Den Kopf freimachen: Strategien für mentale Höchstleistung
Zweite Folge im neuen Jahr, zweiter spannender Gast! Björn und Niclas begrüßen Eva-Maria Sperger, eine der erfolgreichsten Ultraläuferinnen der Welt und gleichzeitig erfahrene Psychologin. Als absolute Expertin verbindet Eva ihre außergewöhnlichen Erfolge im Ultralauf mit tiefem psychologischem Fachwissen. In dieser Folge teilt sie wertvolle Strategien, wie man im Wettkampf länger durchhält, mit Leistungsdruck umgeht und mental stärker wird. Eine inspirierende Kombination aus Spitzenleistung und fundierter Wissenschaft – viel Spaß beim Zuhören!
Transkript
Björn: Willkommen zum A Faster You Podcast, wo sich alles um Ausdauersport und Training dreht. Hier geben euch Sebastian Schluricke, Björn Kafka und Niklas Ranker wertvolle Tipps und Einblicke, die euch helfen, eure Performance auf das nächste Level zu bringen. So, herzlich willkommen zu einer neuen Folge A Faster You Podcast. Guten Abend Björn. Niklas, hi. Wir haben uns wieder die Mühe gemacht. Diesmal, wie immer, polarisierend die Fragen bearbeitet. Du machst 90, ich mache 10. Wobei, es sind erst 99 eins. Wir haben wieder einen Gast. Ja, man muss dazu sagen, ich bereite den Podcast zwar immer vor, also überlege mir Fragen, suche Studien raus und sowas, aber du bist derjenige, der die ganzen Gäste an Land zieht. Von dem her ist das schon 50-50. Okay, gut, sehr gut. Erzähl mal, wen haben wir denn heute? Wir haben heute Eva-Marie Sperger, eine Diplom-Psychologin und erfolgreiche Ultraläuferin, Genau. Und wenn ich dir das richtig weiß, deine Athletin. Richtig. Ja, denn du hast im Innovation Podcast auch von ihr erzählt. Richtig. Ich weiß gar nicht, ob Eva das je gehört hat. Na klar. Okay. Guten Abend, Eva. Genau, wir stellen sie einmal kurz vor, beziehungsweise haben wir uns gerade im Vorgespräch darauf geeinigt, weil wir uns nicht sicher sind, ob die Informationen, die ich aus dem Internet habe, richtig sind, dass ich einfach mal anfange und du kretschst rein, wenn irgendwas nicht stimmt. Jawohl. Gut, also du bist am 25. Dezember 1997 geboren, bist aktuell, das stimmt nicht. Oh geil, das ist gekauft, sofort. Okay. 79.
Niclas: 79. Okay. Bist du ein Schönjager? Der gleiche. Schon, gell? Ja, ja.
Björn: Okay, okay. Schön. Sehr gut. Du warst früher Radfahrerin und Thai-Boxerin.
Niclas: Ja, ich habe, also Thai-Boxen habe ich wettkampfmäßig gemacht. Radl-Fahren war Hobby-mäßig, so genau. Ich bin viel Rad gefahren, sagen wir es so.
Björn: Okay, gut, mit dem Alter hätte ich mir jetzt denken können, wenn man das Ganze weiterliest. Mitte 30 hast du angefangen mit Trail-Wettkämpfen und dann vor allem Ultra-Trail-Läufe, wenn ich das richtig sehe. Du warst 2017 deutsche Meisterin im Ultra-Trail und wurdest vom Trail-Magazin 2019 und 2020 zur Trail-Läuferin des Jahres gekürt. Mhm. Und bist mit deinem Partner zusammen 2020 von Garmisch-Partenkirchen nach Chamois, Chamonix, 720 Kilometer, 55.000 Höhenmeter in 23 Tagen gelaufen. Das klingt für mich, der absolut kein Talent hat zum Laufen, sehr schmerzhaft.
Niclas: Das war zwischendurch schmerzhaft.
Björn: Das kann ich mir vorstellen. Okay. Wenn ich mir jetzt, also seit 2016 hast du einige Ultraläufe gewonnen. Allein letztes Jahr in Teneriffa den Blue Trail über 110 Kilometer. Zweiter beim Eiger Ultratrail. Der sagt sogar mir was, der Eiger. Und dritter Platz beim Ultratrail Cape Town. Ja.
Niclas: Okay.
Björn: Ist irgendwas dabei, was du auf jeden Fall noch erwähnen möchtest?
Niclas: Ich glaube, eine Sache ist vielleicht was Wichtiges, weil ich da so vier Jahre drauf hingearbeitet habe. Das war der UTMB, also Ultra Trail du Mont Blanc, der mitunter das weltbekannteste Rennen ist und bestbesetzte Rennen. Das ist eigentlich fast die inoffizielle Weltmeisterschaft, könnte man sagen. Und da musste ich zweimal aussteigen. Also der ist 170 Kilometer mit 10.000 Höhenmeter. Und den habe ich ja letztendlich dann auch geschafft und für mich in einem tollen Top-Ten-Platz gefinisht. Also das war schon auch nochmal ein Meilenstein, könnte man sagen.
Björn: Okay. Wie lange braucht man für 170 Kilometer mit 10.000 Höhenmeter? Also ich meine, allein das mit dem Fahrrad zu fahren, ist schon eigentlich völlig Banane. Aber das zu laufen...
Niclas: Ja, da habe ich 28 Stunden gebraucht.
Björn: Läuft man dann nonstop oder machst du mal 30 Minuten Powernap oder?
Niclas: Nee, nee, also vielleicht, ich versuche die Pausen wirklich so auf Maximum drei, vier, fünf Minuten zu halten in einer Station, wo du dann halt isst, trinkst, wieder Sachen aufnimmst und so. Genau, aber also versuche möglichst schnell durch die Stationen zu kommen.
Björn: Wow, okay. Also ich habe vorhin mit meiner Freundin den Wikipedia-Artikel einmal durchgeguckt und habe so gesagt, also ich finde 100 Kilometer Trail laufen, das ist krasser als Ironman. Allein wenn ich jetzt für mich da reindenke, wenn ich jetzt die Wahl habe zwischen du musst einen Ironman machen oder du musst 100 Kilometer Trail laufen, ich würde den Ironman lieber machen, weil ich mir das nicht vorstellen kann, so lange zu laufen.
Niclas: Ich laufe lieber 100 Kilometer als 15 Kilometer im Olympiapark.
Björn: Ja. Okay. Und dann, neben den ganzen sportlichen Erfolgen, bist du Psychologin und tätig als Psychotherapeutin.
Niclas: Genau. Und sogar auch mittlerweile als Mentaltrainerin, weil halt einfach durch das, dass ich halt Sportlerin bin, auch immer wieder aus ganz verschiedenen Sportarten Athletinnen und Athleten zu mir kommen. Aber das ist eher so eine kleinere Sache nebenher, könnte man sagen.
Björn: Okay, sehr gut. In Vorbereitung auf den Podcast habe ich mir Fragen und habe auch befreundete Athleten gefragt, welche Fragen sie denn aus Athletensicht einmal quasi an eine Psychologin, die auch quasi in der Sportpsychologie und auch im Coaching und im Mentaltraining unterwegs ist, hätten. Und dann habe ich mir einmal Fragen vor allem aus Trainersicht auch überlegt. Wenn ich das richtig weiß, du hast die Fragen ein bisschen zusammengekürzt, weil ich glaube, ein paar von denen haben sich auch so ein bisschen überschnitten, oder? Oder Björn, hast du sie gekürzt? Nicht zusammengekürzt, glaube ich, sondern, oder weiß ich nicht, vielleicht schon, aber es sind so viele Fragen, dass wir das nicht alles schaffen werden.
Niclas: Also wir können das machen, dann sitzen wir vielleicht noch ein bisschen länger heute Abend hier. Denn es waren ja super coole Fragen, ich hatte nur die Befürchtung, dass es ein bisschen lang werden könnte.
Björn: Okay. Björn, mit welcher Sicht sollen wir anfangen? Ich vermute, für die Zuhörer ist wahrscheinlich die Athletensicht erstmal interessanter. Ich weiß gar nicht, ob das so spannend ist. Ich finde die Coaching-Sicht halt auch echt spannend. Welche der drei Coaching-Fragen hat dir denn am meisten zugesagt? Wäre ich oder Eva? Ja, du, Björn. Nehmen wir doch mal, ich würde die Frage 2. Was kann ein Athlet tun, wenn ein Athlet das Gefühl hat, nicht genug zu trainieren, obwohl die Trainingsbelastung bereits ausreichend oder sogar zu hoch ist? Ja, das ist glaube ich... Das ist jetzt gemein, Eva.
Niclas: Weißt du, was mein Mann zu der Frage gesagt hat? Er hat gesagt, es ist so, als würde man ihn zum Klavierspielen befragen. Aber ich habe mich natürlich damit beschäftigt.
Björn: Okay. Es ist natürlich schwierig. Du musst die Frage jetzt ja quasi aus sportpsychologischer Sicht beziehungsweise psychologischer Sicht beantworten und nicht aus der Sicht eines Athleten.
Niclas: Ja, aus Coach, genau. Okay. Also die Frage ist, was macht man, wenn jemand das Gefühl hat, nicht genügend zu trainieren oder dass es nicht ausreichend ist?
Björn: Ich glaube, gerade unter dem Gesichtspunkt, dass viele Athleten durch, ich vermute mal, hauptsächlich Social Media oder Radrennen oder auch andere Podcasts immer das Gefühl haben, sie müssten mehr machen und es ja auch so ein bisschen teilweise... oft übermittelt wird, okay, mehr ist immer besser. Und ich glaube, dass teilweise sich Athleten auch einfach nicht eingestehen können, dass sie erschöpft sind, dass sie müde sind. Und meine Erfahrung ist, der Athlet macht so lange quasi zu viel, Und versucht den Trainingsplan immer 110, 120 Prozent zu erfüllen und macht hier noch was extra und da noch was extra, bis es dann irgendwann Knall macht und dann wird quasi auf den Coach gegangen und gesagt, ja, aber warum bin ich jetzt komplett platt, weil du hast ja nicht eingegriffen.
Niclas: Ja, also ich würde es so beantworten. Ich glaube, es gibt, wenn die Basis dafür ist wahrscheinlich, dass man sagt, okay, ausgehend von einem Ziel, also jetzt beispielsweise mein Ziel wäre, den Eiger dieses Jahr nochmal zu laufen. Welche Sachen braucht es? Also worin möchte ich mich eigentlich entwickeln? Und wie übersetzt man das jetzt in einem Mikro- und Makrozyklus? Also dass ich weiß, okay, jetzt kommen die sechs Wochen dafür, die sechs Wochen dafür, die sechs Wochen dafür. sechs Wochen dafür und gibt es irgendwie eine Messung bezüglich, woran messe ich denn jetzt, ob das was bringt, also dass man ein Feedback hat. Ich glaube, das gibt einem schon mal ganz viel Sicherheit, dass das funktioniert. Ich glaube, ansonsten hängt es irgendwie so in der Luft oder es ist irgendwie so ein, Also Vertrauen, aber auf Basis von was schenke ich dem Ganzen eigentlich Vertrauen? Also ich denke, das ist jetzt nichts Psychologisches, sondern ich glaube, das braucht es einfach, um sich irgendwo auch die Dinge sichtbar, messbar, ich meine, grafen, wenn man sieht, die Entwicklung sieht es, glaube ich, schon mal super. Und dann würde ich sagen, dass man konkret auch anspricht, genau diese Dinge, wo man weiß, das ist für wahrscheinlich jede Athletin, jeden Athleten, der wirklich lebt. total ambitioniert ist, wird das ein Thema sein. Also ich habe in der Therapie auch so Punkte, so intuitive Sachen, wo immer Leute automatisch intuitiv in diese Richtung gehen. Und sie würden nie in die andere Richtung gehen. Und da braucht es im Endeffekt ja auch dass ich an der Stelle sage, okay, in aller Regel denkt man, das und das und das sollte ich keinesfalls machen oder dass man jetzt als Coach sagt, okay, die meisten denken, mehr ist immer besser und haben ihre Vorbilder und sehen sie ja und bei XY sieht man es ja auch, dass man das einfach aktiv als Thema auch schon mal mit einbringt. Und anspricht und irgendwie auch damit das Gefühl gibt, ich bin mir dessen voll bewusst und ich habe mich auch mit der Frage auseinandergesetzt und okay, auf Basis dieser und jener Wissenschaft und Daten und so weiter ist es sinnvoll, einfach die Geduld aufzubringen. Und ich glaube, ich würde auch das richtige Maß an Konfrontation mit reinbringen. Also dass man sagt, okay, natürlich wäre es cooler, wenn man sich noch schneller entwickeln könnte. Ja, das würde jeder von uns kaufen. Aber leider, es geht halt um die Kontinuität oder es geht um die Kontinuität und das richtige Maß zu finden, dass man das irgendwo so mit reinbringt. Und ich glaube, dann würde ich sagen, Noch zwei Sachen ganz wichtig finden, nämlich erstens, dass man kontinuierliches Feedback reinbringt, also dass ich mir wirklich halt die Woche durchgehe, dass man einen regelmäßigen Termin hat, anschaut, Feedback gibt, was ist jetzt die letzte Woche passiert, wie ist das umgesetzt. Und es gibt so in der Therapie den Begriff der fürsorglichen Stränge. Also ich glaube, manchmal hat man Angst vor Konfrontation, weil man dann niemanden vor den Kopf stoßen will und den Konflikt irgendwie scheut. Und gleichzeitig, glaube ich, wenn man so auf eine liebevolle Art sagt, hey, wir wollen ja beide dasselbe. Also ist ja voll cool, dass du bereit bist, viel zu machen, ist ja eine super Sache. Also Motivation ist auf jeden Fall schon mal da. Und gleichzeitig, das ist zu viel. Also dass man einfach diese Strenge, diese Komponente der Strenge reinbringt, eben auf eine liebevolle Art. Und ich glaube auch, dass diese Konfrontation an den richtigen Stellen ganz gut tut, also dass man das auch braucht und auch eine Deutlichkeit, wo ich vielleicht Sachen nicht so wichtig nehmen muss oder so ein bisschen im Freiheitsgrad habe. Es gibt ja tausend Dinge zu beachten. Und als Athlet weiß man ja auch nicht so genau, wo sollte ich jetzt wirklich die Dinge genau nehmen und wo habe ich einen totalen Spielraum, das auch mal irgendwie frei zu gestalten, dass es mich nicht so stresst. Und ich glaube, da an der richtigen Stelle zu sagen, hör mal zu, hier, lass uns nochmal in die Woche reinschauen. Okay, das war jetzt so und so viel und mir wäre es wichtig, dass... Also da die nötige Strenge... Und dann nochmal die komplette Gegenposition, glaube ich, ist es auch super wichtig zuzuhören. Ich glaube, wenn jemand jetzt ganz neu ist und noch einfach wirklich wenig Ahnung hat, dann braucht es ja einfach die Kompetenz und das Vertrauen in den Plan. Ich glaube aber auch, dass in meinem Fall, ich trainiere jetzt seit zehn Jahren und seit neun Jahren mit Trainingsplanen, Das bedeutet ja, ich schaue ja, ich kenne mich in- und auswendig. Also ich habe ja auch schon viel Hinweise bekommen. Ich kann mich wahrscheinlich, also eine Trainerin oder ein Trainer kann mich ja nie so genau kennen, wie ich mich selber im täglichen Training so ein genaues Gefühl habe. Und ich glaube auch, dass das eine ganz, ganz, ganz wichtige Basis ist, dass ich das Gefühl habe, ein Coach ist auch bereit, mir zuzuhören. Also er empfiehlt ja eigentlich auch einen Teil in ein System hinein, das er so nicht täglich erlebt oder nicht kennt. Und wir sind ja oft dann vielleicht auf Coach-Seite oder auch als Therapeut oder so, wenn man in der Rolle ist, dann möchte man ja automatisch einfach seine Kompetenz zeigen und so einfach vermitteln, ich weiß Bescheid und ich weiß auch warum. Also man geht immer auf die Seite des Überzeugens und ich habe das Wissen. Und ich glaube aber, dass es so für das Kompetenzgefühl eigentlich total sinnvoll sein könnte, auch mal einen Moment einfach die Bereitschaft aufzubringen, dieses eigene Wissen beiseite zu stellen und zuzuhören mit wirklich der Bereitschaft auch einzugehen, sich dem zu öffnen und mal zu gucken, hey, vielleicht hat derjenige, vielleicht ist es wirklich zu wenig. Also vielleicht hat derjenige ja auch einen Punkt. Vielleicht erfahre ich da auch nochmal Dinge, warum denkt derjenige oder diejenige das denn, wo ich sogar denken würde, ach ja, okay, das habe ich vielleicht irgendwie auch gar nicht gewusst oder so gesehen.
Björn: Ja, ich glaube, was ich jetzt hauptsächlich raushöre, ist auf jeden Fall bei dem Punkt, dass der Athlet und der Coach zusammen genug über das Richtige kommunizieren sollten. Also gerade wenn es jetzt darum geht, wie viel Zeit habe ich für mein Training, dass zum einen der Athlet quasi einmal realistisch sagen muss, wie viel Zeit hat er denn in der Woche, gerade wenn wir jetzt von Hobby- und Amateurathleten sprechen, die noch normal arbeiten gehen, ist es einfach super wichtig für den Coach zu wissen, okay, wie viele Stunden hat er denn realistisch zur Verfügung und dann auf die Frage quasi, wie geht's dir, auch den Mut zu haben zu sagen, ja, okay, die Woche wird vielleicht stressig, ich fühle mich vielleicht nicht so gut und dann ist es quasi auf der Seite des Coaches zu sagen, ja, okay, dann müssen wir vielleicht ein bisschen lockerer machen, ähm, Diese Woche jetzt auf den Stresspegel quasi viel drauf zu trainieren, ist nicht so sinnvoll. Lass mal einen Gang zurückschalten. Und wenn nächste Woche das Ganze wieder ein bisschen entspannter ist, dann können wir auch wiederum mehr machen. Und ich glaube, dann ist... Das ist zumindest das, was ich jetzt hauptsächlich verstanden habe, dass es auf jeden Fall wichtig ist, dass eine beidseitige Kommunikation stattfindet und man sich auch traut, Dinge anzusprechen vom Athleten aus und auch vom Coach aus. Und es dann wichtig ist, das Feedback des anderen zu verstehen und auch ihm zuzuhören und es gegebenenfalls auch einfach einzubinden, wenn der Athlet wirklich der Meinung ist, ja okay, du schreibst mir nur 10 Stunden in den Plan, ich habe aber 15 Stunden Zeit und die Woche ist entspannt. Und ich fühle mich gesund und wir haben die letzten Wochen nicht viel trainiert. Vielleicht ist es dann wirklich sinnvoll, die Woche mal 15 zu machen.
Niclas: Ja, und also eben in diesem... Feedback-Prozess, wenn ich jetzt merke, okay, es passiert, also wir haben drüber geredet und ich bin als Coach der Meinung, es ist wirklich zu viel und es passiert wieder und wieder, dass man halt einfach dort dann auch das dementsprechende Feedback gibt, also zuhört auf der einen Seite, was ist denn der Grund dafür oder wie kommt jemand oder was ist der Hintergedanke auf der einen Seite und auf der anderen Seite aber eben auch den Mut, wirklich deutlich zu sein, also liebevoll deutlich zu sein.
Björn: Ich glaube, ich muss auf jeden Fall teilweise noch an dem liebevoll arbeiten. Ich hoffe zumindest, weil ich meine das mit keinem meiner Athleten böse, aber ich glaube manchmal in einer einfachen WhatsApp-Nachricht kommt das nicht so rüber. Vielleicht sollte man dann eine Sprachnachricht machen, dass man auch hört, dass ich das nicht böse meine.
Niclas: Ja, also die liebevolle Strenge, das mag ich als Begriff irgendwie gerne. Und ich finde, man tut sehr jemandem wirklich was Gutes dabei, oder? Also beispielsweise, wenn ich jetzt immer als Therapeutin mit jemandem was am Umsetzen bin, zum Beispiel es gibt bei Schlafstörungen ein ganz einfaches Prinzip, das heißt, ich reduziere Schlafzeit, also Schlafrestriktionen. Jetzt kommt jemand, der ist sowieso total müde und hat seit Jahren irgendwie schlecht geschlafen und jetzt sagst du dem, okay, deine Schlafzeit verkürzen wir jetzt nochmal auf so und so viel und es bedeutet irgendwie, du bist jetzt dann die nächste Zeit wirklich richtig müde. Das ist halt ein super hartes Verfahren, ja.
Björn: Das hört sich auch wirklich sehr toll an.
Niclas: Es wirkt super gut. Also es ist wirklich das Best-of, was man machen kann bei Schlafstörungen. Und ich glaube aber an der Stelle, wenn ich jetzt jemanden habe, der das vielleicht mal vereinbart ist und es passiert aber anders, dann würde ich halt irgendwie auch vermitteln wollen, hey, das ist so ein bisschen schade, wenn man es nicht einhält, weil man sich ja selber auch immer wieder frustriert. Also man gibt dir schon viel rein oder tut was, setzt vielleicht teilweise um, Aber man kriegt den Benefit gar nicht raus. Und von daher, das meine ich mit liebevoller Strenge, dass man jemandem sagt, ich weiß, es ist so hart und es ist so schwierig, dem zu vertrauen. Aber ich bin ja fürsorglich in der Art, dass ich es durchsetze, weil ich möchte ja auch jemand, dass er was rauskriegt und dass er einen positiven Effekt hat, dass er ein Erfolgserleben am Ende hat.
Björn: Ja, also ich glaube, das ist auch wichtig, dass der Athlet das Gefühl hat, dass der Coach quasi dasselbe Ziel, dass man gemeinsam ein Ziel verfolgt und dass der Coach genauso quasi dahinter steht und auch möchte, dass der Athlet das und das Rennen gut abschließt und dort seine Ziele auch erreicht. Das ist übrigens hier gerade sehr spannend, euch beide zuzuhören, weil bei mir im Hintergrund läuft ja die ganze Zeit die Feedback-Loop. Ich trainiere Eva und ich trainiere Niklas.
Niclas: Das ist äußerst spannend, Björn, deine Sichtweise zu hören.
Björn: Jetzt ist die Frage, gibt Björn liebevoll genug Feedback? Das weiß ich nicht. Also ich bin bisher, was das angeht, auf jeden Fall sehr zufrieden. Ich bin dem Menschen angepasst, würde ich sagen. Es gibt Menschen, die Sachen sehr genau wissen wollen und erklärt haben wollen, wieso ich was tue. Und dann gibt es auch manche, mit denen redet man halt nie und das läuft immer. Da gibt es keinen Besser oder Schlechter. Der Vorteil ist, das, und das hat Eva ja schon gesagt, das Zuhören, beziehungsweise das sich permanent hinterfragen, ist einfach Prozess eines Coaches. Also mache ich das, was ich jetzt mache, ist das jetzt gut oder ist das nicht gut, hat das funktioniert, hat das nicht gut funktioniert, kann ich das auch begründen, wieso ich etwas tue? Und wenn ich diese Fragen nicht mehr beantworten kann, oder die Dinge, die ich versuche zu begründen, doch irgendwie fadenscheinig sind, also Da wächst auch so ein bisschen der Anspruch des Coaches in seine Fähigkeiten. Und da setze ich mich halt immer mit auseinander.
Niclas: Ich glaube auch, das muss zusammenpassen. Also ich glaube, die wichtigste Basis ist wahrscheinlich auch, dass man jemanden mag. Also entweder es gibt halt Leute, wenn man die viel fragt oder viel nachhakt, was ich definitiv gern mache, Kann ich auch verstehen, dass sich jemand davon angegriffen fühlt. Und ich glaube, dann ist es irgendwie keine gute Sache. Und Björn, bei dir habe ich nicht den Eindruck, dass es dich in irgendeiner Weise angreift oder so. Ich bin ja gefordert. Ich mag das ja, das weißt du. Ja, genau. Und ich glaube, dass wenn nicht die Basis wäre, also wenn man merkt, dass man jemanden nicht so, Gut, also dass man irgendwie so einen gewissen Widerstand hat, dann wird es sowieso nicht funktionieren. Also dann wird es insgesamt, glaube ich, einfach nicht gut funktionieren, weil das schwingt ja auf alle Fälle irgendwie mit nonverbal, verbal. Es kommt ja irgendwie rüber.
Björn: Ja, also ich finde es auch auf jeden Fall immer angenehmer und leichter, wenn der Athlet viele Fragen stellt und lieber stellt er mir zehn Fragen zum Trainingsplan, setzt den Trainingsplan dann aber so um, wie ich ihn mir überlegt habe und wie ich ihn für richtig halte, als dass er einfach den Trainingsplan nicht so umsetzt, wie er drin steht oder Tage rumschiebt und Sachen anders macht und Intervalle anders fährt und dann im Nachhinein fragt oder im Nachhinein sagt, ja, ich konnte das und das nicht machen und das und das hat nicht geklappt, nicht so, ja. Du hättest mich vorher darauf ansprechen können. Das ist, glaube ich, ein wichtiger Punkt, den Athlet wie auch Coach sich einfach verinnerlichen müssen. Schön. Jetzt eine Frage aus Athletensicht. Wenn wir noch bei Coach sind, ich meine, ich würde fast noch sagen, wir machen noch eine Coach-Frage. Eine Frage, die Eva noch gerne haben möchte. Du hast, glaube ich, den Fragenkatalog eh, ne?
Niclas: Ja, ich habe den. Ich habe ihn vor mir liegen. Genau. Du hast die Frage mit reingeschrieben, was eine gute und eine vertrauensvolle Beziehung ausmacht. Das war das natürlich ein Stück weit eine Frage. Expertise als Psychotherapeutin und ich glaube aber, dass da wirklich ein totaler Gewinn drin liegt, also einfach weil ich merke, dass eine gute Beziehung zwischen Coach und Athletin in dem Fall halt so viel Motivation ausmacht und so viel Spaß und Freude und es ist ja was, womit man einfach so viel Zeit verbringt, das Training und gibt da so viel Mühe rein und von daher finde ich, ist das einfach so ein Gewinn, wenn das halt gut funktioniert und gut klappt. Und, ja, ich glaube, für mich würde es ausmachen, was eine gute Beziehung ist, so dieses Ying und Yang, also ich würde sagen, so eine gewisse Gelassenheit, also so eine gewisse Leichtigkeit auf der einen Seite und Ja, auch eine Ermutigung, ein Vertrauen entgegenzubringen und auf der anderen Seite aber halt auch diese Beharrlichkeit und diese Strenge, also so beides irgendwie, also fördern und fordern können. Also dieses Ying und Yang, das finde ich total wichtig. Und, ja, irgendwo so reinzubringen, eine Wertschätzung, eine Kompetenz auch vermitteln zu können und zuhören zu können. Also Interesse zu haben für das, was hat jemand für Ideen oder auf was kommt der oder was, wieso geht der das so an, das finde ich super wichtig. Und so, wenn man auf die Grundbedürfnisse schaut, ja, Was braucht es eigentlich, um motiviert zu sein? Also was braucht es, um eine Motivation zu haben? Dann ist es so auf der einen Seite ein gewisses Maß an Autonomie. Also das würde bedeuten, dass wenn jetzt man als Trainer wirklich total dominant alles vorgeben würde und wird so durchdrücken, dass das halt der Autonomie ein bisschen widerspricht. Also dass man irgendwo auch einen gewissen Freiheitsgrad mit reinbringt. Wie setze ich das um oder eigene Ideen oder dass man einen gewissen gefühlten Gestaltungsspielraum hat. Also die Autonomie oder zumindest wie ich das umsetze. Wie mache ich mein Intervalltraining? Mache ich das zum Beispiel am Starnberger See irgendwie bei Sonnenuntergang? Also dass ich da irgendwo meine eigenen Ideen meine umsetze. mein eigenes Ding auch reinbringen kann. Dann so ein Kompetenzgefühl. Ich glaube, da kann man einfach als Trainer super viel machen. Also jemandem Vertrauen zu geben, indem man ihm gewisse Aufgaben gibt, die da bewältigen kann. Oder indem man einfach zurückspiegelt, was heißen gewisse Daten. Also das war zum Beispiel für mich super wichtig, irgendwie zu verstehen, wie habe ich zum Beispiel meine V2 Max einzuordnen, wo ich immer gedacht habe, boah, die ist super niedrig und das ist schwierig. Und Björn, du hast es halt für mich irgendwo auch eingeordnet oder einsortiert und mir damit halt sehr, sehr viel an Kompetenzempfinden gegeben. Und der dritte Punkt ist so die soziale Eingebundenheit, also dass man so das Gefühl hat, man ist ein Team, also man arbeitet so zusammen, man zieht an einem Strang, man arbeitet gemeinsam auf dem Ziel hin. Das ist ja auch super cool, wenn man einfach so eine Verbindung darüber hat, dass das so eine ganz, ganz wichtige Sache ist. Also diese drei Sachen und da, wenn ich auf die drei Punkte schaue, dann ist es einfach voll gegeben bei mir und das macht halt ganz viel Motivation aus. Okay. Ich bin ja auch, als Trainer sage ich immer, ich möchte einen mündigen Athleten, das heißt die... Wissens- und dadurch Kompetenzvermittlung ist mir immer wichtig. Wenn ich mit Leuten schon sehr lange zusammenarbeite, dann wissen die so ungefähr, wie machen das, damit das und das passiert. Ist irgendwie so bei mir abgespeichert, weil ich das ja auch spannend finde, über diese Dinge zu reden. Mag nicht jeder, aber ich hole auch gerne mal aus und erzähle, wieso wir denn gerade das machen und welchen Sinn das hat und schicke auch ja ab und zu mal Studien durch die Gegend, wenn jemand Bock drauf hat, das zu lesen.
Björn: Ich glaube, es ist halt bei dem Punkt super wichtig, dass der Athlet sich auch traut, diese Interaktion auch einzugehen. Also man kann ja erst jemandem vertrauen, wenn man eine gewisse Kommunikation hat. Und der Athlet muss halt... auf den Coach, Trainer, whatever, auch zugehen und quasi sich das in gewisser Weise, sage ich, fast einfordern und halt auch sagen, die Nachfragen stellen und halt auch genügend Informationen geben, dass der Trainer darauf dann auch eingehen kann.
Niclas: Finde ich einen voll guten Punkt, weil, also, als du jetzt vorher gesagt hast, so halt nicht einfach machen und dann nachher irgendwie, okay, macht man es halt, das würde ich schon machen, weil ich mich einfach nicht trauen würde, ständig irgendwo auf der Matte zu stehen und was nachzufragen, ja, weil dann habe ich das Gefühl irgendwie, das ist jetzt nervig oder zu viel vielleicht und ich glaube, da braucht es vielleicht auch so dieses, einfach kurz, hey, ist cool, wenn du vorher nachfragst oder frag gerne oder Vielleicht auch zu sagen, jetzt wird es mir zu viel oder mach einfach mal, wenn es dann wirklich den Schnauzfall hat davon. Damit zu sagen, jetzt reicht es, mach einfach, geh raus und trainier so, wie es drinnen steht. Ich glaube auch, das ist einfach okay, aber dass man halt irgendwie so das Feedback hat, so darf ich das, kann ich das machen, ja oder nein.
Björn: Genau. Ich bin wirklich immer ein Freund davon, dass der Athlet sich lieber dreimal zu viel von mir ausmeldet als zu wenig, weil Und ich weiß nicht, auf einer gewissen Weise sehe ich den Job auch immer als Dienstleister. Und der Athlet bezahlt mich ja quasi dafür, dass ich versuche, ihn möglichst gut zu machen. Aber das kann ich nur, wenn ich alle Informationen kriege. Und wenn ich den Athleten frage, wie geht's dir, dann liegt es ja an dem Athleten. Wie viel gibt er mir preis und wie viel sagt er mir? Und ich finde es teilweise, natürlich muss da nicht immer ein riesen Text kommen, aber einfach so ein Gefühl dafür zu bekommen, okay, wie viel Informationen muss ich jetzt meinem Trainer geben? Und das ist auch, glaube ich, einfach, das sage ich auch immer, wenn ich mit neuen Athleten anfange zu arbeiten, man muss halt so ein gewisses Zusammenspiel davon finden, wie viel Informationen gebe ich jetzt meinem Trainer? Und wie viel braucht er wirklich? Und ich glaube, das ist einfach, wenn der Athlet das hinkriegt und wenn der Athlet, wie Björn ja auch sagte, wenn er mündig ist und weiß, okay, das sind jetzt die Infos, die braucht er, damit der Trainingsplan nachher passt und zu den Zielen stimmt, dann können nur beide Seiten davon profitieren.
Niclas: Ja, voll. Ja.
Björn: Sehr schön. Okay, dann will ich jetzt aber eigentlich auch noch die letzte Frage aus der Coach-Sicht machen, weil die leitet ja dann auch schon ein bisschen zu den Punkten der Athleten quasi über. Und zwar, was kann man tun, wenn ein Athlet sich im Rennen nicht vollständig ausbelasten kann? Also welche... Was kann ich als Trainer oder als Coach, welche Hebel oder Methoden kann ich vielleicht anwenden, ohne dass der Athlet sich vielleicht auch bewusst und aktiv damit auseinandersetzen muss?
Niclas: Ja, finde ich auch eine voll spannende Frage. Ich kann mir vorstellen, dass es aus zweierlei Richtungen kommen könnte, warum es nicht klappt. Ich glaube, die eine Richtung ist, also voll ausbelasten bedeutet ja auch einfach extrem viel Schmerz aushalten zu müssen oder es tut brutal weh.
Björn: Absolut. Also ich glaube, jede Ausbelastung, ob es jetzt über fünf Minuten ist oder ob es wie bei dir über 28 Stunden ist, auch die 28 Stunden tun ab einem gewissen Punkt wahrscheinlich einfach nur noch weh. Und das ist auch, glaube ich, bei jedem Mountainbike-Marathon oder dem Cross-Country-Rennen immer, wenn es in Richtung einer Ausbelastung geht, was wir in einem Wettkampfszenario versuchen hinzubekommen.
Niclas: Ja, ja.
Björn: reden wir irgendwann über einen Bereich, wo es einfach nur noch darum geht, wie lange kann ich diesen Schmerz tolerieren und aushalten?
Niclas: Ja, genau. Und da würde ich meinen, dass es einfach erstens ein total starkes Commitment braucht. Also wie stark habe ich wirklich die Bereitschaft, alles dort reinzugeben? Also eine wirklich hundertprozentige Entschlossenheit, weil ich brauche nicht 99 Prozent Entschlossenheit. auf einen UTMB gehen und einen 170-Kilometer-Lauf angehen, sondern da muss wirklich, also wenn ich schon merke, dass ich nicht voll hundertprozentiges Commitment habe, also voll entschlossen reingehe, dann ist es schon eigentlich, boah, dann wird es schon superschwierig. Also ich finde so 80 Prozent nur was zu wollen und dann an die, das geht irgendwie per se nicht. Also glaube ich, es ist sowohl selber als Athletin oder als Athlet würde ich mir die Frage stellen, bin ich wirklich 100 Prozent entschlossen, dieses Rennen voll alles abzurufen oder auch aus Coach-Sicht, finde ich, kann man die Frage stellen. Wie ist es so? Wie entschlossen bist du? Wie sehr willst du das? Wie hoch ist deine Motivation auch? Wie attraktiv ist dieses Ziel für dich? Also dass man das einfach ein Stück weit auch abfragt. Und dann, glaube ich, braucht es aber auch so den höheren Wert dahinter, warum mache ich das? Also geht es mir jetzt einfach nur um das Ziel, also möchte ich einfach nur jetzt ankommen, möchte ich eine Zeit erreichen oder ist es irgendwie auch größer einzuordnen oder höher einzuordnen? Also zum Beispiel bei mir wäre das jetzt mit den 28 Stunden, möchte ich einfach auch was über meinen Geist rausfinden. Also ich weiß, dass ich quasi meinen Patientinnen und Patienten echt was abverlange, wenn die jetzt halt irgendwo in ihre Ängste rein sollen, in ihren Traumata rein sollen, ja, oder wie mit dem Schlaf und so. Das heißt, ich möchte einfach selber auch in dem Rennen wirklich an meine psychischen Grenzen irgendwie rangehen und möchte eine Erfahrung dazu machen. Das ist sozusagen mein höheres Ziel, was dann auch gleichzeitig auf mein Commitment einzahlt. Warum möchte ich das? Was ist damit gewonnen, wenn ich jetzt den UTMB finische? Also das heißt, das habe ich gesagt, eben das Warum, das Why dahinter zu kennen und auch das Commitment, sich selber abzufragen, wie committed bin ich oder eben als Coach das auch zu erfragen, wie hoch ist das Commitment. Also es kann sozusagen aus der Richtung kommen, dass das Warum fehlt oder eben, dass ich nicht voll entschlossen bin.
Björn: Okay.
Niclas: Oder ich glaube, es gibt noch eine andere Richtung, aus der das kommen könnte, dass ich nicht alles abrufen kann in einem Wettkampf und das ist sicherlich Angst. Also dass man quasi in dem Moment, wo Angst und auch Angst davor, dass ich mich blamiere, dass ich hinter den Erwartungen zurückbleibe, dass ich das verliere. Einfach, obwohl Leute mich zum Beispiel als Eva Sperger kennen und das ist irgendwie eine bekannte Läuferin, jetzt stehe ich aber halt am Olympiapark und bin halt überhaupt nicht schnell oder nicht so schnell, wie das vielleicht andere jetzt denken würden. Das ist ja auch irgendwo sehr unangenehm. Und so, dass in dem Moment, wo eine Angst reinkommt und auch eine Angst vor Blamage reinkommt, ist es auch vom Nervensystem so, dass das Nervensystem reagiert mit Rückzug. In dem Moment, wo Scham da ist... zieht sich sowieso auch der Körper schon in eine andere Position und wir haben eher das Bedürfnis, uns zu verstecken. Und das kann auch auf einer sehr, sehr unbewussten Ebene dafür sorgen, dass man gar nicht volle Leistung abrufen und bringen kann. Also einfach wirklich von der Neuropsychologie her kommend nicht. Und da glaube ich, wird es helfen. Also die eine Frage ist, wie hoch ist mein Commitment, wie attraktiv ist das Ziel denn überhaupt für mich? Das ist die eine Skala, die ich habe, so 0 bis 10. Und die andere Frage, die ich stellen kann, ist 0 bis 10, wie kompetent halte ich mich denn für diese Sache? Also wie hoch ist mein Kompetenzgefühl, das auch zu erreichen? Und wenn jetzt jemand sagt, okay, die Attraktivität von der Sache ist 6, schon mal schwierig irgendwie. Aber genauso, wenn jemand sagt, hey, die Attraktivität, ein UTMB zu finishen, ist 10, aber mein Selbstvertrauen, mein Kompetenzgefühl hängt gerade bei 6. Dann würde ich auch irgendwie schauen, okay, wie kann man denn dorthin kommen, das zu erreichen oder zumindest mal darüber gesprochen zu haben, was kann denn schlimmstenfalls passieren, was ist deine größte Sorge an der Stelle? Ja. Zum Beispiel jetzt auch mit Björn. Ich bin auf dich zugekommen, weil ich weiß, das tut mir gut. Und habe halt vor dem letzten Lauf in Südafrika, was eben auch ein 100 Kilometer Lauf war, habe ich gesagt, hör mal zu Björn, ich sage dir jetzt meine größten Ängste. Ich sage dir, ich weiß genau schon, was ich mental zu erwarten habe und was mir wahrscheinlich wieder durch den Kopf gehen wird. Ich spreche es jetzt einfach alles mal aus. So einfach, um es ausgesprochen zu haben. Um vorher, um das schon mal irgendwie benannt zu haben, irgendwie greifbarer zu machen.
Björn: Okay, also würdest du tatsächlich dann auch quasi wieder den Athleten zu dem Punkt ermutigen, zu sagen, okay, ich spreche auch mit meinem Coach, Radtrainer, über die Ängste, die ich habe, damit er sie mir vielleicht nehmen kann, anhand von Leistungsdaten, vielleicht auch mit Trainingseinheiten, wenn der Athlet Angst hat, jo, ich schaffe es nicht, die und die Menge oder so und so lange Rad zu fahren, kann man schon mal so lange Trainingseinheiten machen, kann Trainingseinheiten machen, die einem vielleicht das Vertrauen geben, In die Richtung zu gehen und bei der Frage des Commitments, dass man vielleicht auch jemanden hat, mit dem man über sein Commitment reden kann und dann vielleicht entweder einen anderen Wettkampf raussucht oder einfach auch ein Ziel zusammensetzt, wo er das Commitment hinter sieht, so.
Niclas: Ja, ich glaube, wenn das Commitment nicht da ist, es wird schwierig. Also das Commitment muss irgendwo vom Athleten oder von der Athletin kommen. Also ich kann schauen, ob ich da irgendwo drüber reden kann oder ob man das irgendwie erreichen kann, aber das muss einfach von einem selber kommen. Und es kann ja auch sein, dass ich zum Beispiel, ich hätte ein hundertprozentiges Commitment für 28 Stunden gemacht, Das ist so verrückt. Also eine Stunde ausbelasten, wenn du mich fragen würdest, wie ist das Commitment? Da baue ich dann halt wieder Druck auf. Ja. Keine Ahnung, wie ich mich da hinkriege. Ich weiß nicht. Die Motivation habe ich irgendwie nicht. Das klingt verrückt. Ich bin ja manchmal ein bisschen gemein und Eva hat es ja schon zu spüren bekommen.
Björn: Ich finde, du bist mehr als manchmal gemein, Björn. Dass ich in den Zahlen sehe, dass da halt viel mehr drin ist. Und bei Evas Sport kann man das sehr schön machen. Wobei beim Marathon, auch beim Mountainbike-Marathon, dass es Punkte gibt im Rennen, wo ich weiß, da wird es schwierig. Und dass man dem Sportler sozusagen einen Gedanken einpflanzt, wenn du an dem Punkt bist, denk bitte an dieses Training. Das läuft dann meistens auch von alleine dann schon ab. Und das ist ganz positiv, dass ich wirklich ein Drehbuch schreibe für ein Rennen. Beim Mountainbike-Marathon mache ich das ja öfters, bei einer WM. Das gibt den Leuten schon A, Selbstvertrauen und B, wenn die Situation dann auch eintritt, was sie auch ab und zu dann tut, dann hilft das den Leuten. Unglaublich, ja. Ich meine, die rennen, wenn man die Profile sieht, dann weiß ich schon, wo es eklig wird und wo nicht und dann kann man die schon darauf einstellen, eventuell sogar... Sachen nachbauen im Training und ich habe das Gefühl, zumindest ich war ja auch mal Sportler, mir hat es immer wahnsinnig viel gegeben, zu wissen, wie tut das weh und wann tut das weh. Und mit diesen Gedanken reinzugehen und nicht überrascht zu sein, um Gottes Willen, wieso fahren die jetzt auf einmal so schnell, das bin ich ja gar nicht gewohnt, da bin ich mental schon so überfordert, dass mein Körper dann auch gleich blockiert.
Niclas: Ja, das ist tatsächlich auch so. Also eine der Einheiten, auf die ich da immer wieder zurückkomme, ist dieses 12-Minuten-Wechsel zwischen, ich nenne es immer noch Zone 4 und Zone 5, also so hart, so extrem hart, der Wechsel hin und her. Und das kommt mir tatsächlich immer wieder, weil das halt so ist, du denkst, hey, ich bin sowieso voll ausbelastet und jetzt soll ich noch mal eine Minute irgendwie... V2 Max fahren, wie soll das gehen? Und man schafft es aber halt irgendwie. Und tatsächlich, diese Trainingseinheit, die kommt mir immer wieder in den Sinn, das stimmt schon. Also da weiß ich, was du meinst, dass man einfach so bestimmte Einheiten hat, auf die kommt man immer wieder zurück. Oder du hast mir ja mal, da war ein wunderschöner Sonnentag, in Innsbruck war ich da, Und dann hast du mir so ein Training eingeplant, acht Stunden, die dann neun waren. Und es war dann, also ich bin den Sonnentag Innsbruck, habe ich nicht trainiert und dann abends zurück nach Garmisch und da war es so richtig neblig, man hat einen Meter weit gesehen. Und dann sollte ich da quasi halt acht Stunden in die Nacht reinlaufen. Alleine, so oben halt so Zugspitzgegend, wo kein Mensch ist, zwei Uhr nachts. Es war brutal rutschig. Man hat einfach wirklich nicht weit gesehen mit der Stirnlampe. Und dann rennst du da so komplett allein rein. Durch diesen Kessel, wo halt einfach, ja, das hält niemand. Und das Gelände ist abartig schwer. Und ja, klar, irgendwie bleibt einem das im Gedächtnis. Ja, klar, denkt man sich, denkt man da wieder zurück. Das sind schon Sachen, die einfach super viel Selbstvertrauen dann geben. Und solche Sachen, das finde ich auch richtig cool. Also ich musste mich ja auch, oder ich finde mich ja immer noch in diesen Sport rein. Und als Eva mir das erste Mal erzählte, da ist man dann auch mal ein paar Stunden alleine unterwegs, irgendwo in den Bergen, im Dschungel. In der Nacht, am Gletscher, bei Hagel. Ja, genau. Am Limit, ja, so Hunger, Durst und da schon leichte Panik und dann bist du auch noch nachts unterwegs. Da muss man sich auch mal so ein leichtes, psychisches Rüstzeug zurechtlegen. Das heißt, da läuft man halt acht Stunden lang am Nebel um die Zugspitze rum. Ja, ich mag das ja. Da muss man so ein bisschen kreativer arbeiten. Bringt Spaß. Ja, zumal wir beim Thema ausbelasten. Und ich muss jetzt gerade überlegen, wo wir eigentlich so hergekommen sind.
Björn: Genau, also ich hätte jetzt eigentlich auf die nächste Frage so ein bisschen hingeleitet. Mhm. Welche Strategien hast du, um Schmerzen während eines Wettkampfs länger auszuhalten? Weil da gehen wir ja in die Richtung Ausbelasten. Und ich meine, jeder kennt wahrscheinlich die Situation, du läufst hinter jemandem oder im Radsport, du hängst am Hinterrad von jemandem und der fährt die ganze Zeit sehr schnell den Berg hoch und das ist der vorletzte Anstieg und du weißt, okay, du musst noch einmal da drüber und es tut schon sehr weh und du musst nochmal da hoch. Wie gehst du oder hast du Strategien damit, wie man besser mit diesen Schmerzen umgehen kann und auch den Stimmen und auch den Zweifeln, die dann vielleicht auch aufkommen und auch einfach, ich sag mal, im Optimalfall halt nicht anfängt langsamer zu fahren, sondern diese Schmerzen einfach versucht noch weiter auszuhalten?
Niclas: Ja, also ich glaube, grundsätzlich muss man mal differenzieren, oder welche Form von Schmerz. Also wenn ich jetzt einen Schmerz habe, der potenziell zu einem Ermüdungsbruch wird, dann wäre es ganz gut, wenn man darauf hört. Also klar, dass man halt, ich glaube, man hat ja schon ein Gespür dafür, kann ich jetzt halt wirklich diesen Schmerz einfach zur Seite stellen, für das, also am Berg, die Muskeln brennen. Ja, da geht halt nichts kaputt, klar. Also da kann ich voll in den Schmerz halt reingehen. Aber ich glaube, dazu braucht es halt irgendwo auch so dieses langfristige Denken. Was kommt langfristig dabei raus? Und am Berg, wenn ich halt dranbleibe, dann glaube ich, ist es auch ganz gut, irgendwie so den Zielmoment vor Augen zu haben. Also wie geht es mir, wenn ich jetzt hier nachgelassen habe? Oder wie fühle ich mich dann? Also ich glaube, das ist das eine, dass ich einfach eine Vision vor Augen habe. Das andere ist, glaube ich, dass ich mich davor schon 100 Prozent darauf einstelle, das wird kommen. Das ist sicher so. Also das ist einfach Teil vom Rennen. Das gehört dazu und ja, ich weiß, es wird an der Stelle brutal hart und eben, also jetzt sind wir wieder beim Training, oder, dass ich das auch aus dem Training kenne, dass ich das schon erlebt habe, dass ich irgendwo zurückdenken kann an... Vielleicht auch ein Moment, wo es mir besonders gut gelungen ist oder irgendwo eine Visualisierung vor Augen habe. Ich habe zum Beispiel tatsächlich mal mit einem Triathleten, sind wir da in der Gruppe, Radl gefahren und wir haben halt so einen Bergsprint gemacht. Und es war einer dabei, der hat sich gerade für Ironman qualifiziert und ich bin halt einfach an seinem Hinterrad. Ich habe mich verbissen. So. Ich wollte nicht loslassen, ich habe ihn nicht losgelassen und das ist halt so mein Bild, wenn es irgendwie super hart wird gerade, dann stelle ich mir immer diesen Moment vor, weil ich da halt genau dieses Gefühl hatte, okay, ich werde einfach dieses Hinterrad nicht loslassen und ich will diesen Moment erleben, wenn er sich umdreht und total erstaunt ist, dass ich mit hinten dran geblieben bin und niemand sonst. Das ist für mich so Freude, Spaß, Kompetenz und das ist halt so ein starkes Bild, Und das trainiere ich eigentlich auch immer wieder. Also genau, dass man halt wirklich so eine Härte im Training drin hat. Das wird eh der Fall sein, weil ihr das ja auch mit einplant. Dass ich mir dann in dem Moment auch das Rennen vorstelle und visualisiere und weiß, okay, das wird kommen, das wird so hart. Und dass ich dann irgendwie weiß, welches Bild rufe ich ab. Oder vielleicht habe ich irgendwo mal einen Sprint von Tour de France oder so gesehen, einen Endmoment, der mir total viel gibt. den ich mir vor Augen holen kann. Also wirklich mit Visualisierung arbeiten. Und ja, genau, einfach dieses, kann ich den Schmerz jetzt noch halt akzeptieren und da sein lassen, wahrnehmen für diesen Moment dann im Ziel.
Björn: Okay. Ich glaube, dieses vorher sich wirklich bewusst machen, okay, das wird so wehtun. Ich glaube, das macht auf jeden Fall schon mal immer Sinn, dass man vielleicht ein bisschen ehrlicher mit sich in so einen Plan macht. Okay, war ziemlich sicher, dieser Anstieg wird sau wehtun, weil irgendein Idiot da wieder schnell hochfährt. Und Dann quasi der nächste Punkt, dass du sagst, sich vorher ein Bild parat legen, wo man weiß, das gibt einem Kraft, das gibt einem Energie. Das hat man vielleicht auch im Training schon mal erlebt, sich zurechtgelegt und weiß, okay, das hat mich auch schon durch das und das Training gebracht und das kann ich jetzt hier wieder anwenden.
Niclas: meinetwegen auch ein Lied oder sowas. Also irgendwas, was mich da halt irgendwo, wie ich merke, das gibt mir voll viel Kraft, genau. Und du hast vorher noch was zwischendurch, in der Frage hast du gesagt, was mache ich denn jetzt, wenn mir so negative Gedanken dann durch den Kopf gehen? Und das ist auch eine coole Frage und eine spannende Frage, weil ich... Ich denke, diese negativen Gedanken, die wir in so einem Moment haben, wir sind ja oft gewohnt, dass wir auf den Inhalt so sehr eingehen, oder? Also dass man halt, wenn ich jetzt Selbstzweifel habe, dass ich denken würde, okay, dann muss ich irgendwie auch an meinen Selbstzweifeln arbeiten. Ich glaube aber, dass sehr viel unserer Gefühle tatsächlich Physiologie sind. Also dass ich daran ablesen kann, in welchem Pulsbereich ich bin. Also ich kann das ganz sicher. Ich weiß, wenn ich das Ausmaß meines Selbsthasses oder Selbstzweifels oder Hasse gegenüber dem Rennen und ich will unbedingt das, also ich werde es nie wieder machen, es sagt mir einfach nur, wie hoch ich vom Pulsgrad bin in einem Rennen. Ich habe ja immer Hass auf meine Mitstreiter und das hat mir aber total geholfen. Ich habe gesagt, wenn ihr mir weh tut, tue ich euch halt noch mehr weh. So bin ich super Rennen gefahren. Also irgendwie so die eigenen Gedanken nicht persönlich zu nehmen, also don't take it personally, sage ich da ganz gerne, ja. dass der Inhalt meiner Gedanken ist gerade eigentlich wurscht, es ist halt so, die Gedanken sind mehr oder weniger unangenehm und okay, dann kann ich halt jetzt schauen, wenn ich in einem sehr langen Rennen bin, dann würde ich jetzt meinen Puls eher reduzieren wollen, dass es mir wieder besser geht, weil ich mich ja nicht abschießen will oder halt für einen Moment, wo es ein sehr kurzes Rennen ist, dass ich sage, okay, ja, das sind sozusagen meine Begleiter, meine Monsterchen, ja, und also umso mehr Monster, umso mehr negative Gedanken, umso besser fahre ich eigentlich gerade. Also ich würde es fast umdeuten, ich würde es fast reframen eigentlich. Ja. Okay. Ich bin froh, dass du das sagst, weil ich hatte schon, als du die Visualisierung so gesagt hast, da gehe ich natürlich total mit, aber ich bin immer so ein großer Negativdenker im Rennen gewesen. Ja. Und habe wirklich den Hass, den ich auf dem Rad hatte, auf mich oder auf alle um mich herum, konnte ich wunderbar auf die Pedale ableiten. Das hat super funktioniert. Ja. Ja, also einfach auch Akzeptanz, dass es jetzt gerade so ist und sich möglichst wenig mit diesen Gedanken auseinandersetzen. Das Blödsinn, was man machen kann, ist jetzt irgendwie da was entgegensetzen oder versuchen positiv zu denken zum Beispiel, ist per Wissenschaft nicht sinnvoll. Genau, positiv denken hilft, wenn man positiv sowieso schon denkt und wenn man gerade nicht positiv denkt, dann demotiviert es einen eher noch.
Björn: Spannend. Situation akzeptieren und im Optimalfall sich vorher drauf einstellen und eher versuchen, sich vorher was zurechtzulegen, wo man weiß, okay, wenn die Situation kommt, wo es hart wird, dann denke ich daran, weil ich weiß, wenn ich daran denke, dann schaffe ich es auch.
Niclas: Ja, genau. Und eben einfach, also was ich wirklich mache, weil jetzt bei mir ist es halt so, dass ich diese Stunden um Stunden habe. Also der Kopf hat ja wahnsinnig viel Zeit nachzudenken. Klar, 28 Stunden, wenn man jetzt mal überlegt, wann wird es einem im Flieger langweilig, dann ist es wirklich lang. Und natürlich geht einem da viel durch den Kopf. Und auch natürlich die Frage, warum mache ich das? Und da würde ich, also ich schreibe es mir tatsächlich auf. Ich habe eine Liste, wahrscheinlich zwei Diener, vier Seiten, aller meiner Gedanken, aller meiner üblichen Verdächtigen, die da so aufkommen zwischendurch. Und das ist echt so, dann sage ich denen so, ach ja, okay, ach du, hallo, komm mit, begleit mich, solange du willst. Und ja, vielleicht ist es irgendwann wieder anders. Also fast ein bisschen so ein Welcome on Board. Schön, dass du mit auf die Reise gehst.
Björn: Also sich wirklich, also du hast dir quasi eine Liste geschrieben, wo du deine, ich sag mal, negativen Gedanken, die dann so aufkommen, die dich vielleicht zweifeln lassen oder die dich stören, dir quasi aus alten Rennen so bewusst geworden bist, so okay, immer nach, keine Ahnung, Stunde sechs wird es immer das erste Mal hart, dann kommt super gerne dieser Gedanke, der mich dann vielleicht versucht zweifeln zu lassen und du machst dich vorher quasi, du hast dir diese Liste geschrieben, Und du weißt dann im Wettkampf, okay, ich weiß, der wird kommen. Und wenn er kommt, dann redest du mit ihm, du akzeptierst ihn.
Niclas: Genau. Also genau so. Und das klingt jetzt so furchtbar einfach. Aber in dem Moment ist wirklich zu schaffen. Also das nennt sich D-Fusion. Also fusioniert wird bedeuten, dass ich quasi jetzt voll in den Gedanken einsteige. Warum mache ich diese Ultras? Warum verbringe ich meinen ganzen Urlaub hier? Mit solchen Rennen bin ich des Wahnsinns. Solche Sachen kommen natürlich gern im Rennen. Da kann ich mir ja gerne dazu Gedanken machen, außerhalb vom Rennen. Aber im Rennen sollte ich jetzt vielleicht eher meine Energie für was anderes verwenden. Das sind so Gedanken. Ich kann jetzt ein bisschen drüber lachen, aber in dem Moment kann das einem schon ganz schön catchen. Also manchmal kommt dann ja wieder was, was vielleicht ein bisschen neu ist oder unbekannt. Und ich setze mich dann nachher hin und schreibe mir eine Liste, also was war gut in dem Rennen oder was könnte man verbessern und schaue auch, inwiefern ich das geschafft habe. Ja, oder okay, dann fällt mir auf, jetzt... Ich denke speziell an ein Rennen, wo mir das ganz schlecht gelungen ist, wo mich wirklich meine Gedanken permanent bearbeitet haben und ich da halt wirklich auch so in den Inhalt so mit eingestiegen bin. Und dass es jetzt besser gelingt, ist halt auch ein Resultat dessen, dass ich das wirklich dokumentiert habe. Und geschaut habe, wie hat das dann auch in mein Handeln eingegriffen, da habe ich dann auch nicht mehr gut gegessen und getrunken, dann macht es es ja noch schlimmer. Und so dieser Prozess des Scheiterns, also sich das vorzunehmen, aufzuschreiben und hinterher aber auch zu schauen, ist mir das wirklich gelungen, konnte ich die in dem Moment erkennen, konnte ich sie loslassen, korrigieren. Konnte ich in diese Diffusion gehen? Also Diffusion, okay, ich habe meine Gedanken mit an Bord, aber ich gehe nicht auf den Inhalt ein. Ist das wirklich passiert? Ist das echt gelungen? Ich finde das gerade super spannend. Dann gelingt es vielleicht auch ein, zwei Rennen und dann das nächste, dann denkst du, oh, jetzt cool, jetzt habe ich es, es passiert mir nicht. Im UTMB ist es mir tatsächlich nicht mehr passiert. Das war echt so, da habe ich mich so gut darauf vorbereitet, dass ich in dem Moment, wo das kam, war wirklich so, ha, cool. Jetzt kommt wieder das. Jetzt kommt wieder dieses Thema. Und dann war es echt kein Problem mehr. Mir ging es mental das ganze Rennen gut. Okay, verrückt.
Björn: Das hat ja super viel, wenn ich das richtig verstehe, mit Achtsamkeit zu tun. Also dass du wirklich versuchst, ganz genau... Ich nenne es jetzt einfach mal, auf die Stimme im Kopf zu hören, was sie dir versucht zu sagen. Also man muss sich, glaube ich, darüber bewusst sein, dass wenn du zum Beispiel so einen Berg hochfährst und das tut weh und dann immer diese Stimme kommt, so, ja, warum machst du denn das? Das ist ja Quatsch. Warum tust du dir jetzt so weh? Dass das ja quasi auch nur eine Stimme in deinem Kopf ist, die... die du aber bewusst, wenn du richtig anwesend bist, sie quasi ausblenden kannst und ausschalten kannst, wenn ich das jetzt richtig verstehe. Und das trainierst du quasi vorher, indem du hingehst und nach jedem Rennen dir diese Gedanken, die in dem Wettkampf aufkommen, aufschreibst und sie dir richtig bewusst machst. Also reflektierst, welche Gedanken habe ich denn während dem Rennen? Was sagt denn diese Stimme in meinem Kopf? Und wieso fange ich denn vielleicht an zu zweifeln? Und dann quasi in Austausch mit... dir selbst gehst, was passiert?
Niclas: An einer Stelle, ja, ich unterschreibe alles nur an einem Punkt, muss ich es genau um das Gegenteil verdrehen. Du hast gesagt, da kann ich es abschalten. Und das würde ich nicht versuchen. Also wir haben unsere Gedanken nicht in unserer Kontrolle. Also auch wenn ich es noch so sehr aufgeschrieben habe, ich würde nicht schaffen, die Gedanken da auszuschalten. Vielleicht sind sie dadurch weg. Vielleicht sind sie dadurch gar nicht mehr präsent. Aber es kann auch sein, eben auch durch physiologische Abläufe, durch Stress, den ich gerade habe oder einfach Defizite, die irgendwie entstehen, dass meine Gedanken mich wirklich, wirklich kontinuierlich bearbeiten. Und es geht nicht so sehr darum, ob ich die jetzt gerade dadurch ein Stück weit loslasse oder ob die mich total bombardieren. Also Achtsamkeit hast du gesagt, ja, weil Achtsamkeit bedeutet Akzeptanz dessen, was ich nicht in meiner Macht habe. Ich habe meine Gedanken nicht unter meiner Macht, nicht vollständig. Ich kann es versuchen, so ein bisschen was zu tun, aber ich habe es letztendlich nicht in meiner Macht. Aber ich kann meinen Fokus auf das ausrichten, was jetzt wesentlich ist. Am Berg, wenn ich jetzt hier einen Bergsprint habe, dann kann ich den Fokus auf das bewusst ausrichten, wo ich jetzt meinen Fokus auch haben will. Und ich akzeptiere, das bombardiert mich jetzt gerade mehr oder weniger. Ich beschäftige mich quasi nicht so viel damit.
Björn: Verrückt. Super schöner Gedanke. Ja, allein wenn ich jetzt reflektiere, in Rennen reingehe, sich überhaupt im Nachhinein Gedanken darüber zu machen, welche Gedanken mich beschäftigt haben, die aufzuschreiben und das quasi als Tool ins nächste Rennen mitzunehmen, darauf wäre ich nie gekommen und finde es super spannend, dass man das so angehen kann. Aber es macht natürlich völlig Sinn, weil im Endeffekt ist das genauso, du bereitest dich auf das vor, also man schaut sich das Höhenprofil an, wie viele Kilometer kommen, wie viele Höhenmeter kommen, somit bereitet man sich quasi auf die auf die Anforderungen des Rennens vor. Aber der mentale Aspekt gehört ja genauso dazu. Du musst dich ja auch darauf vorbereiten, was wollen deine Gedanken von dir? Oder was spielt sich in deinem Kopf ab? Und genau das machst du ja dann damit auch.
Niclas: Ja, wenn ich da nochmal was dazu sagen darf. Auch zum Beispiel solche Sachen wie, dass man am Anfang vom Rennen auch... Wenn ich jetzt, der OTMB wird relativ schnell angelaufen. Das bedeutet aber, wenn ich am Anfang von einem 28-Stunden-Rennen zu schnell, also zu sehr überziehe, das wird ja bestimmt in einem Radrennen auch so sein, dass es Sachen gibt, wo ich eigentlich durch, also es wäre ja jetzt peinlich, wenn ich da nicht mitgehe oder so. Das wäre jetzt irgendwie unangenehm oder ich bin so motiviert, dass ich voll Bock habe, irgendwie so zu überziehen. Und das, finde ich, sind auch Sachen, auf die man sich vorbereiten kann. Also dass ich vorher schon weiß, wenn ich jetzt am Anfang so und so viel Motivation habe, was mache ich denn da damit? Also auch die Vorbereitung auf diese mentalen Aspekte, dass ja auch Motivation oder ich habe jetzt jemanden überholt, kann ja auch dazu führen, ich überziehe jetzt die nächste halbe Stunde Motivation. Also auch das nochmal zu reflektieren und okay, hey, was mache ich denn da? Was erwartet mich da auf der mentalen Ebene eigentlich? Oder aber, wenn jetzt ich hinter meinem Ziel zurückbleibe, also ich habe mir jetzt ein Ziel gesteckt, dass ich an der Station zu der und der Zeit bin, Und mein Ziel wäre jetzt, was weiß ich, den UTMB schneller als 28 Stunden zu schaffen und ich habe mir 27 Stunden gesetzt. Jetzt kommt aber sonst was dazwischen, dass ich mich auch darauf einstelle, also ich bin überholt worden, ich bleibe gerade hinter meinen Erwartungen, mein A-Ziel ist in weiter Ferne. Was macht das jetzt gerade innerlich mit mir? Wie geht es mir? Und wie schaffe ich es denn jetzt, damit wieder mit diesem Zustand eigentlich umzugehen? Das sind ja alles Sachen, die passieren. Und wir glauben manchmal, mentale Stärke ist, dass ich das nicht mehr habe. Dass ich da irgendwie stärker, härter bin, dass mir das nicht mehr passiert. Aber mentale Stärke besteht ja daraus, dass ich mich eigentlich total darauf einstellen kann, dass ich das... Dass ich mit dem, was aufkommt, gut umgehen kann. Also dass ich Fähigkeiten habe, es zu erkennen und sozusagen wieder in ein Committed Action, also in ein sinnvolles, fokussiertes Handeln reinzukommen. Okay.
Björn: Am liebsten würde ich mir jetzt gerade schon ein Blatt Papier holen, mich hinsetzen und überlegen, welche Gedanken hatte ich in meinem letzten Rennen.
Niclas: Das ist doch schön.
Björn: Sehr, sehr cool. Spannend. Ich glaube, damit haben wir auf jeden Fall schon mal die Fragen bezüglich der Wettkämpfe soweit gut abgehakt. Mich persönlich würde noch sehr interessieren, wie gehst du, also wie versuchst du oder nimmst du dir den Leistungsdruck? Also da habe ich mich mit einem Freund von mir, der auch Wettkämpfe fährt, darüber unterhalten, dass die meisten setzen sich irgendwelche Wettkampfziele oder Normalerweise will man ja in einen Wettkampf gehen und will gewinnen. Aber was macht man jetzt, wenn sich dieser Leistungsdruck quasi auch ins Negative kippt, man dann halt in Angst verfällt und dann halt wegen der Angst vielleicht nicht seine Leistung abrufen kann? Also wie geht man mit diesem Druck und gegebenenfalls auch Druck von außen und negativen Druck und dann auch Ängsten um? Also welche Strategien gibt es da?
Niclas: Ja, also ich würde mal sagen, ich suche mir Wettkämpfe, die mir Druck machen und Angst machen. Also wenn ich merke, ich habe nicht genügend Angst vor einem Wettkampf, dann würde ich schauen, gibt es einen, der mir mehr Angst macht. Ja. Klasse. Ich finde, Angst und Druck bedeutet ja auch, ich entwickle mich. Und das ist eigentlich ein Zustand, den ich haben will. Und ich würde es quasi wieder umdrehen. Ich würde es gar nicht als etwas Schlechtes begreifen, sondern ja klar, hey, also eines der Rennen, die mir am meisten Angst gemacht haben, war, es gibt noch einen 170-Kilometer-Lauf, der ist auf Réunion. Es nennt sich die Diagonale des Fous, also die Diagonale der Verrückten. Und das ist so für Franzosen echt ein Begriff, so auch für welche, die nicht Trailläufer sind. Es geht halt durch den Dschungel, es hat 40 Grad, die Strecke ist so schwierig, dass du halt wirklich Absturzgefahr hast.
Björn: Das hört sich sehr cool an.
Niclas: Das ist halt echt ein Brett. Genau. Und da habe ich gemerkt, okay, wenn ich jetzt da das mir vor die Nase setze, da bin ich schon wieder ein Dreivierteljahr damit beschäftigt, dass ich da echt Schiss davor habe. Und cool. Ja, und dann fängt man halt echt an, alle Register zu ziehen, sich wirklich vorzubereiten drauf. Und auch direkt vorm Wettkampf nochmal echt, also diese Angst finde ich voll praktisch, weil die ja dann... mich auch dazu bringt, nochmal alle Eventualitäten durchzugehen. Was könnte jetzt noch alles passieren? Was ist es, wenn die Stirnlampe tatsächlich ausfällt? Oder was ist, wenn dieses, wenn jenes, wenn welches? Also so diese ganzen What-If, Wenn. Also was ist, wenn? Was mache ich dann? Und auch dazu habe ich eine Liste. So diese ganzen Dinge, die passieren können, schon mal durchzugehen und meine Angst eigentlich zu sagen, hey, cool, danke. Du bringst mich echt zum Nachdenken. Würde ich sonst ja nicht machen. Und dann eben, was sind denn die Lösungen dazu? Also ich finde, Druck und Angst gehört dazu, oder? Also man könnte sich auch niemanden vorstellen, der jetzt bei einer WM ist und sagt, ich habe nicht Druck und keine Angst. Also Einfach zu sagen, ja, das ist doch eine Aufregung und was, das ist Teil des Programms. Also das ist unrealistisch, das nicht zu haben.
Björn: Also die Angst nutzen, um sich zu hinterfragen, was könnte denn passieren, sich darauf eine Liste schreiben und dann einfach versuchen, rational darauf zu antworten, okay, was passiert, wenn die Stirnlampe ausfällt so dann?
Niclas: Genau. Und auch dazu sagen kurz noch kleine Anekdote von den Weltmeistern, mit denen ich ja teilweise gearbeitet habe oder die auf welche geworden sind. Das sind eigentlich die, die am uncoolsten sind, wenn du alleine mit ihm auf dem Zimmer bist. Ja, das sind die, die die Panik schieben, die fragen, wie viel Gramm hier von Björn soll ich nochmal das essen, soll ich nochmal hier in Wormat machen, soll ich wirklich blanke Panik. Aber am Startstrich merkst du denen das halt einfach nicht an. Die setzen sich permanent mit diesen Sachen auseinander, versuchen sie aber auch zu lösen. Also wirklich, wie du schon gesagt hast, was passiert, was mache ich dann? und nicht in so eine Panik verfallen, um Gottes Willen, was passiert, dann ist alles, ist das Ding gelutscht, dann könnte ich nichts mehr machen, sondern immer noch eine Lösung sich überlegen und dann am Renntag erlebe ich das dann, dass die an der Startlinie stehen und sich sortiert haben, weil sie einfach wissen, ich habe diese Liste im Kopf drin. Und ich habe Sportler erlebt, die sind, die zerfließen mir in den Händen vor den Olympischen Spielen. Und am Tag X sind die einfach da. Und das Praktische oder ist ja auch von der Physiologie ist ja Angst darauf angelegt, entweder zu kämpfen oder zu flüchten. Also solange man quasi stillsteht, ist es sehr unangenehm, weil der Sauerstoff, der mehr im Blut ist, Schwindel, diese ganzen Sachen, das Herzrasen, Das ist ja im Stillstand sehr, sehr blöd eigentlich zu haben. Aber in dem Moment, wo der Startschuss fällt, ist ja das genau das, wofür ich es brauche. Das heißt, es wird damit ja eigentlich auch abgearbeitet. Und das Einzige, wo ich jetzt sehen würde, okay, wenn es jetzt zu einer absoluten Blockade wird, also wenn man merkt, okay, es geht jetzt nicht mehr ab dem Startschuss, bin ich erst richtig fit und kann Leistung abrufen, die ich ja sonst nie abrufen kann, sondern wenn es wirklich... zu einer Blockade wird, auch wenn es schon Tage vorher ist, dann würde ich vielleicht eben mit einer Art Atemtechnik arbeiten. Also dass ich mit der Atmung kann man sehr, sehr, sehr effektiv ins Stresssystem eingreifen. Also dass ich die Ausatmung verlängere. Björn, du hast mich gefragt, bei Olympia war es, glaube ich, bei einer Athletin, die da mit Angst zu tun hatte, es gibt eine App, die heißt Breathing Zone. Und die gibt einen Atemrhythmus vor, der greift dir einfach in dein Stresssystem ein. Also genau, aber das würde ich wirklich jetzt eher bei mir selber, würde ich das nur dann verwenden, wenn es Tage vorher ist und ich nicht will, dass der Körper jetzt schon die ganze Zeit so viel eigentlich am Verbrauchen ist. So, dass ich mich da nochmal runterhole und ich bin eigentlich happy, wenn ich Angst habe vor einem Rennen. Ich denke, gut, das ist ein gutes Zeichen, mein Körper funktioniert, er stellt alles bereit, was ich habe. Darf ich noch eine Sache ergänzen? Ich hatte letztens eine Springreiterin bei mir, die jetzt auf Wettkämpfe gerade gefahren ist. Und also im mentalen Training und so, da ist der Satz gefallen, so gleichzeitig das zu der wichtigsten Sache der Welt zu machen und zu der unwichtigsten Sache der Welt zu machen. Also so, ne? I'm significant, that says the dust spot. Es gibt so einen Comic, da steht einer so und schaut in den Sternenhimmel hoch und sagt so, ich bin wichtig, sagt das Staubkorn. Und das Bild, das stelle ich mir immer vor, weil wir nehmen uns so unfassbar wichtig, wie wichtig jetzt dieser Lauf ist. Und ganz ehrlich, es interessiert ja keine Sau. Es interessiert ja niemanden. Auch die Leute, die so tun, als würde sie es wirklich interessieren, interessiert es ja am Ende nicht so wirklich vielleicht. Und also, dass man das irgendwie wieder einsortiert für sich, dass man gleichzeitig das also zulässt, dass man es echt super daran festhält und gleichzeitig aber auch irgendwie wieder mit Humor nehmen kann und relativieren kann und sagen kann, okay, in meinem Fall, jedes Tier rennt schneller als die Menschen. Also selbst wenn ich jetzt nochmal ein bisschen schneller ist, jedes Tier wird sich scheckig lachen drüber. Und im Endeffekt ja auch eine Dankbarkeit, was alles schon passiert ist. Also wenn ich jetzt bei einer WM, bei Olympia oder irgendwo am Start stehe als Ultraläuferin, Dann ist es ja quasi wie das letzte Tüpfelchen von einem riesen Eisberg, dass das überhaupt, also was ist schon alles gut gegangen, wie viele Jahre an Training, was ist da alles reingeflossen, was habe ich schon erreicht, was mir keiner mehr wegnehmen kann an körperlicher Fitness, an Erlebnissen. An Trainingsmomenten. Also ich habe ja sozusagen so von dem Eisberg schon so viel auf der Haben-Seite, dass das natürlich cool ist, wenn das Tüpfelchen vom I jetzt da noch drauf ist. Aber ich verliere ja dadurch eigentlich nicht alles. Das ist auch noch oft so ein Gedanke von mir. Ja, als Trainer kann ich das auch total gut nachvollziehen mit der Angst. Ich habe nämlich auch immer Angst, wenn ich meine Sportler zu Rennen schicke, vor allem zu wichtigen Rennen und zwar auch schon viele, viele Wochen vorher, Monate. Ich gucke mir die Konkurrenz an und denke, oh, die sind so gut und dann gucke ich mir an, was die machen und wie kann ich die darauf vorbereiten, die anderen und die Strecke und, und, und, und verrenne mich dann. wie ich noch was machen kann und noch was besser machen. Und ich werde auch von dieser Angst verfolgt und kann dann noch über Wochen dann vor so einem Wettkampf bin ich echt, ich würde jetzt nicht sagen mit den Nerven zu Fuß, aber es beschäftigt mich dann doch. Und an so einem Renntag bin ich halt, das ist halt off, da geht ja gar nichts. Und der andere Gedanke, den du hattest, wie wichtig nimmt man sich? Das versuche ich natürlich auch immer. Das gelingt mir natürlich noch nicht so super, aber ich versuche das zumindest meinen Kindern zu vermitteln, wenn die morgens zu spät zur Schule kommen. sage ich immer, ihr könnt an euren Lehrern sagen, das Universum dient sich immer noch aus, auch wenn ich eine Minute zu spät komme, ist es nichts passiert. Björn, vielleicht wäre aber da auch mal liebevolle Strenge eine Strategie. Das liegt ja auch meistens an mir. Vielleicht wäre dann liebevolle Strenge gegenüber dir selber auch mal eine Sache. Ja, ich bin schon manchmal streng.
Björn: Sehr schön. Okay. Björn, hast du noch eine der Fragen, die du noch auf jeden Fall besprechen möchtest? Also ich will mal ganz kurz was einwerfen. Erstens, was mir auffällt, wenn wir zu dritt unterwegs sind, und das liegt vielleicht auch daran, dass immer auch Sportler von mir da mit dabei sind, ich bin ja immer Zaungast und höre viel mehr zu, als ich das sonst gewohnt bin, weil ich ja sonst eher mehr rede, gefühlt. Von daher sauge ich das gerade auf und finde das spannend, weil sich da natürlich auch so ein Bild zusammensetzt und ich natürlich auch Wissen vermittelt kriege, dass ich so nicht mitkriege und die Person nochmal besser kennenlerne. Und Eva und ich, wir reden schon lang und viel, aber es sind immer wieder spannende Aspekte, auch jetzt hier das einfach zuzuhören und euch beide in Interaktion zu hören und zu sehen. Von daher finde ich das super. Und es sind so viele Sachen, vor allen Dingen, wenn ich mir andere Podcasts anhöre, auch in diesem Bereich, dann denke ich jetzt so, erstmal waren die Fragen mega, ja, das hat mir schon gut gefallen. Und es ist aber so, dass ich, selbst ich, so viel mitnehme als Coach und auch noch als ehemaliger Sportler, deutlich mehr als irgendwelche positiven, Affirmationen und dies und das, das, was man dann immer mal so hört, ging das doch deutlich tiefer. Und es hat mir so viel Spaß gebracht, dass ich eigentlich doch gerne noch mal eine zweite Folge irgendwann dieses Jahr reinschieben würde. Weil ich glaube, das Thema kann man nämlich noch deutlich cooler beackern, weil es immer noch ein paar Sachen gibt. Und ich glaube auch, es gibt viele Zuhörerinnen und Zuhörer, die definitiv noch Fragen haben. Und das würde ich gerne eigentlich mit aufnehmen. Würde ich sagen. Wir haben ja echt noch einiges an Fragen, das werden wir nicht durchackern können. Aber ich würde da gerne nochmal so einen Nachklapp machen. Auf jeden Fall. Also alleine ich habe auf der Liste noch zwei Fragen, die mich auch einfach aus persönlicher Sicht interessieren. Die habe ich jetzt bisher hinten angestellt, aber die zwei, die mich zum Beispiel am meisten beschäftigen würden oder haben in der Vergangenheit, sind auf jeden Fall noch offen. Aber lass auf jeden Fall gerne nochmal eine zweite Folge dazu machen. Ich glaube, Stunde 15 jetzt ist für die auf jeden Fall genug.
Niclas: Ja. Sehr schön. Das ist eine Folge für Ultraläufer, die auf ihrem Vier-Stunden-Lauf unterwegs sind. Oder wie der Zeit-Podcast, der dann irgendwann aufgehört wird, wenn irgendein Board fällt. Alles gesagt. Genau. Cool. Ja, also vielen Dank für die Fragen. Mir hat es voll Spaß gemacht, auch mich mit denen auseinanderzusetzen.
Björn: Ja, vielen Dank auch von meiner Seite. Dann gibt es wieder einen spannenden Gast. Neuerung, wir laden jetzt immer Leute ein, weil Niklas hat gesagt, ich bin zu langweilig geworden. Ich habe aber... Ich war heute beim Bikefitting und währenddessen sind mir auf jeden Fall noch neue Themen eingefallen, die jetzt in unsere Liste kommen, die wir dann auf jeden Fall mal noch zu zweit oder dann auch mit einem Gast noch abarbeiten können. Ja, also ich habe auch schon ein Thema, was ich unbedingt machen will. Und zwar gibt es wahnsinnig viele Kochbücher für... für Radsport. Und ich möchte die alle anschauen und angucken und dann auch noch mit meinem guten Buddy Martin Kühn besprechen, der ja auch Koch ist und auch in der Sterne Küche gearbeitet hat. Und die da so ein bisschen beurteilen. Und ich will auch noch unbedingt einen Koch einladen. Entweder den Performance-Chef aus Girona oder Hannah Grant aus Dänemark oder so und das machen wir dann auch noch.
Niclas: Wisst ihr, was so super lustig ist? Ich höre ja auch euren Podcast an und ich fand schon immer den Abspann, wenn Niklas leicht nervös wird, wenn du irgendwas von Comics oder von irgendwelchen absurden Serien erzählst und ich höre Niklas schon die Anspannung steigt und jetzt ist wieder so ein Moment.
Björn: Immer der Gedanke, okay, jetzt wird nochmal ein bisschen abgeschweift, aber Andere Idee, Sebastian, also auch von Erothium, Sebastian Schluricke, sagte... A faster you. A faster you, sorry, a faster you, oh Gott. Er hat gesagt, wir sollen meinen Schwiegervater auch noch interviewen. Die Interviewfragen würde er aber gerne stellen, weil er sagt, wir haben auch einen Bildungsauftrag. Und er sagt, alle zwei Monate müssen wir uns mal jemanden aus dem Bereich holen, der halt so gar nichts mit Radsport zu tun hat, aber irgendwie uns bildet. Und vielleicht holen wir mal einen Schwiegervater. Dann geht es aber halt nur noch um Astrophysik.
Niclas: Oh ja, das ist doch mal eine spannende Idee. Aber ich glaube, das kann ganz spannend werden, weil da kann man auch vieles aufs Normale... leben übertragen ich lese gerade ein buch weil das wurde mir auch gesagt von jemandem ich soll es immer eine buchempfehlung geben von büchern die ich gerade lesen und jetzt neben mir dieses buch hier von richard hart brad das sind ungefähr 300 seiten da geht es nur um sauerteigbrot es ist mega gut geschrieben es ist total toll empfehlen für leute die backen lernen wollen Und das andere Buch, das ich auch gerade... Trainingssteuerung, Trainingsplanung, wenn du solche Themen... The Food Lab, Megabuch, sind fast 1000 Seiten. Da geht es halt, das ist ein Wissenschaftler, der das geschrieben hat. der ist Biochemiker, ist dann Koch geworden und setzt sich wirklich mit allem auseinander. Garzeiten, was passiert, wie Proteine dann fest werden bei verschiedenen Temperaturen. Hat mich voll gecatcht, also mega. Ihr seht gerade, ich bin gerade auf einer anderen Welle unterwegs. Mein Gehirn braucht... Ich weiß nicht, wie der Niklas gerade reagiert wird, wenn er das hört. Der versucht sich irgendwie am Stuhl zu halten und alle Posen einzunehmen. Das wirkt leicht unruhig. Ja. Genau, also ich bin durch. Die Buchvorstellung, damit musst du jetzt leben.
Björn: Alles gut, alles gut. Ich lese leider nicht so viel. Aber ich kann vielleicht irgendwelche neue Musik, die ich im Training entdeckt habe, teilen. Weil tatsächlich auf die Musikfolge habe ich auch viel Feedback bekommen, dass die Lieder gut werden. Dein aktuelles Lieblingslied? Jetzt gerade? Ja, was hörst du immer im Training? Im Training bin ich immer noch auf dem DJ Nicholas Julian hängen geblieben und gerade durch jetzt Girona wieder Electric Callboy. Okay, muss ich mal hören. Also absoluter Favorit, höre ich gerade so wirklich in Dauerschleife, ist Chicago heißt das Lied von Sufjan Stevens. Megasong, kann ich nur empfehlen. Gute Laune, super Singer, Songwriter, traumhaft. Also wirklich, wirklich gut. Ja, Eva? Okay. Oh, weißes Papier.
Niclas: Wow, ich höre eigentlich ausschließlich Drum & Bass. Nämlich beim Intervalltraining auf der Rolle, die jetzt in mir steht hier, wie ihr seht, das gute Teil. Und da gibt es kein einzelnes Lied, sondern das sind einfach so Remixes. Und ja, genau.
Björn: Okay, geht so ein bisschen auch in meine Richtung mit Techno. Da sind es ja auch meistens nicht einzelne Lieder, sondern irgendwie ein ganzes gespieltes Set oder sowas. Gut. Vielen Dank. Sehr schön. Eva, vielen Dank. Ich habe auf jeden Fall viel gelernt.
Niclas: Schön. Freut mich. Bis dann. Schönen Abend.
Björn: Danke schön. Ciao, ciao.