Der perfekte Mountainbike Marathonfahrer
Nach drei Wochen Pause sind wir zurück! In dieser Folge tauchen Björn und Niclas tief in die Welt des Mountainbike-Marathons ein. Was macht einen Top-Marathonfahrer aus? Welche physiologischen Voraussetzungen sind entscheidend, und wie optimiert man sein Training, um Rennen zu gewinnen – oder zumindest die Ziellinie zu erreichen? Freut euch auf spannende Einblicke, praktische Tipps und motivierende Geschichten. Viel Spaß beim Hören!
Transkript
Björn: Willkommen zum A Faster You Podcast, wo sich alles um Ausdauersport und Training dreht. Hier geben euch Sebastian Schluricke, Björn Kafka und Niklas Ranker wertvolle Tipps und Einblicke, die euch helfen, eure Performance auf das nächste Level zu bringen. So, herzlich willkommen zu einer neuen Folge A Faster You Podcast mit einer kleinen dreiwischigen Pause. Willkommen Björn. Willkommen. Ich war im Urlaub. Du warst im Urlaub. Ja.
Niclas: Wo warst du? Ich bin in den Camper gestiegen und durch Europa Auto gefahren. Bis nach Südportugal. Südportugal, also sehr lange Auto gefahren. Sehr lange Auto gefahren, auch mal so richtig vierstellig, so wie sich das gehört am Tag. Und dann... War ich bei meinem ältesten Freund, den ich schon kenne, seitdem ich vier bin. Und der hat sich in Portugal eine Farm gekauft und ist da jetzt ausgestiegen, nachdem er bei einem großen... Medien- oder Internetunternehmen Geld verdient hat, da immer noch ein bisschen arbeitet, lebt er da jetzt so ein Aussteigerleben, was ganz cool ist. Also das ist abgefahren. Und da hatte ich eine gute Zeit mit meiner Family und dann bin ich natürlich irgendwie durch Spanien hier und da und hier nochmal Leute getroffen und da. So das übliche halt. Und ja, dann bin ich wieder zurück.
Björn: Irgendwas Neues gelernt?
Niclas: Eine neue Erkenntnis aus den drei Wochen? Ja, doch, ziemlich. Es ist immer eine Frage der Perspektive und wie schnell sich Perspektiven ändern können, ist doch immer wieder erstaunlich, wenn du mehrere Wochen im Camper lebst, beziehungsweise dann bei meinem Kumpel, wo wir in so einem Airstream-Wohnwagen, diese alten, kennst du diese Blechbüchsen? Da haben wir drin gewohnt. Ja. Und Dusche draußen und so weiter. Also alles, es war mega, ja. Also super, super geil. Und Küche draußen, also riesige Küche mit drei Gasbrennern. Also da haben wir auch jeden Tag gekocht. Die Perspektive verschiebt sich und das ist ganz lustig. Wir kamen hier nach Hause und dann dachte ich so, jetzt irgendwie in unser Haus und dann müssen wir das noch machen und so das Übliche, ne? Und du kommst rein und denkst so, wow, du hast Platz. Ich meine, in so einem Camper zu viert ist halt echt scheiße. Und auch dieser Lebensrhythmus von da einsteigen, immer alles irgendwie Bett rumrödeln und wieder los und viele Stunden im Auto und dann irgendwo ankommen, wieder alles aufbauen. Du bist halt ständig im Gange. Hast eigentlich das Gefühl, du tust nichts, aber du tust trotzdem die ganze Zeit irgendwas. Und dann kommst du hier an und wachst auf und denkst einfach so, ich muss jetzt eigentlich nichts tun. Total geil. Also es ist wirklich so, ich muss mich jetzt erstmal wieder runterholen von irgendwie im Hustle-Modus, wie man so schön sagt, zu normal ankommen und auch das zu schätzen, was man hat. Das ist so wie, keine Ahnung, wenn man so crazy Diäten macht, wo man keine Kohlenhydrate isst oder so, dann isst du die erste Schüssel Haferflocken. Und du denkst einfach, das ist das Geilste der Welt. Und genau so ist es auch. Es ist so ein Retreat, sag ich mal, wie man so schön sagt. Einfach mal alles wieder auf Null setzen, war ganz geil. Und jetzt bin ich wieder da. Jetzt würden viele behaupten, jetzt bin ich total energygeladen, bin ich aber leider gar nicht. Ich bin eher noch so ein bisschen am Suchen. Genau, aber so war ganz gut. Ja, auch so Ideen, was man so in der Zukunft machen will und so. Wenn ich jetzt mal keinen Trainer mehr sein will oder so. Das sind ja auch immer Perspektiven, die man sich offen lassen muss und genau, sowas macht man dann mal.
Björn: Sehr schön, sehr schön. Hört sich auf jeden Fall gut an, aber das merke ich auch immer, wenn man längere Zeit unterwegs ist, macht das schon auch immer irgendwie Spaß. Und unterwegs sein ist auch cool, aber so aus dem Kofferleben, so nach zwei oder drei Wochen denkt man sich dann auch so, ja, jetzt daheim einfach wieder sein, morgens aufstehen, sein Frühstück machen. Und wenn man dann zu lange zum Beispiel, finde ich, daheim ist irgendwie so, keine Ahnung, zwölf Wochen daheim war und nur trainiert hat und man dann wieder, dann wünscht man sich schon wieder so, ich will wieder unterwegs sein. Ich glaube, es ist immer ganz gut, so einen Perspektivwechsel zu haben, mal nochmal was anderes zu sehen, mal rauszukommen.
Niclas: Definitiv. Ich habe das früher regelmäßig gemacht. Während meiner Studienzeit bin ich immer nach Norwegen gefahren und bin dann monatelang in Richtung Norden gewandert. Ich bin aus der Fähre ausgestiegen in Oslo und bin einfach nach oben. Und irgendwann siehst du auch keine Menschen mehr. Dann siehst du auch eine Woche lang keine Menschen. Und da, ich weiß noch, da bin ich irgendwann, ich weiß nicht mehr, wo ich da war, irgendwo weit oben. Dann kam ich in so einen Schneesturm. Das war schon etwas später im Jahr. Dann fing es an zu schneien. Dann war ich in meinem Zelt. Dann wusste ich, jetzt wird es ein bisschen eng. Dann muss ich irgendwie raus. Nachts bin ich dann mit Stirnlampe über so einen Berg gestapft runter in irgendein Dorf. Das hat relativ lange gedauert, acht Stunden. Dann saß ich da in dieser Bushaltestelle. Dann merkte ich das erste Mal, das war mega geil. Da kam halt irgendwann ein Bus raus. Und ich war total glücklich, als ich diesen Bus sah und vor allen Dingen diesen Busfahrer und ich muss elendig ausgesehen haben, also wenn du einen Monat lang halt, ja, weil da kaufst du auch nichts, du sammelst halt das ein, was du da findest, fängst ein paar Fische, trinkst das Wasser dort, ein paar Beeren, so das Übliche. was man dann so macht. Heutzutage verdient man, glaube ich, damit viel Geld. Früher war das halt so, einfach mal, ich mach das mal. Ich glaube, heute könnte man sowas mit so einem schmandigen Männergesundheit und ich bin jetzt Mitte 40 und muss jetzt mein Leben nochmal hinkriegen. Man muss jetzt mal ganz schlimm über meine Probleme reden, die ich so habe und meine Frau hört mir nicht zu. Ich bin ja so ein unterprivilegierter Mensch. Ja, ha ha ha. Ne, ähm, genau. Und das habe ich dann gemacht und dann bin ich dann in diesen Bus reingestiegen und habe diesen Menschen gesehen, war wahnsinnig glücklich, habe darüber nachgedacht, wieso bin ich eigentlich so wahnsinnig glücklich und dann stellte ich irgendwann fest, ich habe zwei Wochen lang keinen einzigen Menschen gesehen. Und da habe ich dann... Krass. Das war echt krass. Und dann bin ich in eine Tankstelle irgendwann gegangen und habe mir eine Pepsi gekauft und habe diese Pepsi getrunken. Das war das Beste. Das Beste, was ich je getrunken habe. Ich war richtig high auf Pepsi. Und dabei war es nur eine Pepsi Max, aber ich hatte ja mehr Koffein, habe ich festgestellt. Genau. Ja, so ist es. Aber eigentlich wollen wir über andere Dinge reden.
Björn: Ja, aber trotzdem finde ich es schon ein perfekter Einstieg. Super Einschick. Okay, aber wenn wir schon bei viel Reisen sind, jemand, der auch immer sehr viel reist und gefühlt das nicht aushalten kann, eine Woche daheim zu sein, ist Hans. Hans Becking. ein schwieriges Frühjahr hatte, würde ich sagen, ist er zusammen mit Walt Aleman das Four Island gefahren. Jetzt kein so schweres Etappenrennen wie zum Beispiel das Cape, aber auch schon vier oder fünf Tage hat es. Technisch auf jeden Fall nicht ganz einfach, vor allem, man muss berücksichtigen, extrem steinig. Das Ganze ist in Kroatien, also du fährst eigentlich nur Steine. Und die haben von fünf Etappen fünf gewonnen, richtig?
Niclas: Ja, fünf aus fünf, ne? Ähm, ähm, Ja, wurde auch mal Zeit. Nee, das war super. Das war natürlich, die Besetzung war okay. Und das ist halt so ein richtiges VH2 Max Rennen. Kurze Etappen, super punchy, sehr technisch, weil sehr steinig, hast du schon gesagt. Und wir hatten ja ein scheiß Frühjahr. Und eine scheiß Cape-Epic-Vorbereitung war permanent krank und dann haben wir die Epic ausgelassen und dann war das Four Islands so das erste Ziel und daraufhin haben wir hintrainiert. Und Tests waren dann auch langsam wieder vernünftig und dann habe ich einen ganz guten Job gemacht, sage ich mal. Hat gepaart.
Björn: Anscheinend. Kannst du so ein bisschen, gerade wenn du jetzt sagst, es ist so ein reines V2 Max Rennen, habt ihr auch im Vorfeld so viel V2 Max trainiert?
Niclas: 40, 20er bis zum Umfallen. So das Übliche. 40, 20er, zwei Minuten und so weiter. Und dann ist auch immer die Frage, V2 Max, wie trainierst du das? Das ist halt so, ich sage ja immer, alles funktioniert. Mach mal das, was du nicht getan hast.
Björn: Das wird aber wahrscheinlich bei einem Fahrer wie Hans schwierig, oder? Der hat doch... In seiner Zeit eigentlich alles durchtrainiert, oder?
Niclas: Natürlich, aber der Körper ist ein Gewohnheitstier, wie jeder andere auch. Oder wie alles, wenn du sechs Wochen lang keine V2max-Intervalle gemacht hast und du fährst dann wieder V2max-Intervalle, dann ziehen die schon ziemlich rein. Man muss natürlich auch... Du musst immer einen Reiz finden, der dann spannend ist, der auch dazu passt und der inhaltlich dann aufbaut auf das, was du vorher getan hast. Also alle sprechen über polarisierendes Training. Auf der anderen Seite gibt es auch Double Threshold Days, was ja konträr dazu ist, was lustig ist. Und wenn man sich Michael Joyner mal anschaut, Sportwissenschaftler, der zum Beispiel sagt, Cardiac Output ist alles, dann sagst du, okay, wo kriege ich denn halt maximal Cardiac Output hin, dann kannst du zum Beispiel sowas machen wie wahnsinnig viel an der Schwelle rumheizen, so 30 Minuten an der Schwelle rumballern, das sind halt Höllentrainings, aber die zeigen dann halt brutale Wirkung, also das tun, was man nicht getan hat, funktioniert in der Regel schon immer ganz gut.
Björn: Okay, naja, aber freut mich, dass du sagst, 30 Minuten an der Schwelle rumheizen ist ein brutales Training und wenn ich auf meinen Trainingsplan am Samstag gucke, steht genau das drin. Dankeschön.
Niclas: Bitte, ja, ich würde noch nicht mal sagen, es ist nicht 30 Minuten an der Schwelle, sondern es ist 30 Minuten Zeit fahren.
Björn: Ja, weil der Wert ist eigentlich knapp über der Schwelle.
Niclas: Ne, das ist, darüber haben wir schon mal gesprochen, ich finde ja die Studie so geil, diese Hixen-Studie, ich finde die ist einfach so total straightforward, die ist einfach so vorschlaghammermäßig und du siehst das und denkst einfach Schwachsinn. Ja. Aber du machst das und stellst dann fest, wow, es funktioniert wirklich. Und was ich an der so toll finde, ist eigentlich folgendes. Wenn du dich an der Schwelle und ein bisschen drüber bewegst, erholst du dich relativ gut, weil es ist einfach nur Nachfutter. Es ist wirklich Nachessen. Alles so, wenn du so an der VH2 Max und da drüber rumballerst. oder auch so richtig all out, da nagelst du dir auch erst das zentrale Nervensystem eine Zeit lang und dann ziehen sich halt diese Regeneration Phasen wie Kaugummi hin. Das kann richtig lange dauern. Dann machst du ein paar 40 20er und noch ein paar All Outs und dann trainierst du 16 Stunden und bist irgendwie permanent dauerplatt. Da muss man halt immer ein bisschen aufpassen. Deshalb wird ja auch Bikarbonat in solchen Trainingseinheiten teilweise genommen. Oder Beta-Alanin oder ähnliches, ja, um da einfach dich nicht so wegzugrillen. Und ich finde, bei diesen Schwellensachen kannst du halt einen relativ hohen Stimulus fahren, Cardiac Output, Erstminutenvolumen. Und Steiger ist trotzdem bei der VO2 Max, zeigt ja auch diese Studie, das ist die einzige Studie, die einen linearen Anstieg der VO2 Max gezeigt hat. Spannend wäre jetzt mal zu sagen, lass uns das doch nochmal in der Studie überprüfen, das ist halt so ein Höllenprotokoll, ob dem wirklich so ist, ja, oder war das nur so ein Lucky Shot. Aber bei vielen Sportlern, bei denen ich das mache, zum Beispiel Tim Smäge, war das ja, ich meine, wie krass ist der rumgefahren, ja. Da fuhr halt keiner mehr hinterher. Das ist Wout Allemann und Hans haben sich die Beine verbogen. Wismar hat sich die Beine verbogen und Tims Mäge ist halt 30 Minuten Zeit von vorne gefahren und keiner hat ihn mehr gesehen. Ja, dann kann man das natürlich noch kombinieren mit Lead Training, wenn man möchte. Da baust du nochmal Plasma auf und... Ja, genau.
Björn: Was ich dazu direkt sagen würde, mehrere Punkte, weil ich habe mich gerade mit einem gemeinsamen Freund von uns über dieses Hixentraining nochmal unterhalten mit Holger. Oh, der hat mir das geschrieben, ich habe geschrieben, ich bin im Urlaub. Danach hat er mir die Nachricht geschickt.
Niclas: Also die 8000 Zeichen Nachricht, Holger, sorry.
Björn: Ich habe dann immerhin mit ihm drüber telefoniert, weil wenn ich solche riesigen WhatsApp-Nachrichten bekomme, tue ich mich echt schwer, die zu lesen. Also man kriegt ja schon als Trainer mal große WhatsApp-Nachrichten. Da bin ich schon immer froh, wenn die Leute mir eine Sprachnachricht schicken. Finde ich deutlich angenehmer. Aber die war wirklich groß. Auf jeden Fall, was man zu diesem Hixen dazu sagen muss. Ich finde, das Schwierige bei dem Hixen ist, du musst echt motiviert sein. Also du musst dir halt viermal die Woche, würde ich sagen, mindestens richtig auf die Fresse hauen. Ja. Darfst es aber halt dabei, wie du sagst, nicht übertreiben, weil wenn du diesen Reiz überziehst, also nicht wirklich um deine Schwelle herum fährst, sondern halt eher in den V2 Max Bereich reingehst, dann kannst du dich damit halt so zerschießen, dass es wiederum nicht funktioniert. Also du musst wirklich einen Sportler haben, der versteht, okay, wenn da jetzt 5x7 steht oder 7x5 steht oder 10x5 und ich soll das auf Schwellenwert fahren, dann fahrst auch bitte auf Schwellenwert und übertreibst halt nicht und schießt dich nicht komplett ab, indem du die ersten drei super hart anfährst und die letzten sieben stirbst oder sowas. Und halt wirklich dieses Zeitfahren dann auch halt versuchst, eine konstant hohe Leistung über das ganze Zeitfahren zu machen und nicht irgendwie fünf Minuten voll hart reinfahren und die letzten 25 komplett eingehen. Also das Ganze muss dann schon immer mit ein bisschen Sinn und Verstand stattfinden. Und das andere, was ich noch sagen wollte, gilt finde ich auch für 40-20er oder 30-15er oder insgesamt für VO2max-Training. Was man ja bei VO2max-Training immer versucht ist, möglichst viel Zeit über 90% der VO2max zu erreichen, zumindest zum einen, um die VO2max zu steigern. Man muss dafür aber nicht immer All-Out fahren, weil, wie du schon gesagt hast, mit All-Out zerlegst du dich. Die Regeneration ist grausam. Ich musste es am eigenen Leib, glaube ich, letzte Woche nochmal erfahren, wo ich gedacht habe, Mittwochs, voll geile Beine, hat super Spaß gemacht. Den letzten Satz hinten raus bin ich deutlich härter gefahren, wie du aufgeschrieben hattest. Und den Rest der Woche... war jetzt nicht komplett Katastrophe, aber zum Beispiel den Test samstags konnte ich nicht fahren, weil ich war einfach tot. Und das muss man immer, finde ich, den Athleten beibringen, die Intensitäten zum Teil beibehalten, wenn man gut drauf ist, kann man ein Stück härter fahren, ja, aber nie all out und nicht komplett dich wegschießen. Heb dir diese Schüsse für ein Rennen oder für einen Test auf, wenn du es wirklich brauchst.
Niclas: Ja, ich finde, das sieht man bei uns in der Activity AI. Also wenn man seinen Garmin oder Wahoo mit Faster U synchronisiert hat auf unserer Website. und sich dann den Laktataufbau bzw. die W-Prime, die letztendlich anzeigt, wie viel anaerobe Kapazität du hast, also wie tief kannst du wirklich gehen. Und du siehst eigentlich, du reizt dich da komplett aus bzw. du überreizt das System sogar, weil du irgendwie noch im Stehen da durchsprintest. Dann weißt du schon immer, du hast zu viel getan. Eigentlich darf da gar nicht so viel passieren dann. Also gut, bei 40, 20 kann das schon mal ziemlich nach unten sinken. Dann weißt du auch, dann hast du auch gut genug getan. Aber sich da so oder die Regeneration nicht lang genug zu haben, zeigt dann immer das System ganz schön. Ja, definitiv und das Essen danach ist halt super wichtig und das Essen während des Trainings. Wenn man das nicht hinkriegt, dann, also ich meine so Klassiker, so halbtot ankommen, zu wenig versorgt, dann nochmal 90 Minuten lang irgendwie nichts richtig essen, dann kannst du halt sagen, der nächste Trainingstag, also eigentlich brauchst du gar nicht trainieren. Ganz ehrlich. Wenn du nach einem harten Training nicht sofort isst und dich in diesem Training nicht gut versorgt hast, kannst du am nächsten Tag einen Ruhetag machen. Das nächste Training ist scheiße. Fertig, aus. Ganz einfach. Kohlenhydrate sind eigentlich Doping. Wenn man ganz ehrlich ist, es ist der Hammer. Also das ist das potenteste Mittel, das es gibt. Versuch mal ohne Kohlenhydrate ein intensives Rennen zu fahren. Verlierst halt locker 20% Leistung. Beziehungsweise du kommst ja nicht mal in die intensiven Bereiche rein. Von daher, Kohlenhydrate, das Beste, was es gibt. Besser als Eposteroide hast du nicht gesehen. Rein damit, echt. Das ist super. Funktioniert halt.
Björn: Ja, das ist wirklich auch was. Freut mich, dass du es nochmal sagst. Wir haben es ja, glaube ich, auch schon in der letzten oder vorletzten Folge gesagt. Das ist was, wo ich wirklich gefühlt zumindest die letzten Wochen mit so vielen Athleten drüber spreche, wo ich sage, ja, hast du die 80 Gramm genommen, die draufstehen?
Niclas: Ja.
Björn: Ah, nee, ich habe nur 60 geschafft. Ja, gut. Das macht halt aber einen Unterschied, wenn du auf eine 4-Stunden-Einheit schaust, sind halt 80 Gramm schon mal weniger im System. Und wenn sie dann heimkommen und erzählen, ja, sie müssen aber noch Gewicht machen und essen dann daheim auch zu wenig oder schieben sich nur Gemüse danach rein, ja, dass es nicht mehr vorangeht und man gefühlt seit einem Jahr oder so stagniert, muss man sich halt nicht drüber wundern. Klar, du musst dich jetzt nicht, wenn du heimkommst, nur noch Haribos essen, aber halt... schauen, und das geht zum Beispiel mit der Activity AI, super gut, wie viele Kohlenhydrate hast du verbrannt, isst die mal mindestens nach, plus das, was du an Grundumsatz hast, und dann kannst du hier und da vielleicht ungesunde Fette einsparen, weniger Zucker abends essen, so ein Kram machen, um halt Gewicht zu halten oder zu verlieren. Aber die Kohlenhydrate müssen halt einfach rein.
Niclas: Ja, genau. Und dann, wann kommen sie am besten rein? Im Training oder kurz danach? Fällt dir aus. Und was du dann irgendwie... Abends dann, da kannst du halt deinen gedünsteten Brokkoli essen, wenn du willst. Wenn du davor alles gedünstet hast. Ernsthaft? Ja. Also früher ist es zum Glück ein bisschen besser geworden. Früher war halt dieser dünne beziehungsweise kosmetische Aspekt, also mal grundsätzlich, wer Radsport betreibt, das ist halt der beschissenste Sport, den du machen kannst, um irgendwie einen kosmetischen, vernünftigen Körper aufzubauen. Absolut. Du bist halt Klapperdürre, du hast wenig Muskulatur, außer an den Beinen. Und die dann meistens auch eher dünn. Das ist natürlich auch ein bisschen Genetik. Aber du musst halt Ausgleichssport machen, sonst siehst du halt aus wie so ein, so krumm halt einfach. Wie vom Leben gedrückt. Und deshalb ist Radsport mit Sicherheit nicht der richtige Anspruch, um kosmetisch Sport zu betreiben. Übrigens Triathlon ist da besser geeignet. Allein das Schwimmen. Allein das Schwimmen. Ich hatte vor vielen, vielen, vielen Jahren mal eine Studie gelesen, wieso Leute Triathlon machen. Und der Hauptgrund war Ästhetik. Also total abgefahren, ja. Die wollen halt vernünftig aussehen. Und du hast halt da alles beansprucht. Ich würde ja heutzutage sagen, geht mal lieber rudern. Das ist eben schneller abzuhandeln. Und ist auch kostenneutral oder günstiger. Ich meine, Triathlon ist halt... Der ganze Sport ist halt ein... Das wäre jetzt gemein, wenn ich sagen würde, das ist so ein Showlauf. Aber wenn man in Rot in der Werkstattzone die Räder sieht, dann denkst du so... Ja, andere Leute haben halt V8-Motoren und dicke Auspüffe und da hast du halt dann geile Räder stehen.
Björn: Absolut. Ich finde aber eigentlich, dann würde ich sogar sagen, Radfahren und Schwimmen, die zwei würde ich kombinieren, weil wenn man sich anschaut, wie viele Verletzungen ein Marathonlaufen mit sich bringt, dann hat das auch wenig mit Kosmetik zu tun. Aber wir wollen zu unserem eigentlichen Thema kommen, nach 20 Minuten. Und zwar wollte ich eigentlich über das Four Island dorthin leiten und Björn ein bisschen darüber ausfragen, wie sieht denn der perfekte Mountainbike-Marathon-Fahrer aus von der Physiologie? Was müssen wir dafür trainieren? Wie sieht die Ernährung aus? Da haben wir schon ein bisschen drüber gesprochen. Oder wie sieht die Taktik im Rennen aus? Wie mache ich mein Pacing? Und dann Technik, welche Ausrüstung brauche ich?
Niclas: Ja, also der perfekte Mountainbike-Marathon-Fahrer Andi Seewald. Wenn das nicht einfach so war.
Björn: Nein, aber ich würde da vielleicht... Andi Seewald ist ein sehr, sehr guter Mountainbike-Marathon-Fahrer.
Niclas: Er ist halt wahnsinnig anpassungsfähig und das ist halt der Vorteil. Der kann halt alles. Und das erlebt man in dieser Bandbreite. Du kannst Andi Seewald zu einem Brett Flachenrennen schicken und der fährt vorne mit rum. Und du kannst Andi Seewald ins Hochgebirge schicken und du weißt ganz genau, der fährt halt ganz vorne mit rum. Und das ist halt diese Flexibilität, die Anpassungsfähigkeit eines Sporters und vor allem auch die mentale Anpassungsfähigkeit. Und das ist eigentlich das Faszinierende. Da fährst du zu irgendeinem Rennen, das Brett flach ist. Ich meine die WM jetzt letztes Jahr oder WM in Dänemark oder so weiter. Kurse, die eigentlich nicht passen. Und der baut halt ein Mindset auf und sagt, okay, ich will trotzdem performen. Der sagt nicht von vornherein, komm ich nicht hoch oder ist mir zu flach und was weiß ich. Der sagt einfach, ich will da fahren. Und ich will alles dafür tun, um da schnell zu fahren. Und das wird dann halt gemacht. Also der ist schon gleich... Die Einstellung zum Training passt. Auch wenn das Training scheiße ist, mach das. Wer hat denn schon Bock, auf der Fläche irgendwie mit unter 70 Kilo Schwelle zu fahren? Das bringt halt zero Spaß. Du bist halt nicht schnell und dann musst du dir halt überlegen, wie machst du das? Wie kannst du noch an deiner Aerodynamik rum? Ich meine, das ist auch einer der wenigen Sportler, die wirklich sagen, ich mache mir wirklich Gedanken darüber, wie kriege ich mich halt maximal klein. Ja. In den Wind. Und genau, also der perfekte Marathonfahrer ist, es gibt ihn nicht, weil alle Kurse unterschiedlich sind. Ich glaube, es gibt kaum einen Sport außer Straßensport natürlich. Und durch Pogacar natürlich total revolutioniert, zeigt halt, dass es auch Sportler gibt, die auf allen Terrainers gut sind. Das gab es halt viele Jahre gar nicht mehr. Ja. Das gab es zuletzt bei Eddie Merckx vielleicht, ja, oder... Bernayenot vielleicht, so die Ecke. Dann gab es halt viele ja gar nichts. Da gab es halt nur noch die Spezialisten. Paris Roubaix, wann hat das mal ein Grand-Tour-Fahrer gefahren? Also ich meine, Wiggins hat es noch mal irgendwann gemacht, 2014 oder so.
Björn: Ja, bei Wiggins muss man aber fast sagen, dass der von der Statur her fast ja schon so ein bisschen aus dem klassischen Grand-Tour-Fahrer seiner Zeit rausgefallen ist.
Niclas: Ja, stimmt. Also seinerzeit definitiv. Er hat sich halt total abgemagert. Er wog halt dann auch unter 70 Kilo, aber von der Statur als Bahnfahrer war er natürlich schon kräftiger. Und ich weiß gar nicht, wer in dem Jahr Paris-Roubaix gewonnen hat. war das, das war der, glaube ich, von Green Age, ne? Der halt super schlau gefahren ist.
Björn: Roger Hamm, ne, ich weiß es nicht mehr. Roger Hamm?
Niclas: Egal. Egal. Egal. Egal. Egal. Egal. Egal. Egal. Egal. Egal. Egal. Egal. Egal. Egal. Wiggins hatte halt praktisch eine Zielscheibe hinten drauf, ist halt jeder hinterher gefahren, wenn er mal angetreten hat. Und wurde auch in dem Jahr, glaube ich, nicht mit zur Tour genommen, ist dann eine Tour auf Kalifornien gefahren. Und das ist halt das Spannende, ja. Der ist halt von deutlich über 70, also sicher 78, 79, zur Tour auf Kalifornien, die er dominant gewonnen hat, ist er halt da unter knapp 70 gewesen. Und dann ist er noch Zeitfahrweltmeister geworden in dem Jahr. Haben wir nicht mit zur Tour genommen. In dem Jahr hat Nibali gewonnen, weil sich Froome auf irgendeiner Etappe über Kopfsteinpflaster den Fuß gebrochen hat. Ich bin mir ziemlich sicher, dass es Fuß war. Ich wurde dann nämlich eingeladen. Ich war erst bei der Transalp und dann bin ich noch zum Tanzalp zu Ende, bin in den Flieger gestiegen und dann rüber geflogen zur Tour de France und hab dann noch für ein Team, das mich eingeladen hat, haben wir dann noch hier Siegerehrung Nibali und Pipapo und dann sind wir noch schick essen gegangen und solche Sachen. Ja, war ganz nett und da hat Sky so ein bisschen blöd aus der Wäsche geschaut. Das war ziemlich kontrovers, weil sie Wiggins nicht mitgenommen hatten in dem Jahr. Genau.
Björn: Aber, nochmal zurückzukommen. Physiologie, Mountainbike-Marathon-Fahrer.
Niclas: Ja, super Sauerstoffaufnahme, Laktatbewegungsrate, flexibel genug, um sie für die verschiedenen Rennen anzupassen. Ganz einfach.
Björn: Okay, das heißt aber auch, eigentlich wie auch fast bei jeder Radsportdisziplin, würde ich sagen, umso höher deine V2 Max, umso besser.
Niclas: Ja, je besser die vier Minuten bis fünf Minuten Leistung ist, desto besser ist es. Ganz einfach. Und der Rest ist, den Rest musst du halt, die Ökonomie musst du halt anpassen. Glykolytische Rate, VV, V la Max musst du anpassen. Und also wie effizient läuft dieser Motor und dann noch Aerodynamik, eventuell zwecks Streckenprofil. Und dann habt ihr es. Und dann taktisch natürlich und dann auf die gestreckten Gegebenheit hin trainieren. Ganz auch super simple Ansatz. Ja, ich finde ich total wichtig und es wird auch immer noch gemacht. Wir haben ja. Also wie ich Training verstehe und wie ich das auch immer vermittle und wie ich auch konsensmäßig bei allen, mit denen ich zusammenarbeite, vor allem Trainer, eigentlich immer aufs Gleiche stoße. Nehmen wir zum Beispiel Javier Sola. Pluto France haben die super dominiert letztes Jahr. Das machen die. Die schauen sich natürlich jede Etappe bis zum Erbrechen an. Und die trainieren halt auf diese Etappen. Und ich meine, das hat Tim Kerrison auch schon gemacht bei Sky. Auf die gezielte Leistung hin trainieren. Was hat Kerrison damals bei Sky gemacht? Der saß im ersten Jahr nur im Auto. Der hat ja keinen Plan gehabt vom Radsport. Der hat sich aber angeschaut, wie lange fahren die denn da hoch? Okay, mit welcher Leistung fahren die hoch, hat sie halt die Power-Meter-Daten angeschaut, deshalb sind die auch so Power-Meter fixiert geworden da und hat dann festgestellt, dieses Angetreten ist ja totaler Schwachsinn, weil ich mir jedes Jahr mal die glykolytische Leistung da ausnocke und eventuell dann mein Fettstoffwechsel komplett leer fahre oder ausschalte sozusagen. Und deshalb gab es halt diese langweiligen Sky-Nummern, wo sie einfach gesagt haben, wir fahren ja zu siebend rein in den Berg und fahren halt die ganze Zeit sechs plus Watt. Und dann kommt halt niemand mehr auf die Idee, beziehungsweise lasst doch Nibali attackieren. Wir fahren halt unser Tempo weiter. Easy. Und so haben die halt über Jahre dominiert. Und das war damals, so wurde damals gefahren. Und heutzutage wird halt ein bisschen anders gefahren, wenn du halt so einen Mutanten hast wie... Taddei und unendlich viel Geld, dir die besten Fahrer der Welt zu kaufen. Ich meine wirklich, das ist ja total krass.
Björn: Ich finde, man hat es gerade beim Flash Ballon eigentlich schön gesehen. Da haben sie eigentlich so ein bisschen die Sky-Taktik von früher gemacht. Die letzten sechs, sieben Kilometer, beziehungsweise früher, Jan Christensen hat sogar noch früher angefangen zu fahren. Aha, es sind einfach nur noch Brank McNulty und Jan Christensen einfach von vorne Vollgas gefahren Und das Tempo war so hoch, dass hinten dran wirklich die Käpten von verschiedenen Teams, Alaphilippe, Hirschi oder so, alle fliegen gegangen sind, rausgefallen sind und nur noch wirklich irgendwie acht Fahrer teilweise da waren. Im letzten Anstieg dann auch wieder Jan Christensen von vorne und dann hat Pogacar einfach irgendwann einmal angetreten.
Niclas: Das ist natürlich eine totale Luxussituation. Die haben halt so unglaublich geile Fahrer, die haben halt so unglaublich viel Kohle. Und du kaufst dir halt die Creme de la Creme rein und alle sind auch zufrieden damit. Früher hatte man, ich weiß, bei Jules Postel war ja immer so, nur Häuptlinge und keine anderen Fahrer sozusagen, also nur Chefs sozusagen. Kann das was werden? Ich glaube, die sind einfach so mit Geld zugefüttert worden, dass die sagen, okay, wir machen hier unseren Job. Und Pogacar ist halt auch so viel besser als die anderen, dass man sich auch dieser dominanten Rolle dieses Sportlers, obwohl er die ja gar nicht raushängen lässt, die sagen ganz klar, das ist halt der beste Fahrer, da müssen wir gar nicht irgendwie rumbucken oder selber irgendwas, wenn er da ist, da müssen wir halt selber keine... keine Anstalten machen, da gewinnen zu wollen. Und dann ballerst du halt da vorne mit den besten Fahrern der Welt durch die Gegend. Fertig aus. So einfach ist das. Oder was heißt so einfach? Das musst du auch erstmal hinkriegen. Und ja, genau. Das wäre so die Taktik. Beziehungsweise ich muss ja nochmal zurückkommen. Also wie trainierst du? Ich hatte ja gesagt, ach, Niklas freut sich wieder. Der Einzige, der mir gerade folgen kann, ist Niklas. Alle anderen sind schon weg. Nein, ähm, Wie ich Sport verstehe, ist, du baust dir deinen Körper zurecht. Das ist wie so modellieren. Du hast einen großen Holzstamm vor dir und schnittst da mit der Motorsäge dran rum, willst ein Gesicht draus machen. Wenn du eigentlich schon ziemlich gut bist, sagen wir 90% fertig, das ist so deine Basis. Dann sagst du, okay, das ist mein Körper, aus dem mache ich jetzt was. Und dann fängst du an mit der Feinarbeit und die Feinarbeit ist immer das Tunen auf das Rennen hin. Das heißt, in der Regel ist dann die VO2max Arbeit zu Ende. Und dann fängst du an, irgendwie deine glykolytische Leistung, die Faula Max, in die Richtung zu tunen, beziehungsweise ich würde sogar sagen, du fängst an, das geht natürlich damit einher, fängst an, auf diese spezifische Leistung zu trainieren. Das ist ein 10-Minuten-Werk. Wie viel Watt muss ich 10 Minuten fahren können? Ähm... Wie wird in diesen Berg reingefahren? Ah, vielleicht werden die ersten zwei Minuten super schnell gefahren. Vielleicht ist es auch so, dass sich ein Team vorne ranspannt, dass ich 15 Minuten super schnell fahren muss. Klassiker. Deshalb macht man zum Beispiel dieses Motortraining. Du fährst halt mit 60 durch die Gegend in der Landschaft und ballerst da nochmal einen Berg wie bescheuert hoch, um einfach diesen Speed auch zu kennen, wie wir zum Berg hochgefahren sind. Also runtergebrochen, für einen Normalsportler heißt das, ich mache halt meinen... eventuell polarisierenden Ansatz, viel Grundlage, VZMarkz, Grundlage, VZMarkz, Grundlage, VZMarkz, das immer so ein bisschen in 30-30, 40-20, 1-Minuten-Intervalle, meinetwegen auch etwas überschwellige Sachen Und dann fange ich an, mir anzuschauen, okay, wie lang ist dieses Rennen? Wie lang sind die Berge? Oder ist es nur ein Zeitfahren? Und dann fängst du an, das häppchenweise aufzuspalten. Du fährst ja nicht gleich irgendwie 30 Minuten Zielleistung, sondern sagst, ich fahre halt 6x5 Minuten oder 4x8 oder 5x8 oder 4x7, was weiß ich. Und dann tastest du dich langsam ran. Und dann kannst du dir überlegen, wie läuft denn so ein Rennen nochmal ab? Vielleicht fahre ich einen negativen Split sogar, dass ich sage, okay, ich fahre die ersten 10 Minuten mit 400 Watt und die zweiten 10 Minuten mit 430 Watt. Und dann tunest du deinen Körper und das ist nicht nur körperlich, sondern das ist auch mental richtig, wichtig. Du fährst in so ein Ding rein und weißt, okay, ich kann das eh. Und das finde ich ist auch nochmal ein entscheidender Punkt, dass du weißt, diese Leistungsfähigkeit kann ich auch einfach abrufen, weil ich sie schon trainiert habe. So einfach ist Training.
Björn: Ja, da muss ich jetzt quasi so ein bisschen intervenieren, weil diese 10%, wenn ich mir jetzt meine Sportler anschaue, Treffen auf die wenigsten ja nur noch zu. Weil das größte Potenzial, wie du schon gesagt hast, sind halt die 90% davor. Wenn ich diese 90%, wenn ich zum Beispiel meinen Körper, was VO2max angeht und Grundlagentraining und Fettstoffwechsel, wenn ich das noch nicht ausgereizt habe, wenn ich noch nicht mal am Wochenende 3 Stunden, 4 Stunden, 5 Stunden Grundlage locker gefahren bin und das auch mal 4 Wochen hintereinander gemacht habe, dann muss ich nicht anfangen oder... Dann verschenkt man einfach viel Potenzial, wenn man dann schon anfängt mit, okay, was ist denn nachher meine Zielleistung? Das können dann die meisten Sportler im Hobbybereich vielleicht die drei Wochen vorher machen. Da kann man sich anschauen, okay, welches Rennen ist mein A-Wettkampf und dann das machen. Davor würde ich halt immer sagen, fahr sauber deine Grundlage, ernähr dich ordentlich, fahr deine V2 Max Einheiten eine zwei die Woche ab. Das ist halt für die allermeisten das Sinnvollste und gerade über Winter halt an dieser Schwäche arbeiten. Über den Winter wirklich große Grundlagenblöcke fahren, so viel man halt in seinen Trainingsplan unterkriegt. Kurze, harte Blöcke mit dann VO2max fahren, um das auszubauen, weil das einfach für 90% der Sportler, gerade im Hobby- und Amateurbereich, die größte Stellschraube ist. Da muss man dazu sagen, umso älter man wird, umso kleiner wird diese Stellschraube, weil natürlich die Anpassung dann teilweise weniger wird, aber auch da könnt ihr noch echt viel rausholen mit einem guten V2 Max Training.
Niclas: Ja, definitiv. Das tun, was man vorher nicht getan hat.
Björn: Ja.
Niclas: Funktioniert in der Regel ganz gut. Absolut.
Björn: Was ich jetzt noch bei Training ganz interessant finde, wie trainierst du dann, weil du hast ja gesagt, du baust die Trainings quasi nach dem Profil, was nachher im Rennen quasi gebraucht wird. Wie sehr bringst du da dann noch Fatigue Resistance mit rein?
Niclas: Das ist so ein Scheißwort, oder? Ich finde, da kann halt keine Sau was mit anfangen. Das schmeißen wir mit Fatigue-Resistance rum. Ich glaube, es war Knowledge is what. Ich mag das ganz gerne. Aber dann hat er aufgezeigt, Giro-Winner der letzten fünf Jahre. 20 Minuten Leistung, 20 Minuten Leistung nach Kilojoule Durchfluss XY, also nach einer gewissen Zeit. Und dann V2max, aber V2max nicht als Powerwert, sondern nur als reine Zahl. Also wusstest du eigentlich nichts wie die Gross Efficiency zum Beispiel. Es kann halt alles sein, ne? Hätte man mal gerne mal die glykolytische Leistung durchgerechnet, dann wäre es halt spannend geworden.
Björn: Und eigentlich muss man ja noch dazu sagen, wie sind die 2000 Kilojoule, 3000 Kilojoule zustande gekommen? Bin ich Grundlage gefahren? Bin ich Tempo gefahren?
Niclas: Wir haben das jetzt aus den Girodaten genommen. Also das funktioniert schon. Naja, zumindest bringe ich da Fatigue Resistance mit rein. Ich finde diesen... Terminus schwer zu fassen. Und ich mache das schon im Sinne von einer Änderung des Drehmoments in den einzelnen Trainings. Und vor allen Dingen, dass das Lehren kopfmäßig bzw. muskulär das aufgebaute Laktat über höhere Frequenzen abzubauen. Das muss wirklich gelernt werden. Oder auch mal mit sehr hohen Drehmomenten zu arbeiten, Grundlage, dicker Gang, was weiß ich. So baue ich damit rein. Das ist für den Muskel eklig, teilweise. Aber es macht dich mental nicht so platt. Und dieses... Klar, du schiebst dann irgendwie Intervalle nach hinten, auch Classic. Das ist das... Ich habe hier irgendwie over anders und dann fährst du viermal zwölf Minuten oder viermal 15 Minuten und fährst die ersten beiden in den ersten zwei Stunden und die letzten beiden in Stunde vier und fünf. Das ist natürlich super hartes Training. Und dazwischen fährst du halt nur Fatmax, was natürlich super hart ist. Und definitiv, das ist dann auch Rennen angepasst, das funktioniert auch. Grundsätzlich stelle ich auch immer wieder fest, Das, was du trainierst, ist wie so ein Switch. Wenn du sagst, du trainierst immer nur drei Stunden, machst dann 5 Stunden Rennen, dann ist es so der Classic, du fährst 3 Stunden gut und die letzten beiden sind scheiße. Also man muss sich auch mal an die Distanzen rangewöhnen, vielleicht auch mal über Distanz zu machen. Das haben mir die japanischen Marathonläufer auch immer gern gemacht. Von daher auch mal die Distanz fahren, die man da machen muss. Und vielleicht auch mal ähnlich die Intensitäten zum Ende reinschieben, aber so, dass es sich nicht so komplett wegraucht. Das ist so. Und Ja, von daher kann man das ruhig machen. Aber so mal so ganz grundsätzlich gesprochen, wie baue ich so ein Training auf? Sagen wir, ich habe jetzt zwölf Wochen Zeit. Dann fängst du erst mal an, wo stehe ich? Irgendwie testen.
Björn: Im Optimalfall Powertest.
Niclas: Ja, klar. Ich meine, es ist doch super simpel. Es ist der einfachste Weg. Und dann hast du noch die Activity-AI mit dran, fertig. Also du weißt, was kannst du, was kannst du nicht. Siehst halt VH2 Max 55 oder keine Ahnung, 50. Ist halt nicht so geil. Aber für einen Mann wäre das jetzt nicht so gut. Oder 45. Weißt du, okay, ich muss jetzt da ein bisschen was tun. Wie baue ich die am besten auf? Was ist am besten aushaltbar für so Grundlage? Wie viel Zeit habe ich denn? Und das System sagt dir auch, wie viel Zeit du da hast. Wie viel Kilojoule Durchfluss kannst du haben? Sagst du mir, ich habe jetzt 15 Stunden in der Woche Grundlage. Fahr das doch einfach mal. Fahr doch mal drei Wochen 15 Stunden. Das sind 45 Stunden. Das ist halt schon richtig was. Und dann geht es auch in der Regel von allein schon besser. Und dann würde ich... Dann ist immer so die Frage, schiebe ich einen V12 Max-Block rein, wenn ich nicht so gut bin? Also wenn ich schon... Also in der Regel sagt man ja, polarisierendes Training ist super, aber da würde ich auch manchmal so ein bisschen leichtes Stoppschild reinschieben, weil jemand, der eigentlich nicht so richtig fit ist und du ihn gleich dann so mit krassen V2Max-Intervallen durchgrillst, da sind die in der Regel nicht so fit genug. Da würde ich dann eine leichte Progression machen und einfach mal Sweetspot fahren. Eine Anpassung findet eh statt und zwar eine brutale Anpassung, weil wer nicht fit ist, wird auch von diesem Training profitieren. Und da kann man dann einfach sagen, okay, jetzt fahre ich nochmal zwei Wochen lang Sweetspot und Schwelle. So, und dann mache ich nochmal wieder eine Pause und dann fahre ich nochmal einen Test, gucke, was passiert ist und dann kann man nochmal Grundlage fahren und dann fährst du vielleicht mal wirklich einen V2 Max-Block mit 40-20ern und dann würde ich mal ganz kurz schauen, was ist gefordert bei dem Rennen. Also wie viel Leistung brauche ich? Oder wie lang sind die Abschnitte? Acht Minuten, zehn Minuten, 15 Minuten. Dann trainierst du darauf ein bisschen. Das ist dann so ein bisschen Schwelle. Bisschen drüber Schwelle. So würde ich es machen. Und wenn jemand der fit ist, machst du halt ein bisschen anders. Du hast halt nur Grundlage erstmal. Dann ballerst du die VO2max Blöcke rein. Dann schaust du dir an, wie ist die Laktatbildung. Sagen wir mal, du hast eine 0,6er Laktatbildung und du hast eine 60er Sauerstoffaufnahme. Dann würdest du jetzt nicht anfangen, die zu drücken. Würde ich nicht machen. Sondern einfach damit umzugehen und dann viel Shuttling fahren, ja, over anders, eine Minute drüber, zwei Minuten drunter, Drehmomente, Spielereien, Fatmax mit dem dicken Gang, Fatmax mit dem dünnen Gang, nach harten Intervallen, um mal Laktat aufzuräufen oder schlecht abzubauen und dann wieder im nächsten Intervall das stark abzubauen. Das würde ich dann machen, wenn Leute höhere Laktatwirkungsraten haben. Ist ja nicht so, dass Pogadam in der 0,2 Laktatwirkungsrate durch die Gegend fährt, wenn er deutlich höher in die Gegend, was er sich erlauben kann, weil er eine hohe Sauerstoffaufnahme hat. Also man muss diese beiden Werte immer in Relation sehen. So, jetzt habe ich wieder total viel erzählt. Das war aber super.
Björn: Nee, finde ich richtig gut. Jetzt... Darauf dann quasi gesetzt, Physiologie haben wir, Training haben wir, Ernährung. Grundsätzlich finde ich Ernährung und Hydration, haben wir ja schon gesagt, eigentlich immer erstmal alles gut mit Kohlenhydraten. Im Training verpflegen, direkt danach verpflegen und genug trinken. Was wäre jetzt so für Grundlage? Standardmäßig 45 bis 60 Gramm Kohlenhydrate.
Niclas: Also kommt drauf an, wie groß der Motor ist. Ja, aber 45, 60 Gramm pro Stunde. Man kann das ja noch staffeln. Du hast ja noch irgendwie einen Glykogenspeicher in der Muskulatur. Du musst jetzt nicht gleich anfangen mit 60 Gramm, wenn du nur eine Stunde fährst. Da reicht vielleicht sogar mal gar nichts. Aber danach dann bitte essen. genau, das auf alle Fälle, dann kann man so ein bisschen Carb-Cycling machen, das finde ich immer ganz schön, oder beziehungsweise die Auswahl im Training, nach dem Training, kurz nach dem Training, sich das Zeug reinknallen, was sinnvoll ist, um die Speicher wieder zu füllen und dann danach kann die Zuckermast aber auch so langsam abäppen, vor allem dann, wenn man nicht so viel trainiert und dann isst du halt vernünftig bei intensiven Trainings, sprich V2max oder vor allem Schwelle, da muss der Kohlenhydratanteil dann noch schon mal deutlich höher sein. Da meldet sich der Körper eh von alleine. Du hast halt permanent Hunger. Und da isst du dann von dem Zuckerzeug kurz nach dem Training und im Training würde ich dann auf komplexere Kohlenhydrate umsteigen. Kartoffeln, wilder Reis, Vollkornspaghetti, keine Ahnung. Ja, sowas in der Art.
Björn: All right. Wie siehst du es mit, bitte?
Niclas: Proteine natürlich auch, so zwei Gramm Kilo Körpergewicht.
Björn: Wie siehst du es mit dann, sagen wir mal, die letzten vier Wochen vorm Wettkampf bei den hochintensiven Trainings auch mal zu testen, wie viele Gramm Kohlenhydrate gehen rein, weil umso mehr du im Rennen wiederum pro Stunde schaffst, umso besser?
Niclas: Ja, definitiv. Also dieses Gut-Training definitiv. Von 90 auf 100, 110, 120, 130 Gramm. 145. Oder das kann man auch mal testen. Wenn man den Motor dazu hat, macht man das. Genau, das auf alle Fälle testen bei den intensiveren Sachen. Und dann so, ich würde dann noch am Wochenende vor dem Wettkampf nochmal einmal richtig lang fahren wollen. 5, 6 Stunden. Und wenn es möglich ist, darüber haben wir schon öfters gesprochen, am Sagen wir Sonntag ist Rennen, würde ich Donnerstag auch nochmal länger fahren, irgendwie drei Stunden, vielleicht sogar drei Stunden Fatmax, Speicher nochmal leer machen und danach gut füllen, Magnesium abends noch rein. Und dann läuft das auch. Und klassisches Tapering, ja, ich würde jetzt in der Woche, in der Wettkampfwoche würde ich mir jetzt nicht mehr einen einschenken. In der Woche davor würde ich jetzt schon noch intensiv arbeiten, aber auch nicht mehr super intensiv. In der Woche davor würde ich mir aber nochmal richtig einen einschenken. Also das ist so eine Welle, ja. Sagen wir, du hast vier Wochen, in der Woche vier vor dem Wettkampf, sagen wir mal 80% hart. In der Woche davor gehst du schon auf 90 bis 100. Und dann appst du richtig ab auf 70. Und dann in der Tapering-Woche machst du halt nicht mehr so viel. Einmal lange fahren. Ich finde, das ist die deutlich entscheidendere Einheit. Und dann läuft das auch. Also die Tapering-Woche ist eigentlich schon eine Rest-Week sozusagen.
Björn: Okay, okay. Dann Taktik, Verpflegung, Renntaktik, Pacing. Wie würdest du zum Beispiel... Zuerst mal ist ja für die allermeisten erstmal wichtig, okay, wie verpflege ich mich denn? Sagen wir jetzt mal klassischer vier Stunden bis, für einen Hobby-Amateurfahrer dann fünf bis sechs Stunden Mountainbike-Marathon, irgendwie 100 Kilometer, zweieinhalb tausend Höhenmeter. Wie würdest du so die Verpflegung angehen, wenn wir jetzt davon ausgehen, dass wir keinen Verpfleger haben?
Niclas: Hydration Pack. Und dann ist auch immer der, also wenn das so ein Heize ich da gleich mit rum oder sage ich gleich, ich fahre hier so mein Tempo. Da kann natürlich die Gefahr laufen, dass man dann irgendwie die Gruppe verpasst, die da vorne schön Windschatten hat. Auf der anderen Seite, wenn es da irgendwie schon gleich so einen 20 Minuten Berg hoch geht, würde ich sagen, fahr mal dein Tempo hoch. Fällt dir aus. Und alle anderen werden sich eh wegsmoken. Und dann ziemlich verbrennen. Und die Perspektive ist, will ich gewinnen oder will ich irgendwie durchkommen? Oder will ich ein gutes Resultat fahren? Ein gutes Resultat fahren, ohne irgendwie auf Podiums kurz, würde ich immer sagen, fahr dein Tempo. Pace dich einfach durch. Fähr dich aus. Außer du hast die Möglichkeit, in irgendeine Gruppe zu gehen. Wenn dann fünf Minuten bergan ist, dann fährst du halt alles, was geht und versuchst da irgendwie in eine Gruppe mit reinzukommen. Wenn es danach 40 Kilometer brettflach ist, ballerst du da voll drüber und hängst halt 40 Kilometer im Windschatten und lässt die halt mitziehen. Und danach wird halt durchsortiert. Wenn dann aber richtig vier, so immer so 10, 15, 20 Minuten Anstiege so am laufenden Band sind, gleich von Anfang an dein Tempo fahren. Ja.
Björn: Und dann im Optimalfall macht man irgendwie kurz davor oder die Wochen davor, finde ich, immer ganz jeden Fall auch nochmal einen Leistungstest, weil dann habt ihr einfach bessere Werte. Dann wisst ihr, gerade zum Beispiel, finde ich, bei dem Powertest von uns, kann man halt sehr schön sehen, okay, welche Leistung kann ich dann ungefähr über vier Stunden im Schnitt halten. Und dann könnt ihr davon so ein bisschen euer Pacing abwerten. ableiten und dann halt sage ich auf jeden Fall, im Optimalfall hat man es halt vorher trainiert und weiß, wie viele Kohlenhydrate pro Stunde kann ich zu mir nehmen, vertrage ich 100, vertrage ich 120, um tendenziell Umso mehr, umso besser. Hat natürlich immer ein gewisses Limit, ob ihr es auch vertragt. Dann aber halt schauen, dass man im Optimalfall die Kohlenhydrate schon mal an Bord hat, mit einem Hydration Pack vielleicht arbeitet, den zuerst leer trinkt, damit man danach oder die Flaschen zuerst leer trinkt, je nachdem wie die Verpflegungen sind. Wann kann ich vielleicht wie nachfüllen? Trinke ich erst Flaschen leer, fülle die nochmal auf, kann dann durchfahren, trinke ich erst den Hydration Pack leer. Und wie warm es ist. Ein Beispiel.
Niclas: Eigentlich müsste ich das, ja, das müssen wir unbedingt machen. Ich habe mit Sebastian schon darüber gesprochen. Ich habe letztes Jahr für mich, ich habe mir auf meinem Handy eine kleine App programmiert für die Zusammensetzung von Getränken bei Wärme und Luftfeuchtigkeit und Natrium und so weiter. Also da tippst du halt ein, wie warm es ist und wie viel Gramm Kohlenhydrat ich maximal aufnehmen kann. Und Luftfeuchtigkeit und so weiter. Was ganz cool ist, weil man hat es immer schnell in der Hand und es wird natürlich immer total beeindruckend, wenn ich das mal schnell aus meinem Handy zücke. Den setzen wir mal auf unsere Plattform, diesen Rechner. Dann kann da halt jeder seine Getränke selber rummischen und ja, machen wir mal. Ich schicke Sebastian mal den Code und dann können wir das mal reinbasteln.
Björn: Ja, wieso? Jetzt habe ich ja letzte Woche Sebastian auch kennengelernt. Da sind aber noch einige Sachen in der Pipeline.
Niclas: Das Geile ist ja, ich denke darüber nach, mit 50 aufzuhören, aber wir haben halt noch für 15 Jahre Arbeit. Wir haben halt so viele Ideen, die wir umsetzen. Ich meine, wir können so geile Sachen machen die ganze Zeit und du hast ja so ein bisschen Ideen. Daran mangelt uns das nicht. Und du warst ja letzte Woche, ich ja nicht, ich war ja im Urlaub. Sebastian, der war ja auch im Urlaub, nur er fährt halt von der falschen Richtung in den Urlaub. Ihr wart auf der Bahn mit Wissler und habt ein bisschen rumgetestet und schicke Fotos gemacht. Ich bin nicht drauf, bin ich jetzt nicht, traurig drum. Und genau, kommt auch nochmal was zu jetzt als Newsletter bei Gelegenheit.
Björn: Ja, war auf jeden Fall geil zu sehen, wie Wismar so mit der Software Faster You und so arbeitet und auch grundsätzlich, wie die Jungs arbeiten, ist schon echt sehr professionell, muss man sagen, krass durchgetaktet.
Niclas: Das ist irgendwie auch der richtige Mann da, mit Jamie Lohan, das ist halt echt geil.
Björn: Also Jamie so bei der Arbeit zu sehen, der spricht bei der Arbeit gar nicht so viel, aber man sieht halt immer die Veränderungen, die er an den Fahrern vornimmt, funktionieren halt einfach so direkt. Also da waren ganz wenige Runs dabei, wo er wirklich gesagt hat, ja okay, das hat jetzt gar nichts gebracht, aber auch die gibt es. Das war aber schon geil zu sehen, welche Möglichkeiten die haben und die haben natürlich dann Was die an Material auch angeschleppt haben, also direkt alles, was du an Spacern, an Sätteln, an irgendwelchen Veränderungen haben willst, hatten die natürlich direkt am Start, um es dann auch zu testen. Da wurde jetzt tatsächlich nur was an Sitzpositionen verändert, den Rest haben sie glaube ich nicht gemacht. Aber dann auch so ein bisschen konnte ich mich mit Jamie auch so über Training und über Rennpacing und da macht er ja auch viel, also er plant ja auch für für Zeitfahren so ein bisschen das Pacing, da war ich dann so ein bisschen, ah okay, also da wüsste ich schon Sachen, die ich zum Beispiel besser machen könnte oder wollen würde und das fand ich dann auch wieder krass, dass selbst aus diesem höchsten Niveau trotzdem immer noch Potenziale sind, aber was ich halt so gesehen habe, ist ja auch immer noch, Und denen fehlt dann teilweise, glaube ich, immer noch Manpower. Einfach noch drei irre Dynamiker auf dem Niveau von Jamie Mayer würden das Team einfach nochmal ein Prozent besser machen.
Niclas: Und das ist irre. Das ist total abgefahren und ich merke das selber. Also Sebastian und ich haben natürlich den Vorteil, dass wir nichts anderes tun als Aerodynamik und Stoffwechsel-Simulation. Und natürlich trainiere ich auch noch viele, aber ich lerne so viel immer wieder dazu und ich merke auch immer wieder, Ich hatte jetzt vor kurzem ein längeres Gespräch mit Paul Heldran und Javier, haben relativ viel gesprochen über, was man noch machen kann, plattformtechnisch und wie die trainieren, beziehungsweise welche Auswertetools die teilweise benutzen. Und die benutzen halt Sachen, wo ich sagen würde... es ist total outdated, aber funktioniert halt trotzdem super, weil sie diese Tools dann auch irgendwie auf eine intelligente und schlaue Art und Weise benutzen. Und dann auch wieder, wo ich merke, da habe ich so echte Limits und merke auch, dass die in manchen Dingen so tief sich eingearbeitet haben, dass ich da gar nicht hinterherkomme. Und so ähnlich ist es dann, ich würde jetzt auch nicht behaupten, also Aerodynamik habe ich schon einen Plan, klar, ich möchte mich damit halt auch viel beschäftigen, aber es gibt natürlich x Aerodynamiker, die besser sind und es gibt natürlich auch, Ich trainiere natürlich auch irgendwie Cross-Country-Fahrer. Und der Ulan Galinski ist natürlich jetzt in Brasilien bombenstark gefahren. Ich meine, ein 57-Kilo-Fahrer fährt auf dem Kurs zweimal auf Platz 12. Das ist natürlich schon richtig geil. Aber ich würde jetzt sagen, ich bin jetzt nicht der geilste Cross-Country-Trainer oder ich bin auch nicht der geilste Triathlon-Trainer oder was weiß ich grundsätzlich. Also man lernt da immer viel und da muss man offen sein, dass man sagt, okay... Kann ich mir aus der Domäne oder habe ich Zugang in diese Domäne über einen Trainer oder Sportler? Über Enrico Avicini habe ich unendlich viel gelernt und Ideen. Also ein wahnsinnig kreativer Sportler, finde ich echt spannend. Was kann man denn nochmal irgendwie anders machen und anpassen und dann die Flexibilität zu benutzen? das auch anzuwenden und in das Training einzubauen. Und ich glaube, die Sportler, die mit mir arbeiten, die wissen, dass das Training sich doch permanent irgendwie ändert. Und klar gibt es eine irre lange und langweilige Grundlagenphase, aber ich versuche da doch immer wieder was Neues zu finden, beziehungsweise ich bin auch teilweise so begeistert von Dingen, die ich gesehen und gesehen habe. gehört habe, dass ich die dann unbedingt ausprobieren muss. Und dann habe ich immer so meine Gin-Picks, meine Labor-Ratten, da mache ich das dann. Und dann sehe ich, ja, es funktioniert. Und dann übertrage ich das dann auf andere. Wenn ich sehe, dass es metabolisch sinnvoll ist, ja.
Björn: Und wenn man weiß, okay, der Sportler hat da Bock drauf und hält das auch durch.
Niclas: Es ist ja nicht nur, dass ich immer sage, ja, Holz haben wir. Kommt aber auch vor. Ich würde jetzt mal sagen, ich bin einer der Trainer, der eigentlich gar nicht so viel hart trainieren lässt, oder?
Björn: Ja, also was ich auf jeden Fall grundsätzlich, das also stimmt, es sind die lockeren Grundlagenphasen, die gezielten Grundlagenphasen sind mehr als früher bei mir zum Beispiel. Dafür aber, wenn der Hammer ausgepackt wird, dann musst du auch bereit sein, dir richtig weh zu tun. Ja, also das war zum Beispiel, und ich glaube, das ist tatsächlich auch die Sache, die das Training oder insgesamt Training halt so effektiv macht, zu verstehen, lange, lockere Phasen und auch einfach mal wirklich stumpf einen Monat nur Grundlage zu fahren mit hier und da vielleicht ein bisschen Fatmax am Berg, Braucht der Körper, ist einfach sinnvoll, du kannst nicht im Dezember halt schon die Mörderintervalle auspacken, wenn du im Mai, Juni, Juli schnell fahren willst, macht halt keinen Sinn, aber mal 100 Stunden Grundlage zu trainieren, macht halt Sinn. Auf der anderen Seite dann aber halt auch bereit dafür zu sein, wenn man jetzt zum Beispiel vier Wochen vor einem A-Wettkampf ist, sich dann auch richtig weh zu tun. Das ist halt glaube ich das, was das Training so effektiv macht. Und ich glaube, Andi hat das mal schön zusammengefasst, dass er, als er mit dir angefangen hat zu arbeiten, erst mal verstehen musste, dass diese lockeren Phasen, man es in denen auch dann einfach nicht übertreiben darf, damit du für diese harten Phasen auch frisch bist und dass du dann die harten Phasen auch nur so hart fährst, wie sie im Trainingsplan stehen, weil du sonst dieses Gesamtbild quasi gar nicht vollenden kannst. Wenn du dich in den ersten fünf Einheiten von dem harten Block abschießt, ja, dann wirst du die nächsten fünf nicht mehr hinkriegen. Aber um das Gesamtbild zu vollenden, musst du halt diese zehn Einheiten so umsetzen.
Niclas: Ja, Training, ja, also ich sage immer, Training ist, so ein ganzer Block an Training ist immer wie so ein, ist wie ein Marathonlauf, ja. Du kannst natürlich irgendwie so eine Trainingseinheit oder zwei Trainingseinheiten in dir voll einstecken und denken, ja, das war geiles Training. Aber kommen halt noch zehn andere dazu. Und wenn du die dann nicht durchziehst, eigentlich möchte ich, dass du von Training zu Training nicht unbedingt besser wirst, aber du sie durchziehen kannst. Und am schönsten ist es immer dann, wenn so die letzte Trainingseinheit sehr hart ist. die man dann einfach packt und sagt, okay, jetzt bin ich ready. Das hat psychologisch natürlich einen super Effekt. Und körperlich sind wir da definitiv dann auch auf der richtigen Spur gewesen, dass wir dann noch diese Anpassung gehabt haben. Natürlich wollen wir Stress aufbauen, aber er muss halt in einem Maße sein, dass es aushaltbar ist. Und das Wichtigste oder eines der wichtigen Punkte ist, dass der Sportler es versteht. Nicht mehr machen, nicht zwingend mehr machen, es gibt natürlich Spieler, die immer zu viel machen und das sagt man dann einmal, zweimal, dreimal und beim fünften Mal nickst du eigentlich nur noch ab und sagst, okay, lauf ins Messer.
Björn: Bei denen fange ich tatsächlich an, denen baue ich dann halt das Training schon so, dass ich weiß, da wird er überziehen, da wird er überziehen.
Niclas: Das kann man auch machen, aber auf der anderen Seite habe ich dann Leute gehabt, die halt immer 18 Stunden, 20 Stunden trainieren müssen und zwar immer hart, immer hart, hart, hart. Oder beziehungsweise nicht nur hart, sondern immer so ekelhart. Und dann siehst du, oh ey, dann kann die Leistung nicht gebracht werden. Dann baust du halt so einen Hammerintervall ein oder ein schweres Intervall und dann kriegst du eine Nachricht, es ist unmöglich zu schaffen und bla bla bla. Und dann sagst du, ja klar ist es unmöglich zu schaffen, weil sie halt davor schon irgendwie leicht in die Grütze trainiert und dann auch noch die Kohlenhydratzufuhr auf Süßholz reduziert, dass man dann sich so an seinem Zahnbelang wegfeilt, dann kommt halt nichts bei rum. Also auch das ist halt schwierig. Genau. Also es ist immer so, mental muss das halt irgendwie passen. Da fällt mir gerade noch ein, ich muss noch einen Trainingsplan gleich mal bauen. Ich habe nämlich heute Morgen noch eine kleine Änderung reingeschoben bekommen.
Björn: Genau. Ja. Okay, letzter Punkt, nochmal kurz zu Reifenwahl, Sitzposition, Kleidung. Wie wichtig siehst du jetzt gerade zum Beispiel im Mountainbike-Marathon schon aerodynamische Punkte? Also klar, Sitzposition.
Niclas: Wenn er flach ist, definitiv. Aerodynamik wichtig, Klamotten wichtig, Windwesten killen die Aerodynamik brutal. Oh, ich habe jetzt gesehen... Ganz neu, es gibt von Velotos, die haben es geplaut, muss so sein. Ich hatte nämlich mit Velotos, nein, hatte ich nicht. Aber interessanterweise hatte ich mit dem Chef von Velotos im Januar Kontakt. Die sponsern nämlich ein Team irgendwo in Thailand, glaube ich. Und da fährt ein Fahrer, den ich sehr gut kenne und ein guter Freund von mir, den ich auch trainiere, den Adne van Engelen. Der auch richtig schnell fährt. Und die haben so ein bisschen Aerodynamik und so weiter. Und jetzt haben sie so eine Hydration Vest gemacht, die halt wirklich auch kühlen soll. Und da dachte ich, ha, meine Idee. Die haben das natürlich jetzt nicht so schnell aus dem Hut gezaubert, wie wir darüber geredet haben. Also glaube ich nicht. Wer weiß, was da vielleicht ja doch in so einem China-Werk kann das halt schon mal so zacki zacki gehen. Da wird halt nicht lange gefackelt, da wird halt gemacht. Und genau, gibt es jetzt. Wäre jetzt mal lustig zu testen. Ich habe jetzt schon mal hingeschrieben, Adne, und jetzt schauen wir mal, ob das so Game-Changer-mäßig ist. Vor allem wäre es aerodynamisch interessant, mal zu sehen, wie das Ding ist und ob das auch UCI-konform ist, wenn man das dann so unter dem Trikot rumschleppt.
Björn: Du meinst jetzt dieses Unterhemd von denen, wo du hinten die Blase reinmachen kannst? Ja, gut, das ist ja im Endeffekt diese Hype, würde ich sagen, kam letztes Jahr so ein bisschen ums Anbauen drum auf, wo Rule28 und Rafa beide ihre Rennanzüge vorgestellt haben, wo das quasi hinten drin ist. Dieses Jahr beim Epic ist Johnny Hoogerland von RH77, heißt die Kleidermarke, glaube ich, gesponsert, auch so einen Einteiler gefahren. Das hat ihn nicht schneller gemacht. Aber ich würde jetzt nicht sagen, dass es am Einteiler gelegen hat. Ich glaube, da hat es an anderen Punkten gehakt. Aber grundsätzlich auf jeden Fall glaube ich schon auch richtig cool und auf jeden Fall ein Punkt, wenn man das gut hinkriegt, einen Einteiler zu haben, wo du diese Diese Blase gut rein und raus machen kannst und dann einfach durch eine VP fährst und dir, je nachdem wie du es halt brauchst, mit Eiswürfeln gefüllte Blase halt holst und auf den Rücken legst, kann das halt bei verschiedenen Rennen schon einen richtig geilen Effekt haben. Allein auch eiskalt zu trinken macht dann auch schon immer Sinn.
Niclas: Ja, und man müsste eine Blase halt auch spannen. Also ich stelle mir so eine Blase vor, die oben so Isolierschicht hat und darunter dann direkt einen Hautkontakt hat. Vielleicht sogar die Fläche noch richtig groß machen, irgendwie so mit so einer Struktur. Ja, das wäre schon mal ganz spannend.
Björn: Absolut. Und ich glaube, wenn ich mich richtig entsinne, Dylan Johnson hat das Ganze ja auch schon mal im Windkanal getestet und das ja auch ein Hydration Pack zumindest auf einem Gravel Bike oder einem Rennrad. tendenziell dich sogar aerodynamisch schneller macht, wenn man dann sogar vorne die Fläche quasi, wo der Hydration Pack ja quasi zugemacht wird zum Rucksack, wenn das dann sogar noch wegfällt und quasi nur du hinten die Blase hast, müsste es sich ja noch schneller machen. Das ist auf jeden Fall spannend. Guck mal, jetzt bin ich total weg. Du kennst Dylan Johnson nicht? Natürlich nicht. Das ist ein aus Amerika ein Gravel-Fahrer, der früher, so mit 14, hat er glaube ich angefangen Mountainbike zu fahren, viel Mountainbike-Marathon gefahren, war immer gut und der hat dann angefangen Gravel vor allem zu fahren, 2018 mit seinem ersten Unbound und Der macht dazu YouTube-Videos. Also der trainiert selbst Leute, macht dazu YouTube-Videos und macht halt viel über sportwissenschaftliche Themen YouTube-Videos und ist dafür bekannt, so Marginal Games zu suchen. Also der hat Videos darüber, welche Kette ist die schnellste. Der hat mit verschiedensten Leuten gesprochen und viel mit dem... Mit dem Silca-Entwickler drüber, welcher Kettenwachs ist der schnellste, welche Laufräder, welcher Reifen. Der hat angefangen vor Unbound, hat er getestet, okay, der 2.1er Continental Race King ist der schnellste Reifen für das Rennen, hat er auf seinen Strecken einfach selbst rausgetestet. Ist dann aber hingegangen und hat zum Beispiel, wenn du den Race King ganz neu bekommst, hat er ganz viele so kleine Noppen, die rausstehen. Und da meinte er, ja, das kann nicht aerodynamisch sein und ist hingegangen, hat mit einer Haarschneidemaschine alle Noppen vorm Rennen von einem ganz neuen Reifen runter rasiert, damit diese Noppen weg sind. Und der ist so mit der Begründer dieses Trends, würde ich jetzt mal behaupten, dass du auf Gravel-Bikes 2 1er Mountainbike-Reifen baust, weil sie halt vom Rollwiderstand her und vom Komfort schneller sind. Und er hat jetzt sogar ein Video rausgebracht, wo er getestet hat, welcher Reifen ist denn der schnellste. Also die sind hingegangen im Windkanal, haben geguckt, ich glaube 35er Reifen bis halt dann ein 55er Mountainbike-Reifen. Und haben dann diese Werte von der Aerodynamik geholt und haben sie mit den Rollwiderstandswerten verglichen und haben dann sogar so einen, hat er gesagt, dass das noch nicht 100% perfekt war der Test, aber haben halt getestet, wie der Rollwiderstand auch auf Unebenen funktioniert. Und haben dann halt gesehen, okay, dass wahrscheinlich ein 45er bis Mountainbike-Reifen halt einfach aufgrund des Rollwiderstands einfach der Aerodynamik dann halt einem 40er Gravel-Reifen zum Beispiel überliegt, gerade auf richtigen Gravel-Rennen. Und ich glaube, das ist ja auch ein Grund, warum gerade im Mountainbike-Bereich die 2.4er-Reifen jetzt so langsam die Überhand gewinnen, weil sie mit einem 1.1er, 1.2er Luftdruck gefahren einfach die schnellsten sind. Gerade auf einem Epic-Kurs ist fast jeder ja ein 2.4er-Reifen gefahren. Und was ich da geil finde, wenn wir da auch noch so ein bisschen zum Material kommen, dass du mit einem 2.4er, Mountainbike-Reifen auf einer 30er-Felge musst du gar nicht mehr diese krass profiligen Reifen fahren, wie jetzt einen Racing Ray zum Beispiel, weil du einfach über diese Breite und den Luftdruck des Reifens so viel Grip schon aufbaust, dass solange es nicht super nass ist, du zum Beispiel mit einem Rig XC, der ja... vom Profil her relativ wenig hat, du aber super gut zurechtkommst und einfach sauschnell bist. Also das ist so krass, was ich in den letzten Jahren an Reifen gemacht habe.
Niclas: Also Fläche, je mehr Fläche, desto besser. Punktuelle, also das ist wie der Elefant auf Stöckelschuhen. Also das Profil drückt sich halt rein und das nutzt du halt, wenn du wenig Fläche hast und wenn es nicht so... Oder Vanessa. Und wenn du viel Fläche hast und wenn es nur ein bisschen Profil drauf ist, hast du halt immer einen Vorteil. Klar. Ja. Traumhaft. Ja, jetzt müssen wir gar nicht drüber reden. Also ich bin noch auf 18 Millimeter Straßenreifen gefahren mit 12 Bar.
Björn: Grausam.
Niclas: Was halt total bescheuert ist. Und als dann die 25er rauskamen, war das schon die mega, das war schon die Sänfte. Ich meine, heutzutage fahren wir halt mit 30, 28 und noch breiter her. Ich glaube, er hat alle 32 gefahren. Macht ja auch Sinn. Alles andere ist ja bescheuert. Spannend, vor allem aerodynamisch ist es immer unterschiedlich, welche Felge, wie breit und vor allen Dingen, wie ist der Rahmen, wie ist die Gabel, wo kommt der Wind. Auch da muss man auch immer mal gucken. das einfach in den Windkanal zu hauen, ist zwar erstmal ganz nett, aber wenn du jetzt irgendwie Rahmen XY hast, oder Fahrer XY, kann die Abrisskante am Reifen auch nochmal irgendwie ganz anders sein. Und vor allem muss man das echt individuell testen. Da würde ich einfach einen Zero-Test machen.
Björn: Das fand ich auch mit Sebastian auf der Bahn bei Wismar super interessant, dass halt wirklich, du kannst nicht einfach sagen, okay, wir holen jetzt Rad XY, bauen die Position drauf, die sieht schnell aus und die wird passen. Nee, du musst das echt immer individuell testen, weil es immer auf den Körper des Fahrers ankommt und nur weil Position bei Ghana schnell aussieht und ich baue mir die jetzt nach und fahre auch so, Für dich kann es sein, dass diese Position nicht die schnellste ist, einfach weil dein Körper anders gebaut ist. Du hast mit deinem Körper eine andere Abrisskante und dann brauchst du eine komplett andere Position.
Niclas: Deshalb sind so Materialtests auch immer schwierig im Windkanal. Legst du halt einen Helm im Windkanal, Auf irgendeine Puppe in Position XY ist der Helm vielleicht 5 Watt. Ich meine, 5 Watt, das misst du nicht raus. Oder 3 Watt, das kannst du gar nicht raus. Das ist Rauschen. Kann halt bei der Puppe schnell sein, aber kann halt bei Fahrrad XY ein totaler Scheiß sein. Und bei den Laufrädern, das kannst du schon okay testen, da siehst du schon, was schnell ist. Aber... wie ist denn das Zusammenspiel mit dem Rad und dem Fahrer? Und da kann es halt wieder anders sein. Und wie ist bei welcher Geschwindigkeit denn? Sprechen wir hier von 40, so Triathlon-Speed, oder sprechen wir bei 50 plus, bei Straßengeschwindigkeit, oder bei 60, 70 plus, bei Sprintgeschwindigkeiten. Auch das muss man alles berücksichtigen und das ist natürlich super aufwendig. Von daher sage ich immer, Schnapp dir dein Material, baller unseren Aerotest drauf und fährst halt so viel Gains, wie du da rausziehen kannst für so kleines Geld. Fährst du halt selber und testest es halt durch. Aber ich finde das ja immer wieder spannend. Die Leute... machen sich wahnsinnig viele Gedanken über Training, Analytik, schauen sich irgendwelche Graphen an und, und, und und versuchen da irgendwie voodoo-mäßig was reinzuinterpretieren und ganz ehrlich, so viel Halbwissen, wie es existiert, also ich würde mal behaupten, dass ich Trainingstechnisch und physiologisch okay bin, aber weit weg von dem, was andere können. Und wenn dann Menschen da sind, die noch deutlich weniger Plan haben und dann felsenfest davon überzeugt sind, dass dieses Training und das so funktioniert, dann denke ich, geht doch gar nicht. Also so weit würde ich mich niemals aus dem Fenster lehnen. Spannend ist hingegen, dass du ja, Aerodynamik ist halt total solid. Das ist so solide, da kannst du halt, du gehst los, testest und hast halt einfach Zahlen und weißt, das ist jetzt schneller, das fühlst du ja auch. Bei Training, Training ist immer Blackbox oder oftmals Blackbox. Du weißt gar nicht, was passiert. Mache ich jetzt Training... XY und dann werde ich in vier Wochen besser. Oder ich habe dieses Training gemacht und das hat mich schneller gemacht. Mache ich das nochmal? Macht mich das nochmal schneller? Nö, nicht unbedingt. Nicht zwingend. Körper passiert. Bei der Aerodynamik ist ein ganz anderes Thema. Setz dich rauf, machst Test, siehst, ist schneller. Gut, was kann ich nochmal ändern? Setz dich wieder rauf, Test ist irgendwie ein paar Wochen später und so weiter. Je öfter man das macht, desto schneller wird man. Ich kenne einen Fahrer, Hobbyfahrer, der hat sich halt auf einen 17er CDA-Wert gedrückt. Das ist halt ein krasses Worldtour-Level. Und der fährt halt mit 330 Watt durch die Gegend und fährt halt allen um die Ohren. Weil alle sagen, ey, wie krass, ey, du hast irgendwie 400 Watt Schwelle. Nö, hat halt einen 17er CDA-Wert, während die anderen dann noch mit 21 rumkrebsen. Spart halt unendlich viel Watts. Und diese Hemmung, Aerodynamik zu testen, finde ich immer wieder spannend, weil es ist so einfach. Es ist so, man investiert halt mal ein paar Tage. Also du fährst mal einen Tag und ich spreche jetzt nicht irgendwie ein paar Tage hintereinander, sondern einmal in der Woche. Und dann braucht man halt einen Speed-Sensor. So ein Ding kostet 20 Euro. Ich meine, das ist halt nichts. Aber da fängt schon die erste Hemmschwelle, so ein Ding mit Magneten. Ja, genau so eins. Und... Und dann werden sie testen wollen und denken, sie ist mit einem Tag getan. Dann kommen sie halt mit krassem Aeromaterial und testen doch erstmal deine Position, wie sie ist. Und dann testet man halt durch und testet wieder und testet wieder. Ja, aber Björn, so ein Helm ist auch einfach schneller gekauft. Genau, das ist ja selbst gekauft. Das ist es ja. Selbst gekauft, aber nicht selbst getestet. Also Dan Bickham. Es gibt keinen Menschen, der mehr Tests bei uns gemacht hat auf der Plattform. Es ist abartig. Ich weiß nicht, wie viele hunderte, wenn nicht tausende Testfahrten der gemacht hat. Und der ist halt mit, ich meine, die Studien, du kannst das ja einsehen, wie viel Watts der gefahren ist bei seinem Stundenweltrekord. Das ist ein Witz nachher. Mit 270 oder 80 Watt durch die Gegend. Der ist hinten raus richtig eingegangen. Natürlich, das ist voll eingegangen. Aber der war halt immer noch brutal schnell. Und da sieht man mal, was man mit Aerodynamik alles erreichen kann. Und den Leuten ist das Potenzial echt, selbst den Worldtour-Fahrern, muss ich ehrlich sagen. Es gibt ein paar Teams, die da wirklich ein Auge drauf legen, dass sie auch hier Material testen, ihre Räder und, und, und. Ja. Aber viele ist immer noch so, oh nee, muss ich das jetzt? Das ist ja anstrengend. Es hat nicht gleich funktioniert. Dann denkst du, ja klar, machst du jeden Test auch immer super. Also das musst du lernen, das ist ein Handwerk.
Björn: Ja, ich fand das super krass, bei Flash Wallon zu sehen, dass Pogacar, sobald er wusste, okay, es geht jetzt ins Finale, jetzt geht's um den Sieg, hat er alles ausgezogen, der hatte nur noch seinen Renneinteiler an und ganz viele, auch Kapitäne hintendran, sind noch mit Regenjacke, mit Windweste rumgefahren, wo ich mir dachte, Jungs, was macht ihr? Also das, was... Also wieso?
Niclas: Aerodynamik, Windweste, beziehungsweise Jacke, killt dich halt. 40 Watt mehr. Ja, und ich meine, Javier, der weiß halt doch gut, was Aerodynamik ist. Wir haben gestern auch einen lustigen Scherz gemacht. Ich weiß gar nicht, welcher Fahrer war das? Er hatte da irgendein Bild gepostet von irgendeiner, der hatte bei Flash seine Regenjacke. hier vorne reingestopft und da habe ich ihm gesagt, naja, das ist ja auch aerodynamisch definitiv vorteilhaft, das vorne zu lassen. Kann sogar sein, dass sie es getestet haben, ja. Kann ich nochmal machen, aber ich glaube, naja. Ne, also die machen sich halt brutale Gedanken darüber, ja. Also wo hole ich nochmal ein Ding raus? Oder hier als der Wismar Zu dritt sind die rausgefahren, Matteo, Jürgensen, Wout van Aert und Tiesch. Und Tiesch, meinst du bei... Pauls hat gewonnen, ja. Ja, genau. Genau. Und das ist halt auch eine krasse Nummer. Fahren wir mit drei Leuten einfach raus. Das haben die halt. Die sind halt aerodynamisch so durchoptimiert. Das ist halt krass. Wenn Campenaz auf dem Straßenrad sitzt, dann ist es halt wie für andere Leute auch ein Zeitverrat. Völlig aus. Von der Aerodynamik. Absolut.
Björn: Also ich glaube, Aerodynamik testen, ein bisschen zu verstehen und zu wissen, okay, wie man greift.
Niclas: Es ist halt so geil, es ist so geil, du kannst halt so schnell und dann fühlt sich die Position zwar scheiße an erstmal, aber trainiert euch doch in die Position rein und dann im Rennen einfach mal so 10, 15 Minuten in so einer krassen Aeroposition zu fahren und einfach zu merken, ey, da kommt keiner hinterher. Und ich fahre das Ding einfach so weiter und fahre vielleicht vorne an die Gruppe ran. Das ist halt abartig.
Björn: Ich fand das so geil bei der Zeitfalletappe beim Epic. Also ich habe vor dem Epic mit dem neuen Rad direkt angefangen, nachdem wir die Folge mit Jamie hatten, immer direkt angefangen, nur noch innen zu greifen, weil ich es einmal getestet habe, gesehen habe, Alter, macht das viel aus. Nur noch innen gefahren. Und Es war bei der Etappe, es gibt Bilder davon, wie ich vorne in der Gruppe fahre. Also gut, jetzt muss ich dazu sagen, es waren alles Masters-Fahrer hinter mir, aber es war vielleicht auch unfaires Kräftemessen. Aber ich bin vorne gefahren, habe eng gegriffen, habe mich teilweise sehr, sehr klein gemacht und die sind hinten dran, sind die alle gestorben. Aber wenn du schaust, alle Ellenbogen stehen raus. Da hat sich keiner klein gemacht. Und ich verstehe das nicht. Das... Also es ist ja jetzt nicht mal so, als wäre das Rennen an dem Tag technisch anspruchsvoll gewesen. Es war easy. Also ich konnte mich fünf Kilometer am Stück auf den Lenker legen. Ohne Probleme. Das ging einfach nur gerade Farm Road. Klar, da sind ein paar Bodenwellen, aber wir fahren Fullies so. Da machst du das Fahrwerk auf Halbstellung und dann bügelst du da drüber. Und ich finde es ultra geil zu sehen. Hast du den Post gesehen von Georg mit seinem neuen Bikerhead-Lenker? Ja.
Niclas: Ne, habe ich nicht gesehen.
Björn: Guck es dir an. Wir haben jetzt einen Lenker gemacht.
Niclas: Ich weiß, den Prototyp habe ich schon gesehen vor der App.
Björn: Oh, wie geil.
Niclas: Ich will den eigentlich. Ich erinnere mich noch an den Neon-Rosa-Dummy, glaube ich war das. Genau, definitiv.
Björn: Weil Tim ist sowas bei, wie heißt das Radrennen, Trente?
Niclas: Ja, ja, die ist total krass, der Radrennen.
Björn: Fährt er den ja auch immer, so ein Lenker.
Niclas: Ja, genau, das ist total krass. Es ist so krass, der ist halt mit 300 Watt durchgefahren und keiner fuhr mehr hinterher und ich glaube, er hat mit sieben Minuten Vorsprung gewonnen.
Björn: Ja, das war total krass. Gut. Schön. Wir versuchen noch mal regelmäßiger Podcasts zu machen. Der Urlaub muss auch mal sein.
Niclas: Ich bin jetzt wieder da. Nee, sonst habe ich nichts. Sonst reden wir über... Guck mal, meine Kinder sind auch schon wach jetzt. Und laut. Das ist der richtige Zeitpunkt aufzuhören, würde ich sagen.
Björn: Perfekt. Dann vielen Dank, Björn. Und wir hören uns nächste Woche wieder.
Niclas: Nächste Woche reden wir über Gravel-Rennen und Training.
Björn: Oder Aerodynamik noch wichtiger. Aber ich bringe mal ein paar Sachen von Dylan Johnson mit.
Niclas: Ich schaue mir den jetzt mal an. Ich bin so schlecht. Du weißt ja schon genug. Ja.
Björn: Wir hören uns. Ciao, ciao.