Frage. Wieso ist das nicht so passiert? Und dann dröselst du das Training auseinander. Bevor wir jetzt nämlich anfangen, jedes Mal diese Blöcke zu besprechen, würde ich nämlich gleich immer sagen, okay, wieso hat was nicht funktioniert? Damit wir das den Hörern gleich mitgeben. Also wieso ist der Test-Outcome nicht so, wie wir uns das eigentlich erhofft haben? Und das hat dann in solchen Fällen dann meistens irgendwas mit Energie zu tun. beziehungsweise mit zum Beispiel Trittfrequenz, Drehmomenten. Das erste, was ich mir anschaue, ist Gewicht. Hat der Sportler signifikant an Gewicht verloren? Drei Kilo. Und das war jetzt nicht Fett, sondern vielleicht auch noch Muskulatur. Dann weiß ich, da ist ein Energiedefizit entstanden, das hat die Person nicht nachessen können. Müssen wir reden. Und dann heißt es, hältst du dich an die Kohlenhydratangaben, die im Training drinstehen? Ja, ab und zu. Ab und zu schon mal schlecht. Ich denke mir ja was dabei. Dann kann das natürlich dazu führen, dass die Leistung in diesem glykolytischen Bereich absinkt. Hast dann zwar eine tolle Schwellenleistung, aber eine schlechte V2 Max. Das wollen wir ja nicht, weil es ist so ein relativ schnelles Ende. Da ist halt nichts mehr. Noch kleiner den Motor machen und noch effizienter. Ist halt nicht förderlich für Rennen. Erster Punkt, da nachfragen. Dann gab es irgendeine Krankheit. Kann ja auch mal passieren. Bei Corona haben wir das immer schön gesehen, dass die Laktatbindungsraten so richtig nach unten verschwunden sind und die VO2-Max-Werte auch. Tritt dieser Sportler immer mit einer 60er-Frequenz? Habe ich auch schon erlebt. Fährt die ganze Zeit mit einer 60er-70er-Frequenz.

Björn: Hat das Schaltwerk abgebaut.

Niclas: Richtig. Also kriegt es nicht hin. Da dann auch dran arbeiten. Und sich dann auch immer ehrlich hinterfragen, habe ich Mist gemacht? Habe ich das nicht überblickt? Und das dann zusammen, erst mal sich die Gedanken darüber zu machen und dann zusammen mit dem Sportler besprechen und ehrlich werden am längsten. Nach dem Motto, wenn es halt nicht gerade so läuft, wie es gelaufen ist, dann muss man drauf schauen. Anderer Punkt ist, auch oft erlebt, Blutbildescheiße. Kein Eisen im Körper. Hämatokrit, Hämoglobin, so ab in den Keller gerauscht. Passiert auch. Alles schon erlebt. Von daher, jede dieser Boxen, die ich dann so vor mir habe, Ernährung, Blut, Krankheit, Trittfrequenzen, wobei ich sage mal so Trittfrequenzen ist sogar eher so zweitrangig. Auch so Trainingsbereiche würde ich eher fast zweitrangig sagen. Es gibt auch Leute, die die ganze Zeit Sweetspot knallen mit einer hunderter Frequenz. Da geht die Sauerstoffaufnahme hoch. Ja. Klar, machen die Norweger ja gerne. Richtig. Man kann das nicht differenzieren, so der Bereich macht nur das. Das ist so ein bisschen Augenwischerei. Oder wer hat gerne schön geredet, ist ein bisschen komplizierter. Und nachdem ich dann alle Boxen abgeklappert habe und mögliche Gründe gefunden wurde, wieso es nicht so geklappt hat, fangen die Anpassungen an. Dann wird der nächste Block geplant, immer noch mit viel Sauerstoffaufnahme hochziehen. ändere ich die Trittfrequenz, es wird mehr gegessen und dann richtet sich das in der Regel schon wieder relativ schnell ein. Und dann sieht man, wie der Sportler das hinkriegt. Und da dann auch belehrend, beziehungsweise mitnehmend, wenn ich bei Aerotune das dann gerne mal zeige, wenn die Garmin oder Wahoo synchronisiert sind von den Sportlern, dann sage ich, pass mal auf, du ballerst da halt auch irgendwie 200 Gramm Kohlenhydrate rein und hast halt 90 Gramm gegessen und am Abend vorher gab es nur einen Toontree-Salat. Also von nichts kommt in der Regel auch nichts.

Björn: Wie Lukas Schwarzbauer, glaube ich, sagen würde, ohne Mampf kein Dampf.

Niclas: Richtig, ohne Fritt kein Tritt, sagt der Hannes Gänze immer.

Björn: Ja, siehste. Läuft auch selber raus. Wenn du jetzt einen, also ich sage jetzt mal, der Trainingseinstieg ist geglückt, man ist irgendwie im Januar, Dezember rum, die Wettkämpfe Die Wettkampftermine sind alle raus. Wie gehst du jetzt zum Beispiel hin, wenn dich ein Sportler fragt, okay, wann machen wir denn Trainingslager? Wann macht man Höhentrainingslager? Machst du zum Beispiel mit Sportlern gezielt Vorbereitungswettkämpfe? Wie gehst du mit solchen Sachen um?

Niclas: Sowohl als auch. Es gibt Menschen, die brauchen Vorbereitungswettkämpfe. Es gibt Menschen, die brauchen das gar nicht. Die schiebst du aus dem Training dahin. Also Tim Smage zum Beispiel sehen wir ja jetzt sehr schön. Kein Vorbereitungswettkampf gehabt. Einfach vorne rausgefahren und Da waren immerhin so Lotto Destiny und Wismar, Hans Becking, Wout Allemann, die waren schon am Start und die können ja alle schon am Horn ziehen, der ist halt halbe Stunde vor Ziel. Wusste er, okay, halbe Stunde Leistung kann ich halt deutlich über 6 Watt noch treten. Wer da mitkommt, der ist super stark. In der Regel schafft das keiner. Und der war ja von Juni, glaube ich, an verletzt.

Björn: Alpentour-Trophy, oder?

Niclas: Alpentour-Trophy. Wann ist die? Juni? Ich glaube, Ende Juni. Und da wussten wir, okay, Schlüsselbein richtig beschissen gebrochen, Hand kaputt, Hüfte, Aua und so richtig, richtig hässlich. Das heißt, erst mal Krafttraining gemacht und dann nach und nach aufgebaut. Und dann sehr unpopuläres Training gemacht, ja, also Schwellentraining, ganz viel, so Hixenprotokolle aus den 70ern rausgezogen, Heat-Training. Und der hat halt die besten Werte seines Lebens getreten und da wusste ich zwei Wochen vor dem Rennen, wusste ich, okay, wir brauchen jetzt kein, er sagte, sollen wir noch ein Rennen fahren? Ich so, nein, brauchen wir nicht. Wozu? wir ziehen das Training einfach Vollgas durch, der Kurs ist simpel, der Kurs ist technisch nicht anspruchsvoll, es war ein bisschen matschig, aber jetzt nichts Wildes, fahr den Kurs ein paar Mal ab, ist halt bei ihm jetzt nicht so richtig weit weg gewesen, dann kennst du das Rennen, mit den Leistungswerten, die du aktuell hast, musst du dir gar keine Gedanken machen, weil wird eh keiner am Start stehen, der stärker ist, höchstwahrscheinlich.

Björn: Wenn man diese Aussage vor einem Rennen bekommt, ist doch alles gut.

Niclas: Ja, ich meine, die Werte lügen ja nicht. Der Tim ist ja nicht auf den Kopf gefallen, der ist ja schlau. Und der wusste auch, okay, ich bin das halt noch nie gefahren. Und wenn du auf dem Mountainbike halt mit einem 50er-Schnitt auf der Ebene rumballerst, dann hast du halt schon Druck. Und dann haben wir einfach aus dem Training heraus ein Rennen gefahren. Und dann gibt es halt andere, die brauchen wirklich diesen... Erstens das Feeling von, ich brauche ein paar Leute um mich herum und muss die spüren und riechen und es muss geschubst werden. Im Cross-Country kann ich mir schon vorstellen, oder nicht kann, sondern ist es schon sinnvoll, das zu tun. Wobei es da natürlich auch Sportler gibt, die das wenig brauchen. Nino Schurter hat ja nicht die allerhöchste Renndichte. Der fährt halt, der weiß halt ganz genau, worauf er sich einlässt. Und so gucke ich dann. Typenabhängig. Braucht jemand ein Rennen? Braucht jemand kein Rennen? Gibt ihm das Selbstsicherheit? Dann ja. Wenn er das nicht braucht und Zahlen fixiert ist und sieht, okay, ich habe geile Testergebnisse, dann gehen die an den Start und sagen, geht auch so. Also echt ganz, ganz typenabhängig. Würde ich nicht generalisieren. Ja.

Björn: Also meine Erfahrung sagt, er kommt sehr darauf an, wie du vorhin angesprochen hast, ist das jemand, der es schafft, auch im Training sich so hart zu belasten, dass er wirklich ready ist für einen Wettkampf. Oder ist das jemand, der sich im Training schon mit V2-Max-Intervallen zum Beispiel schwer tut, die von der Härte her zu fahren und das auch regelmäßig und oft zu fahren. Und vielleicht ist es bei dem dann auch einfach sinnvoll, okay, wir holen ein paar Rennen rein, dass er diese sehr hohen Belastungen auch einfach hat. und sich dann auch wiederum ready fühlt, ein Rennen zu fahren.

Niclas: Ja, also ich meine, in der World Tour sehen wir das zum Beispiel. Da ist so ein Rennen simulieren, so ein Monument ist halt schon schwierig. Nehmen wir jetzt Lombardei-Rundfahrt. Das ist halt geistesgestört. Da fahren die halt jeden Anstieg mit 6 plus Watt. Jeden Anstieg. Und jetzt, wenn ich mir die Daten anschaue, da weiß ich, okay, irgendwo ein Anstieg in der Mitte, da wird jetzt erstmal ein 20-Minuten-Bestwert mal wieder rausgehauen und da fährst du halt mit. Und das ist halt im Training fast nicht zu simulieren. Das geht nicht. Das ist einfach zu hart. Spannend finde ich auch, alles bis World Tour ist relativ, oder PKT meinetwegen auch noch, relativ, wenn wir jetzt über die Straße sprechen, einfach im Training zu simulieren, darzustellen. Das geht schon. Da kann ich die Leute so hart rannehmen. Aber wenn du so ein Monument fährst, 250 Kilometer und da steht Pogacar und Co. am Start, das wirst du im Training nicht fahren. Das ist motivationstechnisch fast unmöglich. Also ich kenne, ich überlege gerade. ein, zwei Sportler vielleicht, die sich so in die Schnauze hauen können, dass sie das machen. Aber da stelle ich mich doch lieber beim Rennen ans Start. Dann habe ich das halt schon geschenkt bekommen und muss mich da nicht noch irgendwie mental drauf vorbereiten. Da sieht man dann, dass der Trainingsimpuls so groß ist nach so einem Rennen, dass es kaum nachsimulierbar ist. Achtung, jetzt wieder mit Klammer sozusagen. Es gibt natürlich Menschen, die sich im Training, die gar nicht so hart trainieren, aber deren Sauerstoffaufnahme schon so in exorbitante Höhen kommt, Stichwort jetzt Tim zum Beispiel, Dass man sagen kann, diese Lombardei-Rundfahrt, wenn er die jetzt theoretisch mitfahren würde oder ein anderer Fahrer, dann weiß ich, okay, gar kein Stress, da sind halt... 20, 30 auf einem ähnlichen Level, der Rest ist halt nicht mehr auf dem Level, da kannst du auch ohne hartes Rennen rangehen. Also abhängig, um das nochmal, ich lerne jetzt auch während meines eigenen Gesprächs, abhängig von der Leistungsfähigkeit kann es schon sinnvoll sein, wenn jemand eventuell nicht so fit ist, den dann zu einem Rennen zu schicken, damit er sich A belasten kann und wir nochmal sehen, wo fehlt es gerade. Und dann auch aus dem Rennen nochmal eine schöne Adaption rauszuziehen.

Björn: So würde ich es machen. Also worauf ich immer gerne bei Athleten schaue, ist halt so auch die Vergangenheit mir anzugucken und dann halt zu entscheiden, okay, ist der eine Art Event schon mal gefahren? Also zum Beispiel, wenn jemand noch nie einen Alpmarathon gefahren ist und er sagt, ja, ich will jetzt hier beim Hero aber super gut performen, dann ist es schon sinnvoll, so etwas Ähnliches vielleicht schon mal irgendwie vorher zu fahren. damit du nicht am Start stehst und völlig überrascht wirst, dass es die ganze Zeit nur eine Wand hoch geht. Dass du auch einfach aus so einem Wettkampf, jetzt mal unabhängig von der Leistung her, einfach von dem Ablauf, wie der Wettkampf abläuft, wie es vor Ort ist und sowas, einfach schon mal Lehren ziehst und weißt, okay, was habe ich vielleicht beim ersten Halbmarathon falsch gemacht? Hatte ich zum Beispiel keine Windweste für über den Berg dabei? Ist es mir in der Abfahrt viel zu kalt geworden? Und ich bin im zweiten Anstieg gestorben, weil Beine waren komplett kalt. Solche Sachen finde ich dann immer ganz interessant, auf jeden Fall mit dem Sportler sich anzuschauen. Und dann aber auch, je nach Sportler, die Ernährung auch mal zu testen, weil ich das auch sehr gerne sehe bei Sportlern, dass sie das im Training, selbst wenn man hinschreibt, okay, pass auf, das ist jetzt ein super hartes Training, fahr dir bitte 120 Gramm rein, sie es auch da gerne mal nicht machen nach dem Motto, ja, aber das Gel kostet mir so viel, ich will das jetzt nicht vor dem Wettkampf hier durchnehmen. Und das... Ist dann auch was, wo ich sage, okay, dann müssen wir halt einen Wettkampf fahren, damit du halt mal deine Nutrition testest.

Niclas: Ja, genau. Jetzt sind wir so, jetzt haben wir nicht, wir wollen die Leute ja nicht so verwirren, aber ich fasse nochmal ganz kurz zusammen. Und ich grenze jetzt mal ganz kurz das Rennen wieder aus, weil da sind wir ein bisschen vorgaloppiert. Also wir haben ja die erste Phase gehabt. Test, dann Volumen sammeln, VO2max grundsätzlich den Motor größer machen. Nehmen wir mal die VO2max als Motor oder wie... Bob Baumann, der Coach damals von Michael Phelps so schön sagte, die Capacity, also du musst halt in der Lage sein, diese Kapazität aufzubauen, der Aerob. Oder Aerob, je nachdem, welchen Sport du jetzt betreibst. Jetzt ist die nächste Frage, jetzt haben wir den Testauskamm. Wo gehst du weiter? Willst du weiter? Jetzt haben wir noch drei Monate bis zum nächsten Jahr. Rennen, mache ich das weiter? Will ich in der Regel nochmal die Sauerstoffaufnahme, die Kapazität noch ein bisschen erhöhen? In der Regel mache ich das, aber mache ich das mit dem gleichen Training? Nein, mache ich nicht. Volumen ist natürlich, da würde zum Beispiel jetzt ein super Trainingslager reinpassen, wo ich so richtig einen relativ hohen Reiz fahre. Vielleicht fange ich auch schon ab Januar an mit Heattraining. dass ich dann voll reinballer, um da nochmal einen guten Reiz zu setzen, um die Sauerstoffaufnahme hochzukriegen. Da würde ich dann ein bisschen aufpassen, dass die Intervalle dann nicht mehr zu hart werden. Und dann fahre ich den nächsten Block um, diese Motorleistung, VO2max, 4 Minuten, 5 Minuten Leistung, die halt am Ende des Tages dann doch alles bestimmt oder den Großteil bestimmt, nochmal zu erhöhen. Und das mache ich dann, über Grundlage und V2max-Block, wie auch immer der gestaltet ist, 30-30, 40-20, 90% V2max, meinetwegen Schwellenintervalle und so weiter, bei Leuten mit niedrigen V2maxen. Und dann nochmal 6-7 Wochen diese Kapazität ein bisschen zu erhöhen. Da würde ich vorschlagen, die Intervalle so zu bauen, dass sie eventuell schon der Renndynamik, die Folgenwert ein bisschen ähnlicher ist. Also weg von dem studientechnischen Design, ein bisschen eher Richtung Spezifik. Noch nicht ganz, also noch gar nicht ganz, aber so ein bisschen. Sagen wir mal Bilat. mit ihren 30-30 oder 40-20ern, vielleicht baue ich die ein bisschen um. Oder Rönnestadt, 3x13, 30-15, baue ich die vielleicht ein bisschen um. Was ist denn in meinem Rennen gefordert? Bei Frauenrennen sind Minutenleistungen vor allen Dingen entscheidend. Worldtour-Frauenrennen, 1-2 Minuten Leistung. Wieso fahre ich nicht Intervalle in diesem Bereich? Klar habe ich dann vielleicht nicht mehr ganz diese fraktionelle Ausschöpfung der VO2-Maxx. Aber wenn ich da ein bisschen kreativ arbeite und da irgendwie ein Fatmax kurz dazwischen fahre, kurz, und dann wieder in eine Minute, zwei Minuten Bereiche reingehe, dann schaffe ich das schon. Also da arbeite ich dann doch gerne etwas rennspezifischer in diesem V2 Max. Zwei, drei Wochen vielleicht, eher zwei Wochen plus Grundlage. Und dann habe ich wieder den nächsten Block und fahre den nächsten Test.

Björn: Genau, also ich glaube, was man in seiner Jahresplanung und diesem Trainingszyklus immer verstehen muss, ist, man schaut immer, dass man abwägt zwischen, okay, kann ich jetzt noch den nächsten Block damit verbringen, V2max zu steigern, wo ist meine Lactate-Bildungsrate und wann muss ich quasi anfangen, spezifisch zum Wettkampf zu melden. Ich meine, meistens die letzten vier Wochen vor dem Wettkampf machst du was Spezifisches, wirklich auf den Wettkampf angepasst. Und davor ist es dann zum Beispiel, okay, wenn der Sportler eh eine niedrige Laktatbildungsrate hat, aber du zum Beispiel eine mittlere bis niedrige brauchst, dann kannst du halt bis relativ... kurz vor dem Wettkampf immer noch an der V2 Max arbeiten, weil es einfach der beste Parameter ist. Und wenn die Laktatbildungsrate aber viel zu hoch ist, dann musst du halt viel früher einfach anfangen, diese schon zu senken, um dann wiederum beim Wettkampf überhaupt mit einer konkurrenzfähigen Laktatbildungsrate oder einer passenden am Start zu stehen. Ich glaube, das ist halt immer dann auch die Entscheidung, die der Trainer vor allem macht, weil ich ohne einen Erfahrungsschatz damit zu haben, wie lange braucht man denn, um eine Laktatbildungsrate zu senken. Ohne diese Erfahrung zu haben, wird es dann halt auch einfach schwierig, so ein Trainingzyklus zu planen.

Niclas: Ja, also Laktatbildungsrate senken übrigens, das ist so ein bisschen out, ne? Spannender ist es eigentlich, die Laktatverwertung zu trainieren, also über Over-Under oder Zone 2, wie das dann so schön heißt, Fatmax, das aber eher dann bei jüngeren Sportlern. Und eher geht es vor allem jetzt mit so Heat-Training und viel Höhentraining, geht es eigentlich eher darum, die Sauerstoffannahme so mega, mega hoch zu fahren, dass du schon eine so brutal hohe Schwelle hast, aber immer noch diesen glykolytischen Motor hast, womit du Vollgas rumballern kannst, dass du diese Möglichkeit gar nicht, du willst halt nicht der Diesel sein, sondern du willst halt antreten und trotzdem eine hohe Schwelle haben. Das ist eigentlich so das Schöne. Ich kann mir vorstellen, wenn wir das Thema Sauerstoffaufnahme irgendwann mal wieder voll ausgereizt haben, dass es dann wieder vielleicht so, dass wir dann wieder so in Zeiten reinkommen von Sky und Co., dass wieder diese absolute Schwellenleistung interessant wird. Wir haben natürlich jetzt so Ausnahmesportler wie Pogacar, Winnegard, die über so hohe Sauerstoffaufnahmen und so ähnliches kommen. Aber das, wenn wir jemanden haben mit einer sehr hohen Sauerstoffaufnahme und vielleicht ein bisschen weniger, aber mit einer deutlich niedrigeren glykolytischen Leistung, der sich, und die Touretappen ist auch zulassen, sag ich mal, jetzt nicht irgendwie gleich am zweiten Tag so einen 20-Minuten-Berg. Ich meine, da hat halt der mit der glykolytischen Leistung, wird halt voll ruhig hoch schnalzen. Und da hat der andere halt ein Problem, kriegt schon eine Minute oder eine halbe Minute raufgebrummt. Aber wenn wir so einen relativ entspannten Einstieg haben und dann kommen irgendwie gleich so die Killerberge, und du musst halt 40 Minuten, eine Stunde hochfahren, dann kann es halt schon sein, dass abhängig von dem Tour-de-France-Profil die Laktatbildungsrate mit einer sehr hohen Sauerstoffaufnahme tiefer sein sollte, weil die glykolytische Leistung in diesem Fall gar nicht so viel bringen würde. Und von daher bin ich mal gespannt, wo so der Trend so wieder hingeht die nächsten Jahre. Das ist immer interessant zu beobachten. Aber so wie wir es jetzt sehen, und das ist eigentlich auch schön, Dieses Spritzige immer noch zu haben, das macht natürlich auch viel Renndynamik aus, ist auch spannend zu sehen.

Björn: Macht auch mehr Spaß anzuschauen.

Niclas: Ja klar, es ist halt super spannend. Ich meine, die letzten, ich meine halt das, was wir früher gesehen haben mit Team Sky, war halt echt Finger in der Nase. Die sind so beim Mannschaftszeitfahren vorne gemacht und haben halt so ihr Ding durchgeballert. Das war toll. Dann gab es halt irgendwann so die Wachablösung, spätestens mit Pogacar. Und das ist eigentlich sehr erfrischend für den Sport. Ja, und da muss man dann gucken. Also ich bin aktiv senken, tue ich gar nicht mehr groß. Da bin ich ab und zu mache ich das, versuche ich das schon mal. Aber ich finde es auch gar nicht so einfach. Also es ist so dieses Hey, wir senken jetzt die Laktatwirkungsrate. Es geht immer einher mit du minimierst auch die Sauerstoffaufnahme. Außer du fängst an zu dopen und das wollen wir ja nicht. Das ist ja, ich bin eher ein Freund davon, eine gute Laktatverwertung zu haben und eine hohe Sauerstoffaufnahme zu haben. Das ist im modernen Radsport oder auch im Mountainbike oder auch Mountainbike, hier Marathon, da wird es immer, immer wichtiger. Vielleicht jetzt nicht. Nächstes Jahr bei der WM beim Grand Raid, wo es halt einfach nur darum geht, lange Zeit eine hohe Leistung drücken zu können. Ja, genau. Also sportartspezifisch anpassen.

Björn: Okay, dann... wie man sich jetzt quasi auf einen Wettkampf vorbereitet, haben wir es, oder wie man das plant, haben wir so ein bisschen angesprochen. Wie planst du denn zum Beispiel oder lässt du Trainingslager planen? Also das ist, glaube ich, für die meisten Amateursportler auch noch interessant. Wann mache ich mein Trainingslager und wann macht zum Beispiel auch ein Höhentrainingslager Sinn?

Niclas: Also ein Höhentrainingslager ist für viele natürlich schon echt ein Häsel. Ja. Da muss man gucken, ob das dann auch wirklich sinnvoll ist. Ich bin ein großer Freund davon. Also nicht nur, um Hämoglobin zu erhöhen, sondern einfach viele Höhentrainingslager zu haben, um eine schöne Kapillarisierung zu haben. Ich habe Sportler, die fahren drei, vier Mal im Jahr ins Höhentrainingslager. Und das sind dann halt kumulierende Effekte, die halt über die Jahre dann, wenn die Sportler halt immer besser. Und man hat natürlich auch Rennen in der Höhe, irgendwann mal. Und das hat dann auch einen positiven Effekt, wenn der Sportler da schon ganz gut mitmachen kann. Für einen Profisportler ist ein Trainingslager, ja meistens ist es ja die Flucht vor dem schlechten Wetter und dadurch ein sehr hohes Volumen ansammeln. Das schockt die aber jetzt in der Regel gar nicht so großartig. Ab und zu baut man dann schon mal ein bisschen was in der Spezifik rein, testet da vielleicht nochmal ein bisschen Laktat. So, dann haben die halt 30, 35 Stunden, vielleicht sogar 40, wenn es richtig hart wird. Und bei einem Normalo, und das ist jetzt so die Problematik, sagen wir mal, du trainierst acht Stunden in der Woche, fährst du jetzt nach Malle und willst das Maximum rausholen und machst halt 25, 28 Stunden. Bist du tot? Das ist halt schon echt viel. Also das ist klar, wir haben jetzt nicht die äußeren Stressoren, wie ich muss zur Arbeit oder ich habe irgendwie Familie. Oh, ich muss den Briefkasten aufmachen, was die Leute an so Stress einkaufen gehen. Aber trotzdem ist halt schon deutlich, über dem, was deine Erholungsfähigkeit, Proteinsynthese imstande ist zu leisten, egal wie viel du futterst. Da fährst du dich halt an die Wand und dann kann man sich mal überlegen, ist das die Milchmädchenrechnung? Ich trainiere acht Stunden und jetzt mache ich da 28 Wochenstunden. Wie viele Tage Erholung brauche ich danach? Eine Woche, vielleicht sogar zwölf Tage, theoretisch sogar noch mehr. Und dann noch die Gefahr, eventuell krank zu werden, weil ich mein Immunsystem halt so an die Wand gefahren habe. Dann würde ich lieber sagen, fahr mal 20 Stunden.

Björn: Und eventuell aus einem, normalerweise fährt man ja irgendwo ins Trainingslager, wo es schön warm ist und man kommt dann wieder zurück ins kalte Deutschland. Ja. Muss vielleicht auch nicht unbedingt sein. Also ich persönlich mache zum Beispiel relativ wenig immer Trainingslager, aber die Athleten, die gerne Trainingslager machen, bin ich dann auch ein Freund davon, sie in dem Trainingslager selbst gar nicht so das mega hohe Volumen fahren zu lassen. Ja. Natürlich das Ganze schon gesteigert, aber im Optimalfall so, dass sie danach mit drei, vier Tagen Erholung eigentlich auch schon wieder trainingsbereit sind und weitermachen können. Weil ich ansonsten, kommen wir wieder in diese Spirale rein, okay, ich habe mich völlig abgeschossen, ich werde krank und dann bist du wieder deine zehn bis 18 Tage Training los.

Niclas: Jeder hat es erlebt, es war alles super im Trainingslager, ich war schon echt kaputt. Ich steige in den Flieger und da haben ganz viele rumgehustet und am nächsten Morgen wachte ich mit Halsschmerzen auf. Okay, Trainingslager, 2000 Euro einmal in die Mülltonne geworfen, das ist halt blöd, das sollte nicht passieren. Also von daher das Volumen gerne auch mal reduzieren und dann auch ermahnend den Finger heben und sagen, vielleicht ein bisschen too much. Und das dann einbauen, also wirklich strategisch einbauen. Ich ersetze ein Trainingslager höchstwahrscheinlich mit einem Volumensblock. Das ist auch das, wo normale Menschen am meisten von profitieren. Jemand, der nur acht oder zehn Stunden Zeit hat in der Woche. der dann mal eine Woche oder zwei Wochen lang 20 Stunden jeweils trainieren darf, das ist halt gigantisch. Und das dann gut geführt, das bringt es dann. Und ich würde auch vor einem Trainingslager, um, wir haben ja auch so Rollzeit, sag ich mal, im Trainingslager, trittst ja nicht die ganze Zeit durch, ja. Ich würde die Wochen davor den Sportler darauf anpassen, dass der einen relativ hohen Energiedurchsatz hat. Das heißt, maximal effizient trainieren. Auf der Rolle fahren. Lass dir einfach drei Wochen auf der Rolle fahren. So scheiße das ist, ja. Bevor die vier Stunden fahren mit dem Mountainbike, so, du scheiß Wetter, und dann rollst hier und rollst da und irgendwie kommt da irgendwie Kilo-Jute, ne, fahren die vier Stunden und dann steht am Ende des Tages... 1800 Kilojoule bei einem 80 Kilo Menschen, dann denkst du, okay, du saßt halt mehr auf dem Rad, als du getreten bist. Dann kann man auch sagen, setz dich doch lieber drei Stunden oder vier Stunden auf die Rolle am Tag. Das klingt hart. Zwei mal zwei Stunden vielleicht. Aber dann immer mit dem Köder sozusagen, mit der Karotte vor der Nase. Wenn wir das jetzt tun, wird das Trainingslager halt Hammer. Und die Wahrscheinlichkeit, dass er sich auf der Rolle erkältet, ist geringer als draußen im Nassen. Absolut. Von daher versuche ich, wenn ich so drüber nachdenke, das Training so maximal effizient am Energiedurchsatz zu planen, dass das Trainingslager nicht so ein Hammer wird.

Björn: Okay. Das ist auf jeden Fall, glaube ich, schon mal ein guter Tipp für die meisten, dass man sein Training davor dementsprechend quasi auch anpasst. Richtig. Wenn du jetzt zum Beispiel noch bei einem, ich würde jetzt mal mehr auf Amateur- und Hobbysportler eingehen, wie machst du eine Wochenplanung, dass der Athlet das langfristig und sinnvoll hinkriegt? Wie kann sich so ein Hobbysportler im Optimalfall seine Woche, sag ich jetzt mal, selbst zusammenbauen, dass das einfach langfristig gut funktioniert und auf was würdest du sagen, musst du ja am meisten achten?

Niclas: Das ist total simpel. Das ist super simpel. Ich finde, das ist bei Hobbysportlern noch viel einfacher als bei Profis. Motor ist immer Ruhetag. Ganz einfach. Weil Sonntag... Ne, ne, ne, stopp. Sonntag kann natürlich auch Familientag sein. Aber man kann... als Hobby-Sportler relativ genau sagen, das sind Tage, an denen habe ich viel hohe Arbeitslast oder Familienverpflichtungen, die halt auch wiederholend sind. Sagen wir mal, am Sonntag will ich nie trainieren, weil da habe ich, wollen wir wandern gehen, ist ja auch super. Und dann kann man schon mal zwei, vielleicht sogar drei Tage fest abstechen, stecken, abstechen, mein Gott, abstecken. Trainingsfrei gibt es bei mir nicht. abstecken wo ich sage da geht schon mal gar nichts da geht maximal yoga oder maximal 20 minuten lockerer lauf das würde ich auch machen wenn das trainingsvolumen generell schon gering ist versuche jeden tag was zu tun um einfach ein bisschen energiefluss zu provozieren der ist dann aber sehr gering aber es passiert was ja und dann habe ich eine feste struktur das schöne ist bei einer festen struktur dass sich jeder darauf einstellen kann Alle Menschen um mich herum wissen, der Björn, der fährt samstagnange Rad. Punkt. Dafür macht er Sonntag das und das. Wenn ich so an meine Familie denke jetzt, ich mache auch ein bisschen Sport, dann weiß ich, dass ich... keine Ahnung, eher freitags, dass ich da relativ viel Zeit habe. Kinder sind noch in der Schule, meine Frau macht irgendwas anderes und da weiß ich, da kann ich halt relativ viel selber entscheiden, was ich gerade zu tun habe. Wohingegen das Wochenende dann doch eher Family Time ist, da mache ich halt wenig. Und so kann sich das jeder zurechtstöpseln. Also welche Tage gehen im Sinne von Arbeit, welche Tage gehen im Sinne von soziale Verpflichtung, Und der Rest wird halt mit Training aufgefüllt, vernünftig aufgefüllt.

Björn: Okay, sehe ich eigentlich genauso. Bin da auch immer ein Freund von, habe ich glaube ich vorhin schon mal kurz gesagt, so dem Athleten zu sagen, auch wenn du denkst, okay, nach acht Stunden Arbeit, hier, ich kann noch drei Stunden trainieren gehen, ja, mach vielleicht lieber die Woche über 90 Minuten draus, weil es fällt doch immer hier und da was an, dass man das so ein bisschen einfach, Über einen langen Zeitraum lieber zwei Stunden im Schnitt in der Woche weniger trainieren, dafür gesund bleiben, das Training immer durchziehen, keinen Stress mit der Familie haben und auch noch abends mal die Zeit zu haben, mit der Frau auf der Couch zum Beispiel zu liegen. Solche Sachen sehe ich halt schon immer als sinnvoll.

Niclas: Richtig, und sich vor allem nicht verrückt machen zu lassen. Wenn man glaubt, man muss jetzt mehr machen, damit mehr rauskommt, das stimmt zum Teil schon. Aber wenn dadurch die Regeneration, das haben wir anfangs gehabt, beeinträchtigt wird, dann bringt das halt gar nichts. Aber jetzt nochmal ganz kurz, wir müssen wieder ein Stück zurückrudern. Wir haben ja jetzt praktisch diese Volumensblöcke, wir haben Trainingslager besprochen, jetzt geht es irgendwie in die Rennen ran. Wie arbeitest du da? Das ist also der Kasus Knaktus. Wie schaffe ich es, ich habe in sechs Wochen ein Rennen, Die Leistung abzurufen, die ich am Renntag haben möchte. Und da fängt dieses, wie Bob Bauman das nennen würde, die Utilization oder bei Isurin heißt es immer gerne die Realisation an. des Trainings, ja, also die Spezifik. Oder wenn man jetzt, wenn man sich mal anschaut, so Norweger Skilangläufer, wird zwar immer gesagt, die trainieren polarisierend, stimmt ja gar nicht, die machen dann auch irgendwann mal so Rennintervalle, also auch spezifisch und passen dadurch dann ihre Laktatverwertung beziehungsweise Laktatsenkung oder Laktatsenkung an. Und da sollte dann angefangen werden, so sechs Wochen vorher, vielleicht sogar vier Wochen, je nach Sportlertyp und VO2-Max, wenn die hoch ist, brauchst du halt nicht so früh einsteigen. die Spezifik des Rennens. Auch das ist es sowohl kopfmäßig, wenn jemand weiß, ich muss in diesem Rennen 15 Minuten rumballern, ist es halt schon mal sinnvoll, 15 Minuten schnell fahren zu können. Und das dann vielleicht mehrere hintereinander. Und das ist eigentlich auch der große Spaß für mich, Trainings zu basteln, die... dem Rennen dann ähnlich sind. Ich fahre eine WM, ich fahre die und die Etappen Tour de France, ich meine, UAE hat das mega gezeigt. Die haben sich halt diesen Anstieg, diesen ersten Anstieg, ich habe jetzt vergessen, welcher das ist, wo Yates, Almeida, Pogacar, die haben sich halt aus dem FF angeschaut. Die wussten halt ganz genau, wie sie fahren. Das war einfach abgespult. Das war ein Programm. Und das ist halt... echt sinnvoll, schon zu wissen, okay, wir machen das so und so. Und das baust du dann ein Stück weit in das Training ein, und zwar in so Puzzlen. Im Sinne von, wenn ich eine 15-Minuten-Leistung generieren möchte, fange ich natürlich nicht an mit 15 Minuten, sondern Was sehe ich? Ich muss 7 Watt oder sagen wir mal 7 Watt 15 Minuten treten. Das ist schon heftig. Oder das wäre schon sehr heftig. Aber sagen wir mal 6,7 Watt. Das ist schon eine ziemlich spitze Dauer. Und dann fange ich an, vielleicht fahre ich das erst noch 5 Minuten. Und dann setze ich immer eine Minute drauf. Total so richtig naives, naive Herangehensweise. Funktioniert aber. Bombe. Und dann würde ich das machen. Und das verbinde ich dann vielleicht mit einem Shuttling. Wieso rechne ich nicht aus, wie hoch ist die Laktat-Akkumulation in diesen sechs Minuten? und fahr danach irgendwie was Sweetsport-mäßiges, um damit besser zurechtzukommen. Das mache ich ab und zu. Klar, das ist jetzt super spezifisch. Ich weiß. Jetzt sind wir da mal tief eingetaucht, aber so würde man das theoretisch machen. Ja. Und dann könnte man sich da so entlanghangeln. Für einen Normalo-Sportler heißt das, ich fahre jetzt in sechs Wochen, keine Ahnung, Transalp oder irgendeinen Radmarathon. Hier, wie heißt das Ding noch? Ötztaler, ja, zum Beispiel. Ja.

Björn: Zum Beispiel?

Niclas: Zum Beispiel Kütay, keine Ahnung, wie schnell fährt man da hoch? Als normaler Mensch? Ich weiß gar nicht, wie lange man da... Ich frage mich nicht, habe ich nicht im Kopf.

Björn: Die schnellsten wahrscheinlich, aber der normale Sportler?

Niclas: Ich könnte jetzt nachschauen, aber... Ja, und ich meine, da kannst du ja, weißt du, okay, das ist die Zielleistung, die ich fahren muss. Als Alban und ich das dann geplant haben, wussten wir, das ist die Zielleistung. Das müssen wir fahren können. Und dann haben wir das halt getrainiert. Ganz einfach. Da haben wir gesagt, halbe Stunde Zielleistung und dann dreimal eine halbe Stunde die Zielleistung und hier mal antreten und da mal antreten und fertig ist die Laube. Total simpel. Triathlon. Super easy. Also Langdistanz. Ich weiß ja, welche Zielleistung ich fahren will. Das ist ja kein Hexenwerk.

Björn: Dann trainierst du die einfach. Was ich mir bei Sportlern immer noch sehr gerne anschaue, ist halt, okay... Welche Schwächen haben wir zum Beispiel denn aus der letzten Saison mitgenommen bzw. wissen, welche Schwächen hattest du zum Beispiel bei den Marathons? Da fallen mir Sportler ein, die kriegen den Start nicht hin. Ja, okay, dann arbeitet man zum Beispiel dran, am Anfang des Rennens härtere Intervalle auch schon mal einzubauen. Am Anfang des Trainings schon mal relativ harte Intervalle einfach zu trainieren, dass du vielleicht mit einem Start besser zurechtkommst. Wenn du Athleten hast, die dir immer nach drei Stunden flöten gehen, ja gut, dann darf der Athlet zum Beispiel die ersten zwei Stunden erstmal Fatmax fahren und darf dann erst nach zwei Stunden mit Intervallen anfangen. Solche Sachen... Versuche ich immer noch sehr gerne zu berücksichtigen, um halt zu gucken, okay, was hat denn der Athlet für Stärken, für Schwächen? Und dann natürlich klar, was ist das Anforderungsprofil? Also ein Training für einen Ötzi sieht komplett anders aus wie ein Training für einen Mountainbike-Marathon im Mittelgebirge, wo es irgendwie fünf bis acht Minuten nur die Anstiege hoch geht. Der muss jetzt nicht unbedingt die ganze Zeit 20 Minuten Sweetsport-Intervalle fahren.

Niclas: Ja, ganz genau. Auch das in der Spezifikation aus dem, und das haben wir davor dann vielleicht auch schon ein bisschen eingebaut, aber wo bricht der Sportler ein im letzten Jahr? Der Gedanke, wie viel Energiefluss haben wir davor schon gehabt? Vielleicht schon so ein bisschen Intervallen, ne? Und dann, da bin ich, das mache ich auch manchmal, dass ich, ich fahre dann Intervalle schon vorher, die schon so ein bisschen knackig sind, aber so das Hauptintervall kommt dann zum Schluss, ja? weil ich weiß, okay, das ist dann die rennentscheidende Phase oder hier hat der Sportler Probleme. Nach drei Stunden und der und der Belastung hat dieser Sportler immer Probleme, dann ärgere ich den jetzt oder die. Und dann bauen wir das einfach ein und fertig. Und dann schauen wir mal, dass da eine Lernkurve entsteht. Darüber hatten wir das letzte Mal auch gesprochen, so eine mentale Lernkurve. Okay, ich muss halt in der Lage sein, auch nach drei Stunden so hohe Leistungswerte abrufen zu können.

Björn: ist, glaube ich, auch immer sehr wichtig für das Selbstvertrauen des Sportlers, wenn er das im Training schon mal gemacht hat und dann weiß, okay, ich kann das auch so. Klar, das tut weh in den Beinen, aber ich kann diese 5-Minuten-Leistung auch noch nach, keine Ahnung, 2500, 3000 Kilojoule fahren. Ja.

Niclas: Gut.

Björn: Hast du noch abschließende Worte zu dem Thema Trainingsplanung auf das Jahr gesehen? Ähm,

Niclas: Sich darüber im Klarsein, was sind die Hauptwettkämpfe. Je nach Sportart, also ich glaube beim Triathlon Langdistanz sind es vielleicht ein, zwei maximal. Beim Laufen Marathon ein, maximal zwei und die sind weit auseinander. Bei Radsport-Sachen ist es einfacher, wir haben halt nicht diesen Impact, aber auch da sucht man sich natürlich seine vier, fünf super Hauptwettkämpfe, wenn es eine Rundfahrt ist, kann es auch nur eine Rundfahrt sein, raus. Und den Rest bastelt man drum herum. Die anderen Wettkämpfe, man kann natürlich auch so, wie du schon gesagt hast, Trainingswettkämpfe haben, wenn man die möchte. Auch motivationstechnisch, dass man sagt, hier baue ich einen Block ein, der passt super in den VO2 Max Block rein, dieser Wettkampf, dann mache ich das. Ich habe vor kurzem mal gehört, dass das nicht sinnvoll ist. Ich finde es total sinnvoll. Wenn ich in einem VO2 Max Block bin, mache ich halt noch ein Rennen, bastel ich mir rein, finde ich total gut. Und... Kein langes halt, ein kurzes, ein Cross-Rennen oder was weiß ich. Passt ja. Und dann irgendwann, wenn die Hauptwettkämpfe kommen, auf die Spezifik des Hauptwettkampfes ein bisschen rauf zu trainieren. Und eventuell, wenn ich merke, dass die Ökonomisierung noch nicht so da ist, versuchen da dann intensiver daran zu arbeiten, Stichwort over-unders, Shuttling, Training, pipapo, das macht immer Sinn. Also vielleicht sogar sowas wie Zielleistung fahren und dann versuchen das in den Shuttling zu integrieren, das ist so etwas, was ich ganz cool finde.

Björn: Also zusammengefasst würde ich eigentlich sagen, sagen, Hauptwettkampf raussuchen, Anforderungsprofil klar machen und dann nach den ersten sechs bis acht Wochen, nach dem ersten Test zu schauen, okay, wo stehe ich jetzt gerade, was ist das Anforderungsprofil und wo mische ich hin? Und dann muss man das halt von hinten zusammenbauen. Sehr gut. Gut.

Niclas: Und immer im Blick behalten. Also es gibt ja auch so... Trainingsfortschritt protokollieren, das ist auch immer, also regelmäßig Tests fahren, allgemein befinden, anschauen, wie ist die Herzfrequenz, wie verhält die sich, wie schlafe ich, schlafe ich gut, schlafe ich schlecht und so weiter. Das sind so die Dinge, die dann wichtig sind und sich nicht verrückt werden lassen, verrückt machen lassen. Ich finde diesen Bereich Longevity, also ich verlängere mein Leben, Darüber habe ich vor kurzem mal ein bisschen nachgedacht. Ich finde es ein lustiges, spannendes Thema. Ich frage mich dann immer, wer will denn schon länger leben? Ich jetzt nicht unbedingt. Also schon länger wie jetzt, aber ich will jetzt nicht 120 werden.

Björn: Ich würde das aber davon abhängig machen. Gesünder leben. Gesünder leben. Sehe ich ein. Gesünder leben. Ja, aber würdest du 120 werden wollen, wenn du trotzdem noch fit bist? Also, dass ich natürlich... Ich möchte nicht, sagen wir mal, älter wie 85 werden, weil ich dann vielleicht, keine Ahnung, mit am Gehstock gehen muss oder einen Rollator brauche. Da habe ich auf gar keinen Fall Bock drauf. Aber wenn ich jetzt zum Beispiel... an den alten Pfarrer aus meinem Heimatort denke, der ist halt auch noch mit 85 Rad gefahren und der Mann war total happy.

Niclas: Also wenn ich eine Mission habe, dann kann man sich das natürlich total gut vorstellen. Wenn ich, und das sieht man ja auch immer, Menschen, die für etwas brennen, Stephen Hawking, schönes Beispiel, der war halt ab 40, spätestens war der halt in seinem Rollstuhl gefesselt, aber der hat halt eine Mission. Und deshalb hat er auch so lange durchgezogen. Und ich glaube, dieser Grund herauszufinden, wieso mache ich das Ganze hier, das hält dich dann am Ende des Tages jung und am Leben. Das ist so ein bisschen meine Meinung. Na klar, also sich jetzt irgendwie jeden Tag zuzusaufen und schlecht zu essen, das ist natürlich nicht sinnvoll. Aber ich finde, es hat so eine Drohgebärde heutzutage. Ich muss jetzt gesund werden, damit ich lange lebe und auch lange gesund bin. Und es wird ja mit so einer Drohgebärde verkauft, was ich unangenehm finde. Das klingt so ein bisschen wie so fiese Politik. Ja, ja. Keine Ahnung, das und das Schlimmes passiert, wenn wir nicht das und das tun, egal in welche Richtung. Und vor allem dann, wenn es so eine greifbare, scheinbar greifbare Bedrohung ist. Das ist so schlecht verkauft, mit Angst verkaufen mag ich nicht. Und so habe ich so das Gefühl und sich dann auf... So dieses Datentracking, sag ich, Datentracking ist natürlich schon wichtig, aber sich davon dann verrückt machen zu lassen, also ich finde so, für mich ist ja so ein Glukosesensor als gesunder Mensch, die totale Perversion sich ranzukleben. Also muss ich ehrlich sagen, finde ich schon hart. Weil mich würde das total triggern, die ganze Zeit zu sagen, jetzt habe ich irgendwie Blutzuckers hoch und jetzt muss ich mich schlecht fühlen und dies und das und was löst das aus? Wird so ein bisschen mit Angst verkauft. Ich finde es im Sport, wir haben es ausprobiert, ich fand vor allem die Sensoren teilweise echt nicht so gut, weil sie ungenau waren. Das war so das Hauptproblem. Und kann auch sein, dass sie falsch bedient worden sind oder dass sie mit den Schweißraten nicht zurechtkommen. Wobei diese kleine Nadel, die da drin ist, sollte eigentlich keine Probleme haben. Von daher, dieses Verkaufen mit Angst finde ich immer schwierig. Oh, du hast nicht genug geschlafen. Oh, du musst jetzt das essen. Und so Purpose Driven, also was ist meine Mission auf der Welt? Und dazu ist eigentlich Sport eine tolle Sache. Ich will einen Marathon laufen oder ich will mit 60 das und das noch machen. Das ist so der Grund, wieso ich das alles mache. Oder ich will meine Enkelkinder oder ich will noch an der Uni das und das erreichen, unterrichten. Ich will Menschen irgendwie zeigen, was man machen kann. Ich finde, das ist toll. Aber so rein aus egoistischem heraus zu sagen, ich will lange leben, ich glaube, das funktioniert nicht.

Björn: Ja, das stelle ich mir auch schwierig vor, wenn ich das jetzt nur auf das reine Ziel des langen Lebens runterbrechen würde.

Niclas: Und eigentlich weiß es ja jeder, wie es funktioniert. Gesund essen, genug schlafen, Sport. Fertig ist die Kiste. Ja.

Björn: Gut. Sehr gut. Dann zum Abschluss, wenn ihr als Zuhörer irgendwelche Fragen habt zum Podcast, entweder in die Spotify-Kommentare oder einfach auf Aerotune auf dem Instagram-Kanal uns anschreiben. Und ansonsten, wenn es Anmerkungen, Fragen oder auch Folgenvorschläge gibt, einfach her damit. Genau.

Niclas: Sehr schön. Bis bald.

Björn: Bis nächste Woche. Ciao, ciao.

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