Peter Schermann über Resilienz – plus Daniel Steinhausers 3.860-km-Weltrekord
Peter Schermann ist zu Gast – Mountainbike-Athlet und Trainer, der langjährig mit Björn arbeitet. Mit 29 hatte er einen schweren Schlaganfall und kämpfte sich zurück in den Leistungssport. Außerdem: Daniel Steinhausers 7-Tage-Weltrekord in Bad Waldsee (3.860 km), den Björn als Coach gepaced hat. Plus Coaching-Mindset und Geschichten vom Trucker-Race. Viel Spaß beim Hören!
Transkript
Episode 64 — Transkript (DE)
Niclas [00:00:00] Willkommen zum A Faster You Podcast, wo sich alles um Ausdauersport und Training dreht. Hier geben euch Sebastian Schluricke, Björn Kafka und Niklas Ranker wertvolle Tipps und Einblicke, die euch helfen, eure Performance auf das nächste Level zu bringen. Wunderschönen guten Tag zu einer neuen Folge Faster You Podcast. Ja, sorry für das verkackte Intro. Heute wieder wie immer mit Björn und einer neuen Person im Bunde. Peter, guten Morgen. Ja, schönen guten Morgen und danke, dass du dabei sein darfst.
Björn [00:00:37] Peter Schermann ist jetzt mit dabei. Ja. Lange Zeit mit mir trainiert. Nee, trainiert immer noch mit mir. Und auch Trainer. Guter Trainer. Peter, stell dich doch mal vor.
Peter [00:00:54] Ich liebe diesen Satz. Darauf war ich jetzt nicht vorbereitet.
Niclas [00:00:58] Das ist so undankbar.
Peter [00:00:59] Was soll ich dir erzählen? Ich bin mittlerweile 38 Jahre alt. Bin relativ spät zum Radsport gekommen, habe den aber in sehr vielen Facetten, glaube ich, mitgenommen. Also war eigentlich auf der ganzen Welt unterwegs mit 35 Ländern. Bin auf der Straße ein bisschen gefahren, bin aber hauptsächlich Mountainbike-Marathon. Das war so mein Fokus und jetzt in den letzten Jahren dann auch Gravel gefahren und auch alles da mal durch gefahren. durchprobiert, auch mal Trikot 360 gefahren, Double World Series und bin seit einigen Jahren als Trainer aktiv, was mir auch sehr viel Spaß macht und bin jetzt dieses Jahr kein Elitefahrer mehr. Ich trainiere aber immer noch ein bisschen, weil ich glaube, dass mir die Struktur ganz gut tut und fahre halt im Elchgood-Bereich dann noch ein paar Rennen. Ich freue mich jetzt, hier dabei zu sein für die Folge.
Björn [00:02:05] Peter und ich, wie lange arbeiten wir zusammen? Fünf Jahre, sechs Jahre? Keine Ahnung.
Peter [00:02:11] Es kam für mich wahrscheinlich zu spät. Es wäre gut gewesen, dass es vorher noch gekommen wäre. Aber ich glaube jetzt fünf, sechs Jahre, würde ich sagen.
Björn [00:02:21] Und ich weiß, vielleicht ist die Geschichte schon so durchgenudelt, aber sorry, das muss jetzt einfach mal gemacht werden. Peter hat nämlich so eine ziemlich faszinierende Lebensgeschichte. Aber wir fangen nicht bei den ganz kleinen Sachen an. Eigentlich redet man ja ungern über so Krankheitsverläufe, aber das hat dich ja so ein bisschen zum Rat von gebracht. Peter ist eigentlich begeisterter Basketballspieler gewesen. Richtig, richtig gut. Und dann hat es sich ziemlich aus den Latschen gehauen. Erzähl mal ganz kurz. Das ist schon eine geile Geschichte.
Peter [00:02:54] Ja, also ich hatte quasi eigentlich schon aufgehört. Ich habe das parallel dann gemacht, bin Rad gefahren und habe Basketball gespielt, was dann bei der Basketballmannschaft nicht unbedingt auf pure Freude gestoßen hat, wenn ich irgendwie samstags Regionalliga damals gespielt habe und dann sonntags Marathon gefahren bin. Dann habe ich das halt irgendwann, bin ich nur noch Rad gefahren und dann hatte ich eigentlich auch ein sehr gutes erstes Jahr. Und dann in dem zweiten Jahr im Winter dann auch richtig trainiert, bin dann Marokko gefahren auf der Straße und habe dann zwei Tage nachdem ich zurückgekommen bin, eigentlich zu Hause in der kurzen Geschichte einen Schlaganfall gehabt. Also ich wusste zu dem Zeitpunkt nicht, dass es einen Schlaganfall hat, also ich habe einfach gemerkt, Morgens aufgewacht und dann irgendwie gemerkt, irgendwas passt hier nicht richtig. Also so geht es mir jeden Morgen. War dann alleine zu Hause. Also war auch im Endeffekt so. Ich habe irgendwie gedacht, hast du dir irgendwie Nerv eingeklemmt im Training? Ja. Ja, habe dann irgendwie gemerkt, hier ist irgendwas kognitiv nicht ganz in Ordnung. Habe dann gedacht, gehst du erstmal duschen, vielleicht geht es ja weg. Und dann in der Dusche habe ich gemerkt, hier ist irgendwas nicht in Ordnung. Die Dusche war so brutal laut und ich singe auch ab und zu mal dann unter der Dusche und habe gemerkt, ich kann gar keine Worte mehr formen. Dann bekommst du natürlich so Panik. Und dann hat sich das halt relativ schnell ausgeweitet bei mir, dass ich quasi... eine einseitige Lähmung hatte. Und dann war eigentlich so mein Schutz, mein Lebensretter ist immer so, ist immer dramatisch, wenn man das sagt, aber eigentlich mein bester Freund kam durch Zufall vorbei. Der war auf dem Weg ins Fitnessstudio und wollte ein Espresso bei mir trinken. Also wir waren eigentlich gar nicht verabredet. Und der hat dann geklingelt. Und ich glaube, wenn der nicht geklingelt hätte, hätte mir sehr schwierig selbst helfen können. Also ich konnte die Tür noch öffnen und dann hat er halt gemeint, ich würde ihn verarschen am Anfang. Aber er ist halt Rettungssanitäter und hat dann sehr schnell gemerkt, was los ist, hat halt den Krankenwagen gerufen. Und genau, dann war ich mit damals 29 Jahren dann im Krankenhaus mit der Diagnose. dann später ein relativ schwerer Schlaganfall. Das zieht einem natürlich erstmal so ein bisschen den Boden in den Füßen weg. Aber ich habe das dann schnell angenommen und habe natürlich auch einfach, es fühlt sich manchmal für mich ein bisschen unangenehm an, immer das so, wie so eine super Erfolgsstory, dann wieder zurück aufs Verrat gekommen und wieder, es ist einfach sehr, sehr, sehr viel Glück dabei gewesen und diese Dankbarkeit, dass ich das Glück hatte, immer noch alles so machen zu können, wie ich es kann, die geht halt nicht weg. Also ich bin eigentlich jeden Tag wirklich, ich denke irgendwann ab, irgendwann habe ich mir sogar gedacht, nach zwei, drei Jahren, irgendwann muss das Und dann mal weggehen, dass man eigentlich immer so gut drauf ist und diese Dankbarkeit spürt irgendwie. Aber ich habe das wirklich so konstant, bin ich dankbar, dass ich alles so machen kann. Das war auch kein einfacher Weg, dass man jetzt einfach so sagt, jetzt ist alles wieder so in den Schoß gefallen. Das war schon, speziell die ersten zwei Jahre, hart. Und auch danach hat es mich oft noch... in verschiedenen Bereichen, Björn, du weißt das, auch limitiert oder wir hatten dann Probleme, die die Folge daraus waren, aber im Endeffekt glaube ich, kann ich mich absolut nicht beschweren und bin sehr froh, wie ich es dann hinbekommen habe oder wie es jetzt dann ist, da ich schon eine lange Zeit auch Hardrock gefahren bin.
Niclas [00:06:37] Was waren so direkt nach dem Schlaganfall quasi die, oder die Haupteinschränkungen, also wo, wenn du jetzt sagst, du hast unter der Dusche gestanden, war das einseitig gelähmt, also hat das dann angehalten und du musstest erst mal, keine Ahnung, die ersten, das erste Jahr lernen, wieder nochmal zu greifen mit der einen Seite oder...
Peter [00:06:55] Also diese Akutphase quasi, wenn dann der Krankenwagen kommt, die wissen halt nicht, hast du eine Gehirnblutung? Oder was ich im Endeffekt hatte, war halt quasi, ich hatte nur eine Verstopfung im Kopf, was dann quasi die Durchblutung reduziert und dann diesen Bereich, je nachdem, wo das verstopft ist, umgangssprachlich ausgedrückt, dann lahmlegt. Und bei mir war das halt die linke Körperhälfte und halt auch jedes Gehirn hat quasi einen eigenen... Man hat einen allgemeinen Schaltplan, wo man sagt, da ist das, aber es ist halt nochmal auch etwas individuell. Eigentlich war halt die komplette linke Körperhälfte betroffen und dann hat man im Endeffekt nach dem Schlaganfall, kann man halt dann auf den Bildern sehen, man hat da ungefähr zwischen 1 und 1 Euro großes schwarzes Blut. Also diese Gehirnzellen sind quasi verloren, was vielleicht auch mein Verhalten erklärt. Aber Spaß beiseite, wenn man relativ jung ist, kann das Gehirn das wieder ein bisschen umverteilen, nenne ich das mal. Das kostet aber unheimlich viel Energie. Also das erste eineinhalb Jahre war ich, hatte unheimlich große Probleme mit so Fatigue, unheimlich viel schlafen müssen. Sehr viele Sachen, die vorher normal waren, normal sprechen, ein Telefonat machen, waren unheimlich anstrengend für mich. Und ich musste halt sehr, sehr genau schauen, für was ich meine Energie an diesem Tag benötige. Und dann gab es natürlich auch immer wieder Rückschläge, Wochen, wo halt wirklich nichts ging. Gleichgewicht natürlich ein großes Thema als Radfahrer. Also ich konnte am Anfang halt kein Fahrrad fahren mehr. Und ja, das hat sehr lange gedauert, bis das wieder zurückgekommen ist. Die linke Hand kann ich nicht hundertprozentig drehen. Aber ja, wenn ich jetzt Schwimmer wäre, wäre das ein anderes Thema. Aber also so zwei Finger taub, wo auch jetzt immer noch nicht viel Gefühl drin ist. Aber ja, das sind alles Sachen, mit denen man gut umgehen kann.
Björn [00:09:11] Ja, ich hatte noch einen anderen Sportler, der auch einen Schlaganfall hatte, der Lehrer ist. Ähnliche Geschichte, vor allem das mit dieser Ermüdung, das hat ihn ziemlich geschlauft. Es war während der Covid-Zeit, zum Glück musste er nicht präsent sein im Unterricht, aber das war echt krass. Ganz extrem haben wir das gemerkt, er macht ganz viel so dieses Orienteering, ja, also der macht so mit Karten und Laufen und so weiter. Das Krasseste war, er sagt, das Laufen war nicht das Problem, aber das Karte lesen. Ich habe wirklich überhaupt nicht mehr diese Karte lesen können, wenn ich mich angestrengt habe. Das hat relativ lang gedauert, auch so anderthalb Jahre und dann ist er auch wieder richtig, richtig gut geworden. Aber diese Kombination... sich ausbelasten oder sich belasten und dann irgendwie wieder kognitiv irgendwas machen, das war ein Killer.
Peter [00:10:10] Das hat er gar nicht hingekriegt. Das war bei mir wirklich auch Hölle, muss ich sagen. Also Orientierung eh immer schon nicht ein Steckelpferd von mir, aber auch auf Rundkursen. Wenn man in der Belastung drin war. Du fährst sechs Mal einen Rundkurs und ich wusste beim vierten Mal immer noch nicht, was kommt als nächstes, weil ich das überhaupt nicht verarbeitet bekommen habe. Das größte Problem im Rennen war auch das Bergabfahren mit dem etwas gestörten Gleichgewichtssinn, weil das brutalst anstrengend ist. Und bis sich das wieder so angefühlt hat, dass es Spaß macht und du es wirklich laufen lassen kannst, ohne dass du halt davon so kognitiv ermüdest, das hat wirklich sehr, sehr lang gedauert. Und ein großes, das ist kein großes Problem, aber... Es ist natürlich so, wenn man einen Schlaganfall hat und so steht mitten im Leben, ist ein junger, sportlicher Typ, dann ist natürlich auch immer die Sache, wie ist die Außenwahrnehmung davon. Jetzt hatte ich noch nie einen Schlaganfall. Ich weiß nicht, ob ich es nochmal genauso machen würde, wie ich es jetzt gemacht habe, dass ich es so öffentlich gemacht habe und so. Das war natürlich auch ein Thema, dass ich oft auf Leute getroffen bin, die gesagt haben, wenn man so ausschaut, wenn man einen Schlaganfall hatte, dann hätte ich auch gerne einen Schlaganfall. Oder wenn man so sportlich aktiv ist. Solche Sachen kommen dann halt auch hinzu, die mir am Anfang wirklich zugesetzt haben, weil natürlich niemand so, außer meine engsten Freunde und Familie, das so mit... miterlebt haben, die wussten, was ich jetzt da reingesteckt habe oder wie es mir wirklich dann teilweise geht. Man überspielt das ja dann auch oft ein bisschen so in der Öffentlichkeit. Das war sicherlich auch ein Thema. Aber ich glaube, was ich vor allen Dingen lernen musste, ist halt Geduld. Das war ein sehr, sehr schwieriges Thema für mich zuvor. War sehr, sehr ungeduldig und sehr ungeduldig auch mit meinen Mitmenschen, wenn die irgendwas nicht Ja, sag mal so schnell oder konnten oder irgendwie. Ich habe mich auch immer dann bei Freunden lustig gemacht, wenn wir einen Film geguckt haben und die haben nicht verstanden, worum es geht. Aber auf einmal war halt quasi ich derjenige, der halt nach zwei Minuten komplett raus war bei allem. gar nicht mehr verstanden hat, worum es geht. Und das war, glaube ich, charakterlich so, dass mir das ganz gut getan hat, diese andere Perspektive mal kennenzulernen und selbst derjenige zu sein, der da etwas länger braucht.
Björn [00:12:46] Crazy. Faszinierende Geschichte. Krass.
Niclas [00:12:56] Gut, jetzt müssen wir eine gute Überleitung finden. Wie sollen wir davon eine gute Überleitung finden? Weil du gerade sagst, du warst 29. Ich bin gerade 29 und ich denke mir so, fuck. Jetzt überleg mal, ich hätte jetzt einfach so, keine Ahnung, stehe morgen unter der Dusche und habe einen Schlaganfall. Alter Schwede, vor allem wenn du sagst, du hast jetzt immer noch zum Beispiel in den Fingern noch kein hundertprozentiges Gefühl oder kannst die Hand nicht perfekt drehen oder so solche Sachen. Man hat das halt, wahrscheinlich manche Sachen wirst du dein Leben lang haben. Sowas wie die Finger, oder?
Peter [00:13:33] Ja, man sagt immer so bei so neurologischen Sachen, dass eigentlich so alles, was nach einem Jahr nicht zurückkommt, ist verloren. Aber ich habe eigentlich die Erfahrung gemacht, dass das bei mir halt länger gedauert hat. Einfach jeder Körper ist da individuell und auch die Aussagen, die man natürlich, wenn man einen Schlaganfall hat als junger Mensch, der Leistungssport macht. Wenn man die Aussagen natürlich, der erste Arzt, der hat zu mir gesagt, das wird nicht so möglich sein, das Leben, wie du es bisher kanntest, wird nicht mehr so möglich sein. Es ist halt immer alles eine Frage ein bisschen der Perspektive. Natürlich muss das auch, das sollte man vielleicht noch dazu sagen, also mittlerweile weiß man auch, die Ursache, also ich hatte ein Loch im Herzen, was gerade geschlossen wurde, mit so einem kleinen Schirm, das haben sehr viele Menschen und ja, also es muss natürlich irgendwie auch vertretbar sein, wenn jetzt jemand mir gesagt hätte, du hast ein so und so viel Prozent erhöhtes Risiko, nochmal etwas zu haben, wenn du weiterhin Sport machst, dann hätte ich natürlich auch versucht, mir einen anderen Sinn im Leben zu finden. Aber ich glaube, dass ich das so gut weggesteckt habe und hat auch damit zu tun, dass ich körperlich in einer sehr, sehr guten Verfassung im Vergleich zur allgemeinen Bevölkerung war zu dem Zeitpunkt. Und das ist natürlich auch so ein bisschen immer in meinem Kopf drin gewesen, dass ich so da rausgekommen bin, weil ich fit war. Und das ist natürlich dann auch ein großer Teil dessen, dass ich fit bleiben möchte und da schon darauf achte, dass ich relativ gesund bin, weil das ist das höchste Gut. Das habe ich halt wirklich gemerkt. Im Endeffekt, egal wie viel Geld du verdienst oder ob du schöne Autos hast oder... was weiß ich, in diesem Moment zählen halt wirklich andere Sachen. Und das wird dir sehr bewusst und das verändert dich dann, glaube ich, auch irgendwo in der Sichtweise für den Rest deines Lebens danach.
Björn [00:15:38] Ich arbeite mit einem jungen Sportler zusammen, der fast die gleiche Geschichte hatte wie du. Auch ein kleines Loch im Herzen, den hat es dann... Ende letzten Jahres, Oktober, Ende Oktober auch. Also ja, ein kleiner Schlag, aber nicht so dramatisch wie bei dir. Dann wurde die Ursache aber erstmal nicht gefunden. Dann hat man das Herz genauer angeschaut und das dann gesehen. Das wurde auch geschlossen. Das ist dann natürlich ein bisschen vernarbt. Dann hat der Vorwurf schlimmer entwickelt. Das hat dann ein bisschen gedauert, bis die Vernarbung weg war. Und jetzt ist er aber schon wieder rund um Frankfurt gefahren. gut durchgefahren im Profifeld. Von daher, und er hat drei Monate nicht trainiert, das zeigt immer wieder, wenn du mit so einem robusten Körper schon mal an den Start gehst, dann ist die Recovery meistens schon ganz gut. Also, wenn du Glück hast, sagen wir es mal so. Ich sage immer, wenn du von so einem hohen Ausgangsniveau kommst, dann ist meistens der Weg zurück vielleicht nicht mehr wieder ganz nach oben, aber du kannst dann echt ein ganz geiles Leben noch weiter führen. Das ist auch so ein bisschen Selbstschutz.
Peter [00:16:52] Also ich glaube, bei mir ist halt, das kann man jetzt so ein bisschen schon in der Retro-Perspektive sagen, wenn mit 38 Uhr die Elitezeit vorbei ist, wie es in den ersten Jahren von der Leistungsentwicklung gelaufen ist, das konnte ich danach halt nicht mehr weiter. weiterführen und so. Am Anfang war das ja sehr vielversprechend, weil es sehr schnell ging und ich sehr schnell ein Niveau hatte, wo man gesagt hat, wow, wo kommt das her? Das hat natürlich dann irgendwann so ein bisschen gestockt danach. Ich habe dann nochmal ein gutes Niveau erreicht, aber hat auch immer wieder mit Problemen zu kämpfen, die halt so ein bisschen eine Stagnation dann ausgelöst haben. Aber im Endeffekt muss man eigentlich, glaube ich, sehr glücklich sein, so wie es ist. Und ja, das Leben ist halt auch so. Kannst dir ja nicht aussuchen, wie es läuft. Und ich glaube, ich bin da sehr gut weggekommen. Ja, gut.
Björn [00:18:01] Hier waren beide Trucker-Fahnen. Da waren ja viele Fahnen. Genau. Gefühlt war jeder Fahnen. Jeder war da. Andi Seewald hat, glaube ich, sein Laufrad komplett zerstört zwischendrin. Und ist auf Platz 90 irgendwie auf Platz 25 wieder vorgefahren.
Niclas [00:18:20] Niklas ist auch gut gefahren. Der hat bei Kilometer 50, ja, ich war selbst 18, aber Andi hat bei 50 oder so gestanden. Der hatte so ein Cut wohl im Reifen, dass die komplette Luft quasi auf einmal raus war. Hat das dann auch nicht mit Plak oder Kartusche fixen können. ist dann bis zur VP gelaufen, also kurz danach war ein Waterpoint, die haben ihm einen Schlauch gegeben, den hat er dann reingezogen und dann, also ich habe am Tag nachher noch mit ihm gesprochen, weil wir seine Laufräder hatten, wir haben ihn mitverpflegt und dann meinte er so, ja, jetzt hat er die Kohlenhydrate alle vorbereitet und fertig gemacht, er hat getapert, jetzt muss er auch fahren, weil er eigentlich gar keinen Bock mehr hatte, was ich auch nach so einer Situation echt verstehen kann. Und dann ist er halt nochmal gefahren und hat dann der VP bei 115, glaube ich, nochmal Laufrad getauscht und ist dann echt, ja, wie Andi halt ist, sauschnell durch das ganze Feld geflügt und ist noch auf 25 gefahren. Also ich sag mal so, wenn das Rennen vielleicht, keine Ahnung, wie letztes Jahr 360 gewesen wäre, hätte er mich vielleicht noch gekriegt. Krass.
? [00:19:30] Krass, krass, krass, ja, ja. Ja.
Björn [00:19:38] Peter, wie war es bei dir?
Peter [00:19:41] Oh, ganz okay. Ich bin 17. geworden overall bei der Nels-Club, bei dem 100er. Mir hat ein bisschen was berghoch gefehlt, weil die erste Stunde oder die erste 70 Minuten, 80 Minuten, die sind halt schon hart mit diesen Anstiegen. Fand ihr denselben Anstieg? Ja, also dieses Jahr ja. Also letztes Jahr war das, die sind den Kurs halt schon immer ein bisschen am verändern, für den 100er so abgefahren, aber der Anstieg ist natürlich, und da wird natürlich bei einem 3-Stunden-Rennen dann nochmal schneller hochgefahren. Und was krass war wirklich, also ich wohne hier immer bei einem Kumpel in Australien, der war auch schon so, dass er so langsam sich rückwärts bewegt hat aus der Gruppe und ich habe halt gehofft, dass er auch dass er auch so ein bisschen steht, dass ich halt mit ihm zusammen fahren kann. Der hat dann aber halt es noch geschafft über diesen ersten Anstieg mit drüber und dann kam von hinten ein Mädel im Moviestype-Trikot. Und ich würde behaupten, für einen Gravel-Fahrer kann ich sehr gut Backup fahren, vor allen Dingen im Trockenen. Und die ist Backup-gescheppert. Sowas habe ich wirklich selten gesehen. Ich bin da schon mit ein paar Mädels, die sehr gut Gravel fahren, gefahren. Und ich habe mich so gedacht, wer ist das? Und dann ist halt irgendwann ein Ziel. Also später konnte ich mich dann nochmal, Gott sei Dank, aber ich konnte mich nochmal von ihr lösen. Aber Cat Ferguson habe ich dann danach rausgefunden. So etwas habe ich selten gesehen. Auch in Crosswind-Sections und so. Hat die irgendeine Offroad-Backroad? Die ist auf Bahn, oder? Ja. Also ich bin ja dieses Quay gefahren mit der Gabel. Die ist das gleiche gefahren ohne die Swiss-Gabel. Und wir waren dann so in einer 5-6-Mann-Gruppe. Noch ein Spanier, ein Engländer dabei. Und wir sind halt einfach... Also sie ist halt einfach mit mir zusammen von der ganzen Gruppe weggefahren und hat dann halt so zu mir gesagt, ich habe gefragt, ob sie irgendwas braucht, weil ich auch gesehen habe, dass sie nur eine Flasche hatte und so. Sie würde nichts brauchen. Ich sollte nur schauen, dass wir jetzt von den anderen zwei wegkommen würden. Die könnten halt gar nicht weg abfahren. Also das war wirklich krass. Ich glaube wirklich, dass man von der noch einiges hören durfte.
Björn [00:22:05] Und jetzt nicht, weil ich mit ihr begabt fahren konnte, aber... Ja, die ist 20, die ist halt richtig, richtig gut. Die ist Flandern-Rundfahrt, hat die gewonnen, also bei den Nachwuchsleuten, Junioren, fährt auch Cyclocross und, und, und, also die ist halt... Ah, okay, also sie ist Crossfahrerin auch.
Niclas [00:22:24] Ja. Ja, ja, ja. Und ich hatte irgendwie im Kopf, dass die Bahn gefahren wäre.
Björn [00:22:29] Ich hatte nicht im Kopf, dass die auf Offroad... Ist auf Bahn gefahren, hat zwei Weltcup gefahren. Und Weltcup-Siegerin und Weltmeisterschaften, Europameisterschaften war sie glaube ich als Zweite. Also die kann schon richtig was.
Peter [00:22:45] Also so für jemanden 19, 20, ich habe danach mal kurz mit ihr gesprochen, unglaublich erwachsen. Also unglaublich ruhig und souverän, wie sie quasi dann da das macht. Also da muss ich wirklich sagen, Hut ab. Du kennst ja diesen letzten Anstieg, der noch da hoch ist, der noch hoch geht.
Niclas [00:23:09] Den haben sie jetzt auf jeder Distanz eingebaut, ne?
Peter [00:23:11] Ja. Der war auch letztes Jahr beim 360 drin, da war der aber noch ein Stück höher. Dann ist man noch ein Stück höher auf dieser Teerstraße rausgekommen und kurz davor konnte ich halt technisch nochmal von ihr wegrollen, weil ich glaube, wenn wir beide zeitgleich in diesen Anstieg reinfahren, komme ich da oben nicht mit ihr raus. Muss ich wirklich sagen. Ich war da froh, dass ich vorher so ein bisschen 20 Sekunden hatte in einem technischen Stück und dann bin ich halt allein reingefahren und dann konnte ich mich da auch noch mal ganz gut belasten und habe es dann vor ihr ins Ziel gerettet. Aber wirklich beeindruckend und krass, wo es, glaube ich, leistungstechnisch dahin geht. Ja, das ist erbartlich.
Björn [00:23:55] Das sehe ich auch bei uns im Team, bei Ulrichs. Es ist einfach krass, wie die Leistungsentwicklung im Frauenradsport, wir sprechen immer vom Männerradsport, Frauen machen ja viel größere Sprünge. Wenn ich mir anschaue, wie wir vor fünf Jahren unterwegs waren. Und wie jetzt die Werte sind, ist einfach schon eine krasse Leistungsbegründung. Wie schön, dass dieser Sport sich, der Frauenradsport, so professionalisiert und immer weiter professionalisiert, dass da wirklich Gelder jetzt reinfließen. Wäre natürlich schön, wenn die Übertragungszeiten jetzt auch mal länger wären, weil die Rennen sind einfach super spannend. Die Rennen sind teilweise deutlich spannender als die Männerrennen. Weil kein Pogi wegfährt.
Peter [00:24:38] Und das Feld ist jetzt deutsch homogener geworden. Früher auch, wenn ich mit Frauen und weiblichen Profis trainiert habe, war es schon auch immer so, dass es große Unterschiede gab, mit wem du fährst. Wie die halt quasi, ob die ganz normal mitfahren können oder wie es halt ist. Das ist halt glaube ich schon deutsch homogener geworden. Und ich sehe es ja auch bei meiner Freundin hier, Bodi Chapman, was die auch nochmal für einen Sprung gemacht hat. Die ist jetzt halt auch schon 35. Aber was die jetzt für einen Sprung gemacht hat in den letzten zwei, drei Jahren bei UAE, da muss man sich wirklich langsam lang machen.
Björn [00:25:15] Oder Franzi Koch. Ich meine, Franzi kennt es auch sehr, sehr gut. Der hat ja richtig abgeräumt. Die führt jetzt mal wieder in der Vuelta.
Peter [00:25:23] Ja, Wahnsinn.
Björn [00:25:25] Das ist einfach krass. Die Entwicklung ist schon abartig. Genau, ihr wart in Girona, ich war in einem anderen Radsport-Hotspot der Welt, nämlich Bad Baldsee. Was war da? Bad Baldsee war der Weltrekord-Versuch und auch der Geschaffte, der Bestandene, im sieben Tage lang durch die Gegend fahren.
Niclas [00:25:54] Habe ich mitbekommen. Ich habe nur Bilder gesehen und eine sehr hohe Zahl an Kilometern gesehen. 3860 Kilometer. Was ist genau das Regelwerk? Wie läuft das ab? Wie kannst du dir das vorstellen?
Björn [00:26:14] Relativ simpel. Du darfst irgendeine Strecke wählen, wie du willst. Das ist relativ wurscht. Es muss halt offiziell, das ist halt abgenommen, du musst die Pitfiles auch hinschicken und so weiter. Du darfst halt schlafen, wie du willst und musst das Ding halt, darfst halt keinen Windschatten fahren und all diese Sachen. Und viele nehmen halt eine dreckflache Strecke, um das irgendwie zu packen. Und das war der Daniel Steinhauser, hat diesen Weltrekord jetzt aufgestellt. Der ist in Bad Waldsee gefahren. Falls jemand diesen Hotspot der Welt noch nicht kennt, jetzt bringe ich ihn euch näher, ist er in der Nähe von Ravensburg, also sprich am Bodensee. Und wer die Gegend kennt, da geht es halt nicht nur brettflach, sondern da geht es rauf und runter. Und der hat es einfach voll Gas durchgezogen. Und das ist total faszinierend. Wer den Daniel kennt, man sieht den und man traut diesem Menschen das überhaupt nicht zu fertig aus. Und der sieht halt so ganz normal aus. Der sieht halt so aus wie, der könnte halt ein netter Physiklehrer sein oder der nette Kundenberater bei der Bank oder wie auch immer. Genau, also der Accountant. Super nett. Ich habe ihn immer noch nicht gesehen. Nein. Ich bin auch in den 90ern eng geblieben. Ich bin noch bei John McClane und stirb langsam. Manche sagen so, er ist ein Macher, aber er ist halt so ein Typ, der zieht halt einfach durch.
Niclas [00:28:02] Ohne große Welle. Das ist halt geil. Jetzt, wenn das kein flacher Kurs ist, das heißt, obwohl, also jetzt, ich möchte ihm seine Leistung nicht absprechen, das heißt aber, wahrscheinlich rein von den Bedingungen her, gibt es noch quasi Raum, das noch schneller und noch besser zu machen. Ja klar, definitiv. Also flacher Kurs, keine Ahnung, ich habe Bilder gesehen, der Mann war sehr warm eingepackt teilweise und es war nass.
Björn [00:28:28] Ein Grad. Ja, das war richtig, richtig kalt zum Teil. Wir hatten ja tagsüber echt coole Temperaturen oder nette Temperaturen und nachts wurde es dann richtig, richtig kalt. Er hat richtig, richtig gefroren. Das waren auch wirkliche Probleme. Am ersten Tag ist er, glaube ich, sieben oder noch was Kilometer weggeknüppelt, hat sich dann mächtig ins Wecker gezogen. Wir haben dann so ein bisschen, ich hatte meine Technik, also das Projekt ist schon lange im Kopf. Und ich habe ja mit ihm diesen 24-Stunden-Weltrekord schon aufgestellt auf der Rolle oder Race Across Italy gewonnen und, und, und. Und dann hat er gesagt, er will das machen und kannst du mir dabei helfen? Ich habe gesagt, klar, können wir machen. Das ist eine geile Idee, machen wir. Und Pacing... hat er gesagt, er will halt am ersten Tag so viel fahren, wie es geht, weil er wird eh müde. Und das war so. Und dann hat er sich an andere Leute orientiert, wie die das machen, so die großen Helden der Langstrecke. Und ich habe gesagt, von Anfang an so, ach, rein physiologisch möchte ich es anders fahren. Deutlich gleichmäßiger. Dass wir wirklich drei Stunden Pause am Tag haben mit Schlafen. dann können wir das relativ gut durchziehen. Naja, Ende der Geschichte war erster Tag voll durchgezogen, zweiter Tag komplett, also wirklich komplett Einbruch. Ich würde sagen, 99,9 Prozent der Menschen, die in der gleichen Situation gewesen wären, hätten aufgehört. Definitiv. Aber Daniel Steinhauser ist halt Daniel Steinhauser. Der macht halt einfach weiter. Auch wenn der sich übergibt und alles aus den Schläuchen rausspritzt. Mach es mal bildlich. Der Typ ist einfach... Schön. Schlecht noch. Niklas. Nein. Der steht auf. Schläft dann. Anderthalb Stunden. Steht auf. Peace-Zeichen. Moin. Okay, wir legen weiter. So als ob irgendwie so Schalter umgeschaltet. Und dann wurde das irgendwann eine enge Kiste. Und ich war... eher so im Hintergrund und der hatte eine wahnsinnig gute Crew hingestellt, die so richtig... Sorry für die Frage, also da fährt quasi auch dann ein Auto hinterher? Ja, ja.
Peter [00:30:52] Aus dem wird auch verpflegt.
Björn [00:30:53] Ja, ja, genau. Auto wird verpflegt und Ernährungsstrategie haben wir auch komplett erarbeitet. Also wir haben schon drei Tage vorher angefangen, uns nur flüssig zu ernähren. Um den Magen abzwang, halt so wenig zu belasten, wie es geht. Haben schon vorher mal ausprobiert im Training. Haben also... So Nahrung, die du halt auf Intensivstationen hast.
Niclas [00:31:13] Hier Frisobin und sowas, was die Straße auch macht.
Björn [00:31:16] Ja, genau, Frisobin. Dann haben wir ein langsames Malte genommen, haben wir noch Reisbällchen genommen und that's it. Dann haben wir immer Blut genommen, was ganz spannend ist, haben uns halt die Werte angeschaut und dann rauscht immer Askalium ab. Dann haben wir ein bisschen mit sehr reiten Bananen nachgefüttert, hat total gut funktioniert, brauchen wir also gar keine Zusatzstoffe nehmen. Und wir haben jetzt nicht so krass überverpflegt, dass man sagt, irgendwie so 100, 120 Gramm, sondern wirklich eher low, weil wir den Magen-Darm relativ safe halten wollen. Das kann halt auf so langen Distanzen schon ziemlich kritisch sein.
Peter [00:31:52] Genau, die Dauer der Tage macht es ja dann auch irgendwann. Ja, ja, klar. Wenn man jetzt mehrere Tage in Folge 120 machen würde, kriegt man irgendwann natürlich dann ein Problem. Dann muss man auf die safere Variante wahrscheinlich immer besser hin. Ja, genau.
Björn [00:32:06] Am ersten Tag sind wir auf 180 Watt gefahren. In 22 Stunden oder sonst was. Und nachher ist es halt voll abgefahren. Trittfrequenz haben wir relativ durchoptimiert. Das haben wir gesagt, also wirklich niedrig. 70, das ist metabolisch am effizientesten, das ist ja auch in der Studie von Clemens Hesse und Katharina Dunst auch schön gezeigt, auch aerodynamisch sinnvoll teilweise. Und wir haben ihn natürlich aufs Aerobike, da hatte ich ihn schon vor Jahren mal drauf gefittet. Und da haben wir aber eine Position gewählt, die halt einigermaßen okay ist. Nacken war natürlich nachher das absolute Problem, er konnte den Kopf nicht mehr halten. Das ging nicht mehr. Und dann kannst du halt einen Expander hinten ran basteln. Aber das haben wir auch nicht gemacht. Dann fuhr er halt in der aufrechten Position. Also vollkommen abgefahren. Er ist auch richtig angeschwollen. Der ganze Körper war angeschwollen. Aber wir haben immer Blut genommen. Es wird auch spannend werden. Also wir werden das dann richtig aufbereiten. Ja, aber es passiert ja nicht so in so sieben Tagen. Und der hat halt eine geile Crew gehabt, die echt... Das ist halt so, Organisation zeigt es mal immer wieder, auch bei jedem Rennen, wenn du gut organisiert bist und einen echten Fahrplan hast und eine Struktur erarbeitet hast, dann läuft das. Zwischendrin, so am Tag drei, wurde die Kiste dann wirklich eng. Und dann habe ich gesagt, ja, ja, da habe ich so gesehen, so kilometermäßig und wir bauen da so ein bisschen ab. Und dann habe ich dann irgendwann eine Excel-Tabelle gebastelt und habe gesagt, das ist der Fahrplan. Und darum geht es gar nicht, dass man jetzt an diesem Fahrplan sich hält, sondern vielmehr geht es darum, dass man was in der Hand hat und sagt, okay, wir haben Keine Ahnung. 2000 Kilometer. Wir müssen noch mindestens 1860 Kilometer fahren oder 1835. Wie viel war der alte Rekord? Wie viel musstet ihr schlagen? Der alte Rekord war 1833, glaube ich. Und wir sind 27 Kilometer weiter gefahren. Und nur was in der Hand zu haben.
Peter [00:34:11] Ich glaube, das ist ein ganz wichtiger Punkt generell im Trainingsprozess und im Rennprozess. Diesen Plan, den man erarbeitet, der stückelt das Ganze ja quasi in Sachen, die gehen. Und das ist halt auch unheimlich wichtig für die Psyche, dass man da halt einfach was in der Hand hat. Der wird natürlich immer noch mal angepasst werden müssen. Aber es gibt halt einfach einem die Sicherheit, dass es so runtergebrochen ist, dass man es hinbekommt. Das ist eigentlich auch das, was man im Trainingsprozess macht.
Björn [00:34:42] Irgendwann siehst du dann, wie viele Kilometer es ist und wie viel es soll. Wo müssen wir hin? Wo liegen wir gerade im Marschplan? Dann hat man das ein bisschen ausgearbeitet. Bis zum Schluss wusste man nicht, ob das jetzt wirklich klappt. Aber irgendwann hatten wir einen ganz guten Puffer. Ich hatte vermutet, dass wir ungefähr... Bei Tag 4 habe ich gesagt, wenn wir jetzt das Pacing so durchziehen, kommen wir mit etwa 3.860 raus. Und wir sind auch ziemlich genau bei 3.860 rausgekommen. Hat dann natürlich in meine Kristallkugel geguckt und das Ton geschlachtet und Pentagramm und so weiter. Dann wusste ich auch Bescheid, wie es läuft. Handgelegt. Ja.
Niclas [00:35:28] Alle Ritualien, die du auch vor so einem Tour de France-Zeit fahren machst, damit du das so vorausschauen kannst. Aber ich weiß jetzt, wie es geht.
Björn [00:35:35] Habe ich euch von der Handleseparty erzählt? Nein. Wir sind gespannt, komm. Kurzer Einzug. Ich war auf einer Feier. zu Olympia Gold. Ah doch, ich kenne die Geschichte. Und irgendwann lande ich bei einem Typen, der Hand liest.
Niclas [00:36:07] Und der ist da so... Also der guckt sich die Falten auf der Hand an oder was? Ja, genau.
Björn [00:36:12] Und der ist auch Physio und wie auch immer. Macht wohl auch echt einen guten Job, arbeitet zumindest mit sehr, sehr guten Leuten zusammen. Aber ein Großteil seiner Herangehensweise ist auch Handlesen, so charakterlich und so weiter. Und dann landete ich irgendwann auf dieser Party, wo alle... viel Spaß hatten und viel Alkohol schloss, auch nur bei mir, weil ich ja am nächsten Tag wieder zurückfahren musste. Und dann wurde meine Hand gelesen und wurde mir dann gesagt, dass ich ein Typ Mensch bin und so. Das war ganz interessant. Hat's denn gepasst? Ja, das ist... Ich glaube, es ist so wie Horoskop lesen und so Kaffeesatz. Das werden halt so Floskeln ausgepackt und da sagst du, ja, irgendwie so, stimmt schon, bist halt ein cooler Typ und passt schon. Ja. Ich hatte auch mal so eine Erfahrung. Aber du kannst ja aus jeder Scheiß-Eigenschaft ja auch eine gute machen. Ja, du bist dickkötzig. Aber du bist halt energisch und was weiß ich. Klar, super. Klingt ja mega, ja. Aber, ja.
Peter [00:37:15] Es ist natürlich auch immer so, dass man gerne dann Sachen oder sie dann gerne Sachen sagen, die einem schmeicheln. Du bist durchsetzungsstark. Einer hat dann mal zu mir gesagt, du hast einen sehr großen Mund, du hast ein unheimliches Mithaltungsbedürfnis. Das sind halt auch dann so Sachen, wo man sagt, du hast recht. Wenn man zwei Minuten mit mir gesprochen hat, weiß man, dass ich ein großes Mitteilungsbedürfnis habe. Da ist jetzt keine wirkliche Magie dahinter. Aber ich habe noch eine Frage zu dem Weltrekord. Und zwar, worauf legst du jetzt in der unmittelbaren Vorbereitung, sagen wir mal sechs Wochen, worauf legst du physiologisch so den Schwerpunkt bei so einer Geschichte? Weil das ist ja zum großen Teil hinten raus auch,
Björn [00:38:01] eine mentale Geschichte. Ja, ja, ja. Das Ding geht nur über den Kopf, ganz einfach. Und da ist er halt echt ready. Und das ist eine Eigenschaft. Scheiße, ich muss wieder eine Abzweigung nehmen. Es tut mir wahnsinnig leid. Das Physiologische kommt aber. Ehrlich gesagt, gestern hast du drüber gesprochen. Und zwar, Diese Eigenschaft, sich wirklich beschissen in Situationen zu stellen und daraus gut herauszukommen. So, ich spreche jetzt über meine Schwiegermutter und über meine Mutter. Das sind beides lebensentwurfstechnisch sehr, sehr unterschiedlich.
Niclas [00:38:45] Kann jetzt gefährlich werden, ne?
Björn [00:38:48] Also für dich, Björn. Also Erbe ist sicher. Von meiner Mutter kriege ich nichts. Und von meiner Schwiegermutter, das kriegt meine Frau alles gut. Absolute Narrenfreiheit. Absolute Narrenfreiheit. Sag, was du willst. Nein, aber also Lebensentwürfe unterschiedlich. Also meine Schwiegermutter hochintellektuell studiert, Cambridge, bla bla bla und so weiter. Sehr bewusst gelebt, Sport gemacht und so weiter. Kriegt Krebs zweimal schon so richtig. Vor drei Jahren war echt so nochmal Diagnose, fieser Hautkrebs. Und dann so, ja, das geht jetzt nur noch so zwei Jahre gut. Dann ist die Messe gelesen. Und die ist einfach, die zieht einfach voll durch. Also die ist jetzt nicht so, tschakka, ich schaff das, sondern einfach so, okay, immer positiv, hat dann gesagt, okay, dann ist es so, ich habe jetzt noch irgendwie ein bisschen Geld, ich mache jetzt noch Bronze-Skulpturen, ganz viele, und zieht einfach immer durch, die ganze Zeit. Und wirklich vollkommen faszinierend, dass sie sich davon überhaupt nicht irgendwie, also die wurde operiert, Bestrahlung, dann Immuntherapie, und, und, und, das volle Programm. Und eigentlich haben sie gesagt, dass alles, was wir hier machen, ist lebensverlängernd. Das ist jetzt nicht, sie werden nicht geheilt werden. Ende der Geschichte ist, das Zeug ist weg. Es ist einfach weg. Ich sage dann immer, gehässig wie ich bin, ist natürlich auch ein Mensch, der energisch ist und viel im Leben gemacht hat. Das heißt, auch in gewisser Weise anstrengend. Ich sage dann immer, die Krebs hat einfach gar keinen Bock mehr auf dich. Ist einfach weg.
Niclas [00:40:44] Also, Sympathie und Nierpirn. Ja, ich liebe sie, wirklich.
Peter [00:40:55] Das ist ein Punkt, da habe ich gestern mit der Poli Chatman drüber gesprochen. Ich glaube, das ist etwas, ich weiß gar nicht mehr, wo ich das gelesen habe, aber ich glaube, da steckt viel Wahrheit drin in dieser frühkindlichen Phase. wenn wir quasi von unseren Eltern erzogen werden. Und dann gibt es ja natürlich als Kind auch immer wieder negative Ereignisse. Und die grundsätzliche Art, wie damit umgegangen wird, etwas Negatives passiert, das Feedback ist negativ oder das Feedback ist – und ich glaube, da gibt es auch eine Studie zu – muss ich nochmal genau nachschauen, dass du quasi zwei positive Sachen sagst, nachdem etwas Negatives passiert ist. Beispiel, ein Kind fällt hin, hat ein offenes Knie und du sagst zwei positive Sachen. Gut, dass du nicht auf den Kopf gefallen bist. Also es muss natürlich in die richtige Richtung gehen, aber das Gehirn lernt dann auf eine andere Art und Weise damit umzugehen. Und ich glaube, das ist etwas... Ich habe das dann nochmal versucht zu übertragen. Ich weiß gar nicht, wer das gelesen hat, aber in dem Trucker-Rennen, ich werde quasi am ersten Anstieg abgehangen. Die erste Intention ist natürlich, schon 5-6 Mal Trucker gefahren, immer über diesen ersten Anstieg mit der ersten Gruppe gekommen. Die erste Intention ist erstmal scheiße. Du bist richtig schlecht, bist direkt abgehangen worden. Aber ich habe mir zwei positive Sachen gesagt, sondern zum Beispiel gesagt, ich habe aber noch genug Verpflegung dabei und ich bin ja immer noch im vorderen Drittel, ich war dann irgendwo in Top 20 drin. Und du hast eine andere Art und Weise dann im Anschluss damit umzugehen. Das ist ja schon ein bisschen Selbstmanipulation oder Selbstverarschen, aber ich glaube, da steckt sehr viel drin, wenn man das in dem Umfeld, in dem man aufwächst, wie man das vermittelt bekommt. Ja, das ist einfach etwas, was man in sein gesamtes späteres Leben mitnimmt. Wie gehe ich mit Niederschlägen oder mit Sachen um, die negativ sind? Da gibt es halt immer zwei Arten, damit umzugehen. Ich glaube, dass das halt ein großes Asset ist, das deine Schwiegermutter auch hat. Man kann sich ändern, dass sie das hat.
Björn [00:42:56] Beide Arme ab, aber Kopf noch dran. Mega. Ja. Nein, aber meine Mutter, pass auf, jetzt, Achtung, immer super gesund, jetzt kommen die ganzen Longevity-Experts. Ich debugge das jetzt. Meine Mutter ist nicht unbedingt die sportlichste Frau der Welt. Wobei, sie ist schon immer nur Rad gefahren, sehr, sehr viel. Wir haben kein Auto gehabt, beziehungsweise erst sehr, sehr spät, da war ich schon aus dem Haus raus. Und ein bisschen geraucht, isst halt gerne Schokolade und Süßigkeiten. Da gibt es auch so einen Magic-Schrank, den macht man auf. Da kann ich auch gar nicht. Den gibt es überall. Nee, aber ich bin wie hypnotisiert. Das ist so eine frühkindliche Prägung. Ich komme da an und es geht nicht. Ich schaffe es einen halben Tag. mich davon fernzuhalten. Und danach ist halt, da geht dieser Schrank auf. Peter kennt es. Du läufst schon rot an. Ich esse alles. Ohne Scherz. Ich esse mit Sicherheit 7000 Kalorien am Tag dort. Es verpufft alles erst in der Speiseröhre. Und dann, es muss immer mehr rein. Und dann denke ich immer so, oh fuck, jetzt brauche ich erstmal wieder irgendwie zwei Wochen Detox zu Hause. Ich kaufe das Zeug jetzt nicht. Aber meine Mutter hat das alles im Schrank. Ich trinke auch gerne mal so einen Aperol Spritz und so weiter. Anyway.
Peter [00:44:26] Wer nicht?
Björn [00:44:29] Meine Mutter zumindest, irgendwann hat sie sich so ein bisschen abgebaut und dann hat sie auch so ein bisschen schlecht mit der Luft und hat gesagt, irgendwas passt nicht. Dann ist sie zum Arzt, zu ihrem damaligen Hausarzt und der hat eine Leistungsdiagnostik gemacht und dann hat sie gesagt, alles super. Sie sind 75 oder so oder 76. Das ist alles, das passt alles super. Da habe ich die Daten gesehen und gesagt, das passt gar nicht. Also das ist so schlecht. Du bist eigentlich de facto statistisch tot. Irgendwie Sauerstoffaufnahme. Keine Ahnung. Dann habe ich gesagt, also sorry, du bist irgendwie vor zwei Jahren noch hier, drei Jahren hier noch tipptopp mit dem Rad unterwegs gewesen, das passt nicht. Dann habe ich gesagt, du gehst jetzt zum Kardiologen. Ist sie zum Kardiologen gegangen, der hat sie gleich da behalten gesagt, wir gehen jetzt in die Klinik, sie kriegen jetzt eine Operation und einen Tag später hatte sie drei Beipässe. Das ist die Geschichte vom Hausarzt. Zum Thema, Sie können ja noch raten. Zumindest jetzt diese Einstellung wieder. Meine Mutter, also wirklich, das war eine rabiate Operation. Und die hat es halt echt aus dem Latsch gehauen. Aber die war halt positiv. Die hat es halt irgendwie mental so hingekriegt, wo du eigentlich denkst, das kann doch gar nicht sein, wie machen die das? Und das haben die beide ähnlich. Jetzt ist meine Mutter 80, sitzt da so, denkt so, das ist eigentlich alles okay, also jetzt nochmal so 10 Jahre drauf ist schon okay. Passt schon. Und die macht halt Zero-Sport. Die trinkt ihren Aperol Spritz, nascht und sagt, du, alles easy. Ich fahre halt so mit meinem Rad durch die Gegend und meinem E-Bike jetzt und habe meine Enkel um mich rum und eigentlich ist das Leben geil. Kognitiv super da, komplett super fit. Der Hammer, das ist echt krass. Und das ist beim Daniel Steinhauser genau das Gleiche. Der ist halt in sich krass. So total relaxed und sieht irgendwie so super viel positiv. Finde ich eine total faszinierende Eigenschaft. Und dann gibt es halt so Menschen, die sich so, ich erlebe ja auch, ich habe ja auch in meiner Trainerkarriere mit Menschen zusammengearbeitet, die so High Performer nennen, die ja so schön, die so im Leben immer... Paddle to the medal haben und im Berufsleben denken, Hustle-Modus ist alles. Ich glaube, Stress zernagelt dir dann alles. Und wenn du dann noch Sport on top setzt, wo du auch noch geformt bist, dann wird es halt gar nichts. Und dann kippen die halt nur mit 65 oder Anfang 70 voll aus den Latschen. Und ich finde so diesen ganz einfachen Gedanken, mach mal locker, Easy. So Udo-Lindenberg-Style. Muss ja, ne? Ein bisschen hier und da und schniggi-schnaggi und alles ist gut. Das darf man nicht so ernst nehmen. Ganz genau. Das sage ich auch immer meinen Kindern, wenn sie zu spät zur Schule fahren oder kommen und die Lehrer dann motzen, dann sage ich, pass auf, das Universum dehnt sich immer aus. Auch wenn ich zu spät komme, es passiert gar nichts.
Peter [00:47:32] Da gibt es noch eine schöne Anekdote von meinem Vater. Der hat uns immer zur Schule gefahren, mein Bruder und ich. Und wir sind einfach jeden Tag, die Schule hat um 7.55 Uhr angefangen, wir sind einfach jeden Tag erst um 8 Uhr zur Schule gekommen und hatten im Zeugnis drin stehen, Philipp und Peter kommen wiederholt zu spät zum Unterricht. Auch wenn eine Klausur angestanden hat, immer zu spät gekommen, weil mein Vater es halt nicht angesehen hatte, früher loszufahren. Die Schule fängt bei ihm halt um 8 Uhr an. Was willst du machen? Auch wir haben es geschafft.
Björn [00:48:06] Und ich verstehe das schon, zu spät kommen und so weiter oder gar nicht erscheinen, ist natürlich auch scheiße. Es ist natürlich auch so Respekt und Unterrichtsflow und so weiter. Aber wenn wir zu spät kommen, gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder du rast wie blöde und knallst irgendwo mit dem Fahrrad gegen, Option eins. Oder du sagst, ich komme halt zwei Minuten zu spät, bin halt nicht komplett verschwitzt, komme einigermaßen geistig an und habe mich nicht irgendwo gegen die Wand gesetzt. Ich finde, das ist so die bessere Option. Dann muss man halt mal sagen, war halt spät dran, passiert, tut mir leid, Universum dehnt sich weiter aus, alles gut.
Niclas [00:48:45] Hast du dieses Gespräch auch schon mal mit den Lehrern deiner Kinder halten müssen?
Björn [00:48:51] Ich habe mal mit einem Lehrer gesprochen und ich habe das absolut eingesehen, aber ich bin da eigentlich kein Prinzipal, aber so Training und so versuche ich das schon. Ich habe gesagt, pass auf, wir haben jetzt irgendwie dreimal zu spät. Und irgendwann habe ich gesagt, ganz zum Schluss, ein bisschen weniger steif hier und alles wird gut.
Niclas [00:49:15] Fand er lustig. Fand er lustig? Fand er lustig. Ich könnte mir auch vorstellen, ich kann mir sehr gut vorstellen, dass es auch Lehrer gibt, die bei so einem Spruch richtig an die Decke gehen. Ich habe das gut verpackt.
Björn [00:49:31] Ich habe das ja professionell gelernt. Aber ich meine, ihr beide seid ja auch so, ihr wart glaube ich auch so Taborkids in der Schule, oder? Nein, gar nicht. Ihr habt doch so Ritalin-Infusionen immer laufen haben.
Peter [00:49:47] Ich sage Hartstoff für eine komplette Extra-Folge. Übrigens, by the way, wir wollten ja eigentlich über Höhentraining reden.
Niclas [00:49:56] Wir haben jetzt aber schon 50 Minuten und du meintest vorhin, du musst dann und dann zu einem Termin.
Björn [00:50:02] Also pass auf, machen wir doch. Wir machen das Ding jetzt mal rund mit diesem Weltrekord. Genau, ich würde sagen, der Weltrekord langt für diese Folge. Der Weltrekord langt, sonst wäre das eine weltrekordverdächtige Folge in der Länge, wenn wir dann noch über Höhentraining reden.
Niclas [00:50:21] Und dann auch noch über die Ritalininfusion reden. Ja.
Björn [00:50:27] Aber da seid ihr besser, ich habe das nie genommen.
Niclas [00:50:31] Ich auch nicht. Ich bin jetzt der einzige Idiot hier in der Runde. Aber Peter, habt ihr nichts gekriegt?
Peter [00:50:38] Oder die Eltern wollten das nicht? Ich bin ja ein Zwilling. Ich habe ja noch einen Zwillingsbruder. Und wir waren schon relativ heftig unterwegs als Kind. Würde ich schon sagen. Ein paar Geschichten sind so gut, aber die können wir leider nicht erzählen. Warum? Die sind schwierig zu erzählen. Aber ich kann mich erinnern, dass irgendwann... gesagt wurde, wenn meine Mutter gesagt hat, die sind gesund, die brauchen nichts. Wir waren jede Woche in einem anderen Verein angemeldet. Tonen, Basketball, jeden Tag irgendeinen anderen Sport, um unserer Energie loszuwerden. Und wenn wir eine von diesen Sportstunden dann irgendwie in der Woche verpasst haben, sind wir komplett aus dem Ruder gelaufen. Also, ja, positiv ausgedrückt, glaube ich, sehr wilde Kinder gewesen. Man kann es sich heute gar nicht mehr vorstellen.
Björn [00:51:33] Nee, aber was interessant ist, was mich total fasziniert, bei dir, Peter, ist es ganz extrem. Euer ganzes Leben ist ja in Trading Peaks geplant. Da steht ja alles drin. Und ich weiß, dass Struktur, das ist bekannt, dass Menschen, die eine Neigung dazu haben, ein bisschen aktiver zu sein und ein bisschen sprunghaft, dass die halt sehr, sehr strukturell arbeiten müssen. Und das sieht man bei dir sehr, sehr stark. Und bei Niklas auch. Ich bin ja eher so, ich habe so ein Whiteboard, da schreibe ich alles rauf und
Niclas [00:52:03] Mein Tagesplan ist halt so eine... Ja, das ist halt eigentlich komplett lustig, weil ich mache alle Termine, ich mache mit allem ganz klare Termine, schreibe mir das in den Kalender, damit ich das bloß nicht vergesse. Und wenn Björn mit mir zum Beispiel früher so ein Telefonat ausgemacht hat, hat Björn halt gesagt, ja, ruf doch einfach an. Aber wann?
Peter [00:52:23] Ich brauche eine Uhrzeit. Sag mir doch, wann? Also das ist was, was ich auf jeden Fall jetzt in der Struktur jetzt ums Rad fahren und generell auch im Leben ist etwas, was mich Was für andere manchmal anstrengend ist, aber vor allen Dingen in Phasen, wo ich dann viel zu tun habe und weniger Sport machen kann, ist dann oft Franzi, meine Freundin, so, dass sie dann sagt, musst du nicht noch ein Stündchen raus trainieren oder so, weil es dann halt schnell zu viel wird. Aber so ist es.
Niclas [00:53:04] Aber jetzt mal, wir waren, glaube ich, erst irgendwie bei Tag 3 des Weltrekords.
Björn [00:53:09] Weltrekord, ganz einfach. Weltrekord, ganz einfach. Weißt du, und das ist das Faszinierende an Daniel Steinhauser. Daniel Steinhauser ist so der total normale Typ ist. Und normal in Anführungsstrichen natürlich, ja. Aber der vermittelt einem das Gefühl, hallo, ich bin Daniel Steinhauser, ich komme aus Bad Balssee. Ich bin Finanzberater. Und wenn Sie wollen, begleiten Sie mich jetzt auf meinen Weltrekord und wissen Sie, eigentlich, wenn Sie zwischen den Zeilen lesen können, vermittle ich Ihnen das Gefühl, dass das alle hier können. Nur ich mache es mal kurz. So, und das ist dieses Gefühl, das er vermittelt, nämlich diese scheinbar unmachbare zu machen. Und das ist auch das, was er dieser ganzen Crew vermittelt. Wir ziehen hier jetzt gerade mal eine Nummer auf, wo man denkt, seid ihr irgendwie gaga? Ziehen wir jetzt auf, das sind auch jetzt nicht unbedingt Menschen gewesen, das sind jetzt keine Radsportfreaks gewesen, das waren irgendwie so normalos, ja, irgendwie, keine Ahnung, also so Menschen, die schon strukturiert durchs Leben gehen, aber das waren jetzt nicht irgendwie so Radfreaks. Nein, im Gegenteil. Und das hilft dann auch manchmal schon, weil die da mit einem anderen Blickwinkel rangehen. Das ist wie Tim Carrison, der zu Team Sky ging als Schwimmcoach und erst mal ein Jahr lang sich Radsport angeschaut hat, dann aber mit einer ganz anderen Brille daran ging und sagt, okay, vielleicht sollten wir das so und dann organisieren wir das so. Und er hat sich da eine Crew zusammengebastelt, die mega motiviert war, die er auch mega motivieren konnte. Dann hat er das mit einer genialen Kinderaktion verbunden, also einer Spendenaktion für das Kinderhospiz in Bad Waldsee. Und man hat nie das Gefühl, dass er bei diesen Aktionen, es geht nie um ihn, es geht immer nur um die Sache. Es geht A, um die Sache, wir sammeln Geld, so eine coole Sache. Also das Kinderhospiz, bei seinem 24-Stunden-Weltrekord, hat er für so ein kleines Schwimmbad, für so ein kleines Reha-Schwimmbad, vor allem für Kinder, hat er Geld gesammelt. Und dann geht es um die Sache selber, nämlich dieses scheinbar Unschaffbare, zu schaffen als normaler Mensch. Und da wird keine Welle draus gemacht. Oder er ist nicht die Welle, sondern die Sache an sich. Und das ist so wahnsinnig, wahnsinnig toll, wenn du jemanden hast, der daraus jetzt nicht irgendwie die Mega-Geschichte macht. Und er liefert halt ab. Und das ist halt einfach so. Der liefert halt einfach klar ab. Das ist halt wenig Entrepreneur und Wischiwaschi und so. Ich mache es halt einfach. Ich scheiße mich halt nichts. Ich gebe halt einfach Gas. Abgeliefert. Und so muss das halt sein. Ich habe ja auch meine, keine Ahnung, Wiesbaden-Weltmeister habe ich trainiert und so weiter. Braucht man halt nicht. Macht man einfach. Ja, nee, aber und das macht die Sache halt so wahnsinnig sympathisch. Und dann war ich da, ich war leider so in der Zeit super, super knapp. Ich bin dann am letzten Tag, vorletzten Tag hingefahren, nachts von München nach Bad Waldsee, schön zwei Stunden hingetuckert, kam dann irgendwann um 22 Uhr an. Dann saßen die ganzen Fans, nachher sind wir auf so einer 17-Kilometer-Runde gewesen, Hatte drei verschiedene Routen, die er immer mal gefahren ist, je nach Wetterlage und nach, ich sag mal, mentaler Frische, ja, dass man auch mal was anderes sieht. Und dann hatte er nachher so eine 17-Kilometer-Loop und da standen halt die Leute. Nachts. Geil. Um zwölf. So mit Bengalos und Feuer und haben sich dann schön einen reingekippt zum Teil und ich lande dann irgendwo. Ist doch geil, ich war in so einem Feuer. Und dann so, ah, du bist der Trainer, dürfen wir ein Selfie machen? Und haben sich da schön irgendwie einen reingeknallt und dann so, ah, willst du auch was trinken? Ich so, ah, vielleicht muss man nach Hause fahren. Ah, ist gar kein Problem, Auto kennt doch den Weg. Ich so, ah, nee. Weil sie ist klein. Nach München muss ich schon noch ein bisschen mehr Auto fahren und so weiter.
Niclas [00:57:34] Das Auto kennt doch den Weg.
Björn [00:57:36] Klasse. Einfach geil. Fette Filmcrew. Da waren dann irgendwie vier Leute mit Film. Die machen auch einen Kinofilm draus. Ausgewählte Kinos und für so Bicycle Film Festival und so weiter. Und haben da richtig eins aufgezogen. Und dann war ich irgendwann um halb drei nachts wieder zu Hause. Und am nächsten Tag habe ich dann den Kindergeburtstag für meinen Sohn vorbereitet. Hatte natürlich am Tag vorher schon einen Blechkuchen gebacken und eine mehrschichtige Torte hingezaubert, zusammen mit meiner Frau. Was gab es für eine Torte? Also ich hatte erstmal einen Zitronenkuchen gemacht. Zitronenblechkuchen. Und ich bin immer wieder faszinierend. Ich finde es wieder faszinierend, wie viel, wenn man diesen Zuckerguss drüber macht, den musst du am besten ganz früh morgens drauf machen, damit er schon durchhärtet, wie viel Puderzucker man versenkt in so einem Aufstrich. Also du nimmst wirklich erstaunlich wenig Zitronensaft und versenkst dann den Puderzucker und das waren dann 300 Gramm Puderzucker, was hier schon echt viel brennt. Und da gab es noch einen anderen Kuchen, klassischer Biskuitbohnen. Ich habe jetzt einen neuen Ofen, der macht Biskuitbohnen, ist so mega geil. Schön Scheiben geschnitten, dann gefüllt mit einer Mascarpone-Creme, dann noch eine Ganache mit 500 Gramm geschmolzener weißen Schokolade und noch Sahne darüber und dann noch ein Fondant drüber, weißes Fondant und dann auch so schön dekoriert und so weiter. Kam gut an, ja. Also, noch mehr Details. Hört sich auf jeden Fall schon geil an. Ja. Genau, also Weltrekord hatte Daniel Steinhauser dann hingekriegt, wurde gefeiert in Bad Waldsee, Fernsehen, SWR und so weiter und hat sein Bad gerockt und wisst ihr was, den laden wir jetzt mal in den Podcast ein. Ich glaube, jetzt ist er auch wieder in der Lage zu sprechen.
Niclas [00:59:31] Wie lange war der, nach so sieben Tagen, wie lange ist der so richtig out of order?
Björn [00:59:36] Also ich schätze mal, die hat auch mehrere Monate. Die ist halt taub. Oder Teile davon. Also ich bin mal in drei Tagen von Kusum nach München gefahren, aber mit Mountainbike und Gepäck und Stollenreifen. Dann habe ich meine Adi-Klausur geschrieben und dann bin ich so gefahren und hatte halt nur so einen normalen Lenker. Und da habe ich mir die Nerven so richtig abgedrückt und die Innenseite, kleiner Finger, Innenseite, Ringfinger waren dann so drei Monate taub. Das dauert halt ein bisschen. Ich weiß nicht, wie lange der Nacken braucht. Aber ich schätze mal, du brauchst einige Monate, um dich das zu erholen.
Peter [01:00:17] Ich dachte, dass er am Montag wieder Bausparverträge verkauft. Direkt. Montag, 8 Uhr. Erster Termin. Listerette.
Niclas [01:00:27] Aber hat der sich zum Beispiel jetzt für die Woche danach einfach schon mal auch Urlaub geholt? Ja, erstens ist er selbstständig.
Björn [01:00:38] Aber wie ich Daniel Steinhauser kenne, der ist halt auch echt so ein Familientier, was cool ist. Der macht jetzt keinen Sport, sondern der ist jetzt Family da. Der sagt, okay, ich habe jetzt hier sieben Tage lang alles auf Trab gehalten. Meine Frau musste das Leben da alleine regeln mit unseren Kindern, die zum Glück schon ein bisschen größer sind. Aber trotzdem, jetzt bin ich zu Hause, jetzt geht mir mal ein, zwei Tage und dann bocke ich das alles wieder hier. Kochen, waschen, putzen. Und nochmal ganz kurz, weil du gefragt hast, wie sah das Training aus? Das finden die Leute ja total spannend, aber das ist relativ simpel. Du musst halt wahnsinnig lang fahren können. Und wir haben Fauza Max und Paula Max und das alles hatten wir schon echt ganz gut gepusht. Aber am Ende des Tages geht es darum, diese Kleinigkeiten, die du eventuell im Training spürst, nach 12 Stunden, sowas wie der kleine Stein im Schuh oder das, was irgendwie so nickt, hier drückt irgendwas so am Pad von den Aero-Dingern, das darf nicht passieren. Jede Kleinigkeit, jede Naht, jedes Kribbeln, jedes Dies, jedes Ach, das scheuert ein bisschen, das darf nicht passieren. Du musst dich auf die Kiste setzen und Und die ersten 12 Stunden, wir haben da so Trainingseinheiten gehabt, die waren nochmal irgendwie 12 oder 16 Stunden lang. Da musst du halt runtersteigen und sagen, okay, hallo, wo ist das Klavier, können wir loslegen? Ich bin jetzt dabei. So muss es sein. Und wenn du irgendwas nach 16 Stunden spürst, dann hast du ein Problem. Das darf nicht sein. Du musst dich halt mega, mega gut fühlen. Und wir haben die Kiste halt auch hier durchgefittet, vorne und hinten.
Niclas [01:02:19] Aber auch dann alles, also wirklich von A bis Z durchgegangen. Schuhe, Einlagen, Kleidung, alles.
Peter [01:02:26] Das ganze Equipment, glaube ich, ist halt ein Riesenpunkt.
Björn [01:02:28] Ja, ja. Und dann aerodynamischer Mitteilung. Der hat einen guten Anzug, einen sehr, sehr guten Anzug von Van Dijk angetan. Peter kennst du ja auch. Da ist halt dieses mega Sitzpolster drin von SQ Lab. Und die Sachen sind halt super geschnitten. Und da waren wir aerodynamisch schon echt safe auf der Seite. Das dreht sich super, das scheuert nichts. Und dann hat er das Ding einfach so durchgezogen. Klar, in der Nacht, wo es so richtig kalt wurde, mussten wir immer andere Sachen anziehen. Wir sind immer mit Heizzonen und Heizhandschuhen gefahren. Klar, wenn du irgendwie schon 15 Stunden unterwegs bist und dann bei 1 Grad plus wärst, da frierst du dich halt. Da bist du halt kaputt. Ganz einfach.
Peter [01:03:10] Und wie habt ihr das vom Pacing her gemacht dann? Also wo du jetzt dann vor Ort warst, habt ihr dann irgendwie was angepasst? Hast du ihm eine Vorgabe gegeben, wenn jetzt die Route oder diese Runde dir gefahren ist? Die waren ja wahrscheinlich auch dann vom Profil ein bisschen unterschiedlich, dass man da irgendwie gesagt hat, ich fahr mal da so und so. Oder ist das quasi dann irgendwann...
Björn [01:03:32] Da schaust du gar nicht mehr. Der ist dann irgendwann 60, 70er Frequenz gefahren. Echt langsam, um die Fasern nicht komplett und auch metabolisch, um das alles noch ein bisschen lockerer zu nehmen. Und dann hieß es halt, also wir müssen im Schnitt ein 25er Schnitt fahren. Und das müssen wir halt, das musst du mal reinziehen. Das ist
Peter [01:03:57] Das hört sich erstmal nicht so schnell an, aber für sieben Tage? Ja, das ist halt das Ding. Ja, das ist heftig.
Björn [01:04:05] Und am ersten Tag kamen auch 180 Watt durch.
Niclas [01:04:10] Wie viele Stunden, also jetzt von den sieben Tagen, wie viele Stunden wurden über sieben Tage geschlafen oder insgesamt, sag ich jetzt mal, in sieben Tagen, wie viel war Standzeit?
Björn [01:04:20] Ich glaube, wir hatten so knapp einen Tag. Da bitte lege ich mich jetzt nicht fest, ich muss nachschauen. Aber das war, ich weiß, wir haben einen Tag, ich glaube, nach dem zweiten, dritten Tag, da haben wir relativ viel gehabt. Ich glaube, die letzten zwei Tage haben wir irgendwie nur noch so zweieinhalb Stunden gehabt, endlich sogar weniger.
Peter [01:04:35] Gibt es da Vorgaben, dass man eine gewisse Zeit ruhen muss?
Björn [01:04:40] Ich glaube nicht. Ich habe gesagt, als wir das besprochen haben, auch mit dem Arzt, das war natürlich ein unbekanntes Terrain für mich, aber ich habe gesagt, nachher haben wir da halt, so hart es klingt, ein Kadaver auf dem Rad sitzen und wir müssen das Ding irgendwie nach Hause fahren können. Wichtig war halt, dass der kognitiv immer da ist. Wir haben ein bisschen mit Koffein gearbeitet, aber auch echt dosiert. Also 50 Milligramm hier, 50 Milligramm da, vielleicht mal 100 Milligramm. Also alles nicht überstrapaziert. Und wichtig dann mit dem Blut, dass wir gesehen haben, dass Kalium nicht abraust, nicht dass wir da irgendwie noch Herzrhythmusstörungen oder was weiß ich und so weiter. Das haben wir immer gut im Blick gehabt und es hat gut geklappt. Auch keine Wassereinlagerung und so. Klarkopf ist nachher ein bisschen angeschwollen. Aber das ist halt durch.
Niclas [01:05:26] Das sind halt Züge, die halt mal passieren.
Peter [01:05:32] Aber bei diesen sehr langen Sachen, ich meine, Niklas ist ja auch aus Rennperspektive etwas sehr langes gefahren. Das ist natürlich nochmal eine ganz andere Nummer. Bei diesen Sachen ist es halt meiner Einschätzung nach einer der Hauptpunkte, dass du halt hinbekommst, dich so zu ernähren, dass du kein Problem bekommst mit der Aufnahme. dass man da halt eher auf einer sicheren unterwegs ist. Wenn du das Problem einmal hast, dann ist es dann halt meistens zu spät. Also wenn er jetzt am dritten, vierten Tag da Probleme bekommt, dann wird es halt wirklich sehr, sehr, sehr, sehr zäh. Hat er da irgendwie da zwischendurch mal einen Hänger oder wo er gesagt hat, ich kann nichts mehr zu... Ja, ja.
Björn [01:06:13] Also wir haben, nachdem er sich am ersten Tag schon ordentlich einen eingeschenkt hatte, ist er danach halt ziemlich baden gegangen. Also da blieb auch nicht mehr viel drin. Und dann haben wir es aber mit mehr Ruhe vor allem schlafen. Und Schlaf ist halt wirklich, das ist halt, alle sagen, Schlafen ist wichtig. Aber da siehst du mal, was passiert, wenn jemand mal 90 Minuten oder drei Stunden, da haben wir zwei Schlafzyklen, drei Stunden, die Power, die dahinter steht, einfach ruhig zu schlafen, der ist halt, Das ist ein anderer Mensch, per dir aus. Der steht auf, du siehst das Gesicht, der ist frischer und sagt, okay, let's go, wir können wieder. Und Leute, die so durchpowern und dann nachts irgendwie so an ihren Fingernägeln knabbern und denken, oh scheiße, ich muss noch dies, ich muss noch das und E-Mails hier. Ey, bist halt nicht erholt, aber das weiß ja jeder.
Niclas [01:07:12] Weil du jetzt gesagt hast, er hat sicher die ersten 22 Stunden weggeschossen. Würdest du sagen, er hätte auch 4.000 geschafft, er hätte 4.500 geschafft, wenn er einfach nicht 180 gefahren wäre, sondern 120, aber dafür immer 120 und keinen... kein, ich krieg voll, der Magen schießt mir voll durch, ich kann nichts mehr drin behalten und sowas. Also ich glaube, mit einem anderen Tasting, das ist halt immer das Schöne an diesem
Björn [01:07:42] Ultrasachen oder jedes Rennen grundsätzlich ist ja immer, du hast immer eine hohe Lernkurve. Und bevor man das überhaupt geschafft hat, bevor diese ganzen Erfolge kamen mit Race Across Italy, 24 Stunden, Weltrekord, Indoor und jetzt das Ding, haben wir erst mal zwei, drei Jahre nur Scheiße gebaut. Na, was heißt nur Scheiße? Aber Fehler gemacht. Ich war als erstes Race Across Italy in Führung, vorm Strasser, die Mischung, die Kohlenhydrate-Fruktose-Mischung verwechselt worden. Das heißt nämlich, dann war halt die Fruktose deutlich zu hoch und dann hat es eben halt den Magen... Bumm. Ja, fertig aus. Das Ding hat sich übergeben. Ende Gelände. Erstes Learning. Besser strukturieren. Zweites Learning. Beim zweiten Mal Race Across ITB wurde der Wagen gegen eine Leitbank gesetzt, seinen Servicewagen. Durfte der nicht mehr weiterfahren. Zweites Learning. Du brauchst eine Crew, die wirklich da ist. Du darfst nicht irgendjemanden nehmen, sondern du musst wirklich sagen, hey, pass auf. Damit ich das hier reiße, müsst ihr genauso gut sein wie ich. Also eure Aufgabe muss genauso gut erfüllt werden. Da darf nicht irgendwie gepennt werden und hahaha, ist ja lustig, wir machen jetzt eine Kaffeefahrt, sondern ihr seid jetzt genauso online wie ich. Das war das zweite Learning und dann kommen wir zu das Feintuning, wie okay, hier ist das am Rad und hier mal gestürzt, ich weiß, bei dem Nordcup Race, da wissen wir, okay, da müssen wir diese Kleinigkeiten. Also du baust erstmal, wie bei vielen Sportlern auch bei mir, zwei, drei Jahre lang lernst du, die Fehler zu minimieren und wenn du die Fehler ausgestrichen hast, dann kannst du halt performen. Und das ist immer das, was die Leute so gerne nicht sehen oder es auch oft übersehen wird. Das ist am Anfang halt immer, du baust halt Mist und dann ist halt die Fähigkeit sich selber daraus zu retten.
Peter [01:09:43] Und du lernst halt auch aus Misserfolgen oder auch so, wenn etwas schief geht, ist die Lernkurve daraus deutlich steiler, als wenn es trotzdem irgendwie noch gut geht. Weil viele Leute, die halt, sag ich mal, ein sehr, sehr hohes Level haben, kommen halt mit vielen Sachen noch quasi durch. Und so ein wirklicher Lernprozess ist dann aus Sachen, die wirklich mal richtig scheiße gelaufen sind, wo man dann auch so denkt, jetzt habe ich so viel investiert und trotzdem kam dabei gar nichts rum oder es hat überhaupt nicht funktioniert. Ich glaube, es ist wichtig, dass man da immer trotzdem so ein bisschen den kühlen Kopf behält und nicht alles in Frage stellt, weil das habe ich auch schon erlebt mit Athleten, wenn dann mal, das sind ja im Endeffekt dann Kleinigkeiten. Es ist ja im Endeffekt der Sport, das ist ja so, wenn du jetzt zum Beispiel einmal eine Verpflegung verpasst und du läufst leer, hat das mit deinem Formstand ja nichts zu tun, trotzdem ist das Ergebnis dann nachher vom Resultat her Wahrscheinlich unterirdisch. Dann wird alles infrage gestellt. Du darfst da natürlich auch nicht alles infrage stellen, sondern du musst dann so einen kühlen Kopf behalten, dass du halt an den richtigen Schrauben gehst.
Björn [01:10:52] Ich sag immer, let them fail. Das ist so... Fast Failing und Mistakes und schnell daraus lernen. Fehler machen und schnell daraus lernen, das ist das Wichtigste. Aber dieser Fehler muss gemacht werden und vor allem muss akzeptiert werden. Das ist nicht so, das ist wie... Keine Ahnung, du bist ein junger Unternehmer und fährst halt deine Firma permanent gegen die Wand und du hast Eltern, die dir halt jedes Mal die Millionen reinschieben, dann wirst du daraus höchstwahrscheinlich nichts lernen. Nämlich so läuft es halt nicht. Ich habe halt Mama oder Papa, die halt permanent Kohle reinschieben und das darf halt nicht passieren, dass du auch einen Trainer hast, der die ganze Zeit vielleicht auch sagt, ah ja, das war vielleicht mein Fehler und dies und das. Oder ein Sportler noch besser, Trainer ist schuld, ich wechsle einfach den Trainer. Also das ist ja manchmal so, sieht man ja als Sportler irgendwie schon acht Trainerarten, weil halt immer der Trainer schuld ist. Die Frage muss man sich grundsätzlich mal im Leben stellen, habe ich ja auch schon öfters so, nachdem man dann irgendwie mit Leuten zusammenarbeitet oder bei einer Firma XY und dann geht man wieder weg und dann liegt das jetzt an mir oder liegt das an den anderen? Die Frage muss man sich ganz ehrlich stellen. Und mit Sicherheit lagen auch einige Sachen an mir, weil ich dann auch irgendwie ein Dickkopf bin. Der Handleser hatte recht.
Peter [01:12:13] Aber ich denke halt, es ist eigentlich auch ein sehr gutes, was sehr gut ist, wenn man... Niklas, das habe ich viel Spaß in dieser Folge.
Niclas [01:12:20] Ja, auf jeden Fall. Es ist schon gut hier.
Peter [01:12:23] Also wenn man halt einfach zugeben kann, dass man auch mal einen Fehler gemacht hat als Trainer, weil man macht ja auch Fehler, auch als Trainer, finde ich, dass es schon auch ein Zeichen davon ist, dass man ein gutes, vertrauensvolles Verhältnis zu dem Athleten hat. Aber es ist auch, glaube ich, sehr wichtig, dass man, wenn man mit Athleten arbeitet, die zum Beispiel schon sehr viel Erfolg hatten, Oder jetzt beispielsweise die Level hatten oder haben, dass Mainz um ein Vielfaches übersteigt. Trotzdem musst du auch ja derjenige sein, der ihm ein realistisches Feedback gibt und nicht derjenige ist, der quasi in so einem Ja-Sager mutiert. Weil Leute, die jetzt Erfolg haben oder die halt quasi dann schon wirklich einen Namen haben und so ein bisschen Star, sind, die brauchen halt auch dann jemanden, der ihnen auch dann ein ehrliches Feedback gibt und nicht, wie es dann oft ist, einfach zu allen Ja und Amen sagt. Weil das ist dann auch, glaube ich, ein Rezept dafür, dass es im Endeffekt nicht mehr funktioniert, weil die Erfolge jetzt von gestern, die bringen dir im nächsten Jahr oder in der nächsten Saison bringen die dir wenig, aber die Erwartungshaltung des Athleten selbst und auch des Umfelds ist natürlich dann immer eine andere. Und da glaube ich, ist es wichtig, dass du als Trainer jemand bist, der da ein möglichst objektives Feedback gibt.
Björn [01:13:40] Also das Problem habe ich noch nicht nie, Peter. Das gehört über sich, Sache ist Gesetz.
Peter [01:13:47] Ich kenne das aus unserer Zusammenarbeit.
Niclas [01:13:54] Also grundsätzlich, es gibt Trainer, die machen Fehler, ja. Björn aber nicht. Ich habe recht.
Peter [01:14:02] Björn macht auch Fehler, ich habe aber noch nie einen gesehen.
Björn [01:14:08] Der Chuck Norris, der Trainingslehrer. Ich glaube, ich habe, steht nicht bei mir im Instagram, only human born to make mistakes. Ihr könnt euch ja dieses Lied mal anhören von The Human League, so eine schmandige 80s-Band. Und die haben dieses Lied Only human born to make mistakes. Und ich finde, das erinnert mich so an meine Kindheit. Da wart ihr noch nicht geboren. Und mein Bruder hat dieses Lied ab und zu gehört. Der ist ein bisschen älter gewesen. Und ich muss daran immer denken, das hat sich so ein bisschen eingebrannt, neben Madonna, die ja auch immer wahnsinnig gern gehört hat. Ich glaube, das erste Album... das mir um die Ohren gehauen wurde, war True Blue. Und ja, das hat mich geprägt. Es ist immer noch so, dass ich alle Texte von Madonna auswendig kann, zumindest die älteren. Und immer wenn was im Radio kommt, muss ich mitsingen. Es ist wie dieser Schrank meiner Mutter. Und ich sitze dann in einem Taxi oder in einem Bus mit einem Team und Madonna kommt und ich singe mit und alle gucken mich an. What the fuck? Alter, was ist los? Komm mal klar, es geht nicht, ich bin programmiert. Vielleicht bin ich auch so ein russischer Superagent. Wenn dann irgendwie so ein Stichwort keine Ahnung wie kommt, dann gehe ich halt total rogue. Ich warte hier unten auf. Also kann man sich auf einiges noch freuen hier. Ist herrlich heute. Peter, mach mal einen Sack zu, ich muss jetzt los.
Peter [01:15:37] Okay, dann war's das für heute. War super.
Niclas [01:15:40] Wir hören uns. Ja, vielen Dank fürs Zuhören. Ich hoffe, es war eine informative Folge, vielleicht auch eine ganz lustige Folge. Und wir hören uns. Ciao, ciao. Nächstes Mal Alte Tude und Steinhauser Daniel.
? [01:16:00] Okay, ciao.
Björn [01:16:01] Bis dann, ciao.