Wie wird man Weltmeister?
Diesmal stellt Sebastian die Fragen und Björn erzählt, wie er zum Trainer von Mountainbike-Weltmeister Henrique Avancini wurde. Von den ersten Gesprächen als Performance-Manager über die Übernahme als Cheftrainer bis zum Umgang mit Verletzungen, Comeback-Druck und dem Rampenlicht, das den brasilianischen Superstar umgibt. Ein Einblick, wie Training auf Weltklasseniveau wirklich aussieht — und welche Rolle mentale Belastung und Trainingslager abseits der Öffentlichkeit dabei spielen.
Transkript
Björn: Hi, dies ist der Aerotherm Podcast mit Sebastian Schluricke und Björn Kafka. Dein Podcast für Aerodynamik und Ausdauertraining. Okay, wir sind wieder zurück. Sebastian Schluricke und Björn Kafka. Ihr habt es kaum aushalten können.
Sebastian: Vor allen Dingen hat es Björn kaum aushalten können. Und den Satz, der ist ja jetzt auch schon beliebt. Wir sind wieder zurück. Also wir kommen immer aus so einer Koma-Phase zurück. Und sind dann heilfroh, wenn wir wieder schaffen, einen Podcast zu erstellen. Und ja, heute ist es mal wieder soweit. Und das Thema, das wir heute präsentieren dürfen, ist, wie wird man Mountainbike-Weltmeister? Genau.
Björn: Aber vorher erzählen wir mal, was wir getrieben haben. Wer das nicht hören will, kann vorspulen. Sebastian und ich, wir arbeiten natürlich immer ganz viel. Natürlich. Aber wir haben auch ganz viel Urlaub gemacht. Und wer viel arbeitet, muss auch ganz viel Urlaub machen. Sebastian ist mit dem Auto rumgefahren in Schweden. Ich bin mit dem Auto rumgefahren in Deutschland und Dänemark und so. Und dann waren wir so ein bisschen weniger online und Co.
Sebastian: Ja, das ist auf jeden Fall gut. Mal so eine Phase zu haben, wo man sich mit seiner Familie wirklich entspannen kann und neue Orte entdecken kann, das war ganz großartig. Wenn man da so unterwegs ist, die Plattform hat leider immer mal auch ein paar Bugs und deshalb ist auch im Urlaub immer ein bisschen Bugbeheben angesagt. Aber das hat diesmal ganz gut geklappt. Ich habe wirklich zwei Wochen fast gar nicht an der Plattform gearbeitet. Also nur ein paar, also nicht mal ein paar musste ich beheben. Das war gut.
Björn: Ja, ich bin, ich konnte leider die Rennen nicht ausschalten, aber nach der WM war ich so ein bisschen gegrillt und habe dann ein bisschen weniger gemacht. Habe mal wieder viele Bücher gelesen, wie das so ist. Und jetzt erzählen wir euch ein bisschen was über Enrique Avencini. den ich trainiere. Und wie das dazu alles kam, da kamen so ein paar Fragen, weil das so ein bisschen unter der Hand lief. Und fangen wir mal an. Sebastian hat sich hervorragend vorbereitet.
Sebastian: Ja, in der Tat, das war ich. Und wir haben natürlich, wir machen demnächst auch noch einen anderen Update, bevor wir jetzt zum Weltmeister kommen. Ist es halt so, wir werden auch noch deutlich mehr Aspekte auf der Plattform freischalten. Wir sind immer noch fleißig an der Activity AI. Da sind noch ein paar Bugs, die wir noch beheben müssen. Die sind nicht so ganz so zwingend, aber das werden wir noch machen. Wir werden das noch ein bisschen netter aufbereiten für euch, dass ihr noch besser eure Leistungsfähigkeit tracken könnt. Und es wird Ende dieses Jahres das ultimative Feature kommen. Das können wir schon mal anteasern, aber wir verwarten noch nicht was, aber es wird mega geil. Und das andere Feature, wo ich zum Beispiel auch schon ganz lange dran arbeite und Björn ja immer mich supporten muss, ist unsere Aero-AI. Denn wir werden, und wir sind ganz nah da dran, und das ist noch nicht mal das ultimative Feature, von dem ihr ja anteasern, sondern wir werden jede Radfahrt von euch aerodynamisch auswerten können, sowohl auf dem CDA-Wert als auch auf dem Rollwiderstandsbeiwert und Windgeschwindigkeiten. Und da arbeiten wir wirklich lange dran, Und wir haben sogar ein Patent dazu abgegeben, zu dem kompletten Prozess, weil wir ja auch einen Aerometer entwickeln. Auch schon sehr lange. Und da lassen wir uns Zeit. Wir wollen dann ein richtig gutes Produkt rausbringen. Und deswegen wird es noch ein bisschen dauern. Das wird richtig gut. Und dazu machen wir wieder einen separaten Podcast, was dann auf der Plattform passiert. Und heute mit dem Hauptthema, wie wird man Weltmeister? Der Arvind Schiene ist Weltmeister geworden. Super. Und es ist halt ein Björn Kafka Athlet, der ist zu Björn gewechselt. Und es ist eigentlich eine ganz interessante Geschichte, wie das alles gekommen ist, weil Björn hat es ja schon gesagt, es ist unter der Hand gelaufen. Und jetzt eigentlich mal so eine spannende Frage. Henrique Avicini ist ja Brasilianer, wenn ich mich nicht täusche. Wie ist der denn an dich rangekommen, Björn?
Björn: Das war letztes Jahr im Winter. Hat ein Bekannter von mir, der Peter Wauters. Das ist ein Laufradbauer, Nine's Wave, mit dem ich ab und zu was mache, ihn auch mal trainiert habe. Und ein guter Freund, der sponsert das Team von Enrique Avencini. Und der hatte von mir erzählt wohl und der Avancini kannte mich auch schon ein bisschen von den anderen Fahrern. Und dadurch, dass er sein neues Team jetzt hat, dass er sein eigenes Team ist, von Cannondale weggegangen und wollte dann Kontakt haben. Und dann kam der Kontakt über den Winter zustande und dann war ich erstmal so ein bisschen Performance-Manager, weil er hatte noch seinen eigenen Trainer. Und dann habe ich ein bisschen Impulse gegeben, habe gesagt, ich würde es jetzt so aufbauen, ich würde jetzt die Energiedurchsätze fahren. Und so lief das dann erst mal. Bis sich das dann Anfang des Jahres ein bisschen auseinanderdröselte, dass der Teamtrainer nicht mehr dort arbeiten wollte. Was natürlich erstmal ein großer Schock war, auch für den Enrique, weil die schon sehr lange zusammengearbeitet haben. Und dann hat er mich gefragt, ob ich das alles übernehmen kann. Und dann habe ich gesagt, ja klar, können wir machen. Aber wir haben von Anfang an gesagt, wir kommunizieren erstmal gar nichts. Wir machen es einfach mal ganz entspannt, weil ich meine, der Typ hat halt, der Typ, sag ich schon, Enrique hat sehr viele Follower auf Instagram. Wir haben gesagt, okay, wir halten es ruhig. Wir wollen jetzt irgendwie... gucken, wie sich das entwickelt und dass wir nicht noch eine Welle mehr aufbauen, die es in seinem Leben gibt. Und dann haben wir das erstmal ganz zutsche gemacht, einmal die Woche telefoniert und ich habe ihm erklärt, was wir gemacht haben und so lief das dann Stück für Stück. Aber wir können da jetzt ins Detail gehen.
Sebastian: Ja, magst du einmal, ich finde es ja schon ganz interessant, dass du gesagt hast, das ist ja so ein bisschen so ein fließender Übergang. Du bist am Anfang Performance Manager gewesen, hast sozusagen schon die Trainingseinheiten von ihm gesehen, vielleicht auch Leistungsdiagnostiken von ihm gesehen, sodass du sein grundsätzliches Potenzial sicherlich schon einschätzen konntest, weil du ja auch viele andere sehr gute Radfahrer hast, das dürfen wir ja nicht vergessen an der Stelle. Und von daher hast du auf jeden Fall die Erfahrung ja auch dafür, um das beurteilen zu können. Und dann kommt ja irgendwann so dieser Punkt, wo er vielleicht auch mehr wollte von dir. Und die Frage ist dann halt so, manchmal ist es ja so, wenn man jetzt aus Sicht Trainer so einen sehr guten Athleten bekommt, dann besteht ja auch die Gefahr, dass man vielleicht nicht an die Leistungsfähigkeiten anknüpfen kann. Wie hast du das denn für dich empfunden? Du hast ja jetzt erst die Möglichkeit gehabt, als Performance Manager vielleicht auch Potenziale von ihm zu erkennen. Und warst vielleicht auch an der Stelle dann auch schon der Überzeugung, dass das was mit ihm werden kann? So, dass du gesagt hast, okay, Trainer werden für ihn macht Sinn?
Björn: Ja, also Potenziale. Enrico Avancini ist ja ein bisschen so ein Spätstarter gewesen. Ab 2017, 2018 ging es eigentlich erst richtig los. Man muss dazu sagen, dass er 2020 eine schlechte Saison hatte. Und deshalb hat er auch dann für sich selber entschieden, er will diesen Druck nicht mehr haben. Er hat sein eigenes Team gegründet, wollte seine eigenen Freiheiten haben. Und am Anfang der Saison lief das noch okay, ganz gut. Aber dann kamen halt verschiedene Sachen dazu. Das heißt, er Er wurde krank, er hatte Knieprobleme und dann sah ich so ein bisschen so, uiuiui, das wird jetzt nicht so richtig lustig werden, weil auch die Leistungswerte dramatisch runtergefallen sind. Ich meine, die Leistungswerte, die ich gesehen hatte über die ganzen Jahre, die Fähigkeiten, die er hatte, die waren halt, klar, ist der Weltklasse. Der ist halt schon mal Weltmeister gewesen, der ist Weltcup-Gewinner gewesen, ist ein kompletter Fahrer. Hervorragende Leistungswerte, aber durch das neue Team, wo natürlich viel Strukturarbeit auch von seiner Seite kommen musste, durch die Verletzung am Knie, die sich richtig, richtig lange hingezogen hat, durch eine Grippe, die auch noch dazu kam, die sich auch richtig, richtig lange hingezogen hat, habe ich gesehen, uff. Das wird jetzt echt zäh werden. Und ich sage mal, bei einem Sportler, der schon extrem erfolgreich war, der auch schon so ein bisschen älter ist, Enrique ist jetzt 34, da weiß man einfach, entweder das funktioniert jetzt noch irgendwie oder du rennst einfach den alten Erfolgen hinterher. Und da lastet natürlich so ein gewisser Druck auf einen, wenn man schon mal mit jemandem zusammenarbeitet, der Weltmeister ist. Da kann man ganz viel verlieren, kann man nicht sagen. Aber den ersten Erfolg, den er als Weltmeister hatte, den werde ich natürlich nie wiederholen. Und einen Sportler zu übernehmen, der schon mal eine schlechte Saison hatte und dann die neue Saison jetzt 2023 auch schon nicht optimal anfing mit Krankheiten und nicht den tollsten Platzierungen, Na, also wird das jetzt gut oder wird das nicht gut? Da war ich dann auch so ein bisschen... Nervös würde ich nicht sagen, aber da denkt man dann sehr viel konzeptionell. Enrique ist sicher auch ein fordernder Sportler im Sinne von viel hinterfragen. Was hat er in der Vergangenheit gemacht? Extrem professionell arbeitet er und da muss ich natürlich dann auch mir überlegen, wie ich damit umgehe. Werde ich dem Anspruch ihm gegenüber gerecht? Aber es hat ja dann ganz gut geklappt.
Sebastian: Dann versuchen wir es mal so. Wie hast du denn, als du Performance Manager warst, was schaust du dir da an? Welche Werte untersuchst du? Wie kannst du feststellen, welche Leistungsfähigkeit bei ihm vorhanden ist? Und vor allen Dingen, was hast du mit diesem Wissen gemacht? Wie hast du die Trainer und ihn dabei unterstützt, sozusagen dann mit diesem Performance Management, mit deinem Einblick in die Daten, Ihnen zu helfen bei der Trainingsplanung.
Björn: Ich war erst mal erstaunt, dass das Training sehr gefühlsbasiert war, sage ich mal. Da gab es nie so einen richtig starren Plan, sondern da wurde mehr so ein bisschen gesagt. Ja, wie fühlst du dich heute? Dann machen wir es so die nächsten zwei Wochen das und dann probieren wir das mal aus. Was natürlich super funktioniert hat, weil der Athlet, der sollte seinen Körper kennen und der Performancemanager oder sein alter Trainer hat so ein bisschen gesteuert. Ich habe da aber die Struktur nie so richtig raussehen können, was nicht negativ ist. Dann fiel mir aber so ein paar Sachen auf. Erstmal, klar, Sauerstoffwerte, also Sauerstoffaufnahme über bestimmte Leistungswerte, alles zwischen drei und sechs Minuten, das war alles sehr hoch. Die Werte dahinter, das fluktuierte so ein bisschen, die waren mal sehr hoch, dann wieder ein bisschen niedriger. Das heißt, die Laktatbildung, das ist relativ viel Spielraum, was super ist. Was auch seine Vielseitigkeit zeigt, dass der sowohl im Marathon als auch im Short Track immer high class war. Dann fiel mir auf zu den Olympischen Spielen, da gab es einen kleinen Knacks. Und zwar waren die Leistungswerte extrem gut im Höhentrainingslager. Und da habe ich gesagt, das sind so Werte, die sind halt so gut, da wirst du eigentlich Olympiasieger mit. Und da stellt sich dann so ein bisschen die Frage, war da ein Kipppunkt? Weil solche Intervalle, die dort gefahren worden sind in der Höhe, die waren halt so extrem und so extrem gut, dass ich gesagt habe, Der Schuss kann aber nach hinten losgehen und so kam es dann auch. Er hat dann echt nicht das performt, was er eigentlich wollte. Das hat ihn natürlich auch mental runtergezogen und dann kam so eine ganze Kaskade. Schlechte olympische Spiele, nicht mehr an der Leistungsfähigkeit anknüpfen, mit dem Team... Vielleicht ein ganz neuer Tapetenwechsel, das dann, ich nenne mal das Jahr 2022, hat man das noch so ein bisschen mitgenommen und dann kam halt so, nach und nach hat er sich so von diesen alten... Es ist alten Strukturen so ein bisschen entledigt. Sei es jetzt das alte Team, neues Team gegründet, sei es vom Trainer, wobei das kam jetzt von Trainerseite. Also er hat praktisch 2023 einen kompletten Reset gemacht. Und ich als Trainer habe gesehen, dass die Struktur, wie ich sie mir wünsche, habe ich nicht ganz gesehen. Aber es hat funktioniert, von daher war es absolut in Ordnung. Das Peaking in den Rennen hat teilweise super funktioniert, teilweise nicht. Und da habe ich dann mit der Lupe raufgeschaut, okay, was macht er eigentlich? Was macht er genau in so einer Rennenwoche? Und da habe ich das so ein bisschen, ich nenne es mal, entfettet, weil da immer ganz viel war. Und Enrique ist ein Gefühlssportler, also der muss halt auch ein geiles Training hinlegen, damit er irgendwie das Gefühl hat, ich fahre jetzt auch ein geiles Rennen. Und diesen Zahn muss ich ihm so ein bisschen ziehen, so nach dem Motto, okay, das ist jetzt nicht so wichtig, wir müssen jetzt erstmal ganz stupide aufbauen, dass ich sage, jetzt fahren wir mal drei Wochen Grundlage. Oder harte Einheiten. Das war jetzt schon zur Zeit als Trainer gewesen.
Sebastian: Richtig, ganz genau. Davor sind wir jetzt so ein bisschen nach vorne schon gegangen, sind aus dieser Performance-Manager-Zeit so ein bisschen rübergegangen, sind jetzt sozusagen in der Coaching-Phase schon. Ja.
Björn: Genau, also aber das ist, was ich dann praktisch, was heißt Coaching, also was ich rausgezogen habe, ja, was dort vorher gemacht worden ist, ja. Sehr gutes Training, was gut funktioniert hat. Ich musste mich natürlich reinfuchsen, weil Portugiesisch spreche ich nicht. Werde ich auch nie sprechen. Kriegst du auf Englisch hin? Ja, ja, klar, aber die Training-Peaks-Sachen waren auf Portugiesisch. Das war alles anders. Und das war echt ein ganz schönes Gefummel, herauszufinden, was da eigentlich ist. Was aber interessant war, dass... Enrique eigentlich schon eine Art Blocktraining zum Teil gemacht hat. Und zwar aus dem Gefühl heraus. Was ich schön finde, weil ich sage mal so, wenn du dir einen Standard-Trainingsplan irgendwie besorgst oder runterlädst, dann ist es immer Schrotgewehr. Hauptsache es ist schön gebaut und irgendwie hier mal ein bisschen Threshold, da mal ein bisschen V2 Max und dann kommen hier irgendwie Intervalle und wird alles toll gebaut. Sieht halt schön aus. Ist halt so wie Lego-Steinchen aufeinander würfeln. Ist da eine Sinnhaftigkeit hinter? Fragezeichen, weiß man nicht. Vom Gefühl her hat der Enrique das erste, was er gesagt hat, ich brauche lange, bis ich an etwas adaptiere. Was schlicht und ergreifend nichts anderes bedeutet, ich mache viel von einem bestimmten Reiz, bis ich das Gefühl habe, er sitzt. Blocktraining, ganz klares Blocktraining. Und deshalb hatten wir da schon von Anfang an eigentlich eine geile Sprache. Nur, dass ich dann das Blocktraining eben noch in verschiedene Bereiche eingeteilt habe. Was ich gesagt habe, wir machen genau das gleiche, nur, wir machen Grundlage, wir machen den Bereich, wir machen VZmax und dann folgt wieder daraus Grundlage und dann kombinieren wir das mit dem bestimmten Krafttraining und so haben wir das dann angefangen. Aber so grundsätzlich aus dem alten Training hat man schon gesehen, dass da definitiv eine Blocktrainingstruktur zu sehen war.
Sebastian: Was ich da in dem Kontext wirklich sehr spannend finde, ist halt, Also na klar, auf jeden Fall diese Fokussierung. Dann aber auch beispielsweise das, was uns auch viele Athleten auf unserer Plattform in dem Kontext so ein bisschen zurückgemeldet haben, ist, die haben Training, die machen das Training und jetzt zum Beispiel mit der Activity AI haben sie dann mal festgestellt, mein Gott, ich fahre ja gar nicht Grundlage, ich fahre die ganze Zeit GA2. Weil sie zum Beispiel über die Berge ein bisschen schneller rüberfahren und den Berg dann runter wieder ein bisschen langsamer fahren. Und das, was du vorhin in Fetten genannt hattest, mal genau reinschauen, was passiert denn überhaupt an so einem Training? Wird es überhaupt so umgesetzt, das, was ich geplant habe? Und bei dir ja noch eine Detailstufe tiefer, als du gesagt hast, wie sieht so eine Vorwettkampfswoche aus, ja, was passiert denn da alles drin und dass man sich mal diese Strukturen zum Teil auch noch viel tiefer anschauen muss, um zu verstehen, was passiert da und vielleicht ist auch irgendwas, was auch daran stört. Das ist eigentlich sehr spannend und jetzt speziell bei ihm dann sozusagen, wenn er schon dieses Blocktraining so gemacht hat und du auch auf diesem Blocktraining-Prinzip, ich glaube, du verwendest das bei fast allen deinen Sportlern. Ja, ich mische das mal ein bisschen durch. Ja, ausschließlich, sondern viel. Ja. Dass das natürlich klasse ist, wenn das dann dazu kommt, ist es natürlich auch spannend zu sehen, dass so ein Sportler so gut geworden ist, obwohl er solche Strukturen zwar intuitiv verwendet hat, aber nicht explizit. bringt vielleicht so eine Struktur dann auch, ist das sicherlich einer der Bausteine, die dann dazu geführt haben, dass er dann auch diese neuen Leistungen hat bringen können. Denn wenn man so Systeme hat, die man kontrollieren kann, dann kann man natürlich auch an den Stellschrauben nachschrauben. Wenn alles sehr intuitiv ist, dann ist es immer schwierig festzustellen, an welcher Schraube denn von diesem intuitiven Training das hat vielleicht nicht geklappt. Hattest du denn das Gefühl, als du die Daten gesehen hast, dass er es schaffen kann, als du Performance Manager warst?
Björn: Ja, eigentlich schon. Ich habe es gesehen und dachte, da ist was zu tun, definitiv. Am Anfang dachte ich, okay, das kann schon ganz gut werden. Als dann die Probleme auftraten mit Knie, mit Grippe und so weiter, sind wir uns sicher drei, vier Monate flöten gegangen. Da haben wir uns mal hingesetzt. Er war in Leogang beim Weltcup und dann saßen wir zusammen in seinem Wohnmobil. Und dann haben wir mal anderthalb Stunden geredet. Und da geht es natürlich nicht nur um Leistungsfähigkeiten, sondern einfach grundsätzlich um auch viele mentale Aspekte. Das war auch ein ganz großer Part. Wenn du einen Sportler hast, der Weltklasse war und nicht mehr an die Leistung anknüpfen kann, wie geht er denn psychisch damit um? Und da brauche ich jetzt nicht ins Detail gehen, aber das ist natürlich schon extrem hart, wenn du die Fähigkeit nicht mehr so abrufen kannst, wie du sie willst. Und das Schöne sind Zahlen. Zahlen sind halt sehr ehrlich, solange das Powermeter nicht Mist misst. Kannst du sagen, okay, von den Zahlen sehen wir einen Trend. Das, was schon mal da war, wird höchstwahrscheinlich wiederkommen, weil du bist noch nicht so alt. Wir können Predictions geben, wie lange brauchen wir, um eine gewisse Leistungsfähigkeit wieder aufzubauen. Und dann haben wir gesagt, okay, voller Fokus auf WM. Nichts anderes. Wir haben acht Wochen Zeit, wir machen Höhentrainingslager, also wir gehen ins Zelt in seinem Falle und er respondet da ganz gut, das wussten wir. Und dann haben wir einfach gesagt, voller Fokus auf das. Und alles andere, was davor kommt, was danach kommt, ist jetzt erstmal egal. Dann ist er brasilianischer Meister geworden und zwar sehr überzeugend. Da wussten wir, okay, wir sind definitiv auf der richtigen Trendlinie unterwegs. Und ich habe letztendlich, haben wir einen, naja, einen Wachstumsverlauf uns angeschaut und berechnet, ja. Wie viel Leistungssteigerung ist denn drin gewesen in den Wochen? Und das haben wir dann, haben wir nochmal gute 6% zugelegt und die haben halt gereicht, ja. Aber da sieht man mal, wie eng das ist, ja. Fünf, sechs Prozent besser und du wirst halt von einem Mittelklasse-Resultat im Cross-Country, kannst du halt Weltmeister werden. Also mit Werten, die du, das ist halt irre, ja, wenn du schon mal so gut warst. Aber da sieht man mal, wie dicht das ist, ja. Ich meine, Platz 50 im Cross-Country von der Leistungsfähigkeit, vor allem, wenn jemand hinten startet, die Leute sind trotzdem super stark. Ja, dieser Sport ist letztendlich ungerecht, ja, weil man startet hinten, man muss aufholen, das ist natürlich energetisch eine ganz andere Leistung als jemand, der irgendwie vorne rumfährt, dann sind die Trails eng und dann fährt sich das irgendwie zusammen und da haben wir dann auch gesagt, okay, Enrique möchte alle drei Disziplinen fahren, also sowohl den Marathon als auch den Short Track und das Cross Country, da wussten wir, das ist ein echtes Brett und wir haben gesagt, okay, wir fokussieren uns erstmal voll auf das Marathon-Ding, weil das komplett kontrollierbar ist für uns. Die anderen Sachen sind von der Startposition und ähnlichen Sachen nicht so kontrollierbar. Also haben wir erstmal gesagt, das gibt uns dann das nötige Rüstzeug und vielleicht auch das nötige Selbstvertrauen, dann im Short Track gut zu fahren und dann auch im Cross Country zu fahren.
Sebastian: Was ich ja jetzt total spannend finde, ist, dass du gesagt hast, ihr habt euch nochmal spezifisch vorbereitet, eine enorme Leistungssteigerung in dieser Zeit nochmal hinbekommen und das zeigt ja, Auch die Wichtigkeit der Periodisierung von Training. Und das ist sicherlich auch für die Athleten sehr interessant, auch nochmal zu verstehen, wie man zum Beispiel dann solche letzten acht Wochen macht. Vielleicht kannst du ja mal ein Beispiel nennen. Was ist eine deiner Prioritäten? falls es die gegeben hat, Schlüsseleinheiten von so einem Sportler, der vielleicht so wie Henrike wahrscheinlich vielleicht eine höhere Laktatbildungsrate noch hatte und die dann spezifisch runtergebracht hat. Nenn mal eine Schlüsseleinheit, irgendwas Besonderes vielleicht von Henrike, was sich auch unterscheidet zu anderen. Naja, was heißt, ich würde
Björn: An sich möchte ich die Sportler schon ungefähr da haben, wo sie sind. Vielleicht die Laktatbildung noch ein bisschen zu hoch. Dann werde ich sehr viele Fahrten im Fatmax-Bereich unterwegs sein. Also wirklich extrem viel.
Sebastian: Was ich aber tue, grundsätzlich... Wie viele Wochen sind wir da vor dem Wettkampf? Sag nochmal ganz kurz.
Björn: Also sechs Wochen vor dem Wettkampf fahren die eigentlich die Grundlage überteilt. Da ist in jeder Grundlageneinheit ein Fatmax-Block drin von 90 bis 240 Minuten. Also richtig lang. Und da leiden die auch. Was ich aber tue, und das hat sich so die letzten drei Jahre ganz gut bestätigt, jetzt mal im Mountainbike-Marathon, aber auch in vielen anderen Wettkämpfen, ist Wir haben eine Zeit, also der menschliche Körper kann halt nicht immer performen. Das geht halt nicht. Wir müssen uns immer Peaks aussuchen. Sind wir bei der Europameisterschaft gut? Sind wir bei den Olympischen Spielen gut? Jetzt sind wir bei der Weltmeisterschaft. Und ich schaue mir das Profil an. Ich versuche so früh wie möglich Daten von allen wichtigen Rennen zu kriegen, was manchmal schwierig ist bei der WM. War das nicht so einfach dieses Jahr. Aber ich habe dann im Mai, glaube ich, schon die Daten gehabt. Dann habe meine Sportler die Daten gekriegt. Dann habe ich ausgerechnet, wie lang sind die Steigleistungen der Berge. Wie lang fährt man da hoch? Man wusste halt nie so richtig, wie ist der Schotter oder wie ist der Untergrund. Dann hatte ich jemanden in England, der die Strecke schon mal gefahren ist. Dann wusste ich, okay, so lang sind die Steigleistungen, wie ist so ein Rennen aufgebaut. Und dann habe ich ganz stupide angefangen, eine Spezifizierung zu erarbeiten. Und zwar Intervalle, Steigleistung, mögliche Rennsituationen, Beschleunigung und, und, und. Und dann haben die Intervalle trainiert, die darauf aufgebaut sind. Und das hat bei Enrique super funktioniert. Das hat beim Marc Stutzmann super funktioniert, der Vierter geworden ist. Das hat beim Andi Seewald super funktioniert, der Zehnter geworden ist, trotz seiner Erkrankung mit Epstein-Barr-Virus. Da war ich sehr, sehr happy. Und bei den anderen lief es halt nicht so gut, aber da sind dann so Umstände wie, ich meine, ich habe irgendwie drei Leute mit Magen-Darm gehabt. Das ist halt der Wahnsinn, wie kann das sein? Aber das hat sich so die letzten Jahre etabliert, dass ich mir immer anschaue, wie der Kurs ist und, und das ist vielleicht auch viel wichtiger, eine mögliche Renngestaltung. Wie wird so ein Rennen gefahren? Also du musst dich reinfühlen in dieses Rennen Und dann fängst du an. Wo wird Laktat aufgebaut? Und dann setze ich gleich, wo halte ich Laktat? Das heißt, ich fahre einen hohen Block hoch mit 2 Minuten 500 Watt. Dann weiß ich, da wird Sweet Spot weitergefahren. Dann fahren die halt 400 Watt. Dann müssen die das 12 Minuten fahren. Dann geht es in die Abfahrt rein. Vielleicht noch mal einen kurzen Sprint. Und so baue ich es auf. Also Laktat aufbauen, Laktat halten, eventuell Laktat abbauen, dass wir im Fatmax-Bereich weiter sind. So wird dann diese Spezifik trainiert, ja, das ist nicht wirklich so Shuttling oder sowas, sondern wirklich das alles mal zusammengemischt, rein auf den Kurs gemünzt, was den Sportlern aber im Rennen selber sehr viel Selbstvertrauen gibt, weil sie merken, oh, warte, das kenne ich, das hat sich im Training schon mal so angefühlt, vielleicht sogar härter als im Training, ja.
Sebastian: Ja, das ist auf jeden Fall auch wieder sehr spannend. Und das ist immer gut, ja. Also auf der einen Seite vielleicht diese Laktatbildungsrate nochmal runterbringen, aber auf der anderen Seite sehr spezifisch auf die Wettkampfstrecke zu trainieren und den möglichen Rennverlauf. Damit vielleicht gerade deswegen dann auch die Sportler Selbstvertrauen fassen. Und wir wissen ja, dass das Selbstvertrauen, der Glaube an sich selbst schon enorm wichtig an so einem Wettkampf ist. Und ansonsten gibt es ja immer diese Flusskrebsstudie, wenn der Flusskrebs glaubt, dass er gewinnt, dann gewinnt er auch. Und das ist ja immer diese psychologische Komponente, die da sehr, sehr interessant ist. Es gibt noch eine Sache, die hattest du gesagt und ich kann mir vorstellen, dass das auch die Zuhörer interessiert. Das ist, du hast gesagt, du hast die Vorwend-Cups-Woche von dem Avicini entfettet. Sag mal, was macht man da? Was hast du festgestellt? Was macht er zu viel? Oder was habt ihr umgestellt? Was ist da speziell passiert?
Björn: Er ist extrem viel gefahren. Er hat auch, seine Warm-Ups waren teilweise... Also an so einem Wettkampf hat er dann drei verschiedene Warm-Ups gemacht. Und das haben wir dann einfach so ein bisschen runtergebrochen, dass wir gesagt haben, okay, wir fahren morgens mal eine Stunde locker und dann relaxt du, dann isst du und dann gehst du aufs Rad und machst einen Warm-Up und nicht, du fährst morgens, du machst Stretching, du machst noch Krafttraining, du machst noch Aktivierung da. Du machst noch ein Atemtraining, dann machst du dein Warm-up, ist 10 Minuten fahren, auf Toilette gehen, 15 Minuten fahren, Intervalle, nochmal auf Toilette gehen, nochmal 10 Minuten fahren und dann, das bringt halt wahnsinnig viel Unruhe. Was funktioniert? Also so ein System kann natürlich funktionieren, wenn die Struktur wirklich nur darauf ausgerichtet ist. Aber wenn du ein neues Team hast oder du kommst irgendwo hin, wo du das nicht kennst, dann kann es sein, dass wenn du, Weißt du ja selber, du hast halt zehn verschiedene Dinge, die genauso ablaufen müssen. Und wenn ein Ding nicht funktioniert, dann hast du halt den Perfect Storm und klappt halt das ganze System nach hinten zusammen. Und der Sportler wird unsicher. Deshalb so einfach wie möglich die Sachen halten. Und das auch schon vorher trainiert zu haben. Zu sagen, wir machen jetzt, bei Andi Sebert habe ich das halt immer gemacht, dass wir sagen... Das Wochenende bei der WM ist genauso wie das Wochenende vor diesem Rennen XY. Du fährst genauso, du fährst genauso konservativ am Anfang, das Warm-Up ist immer das gleiche und du kennst halt deine Routine. Da geht es halt nur um Routine. Und ein Wort noch ganz kurz, dann noch mal einen Schritt zurück. Wir haben über das Laktat und Faula Max gesprochen. Ich schaue da gar nicht mehr auf die Faula Max großartig. Oder, ne, das kann man nicht so sagen. Also die Faula Max würde sich in dem Test dann höchstwahrscheinlich nach unten bewegen, weil sie sich abbaut. Also das Laktat wird aktiv genutzt. Mir geht es vor allen Dingen darum, eine hohe Laktatverwertung zu provozieren. Das heißt... viel im Fatmax fahren. Ganz, ganz viel. Also wenn ich schon eine hohe Foul am Max habe, dann zahle ich halt brutal viel in diesen Bereichen und versuche es mal anzutriggern, hohen Laktataufbau und dann wieder abzubauen im Fatmax-Bereich. Also das, wenn ich sehe, die Laktatbildung ist hoch, aber der Typ ist halt auch spritzig und das brauche ich vielleicht für den Wettkampf, achte ich eher darauf, dass ich die jetzt nicht runterprügele mit dicken Gängen und hier Sweetspot und so weiter oder G2 bis zum Umfallen, was super funktionieren kann bei manchen Rennen. Da sage ich, okay, wir brauchen eine Spritzigkeit. Ich achte vor allen Dingen darauf, dass wir eine hohe Laktatverwertung haben. Genau. Zwei Fragen beantwortet nochmal.
Sebastian: Sehr gut. Kommen wir nochmal zu Avicini. Hat er... Besondere Herausforderungen noch gehabt? Andere Herausforderungen? Also du hast natürlich gesagt, wir hatten die Krankheit, wir hatten das Knie, ein neues Team. Wie sieht es so generell aus? Jemand, der vielleicht auch so im Rampenlicht steht wie Armin Schiene, hat er auch andere Herausforderungen, dass er viele Gespräche beispielsweise mit Sponsoren noch hat oder Anzulärmlichkeiten? Wie kriegt er das sozusagen organisiert? Wie sind da seine Herausforderungen? Wie unterscheidet er sich vielleicht auch zum Andy Sebald, wobei ich glaube, Andy Sebald hat sich das auch geändert, seitdem er da geworden ist.
Björn: Aber Abencini ist in Brasilien ein Rockstar. Der hat eine eigene TV-Sendung gehabt. Wenn man sich die Bilder anschaut bei den Rennen, der ist halt ein Superstar. Er hat wahnsinnig viele Follower auf Instagram. Der ist einfach... Wo der hingeht, da kommen die Menschen hin. Man hat das gesehen bei der WM-Präsentation, beziehungsweise da ist er dann zu dem Fahrradhersteller gegangen und dann hat er sein Trikot angehabt und dann war das so ein Meet and Greet mit Avicini. Die Leute sind durchgedreht. Ich meine, die werden jetzt keine Avencini-Religion gründen, aber die rennen halt dahin und die wollen Fotos von ihm und die berühren und hier Autogramm und so weiter. Und das sind halt nicht nur 10 oder 100. Wir sprechen hier von mehreren tausend Menschen, die dann da sind und den abfeiern. Das ist halt vollkommen irre, wie dieser Mensch so ins Rammlicht gekommen ist. Aber Alles, was du hast, hat ja auch irgendwann dich. Und das ist natürlich extrem viel Druck, wenn Menschen dich stilisieren. Und das sind auch Gespräche, da haben wir viel drüber gesprochen. Er will nicht der Hero sein. Er will auch nicht der Heilsbringer sein. Er will auch gar kein Vorbild sein. Wir hatten ein Gespräch, kann man ja so sagen, als er wirklich so am Peak war, als er sehr viel Geld verdient hat, als er seine eigene Fernsehsendung und so weiter, hat er sich am leersten gefühlt. Das gibt dir halt nichts. Sein Leben aufzufüllen mit Krempel, hüllt dich dann irgendwann aus. Du baust halt nur was um dich herum. Und genau, alles, was du hast, hat irgendwann dich. Er hat halt nicht mehr sein eigenes Leben gelebt, sondern das Leben hat ihn gelebt. Und das war dann auch extrem unbefriedigend, vor allem dann, wenn die Leistungsfähigkeit nicht mehr kam. Und das sind Dinge, auf die man dann eingehen muss, wenn man merkt, und das war auch ganz am Anfang, da haben wir drüber gesprochen, da habe ich ihm gesagt, ich weiß, du hast ganz andere Verpflichtungen. Du stehst komplett im Rampenlicht. Da müssen wir drauf eingehen. Und das ist halt eine hohe psychische Belastung, vor allen Dingen auch in einem Land, weil Leute was von dir erwarten. Und vor allem dann, wenn du diese Rolle hast, nicht nur Supersportler zu sein und super gut in dem zu sein, was du eben kannst, sondern auch noch was ganz anderes zu sein. Die Leute etwas auf dich projizieren, was du gar nicht bist, nämlich der Superheld, der alles richtig macht. Ich meine, der hat auch mal einen Scheißtag, wie jeder andere auch. Und ich glaube, die Rolle, die möchte man nicht ausfüllen und da haben wir ein bisschen viel drüber geredet.
Sebastian: Und wie war es während seines Trainings? Hatte er da viele Verpflichtungen oder konnte er sich mehr auf sein?
Björn: Nee, das ging ganz gut. Also Enrique hat sich über viele Jahre Trainingsregime erarbeitet, wie er gutes Training integrieren kann. Also aktuell kann man sagen, er hat ja so seine Abschiedstour gerade, kommen wir nachher noch zu, und er ist jetzt aktuell in Brasilien, ist aber nicht zu Hause bei seiner Familie, sondern hat sich zehn Tage in so eine Hütte, ganz einfache Hütte eingeschlossen. Und das ist wirklich primitiv, würde ich nicht sagen. Aber das ist wie in Itten in Kenia. Der lebt halt in so einem kleinen Häuschen. Der isst, der schläft und der trainiert. Das ist Trainingslager. Aber da ist auch kein anderer um ihn herum. Der ist halt alleine. Alleine mit sich, mit seinen Gedanken, mit seinem Körper, mit seinem Training und macht auch nichts anderes. Und der nimmt sich halt diese Tage und sagt halt, okay, da wird trainiert. Aber dann haben wir auch noch hier Sponsorenverpflichtungen und dies und das. Das haben wir dann immer so ein bisschen kondensiert, gesagt, okay, die Woche haben wir E-Regelationswoche, schieb mal bitte. Fotoshooting, Ratsponsor, was weiß ich, Sponsor, hat ja auch viele Sponsoren, Videodreh hier XY, dass wir das dann konzentriert in eine Woche packen, wo wir wissen, da geht's. Aber auch da muss man aufpassen, das sind halt auch Termine, die sind teilweise echt schlauchend. Wenn du dann sechs, sieben, acht Stunden lang Fotoshooting hast, dann bist du danach nicht topfrisch und dann muss man auch die nächste Woche ein bisschen drauf achten, Wie frisch bist du körperlich und vor allem wie frisch bist du mental, wenn du eine Woche lang mit Menschen und Medienvertretern zu tun hast und du musst die ganze Zeit happy-go-lucky machen. Immer nur grinsen und immer nur happy und alles super und hier nochmal, Enrique, kannst du mal ein Foto hier? Sauber anstrengend. Also will man ja nicht.
Sebastian: Ja, ich glaube, war das auch was Neues für dich eigentlich als Trainer? Wenn du so einen erfolgreichen Athleten hast, der in, also was heißt erfolgreich? Also Andi Seewald ist ja genauso erfolgreich. Ganz genau. Vielleicht, aber jemand, der so im Mittelpunkt gestanden hat, wo du vielleicht mehr auf Marketingmaßnahmen Rücksicht nehmen musst als bei anderen Athleten? Ja, genau.
Björn: Nicht wirklich. Was neu war, ist, und das liegt grundsätzlich, glaube ich, an Brasilien oder an dem Land oder die Stellung, die er hat in seinem Land. Ich meine, Nino Schurter kann normal einkaufen gehen, ja. Und der ist noch erfolgreicher, also im Cross-Country. Bei Enrique ist das halt ein anderes Level. Der ist halt schon, der ist berühmt. Den kennt man. Das ist halt, also als er jetzt Weltmeister wurde, dann habe ich Nachrichten auf Instagram gekriegt. Ich meine, ich habe so ganz viele neue Freunde auf einmal. Du hast unseren Nationalhelden wieder nach oben gebracht. Wir lieben dich und du bist für immer in unserer Seele. Solche Sachen kamen, wo ich so dachte, okay, hallo, der ist doch nur in Anführungsstrichen Weltmeister geworden. Das hat was ganz anderes. Das gibt den Leuten wahnsinnig viel, weil sie natürlich auch wahnsinnig viel auf diesen Menschen projiziert, auf einen Menschen, der aus sehr oder aus ärmlichen Verhältnissen kam. sich hochgearbeitet hat, richtig so Working Class würde man sagen, und dann es geschafft hat, aus dieser Misere herauszukommen und so ein Stern zu werden. Und das ist für viele so, das ist auch eine Stimme für Leute, die weniger Privilegien haben, deutlich weniger Geld haben und das ist halt eine ganz andere Nummer. Also es war schon neu, definitiv. Aber in Europa kriegt man das nicht so mit. Und da bin ich auch vielleicht zu naiv und das war vielleicht gut in dem Falle, weil ich dieses Ausmaß kriegst du hier halt nicht mit. Für mich ist es halt, ich sitze halt in meinem 8 Quadratmeter Büro, das furchtbar unordentlich ist und das ist meine Welt. Und was da drüber hinausgeht, das kriege ich halt nur virtuell mit.
Sebastian: Das hält auf jeden Fall den Druck niedrig. Also wenn ich jeden Tag zehn Leute anrufe und frage, wie sieht es denn mit der Leistung aus? Gewinnen wir oder gewinnen wir nicht? Und wenn man das dann oft genug wiederholen würde, dann würde auch irgendwann das Stresslevel steigen. Und das ist ja nicht immer unbedingt positiv und würde vor allen Dingen bei kreativer Arbeit auch nicht unbedingt helfen. Wollen wir noch einmal ganz kurz wechseln wieder zum Training ein, um das so ein bisschen zu durchmischen. Wie viele Powertests hast du denn mit ihm gemacht? Und wie hast du die Activity AI für ihn genutzt?
Björn: Ja, ja, ja. Ich glaube, wir haben vier Powertests gemacht. Also einen so Eingang habe ich geschaut, wo wir sind. Dann haben wir einen danach gemacht. Nee, wir haben drei Powertests gemacht. Und dann haben wir Activities laufen lassen. Und vor allem während der Zeit, wo er krank war. Und das war so ein bisschen... Da war ich so ein bisschen so, puh, okay, das Schiff sinkt gerade, der ist krank gewesen, Knie ist kaputt, Leistung kam nicht und da war ich unglücklich, dass ich gesehen habe, wir kommen gerade gar nicht voran. Also es war auf der Stelle treten. Aber da hat vor allem dann die Activities, haben uns dann gezeigt, dass da ein Trend zu sehen ist. Irgendwann ging es dann wieder hoch. Und vor allen Dingen auch, er selber merkt dann so, okay, es wird jetzt wieder besser. Und dann gibt es so Schlüssel-Trainingseinheiten. Das kannst du halt auch über die Zahlen bei uns abbilden, das hat man auch in den Activities gesehen. Er hat einen Anstieg, den fährt er immer in sieben Minuten. Das ist, den fährt er halt seit 20 Jahren hoch. Und wir haben eine Trainingseinheit gehabt, das ist eine sehr spezifische Trainingseinheit, sieben Minuten das Ding da hoch, all out oder so schnell wie es geht da hochzufahren. Und dann hatten wir dieses Training, dreimal das Ding da hoch. Und dann hat er mir geschrieben, er ist diesen Berg jetzt zweimal unter sieben Minuten gefahren. Das hat er in seinem Leben erst einmal geschafft und zwar nur einmal. Und das andere Mal ist er in sieben Minuten eine Sekunde oder sowas gesagt. Er hat gesagt, das Rad hat sich in einem Jahr jetzt nicht geändert. Er ist gerade in der Form seines Lebens. Er hat wirklich die Shape, die hatte er noch nie. Und da wussten wir, okay, da war ich jetzt ganz beruhigt und wusste, okay, jetzt sind es noch so zwei, drei Wochen bis zur WNF. Jetzt müssen wir das Ganze nur noch auf der Wärmeplatte lassen und das sind dann auch so ein bisschen die Herausforderungen, wenn du merkst, okay, wir sind jetzt, ja, sorry. Auch an der Powertest-EI sehen, dass die VO2 rausgestiegen ist? Ja, klar, die ging dann richtig.
Sebastian: Das ist natürlich sensationell. Wenn du sowas live mitsehen kannst und triggern kannst, dann hast du ja gleich ein Feedback zu deinem Training. Das funktioniert nicht. Ich glaube, das wirklich Herausfordernde ist diese Hängepartie mit Krankheit und Knieverletzung. Du weißt eigentlich nicht, was passiert. Du weißt nicht, ob dein System funktioniert, das, was du anwenden möchtest bei deinem Sportler sozusagen. Und da bist du dann so lange Zeit in so einem Vakuum unterwegs. Keiner weiß, wo man nachher aus der Blase ausscheidet. Ja. Aber ich kann mich auch daran erinnern, du hattest mir das ja irgendwann mal erzählt, wann wir mal die Bombe platzen lassen, dass da ein Schied bei uns ist. Und dann hast du immer gesagt, ja, wir sind doch nicht so... Ja, und dann am Ende, da fiel ein größerer.
Björn: Ja, ja, ich weiß noch genau, als ich dir das erzählt habe und Dennis auch, das war ja im Früh, ja, nö, im Winter habe ich euch das erzählt, dass wir ja jetzt eher diesen Supersportler haben. Aber, habe ich gesagt, da muss jetzt erst mal was kommen. Und dann kam halt erst mal lange Zeit gar nichts. Und da wusste ich, wir halten das jetzt so lange low, bis was passiert. Oder im schlimmsten Falle sagt man, okay, Enrique, wir haben es versucht, es hat nicht geklappt. Wir halten beide den Ball flach, dann hast du, dann ist die Medienaufmerksamkeit einfach gering. Es geht ja auch ganz viel, vor allem bei ihm, bei mir jetzt nicht so. Klar, ich kriege auch viele Nachrichten auf Instagram, aber wir, ich, schere mich ja auch so ein bisschen aktiver da ab. Für Eurotune sollte man das nicht machen, das weiß ich. Wir sollten da deutlich mehr machen im Marketing. Aber das Video kommt.
Sebastian: Das kommt. Wir haben uns ja jetzt damit beschäftigt und wir werden eine Stelle schaffen und wir werden jemand ganz professionell für das Marketing einstellen. Und die Zahlen lassen es zu. Und von daher freuen wir uns auch drauf. Und wir sind auf der Suche, haben vielleicht auch schon was gefunden und freuen uns darauf, dass wir dann auch sicherlich die ganzen Aspekte, die wir haben, auf der einen Seite marketingtechnisch besser darstellen können. Und wir haben jemand anderen, mit dem wir, Und auch, wo sie noch ausarbeiten werden, wie man unser System besser verwenden kann. Vor allen Dingen für die Coaches. Also diejenigen, die unser System als Coach nutzen und wir viele Vorteile haben, die aber vielleicht noch nicht ganz so transparent gemacht haben. Da werden wir auch dran arbeiten und wir werden... Kurse erstellen, Lernkurse, um unser System besser zu nutzen und an Ideen mangelt das so nie. Es ist immer, worauf es ankommt und das Unterschätzen dann manchmal ist halt immer die Umsetzung. Ideen kann man viele haben, aber es kommt auf die Umsetzung drauf an. Aber da werden wir uns professionalisieren, da werden wir den nächsten Schritt gehen und es wird weitergehen und da freuen wir uns auch drauf, das wird eine spannende Phase. Ich freue mich darauf. Und jetzt haben wir natürlich unsere Podcasts und wir sind immer so von der Persönlichkeit der Avicini, seinem Umfeld, was natürlich auch total spannend ist und auch so ein Superheld im Sportbereich zu haben und ich Manchmal überdenke ich so darüber nach, ob vielleicht auch ein ähnlicher Charakter oder zumindest von der Mediendarstellung, wenn man jetzt mal, weil ich ja mehr aus dem Triathlon-Bereich komme, ein Jan Frodeno vielleicht vergleichbar wäre, der ja sicherlich auch ein Superstar im Bereich Triathlon ist. super bekannt, super sympathisch ist und überall auftritt. Und ich vermute, dass der Armin Schini vielleicht sogar noch für die Personen, für die Menschen in Brasilien vielleicht noch mehr Vorbild ist, noch ein bisschen extremer als ein Jan Frodeno. Aber Wir gehen mal einen Schritt weiter und wir waren beim Training. Jetzt kommen wir mal zum Wettkampf. Du hast auch schon einiges über den Wettkampf erzählt von der Marmichini, wie man die Woche entfettet, wie man auch durch spezifisches Training auch auf den Wettkampf vorbereiten kann. Aber meine Frage an den Trainer, wie unterstützt du denn jetzt speziell, wenn die Weltmeisterschaft ist? Du hast ja auch gesagt, du hast auch kurz Urlaub genommen. Und dich ein bisschen entspannt sozusagen von der hochintensiven Phase, wo du ja nicht nur einen Sportler bei den Weltmeisterschaften hattest, sondern ganz viele Sportler bei den Weltmeisterschaften und das auf verschiedenen Disziplinen. Magst du es einmal ganz kurz sagen, wie viele Athleten hattest du da, die da gestartet sind bei den Weltmeisterschaften? Und sag mal bitte über den Daumen, musst du jetzt nicht genau abzehren. Und sag mal, auf welchen Typen sie gestartet wird.
Björn: Ja, also Marathon alle, auf der Straße, Zeit, nee, Zeit fahren nicht, auf der Bahn dieses Jahr niemanden, wobei da gibt es auch Änderungen, das kommt dann mal bei Gelegenheit. Also ich war gut beschäftigt. Wobei dir natürlich auch mit unserem Partner Watshop auch da so ein bisschen präsentiert. Genau, also wenn man, klar, da sind wir natürlich auch total involviert, Also eigentlich hatten wir in allen Disziplinen, auch wenn wir WorldTour-Teams sehen, bei sehr vielen WorldTour-Teams unsere Hände mit im Spiel, zumindest unsere Software mit im Spiel und natürlich auch mit Watshop ganz viel Korrespondenz, weil die haben natürlich auch immer Fragen. Von daher, ja, also war viel, war extrem viel. Für mich heißt das dann, also ich glaube, es waren sicher über einen Daumen 15 Sportler. Okay, also das ist ja auf jeden Fall dann. Das ist viel. Das heißt, du wirst mit allen 15 Sportlern telefonieren und zwar nicht nur einmal, sondern mehrere Male. Fokus ist natürlich auf dem Marathon Cross Country, ja genau, auf dem Marathon, Mountainbike Marathon. Und da ist es so, ich habe über die letzten drei Jahre gelernt, dass mich das, das nimmt mich halt mit, wenn halt auch nur ein Mensch. Und das ist halt ein Würfelspiel. Da kann halt ganz viel passieren und da kann halt auch ganz viel daneben gehen. Und das fing halt an mit Andi, der gewonnen hatte. 2021, als er Weltmeister wurde, da habe ich dann das erste Mal schon diesen Druck verspürt. Da wusste ich, der ist in Shape und da habe ich mein Handy ausgemacht und da waren halt alle am Start. Da war Nino Schurter am Start, der da extra mit Hubschrauber hingeflogen ist, hat gesagt, hier, uh. Ich bin das Weltmeister und sein ganzes Team mitgenommen. Scott wurde komplett mitgenommen und die wollten da voll Randale machen. Das ging halt nicht auf. Die sind alle explodiert nach dreieinhalb Stunden. Und ich weiß, ich war sehr nervös und habe mein Handy ausgemacht, habe es dann irgendwann wieder angemacht und dann kamen halt die ganzen Nachrichten rein und huch. Alles super. Und dann bei der WM in Dänemark, dadurch, dass sie ja bei uns um die Ecke ist sozusagen, bei dir sozusagen und bei meiner Mutter auch, die wohnt ja auch an der Grenze, bin ich hingefahren, habe mir das angeschaut. Ähnliches Thema. Ich meine, live dabei zu sein, ist immer total schön, aber live dabei zu sein und involviert zu sein, ist halt... Eine ganz andere Nummer, ja. Und vor allen Dingen dann, wenn du eigentlich verantwortlich dafür bist, dass der Sportler performt. Ich kann mich da halt nicht rausnehmen. Ich kann insofern nur sagen, ich habe mein Bestes gegeben, jetzt schauen wir mal, was passiert. Trotzdem sehe ich das Rennen und sage, scheiße, wir hätten taktisch hier nochmal besprechen müssen. Ah, wir hätten hier nochmal den Sprint üben müssen. Wir hätten da diesen und solche Fragen kommen halt. Das ging halt so weit, dass ich dann irgendwann so gestresst war. Ja, hab mich dann irgendwo hingesetzt, hab dann nochmal geguckt, die letzte Runde, also 2022 jetzt in Dänemark und dann hab ich gesagt, okay, hab ich gesehen, Andi ist irgendwie nicht so optimal platziert, einer ist vorne raus, hab ich gesagt, okay, das ist scheiße, das will ich mir jetzt nicht mehr antun, geh dann nachher wieder hin, wenn sich dieser Medienrummel gelegt hat, bin ich in den Supermarkt gegangen. Habe mir so einen Schüttelerbeer-Shake gekauft und ein paar Toffees. Habe die gegessen, habe auf die Uhr geschaut und habe festgestellt, okay, jetzt ist das Rennen zu Ende. Ich mache mir mein Handy an. Wenn ganz viele Nachrichten kommen, weiß ich, es ist gut gegangen. Wenn ganz viele Nachrichten nicht kommen, dann weiß ich, es ist nicht gut gegangen. Und da habe ich eine Nachricht gekriegt, 2022, vom Julian Biefang von Canyon und hat geschrieben, du, so schade mit Andi und so weiter und ich so, naja gut, dann ist er irgendwie Zehnter geworden oder Zwölfter oder was weiß ich, ja. Und dann rufe ich an bei Julian und dann sagt er, ja, ich habe das Rennen, konnte es nicht mehr aushalten. Erzähl mal, wie es war. Ja, der Andi ist ja nur Zweiter geworden. Ist doch der Hammer. Ich meine, auf dem Kurs, der ihm halt gar nicht liegt. Und dann ist der Vierte, der Martin, frei geworden und der Simon Schneller halt Elfter. Dieses Jahr war es so, ich wusste wieder, okay, wir haben super trainiert, das Rennen ist selektiv gewesen, ich wusste, was hier zu tun ist, also eigentlich auch ein Rennen, das sehr ehrlich ist und da habe ich eine ähnliche Strategie gefahren, ich habe mein Handy ausgemacht. Ich bin mit meiner Familie spazieren gegangen und dann irgendwo an der Isar und dann haben die Kids ein bisschen rumgespielt und irgendwann sagte meine Frau dann, Björn, da läuft doch dieses Rennen, willst du nicht mal gucken? Nee, um Gottes Willen. Und dann liefen wir zum Forschungszentrum nach Garching, das war ein schönes Planetarium, sind wir dann noch ein bisschen rumgelaufen und dann sagte sie so, ja Björn, jetzt schau doch mal nach. Ich so, ah nee, ich will nicht. Ich will gar nicht nachschauen. Und dann irgendwann sagte sie so, jetzt gucke ich nach. Und dann hat sie nachgeschaut und dann sagte sie, du, das kannst du dir ruhig anschauen. Und dann habe ich gesehen, oh, Abencini Weltmeister und Marc Stutzmann Vierter und Andi Seewald Zehnter. Und dann dachte ich so, das ist ja noch besser als letztes Jahr. Kann man es noch toppen? Da war ich natürlich so der totale Relief erstmal. Und da habe ich dann aber gemerkt, so die Woche danach, vor allem jetzt dann im Urlaub, dass ich so richtig gemerkt habe, boah, ich muss jetzt mal echt Abstand haben. Das war jetzt too much, ja. Also das ist immer das eine, ne. Ähm. Ist es gut, so viel reinzugeben? Ich sage schon, weil du dich dann mit deinen Sachen auseinandersetzt. Das ist für mich der Beweis, dass ich mich extrem mit diesen Sachen auseinandergesetzt habe und Deshalb ist ja auch vielleicht dieser Outcome, dass ich mich nicht davon distanziere, dass ich auch nachts wach liege und darüber nachdenke, was zu tun ist. Und das hat natürlich auch immer so ein bisschen so einen kleinen Crash danach. Und dann bin ich halt rumgefahren mit dem Auto und haben halt eine entspannte Zeit gehabt und habe mich mal mit ganz anderen Themen wieder beschäftigt. Das war jetzt wieder so eine Antwort, die metaphorisch, metaphysisch ist.
Sebastian: Blumig gewesen ist. Ist ja, ist ja, das passt doch, ist auch gut. Ich glaube, das beschreibt eigentlich auch diesen gesamten Prozess, den auch viele Sportler letztlich nachvollziehen können. Denn das, was du beschreibst, ist ja auch immer das Piken auf den Wettkampf, die Nervosität steigt, wenn man feststellt, dass man vielleicht auch Potenzial hat und dass man Chancen hat, dann wird man noch nervöser. Klar. Weil man noch aufgeregter ist, vielleicht sich auch noch mehr erhofft, mehr Erwartungen hat. Und die Enttäuschung auch größer sein könnte und letztlich auch viele Sportler auch. Ebenfalls nach dem Hauptwettkampf, dann auch erstmal, Peak ist vorbei.
Björn: Du bist ja als Coach, du bist ja so ein bisschen zum Feld. Du bist auf dem Feld, die fragen ja ganz viel und die brauchen halt eine Sicherheit. Die muss ich denen natürlich geben und die habe ich auch. Aber letztendlich bin ich ja nicht eine KI, die stupide antwortet. Und das ist immer ganz lustig. Ich hatte gestern ein Gespräch mit einer Sportlerin, die mit mir zusammenarbeiten möchte. Und die war so ein bisschen, ja Björn, du bist ja immer so wissenschaftlich und so auf Zahlen und sowas. Da habe ich gesagt, das bitte ich gar nicht. Das glauben die Leute nur, das stimmt aber gar nicht. Das ist ein Teil von mir, aber wieso machen wir diesen ganzen Zahlenkram? Das machen wir vor allen Dingen, um Sicherheit zu generieren. Sicherheit im Sinne von, die Leistung stimmt, wir müssen an einem CDA-Bett zum Beispiel arbeiten. Sicherheit im Sinne von, die Energieflüsse sind richtig gewesen, wir wissen jetzt, wo wir dran sind und so weiter. Es ist eigentlich letztendlich ein mathematisches Sicherheitsnetz, das wir uns... Menschen mit Gefühlen bauen. Und das ist auch richtig so und wichtig. Aber dass wir jetzt, wir sind keine Roboter. Sebastian und ich sind keine Roboter. Wobei, who knows?
Sebastian: Schließlich, dass wir das vielleicht mal so anfühlen. Aber wir waren ja sozusagen beim Wettkampftag und wir haben ja versucht, so ein bisschen festzustellen, wie deine Rolle, wie dein Tag, wie dein, beziehungsweise die ganzen Weltmeisterschaften da verlaufen sind und welche Anspannungen damit verbunden sind und welche Herausforderungen mit vielen Sportlern gleichzeitig vielleicht sogar gleichzeitig telefonieren, der Fels einer Brandung sein, Sicherheit geben, Ruhe ausstrahlen, damit die Sportler auch ruhig bleiben. Die Pferde sind ja dann auch richtig wild und wollen losgelassen werden. Da muss man dann vielleicht auch noch sehen, dass man da nicht zu früh losgaloppiert. Und jeder Sportler kann das nur zu gut nachvollziehen. Die Frage ist jetzt noch, um einmal vielleicht zu Ravanchiri zu kommen, gab es bei Ihnen was ganz Besonderes am Wettkampftag? Irgendwas, was erwähnenswert ist, vielleicht auch interessant für die Sportler nochmal ist, wie erlebt er den Wettkampf?
Björn: Der war von Anfang an im Flow. Wir haben eine Taktik besprochen. Wir wussten, er hat eine schlechtere Startposition. Wir wussten, wir müssen nach vorne kommen. Da gab es eine Engstelle, da wussten wir, da müssen wir irgendwie durch. Und danach hieß es, erstmal cool bleiben, bisschen im Windschatten. Es gab halt so Strecken, da musste man sich so ein bisschen verstecken. Aber so nach zweieinhalb, drei Stunden, da war der halt im Fokus und hat Spaß gehabt, weil dieser Trail wahnsinnig toll war. Das war ja ein richtig, das war eine komplett oder sehr viel gebaute Strecke. Das war, ich weiß nicht, der Streckenbauer, der ist leider gestorben, ist auch ein guter Freund von Hans Becking. der ja auch ein hervorragender Marathon-Mountainbiker ist, also ein richtig guter. Und deshalb war es für viele, von der Strecke her, war es wohl die beste Marathon-Weltmeisterschaft, die es je gab. Und das hat auch, das kam ja Abencini total entgegen, also der hat richtig Spaß gehabt. Der war komplett im Fokus und im Flow und Der hat einfach Spaß gehabt. Also meine Ansage morgens, wenn kurz vor Start, dann schreibt man vielleicht nochmal irgendwie in der WhatsApp und da habe ich ihm geschrieben, nicht irgendwie holst dir oder so, sondern ich habe einfach geschrieben, hab Spaß und genieß das Rennen. Also einfach mal so Pressure, klar ist der Druck da, aber vor allen Dingen hab Spaß. Und das ist natürlich für jemanden, der so ein bisschen... disziplinfremd ist, einfacher zu gewinnen, weil er hat irgendwie nicht so richtig viel zu verlieren. Aber so richtig disziplinfremd ist er ja nicht. Er war nämlich schon mal Marathon-Weltmeister. Darf man nicht vergessen. Also er hatte schon den Druck, aber er war halt nicht mehr so oft im Marathon-Bereich unterwegs. Von daher, der hat, der war komplett im Fokus. Er hat gesagt, er hatte so viel Spaß wie selten. Und er war Sich nach drei Stunden wusste er, okay, das Ding hole ich eh. Da gibt es niemanden, der an mir vorbeifährt.
Sebastian: Das ist natürlich das Selbstbewusstsein, was man braucht. Und vor allen Dingen, wenn das dann einer prüfen will, dann wird er, wenn er sich das gesagt hat, auch beweisen wollen.
Björn: Und das ist auch der Unterschied. Vor vielen, vielen Jahren, das ist auch eine Lektion, die ich als Trainer lernen musste, siegen musst du richtig lernen. Da unterscheidet sich die Leistungsfähigkeit manchmal gar nicht. Das ist nur die Sicherheit, die Selbstsicherheit und die Leidensfähigkeit, die ändert sich. Wenn du einmal gewonnen hast, dann weißt du, wie es funktioniert. Und dann wirst du sagen, okay, weißt du was, da fehlt halt gerade jemand ein bisschen schneller, da klemme ich mich ran und wenn ich jetzt, solange ich nicht tot vom Rad falle, ist alles gut. Und das unterscheidet die Leute. Andi Sebald ist natürlich ein bisschen besser geworden, aber Andi Sebald, der Sechster bei der WM wurde, der hätte auch die WM gewonnen, wenn er das Mindset gehabt hätte. Und da ist es manchmal ganz gut. Ich meine, der WM-Kurs für Andi 2021 und vor allem 2022, die sind ja gar nicht zu ihm gewesen. Also vor allem 2022. Das Mindset hat aber gestimmt. Klar wurde speziell dafür trainiert und so weiter. Aber das Mindset hat gepasst. Und wenn du das einmal durchbrochen hast, ich weiß, wie Gewinn funktioniert, dann geht es.
Sebastian: Ja, eine ganz kurze Anekdote, weil ich fand das so lustig. Ich glaube, du hattest ein Instagram-Reel geteilt und das war mit dem Hans Becking, weil du ihn erwähnt hattest. Und da kam irgendwie die Frage auf, was ist deine Aufgabe heute? Und dann kam nur, erst mal eine Aufgabe heute.
Björn: Das darf man nicht vergessen, die hauen halt so viel Energie durch und die Glykogenanlagerung kann halt echt ein bisschen länger dauern, manchmal so ein paar Tage. Und es steht auch hinten, da sieht man jetzt leider nicht für euch, im Hintergrund hängt ein Weltmeisterschaftstrikot, ein zweites kommt noch dazu. Das steht drauf, von Andi Seewald signiert, steht drauf. Und essen, essen, essen. Ich glaube, jeder, der mit mir schon mal zusammengearbeitet hat oder noch zusammenarbeitet, der kennt das, dass ich immer sage, essen, essen, essen. Ich glaube, das sollte jetzt auch mal in 2023, sollte das jeder irgendwie kapiert haben. Und ja, essen, essen, essen. Das ist das Wichtigste.
Sebastian: Okay, dann kommen wir so langsam zum Abschluss dieses Podcasts. Lass uns mal zur Zukunft unserer Reflexion gehen. Avicini hat ja gesagt, dass er zurücktreten wird. Wie hast du das mitbekommen? Das erzählt man ganz kurz.
Björn: Ja, das hat niemand mitbekommen. Wir haben nach der... Die Marathon-WM, klar, haben wir ein paar Mal geredet und haben gesagt, okay, der Druck ist jetzt raus, das ist schon mal gut, jetzt machen wir, was wir wollen. Und man hat ja auch bei der Siegerehrung gesehen, dass es extremst emotional für ihn war mit Gefühlsausbrüchen, was auch richtig so ist. Zwei, drei Tage später haben wir gesprochen und ein sehr langes Gespräch und dann hat er irgendwann gesagt, er möchte mir noch was sagen, was er halt bis jetzt noch mit niemandem besprochen hat, nur mit seinem Vater und das soll jetzt erstmal so unter uns dreien dann bleiben, er hört auf. Und dann kam halt auch schon das, was ich vorher gesagt hatte, dass er am Höhepunkt seiner Leistung, oder am Höhepunkt, nicht an seiner Leistungsfähigkeit, weil die hatte er dieses Jahr, am Höhepunkt seiner Karriere, da wo er die meiste Aufmerksamkeit hatte, medial, eigene Fernsehsendung, wahnsinnig viel Geld verdienen und und und, dass er gemerkt hat, da fühlte er sich am leersten und er möchte das nicht mehr. Er möchte nicht nochmal diese Projektionsfläche für alle anderen sein. Er möchte sein Leben leben. Er ist jetzt irgendwie 35 dann, hat jetzt alles dafür gegeben, da hinzukommen, wo er war. Und was ist denn schöner, als zu sagen, mit einem WM-Titel aufzuhören und sein Leben zu genießen mit seiner Tochter. seiner Frau einfach mal das machen, worauf man Bock hat. Sein Team wird weiter existieren. Und da habe ich gesagt, du, Avencini, Henrike, bester Abgang, den man sich wünschen kann. Alles richtig gemacht. Und ich war da nicht traurig, überhaupt nicht. Also ich finde es super. Wieso nicht Klar, Leistungsfähigkeit hin oder her, das ist alles toll gewesen, das ist alles genial. Aber jemanden glücklich zu machen und dann auch noch glücklich aufzuhören, bestes Geschenk. Und das fällt ihm natürlich total schwer, wenn du einen großen Lebensinhalt aufgibst und noch nicht so richtig weißt, was mache ich denn jetzt. Nee, es war gut. Und ich habe mich total gefreut. Dann brodelte, was heißt brodelte, dann wussten das halt nur ganz wenige, also drei und irgendwann hat er das dann offiziell gemacht und so ist das halt. Jetzt gibt er seine Abschiedstournee, fährt noch ein paar Rennen, fährt noch einen World Cup in den USA und Brazil Ride fährt er auch noch, sozusagen das Etappenrennen in Brasilien und dann ist auch Fricht im Schach. Ja, ja, genau. Also wir haben jetzt erstmal, nach der WM war natürlich alles crazy, ja, aber da war irgendwie zwei Wochen Halligalli und genau. Und nach dem ganzen Verpflichtung, die er hatte medial, sind wir jetzt wieder voll im Trainingsfokus und dann heißt es erstmal Kilometer schrubben. Also einfach Grundlage. 20 plus Stunden und eigentlich so weiterarbeiten, wie man es immer gemacht hat.
Sebastian: Um dann den Podcast abzuschließen, habe ich noch eine Überraschung für dich. Nein. Wir haben ja gesagt, wie wird man Weltmeister? Ja. Und dann fasst das mal zusammen. Wie wird man Weltmeister?
Björn: Ja, ja, genau. Vielleicht Genetik würde ich, Genetik 20%. Fleiß. 70% und der Rest ist alles drumherum. Da muss es halt passen. Du musst an die richtigen Leute geraten. Du musst dir das richtige Umfeld aufbauen und so weiter. Aber es ist vor allen Dingen Fleiß, Fleiß, Fleiß und das ist, was man sich nicht... Es ist nie ein geradliniger Weg. Das ist nicht so, ich fange mit Nummer XY an und dann ist es ein linearer Anstieg. Das ist halt leider nicht so. Das ist eine gebrochen rationale Funktion. Nein. Nein, das ist... Der große Unterschied zwischen jemand, der super erfolgreich ist und jemand, der nicht erfolgreich ist, ist, dass der Erfolgreiche die Flinte nicht ins Korn wirft. Das sehe ich immer wieder. Du hast Knie, du bist krank, du hast Schnupfen, du hast Hüfte, du hast Rücken, du fällst da auf die Schnauze, da ist dir der Reifen geplatzt, Kette reißt und so weiter. Was machen diese Menschen? Die sagen nicht, jetzt muss ich drei Wochen erstmal gar nichts tun, du wirst mental verkraften oder sechs Wochen oder acht Wochen oder so weiter. Erster Anruf, Björn, was können wir tun? Was machen wir jetzt alternativ? Welche Alternativen habe ich, um fit zu bleiben? Und das ist, die haben immer das Ziel vor Augen und die gehen auch immer aufs Ziel zu, nur ist es halt ein Zickzack-Kurs manchmal und das darf man sich nicht, das ist nicht, das ist in den seltensten Fällen ist es sehr, sehr zielstrebig. Alle, alle, alle haben Schlingerkurs, alle. Andi See war doch auch genau das gleiche dieses Jahr. Epstein-Barr und so weiter, jetzt gewinnt er wieder Grand Raid. Genial, ja. Und einfach zu sagen, okay, das ist jetzt gerade scheiße, das läuft jetzt nicht, läuft jetzt eher so im 45-Grad-Winkel auf unser Ziel zu. Oder wir sind im Stillstand. Oder in seinem Fall, es geht sogar ein bisschen zurück. Wie kommen wir wieder nach vorne? Und da ist halt viel Austausch und so weiter. Also die Fähigkeit, mit Misserfolgen, missgeschickten Krankheiten umzugehen und wieder nach vorne zu kommen, das ist der Unterschied zwischen einem guten Sportler und jemandem, der Weltmeister wird. Das ist so. Und vor allem auch einen kühlen Kopf bewahren. Nicht diese Mentalität, ich bin ein Versager, also arbeite ich bis zum Muskelversagen durch. Das ist meine einzige Schule, sondern zu sagen, okay, Ich muss auch irgendwie so ein bisschen positives Leben, ist auch nicht schlecht. Alles nur mit Gewalt und Hass und alles sind meine Gegner. Das irgendwie durchzuboxen, erstens macht sich das nicht glücklich, das ist nicht nachhaltig, sondern immer auch irgendwie sagen, okay, ich habe ein Auffangnetz, ich habe eine Familie um mich herum, die mich supportet und trotz des Sportes, der halt einen großen Anteil im Leben, einen großen Teil des Lebens einnimmt, immer noch etwas um sich herum zu haben, was deutlich wichtiger ist. Also Family, Freunde und so weiter. Das sind eigentlich die, die es schaffen. Und alle Sportler, die ich habe, haben genau dieses Netz. Gute Freunde, Family, sie können mit Misserfolgern gut umgehen und sind wahnsinnig harte Arbeiter. Alle.
Sebastian: Das ist eine spannende Sache, die in der Das Netz, sagst du. Das Netz, das dich auffängt, wenn du Probleme hast. Wie sieht es denn aus? Glaubst du, dass Sportler auch sehr erfolgreich sein können, wenn die das Netz für andere sind? Wenn die andere Probleme viel auffangen müssen? Oder muss der Sportler im Mittelpunkt? Nimm dir mal an, du willst erfolgreicher Sportler sein und hast halt jemanden in der Familie, um den du dich kümmerst. Du hast andere Herausforderungen, um die du dich kümmern musst, weil so spiegelt sich das manchmal wieder, dass wenn du so erfolgreich sein willst, dass es vielleicht auch auf eine bestimmte Art und Weise zum Teil vielleicht auch egoistisch ist.
Björn: Sportler müssen egoistisch sein, immer. Erfolgreiche Sportler sind aber nur in Phasen. Sie sind in Phasen egoistisch, aber ich habe auch Sportler, oder nicht auch, sondern ich habe viele Sportler, die auch aus ganz zerrütteten Familien kommen. Also guck mal, ich finde dieses Beispiel an Tour de France-Siegern ja immer ganz spannend. Also wenn man sich mal Jan Ulrich anschaut, das war jetzt nicht so die Top-Family-Situation. Vater war irgendwie nie da oder war nicht existent. Er hat Eltern geschieden, nie gesehen. Lance Armstrong, das gleiche Beispiel. Tyler Hamilton, starke psychische Probleme. Bradley Wiggins, katastrophale Familienverhältnisse und so weiter. Also da muss schon, da ist eine gewisse... eine gewisse Fähigkeit der Selbstaufgabe sich selbst gegenüber. Sehr starkes Fokussieren. Aber diese Menschen haben einen sehr hohen sozialen Aspekt, der manchmal gar nicht so offensichtlich ist. Also die haben dann irgendwie einen schwer kranken Vater, der stirbt. Hat da gerade einen Sportler im Kopf. Und da wird sich halt drum gekümmert. Also die sind schon in der Lage, das sehr, sehr gut zu machen und können da auch sehr viel geben. Aber phasenweise, und das unterscheidet halt den Sportler, wenn der sagt, ich trainiere jetzt fünf Stunden, dann ist es halt scheißegal, ob die Atombombe neben ihm explodiert, dann trainiert er fünf Stunden. Das ist halt der Unterschied. Aber sie schleppen es halt nicht mit sich herum. Im Gegenteil, was heißt schleppen es nicht mit sich herum, sondern die Sportler, die Radfahren, das kennst du ja selber oder Joggen ist ja auch ein schönes Beispiel. Dir kommen halt Gedanken oder du verarbeitest ja auch Dinge während der Bewegung. Ausdauersport ist ja auch für viele eine Art Flucht und ich glaube auch für viele prominente Sportler war der Beginn des Ausdauersports nichts anderes als eine Art der Flucht. vor dem Problem, die eventuell zu Hause warten, sich nicht damit auseinanderzusetzen, aktiv, sondern eher so auf dem Rad und mal selber die Gedanken finden. Also, egoistisch ja, aber nur phasenweise.
Sebastian: Ich finde es ja immer ganz wichtig irgendwie zu wissen, welche Voraussetzungen man braucht, um Weltmeister zu werden. Und manchmal für den einen oder anderen wird es schwerer sein und für diejenigen, die so ein fettes Auffangnetz haben, für die ist es dann vielleicht einfacher. Und es ist halt immer unterschiedlich. Das Leben ist ja so nicht fair und der eine oder der andere muss sich halt um andere Sachen noch kümmern. Und wenn man sozusagen auf den Sport eingeht, für mich ist es halt immer so gewesen, dass wenn ich Sport mache, dann kann ich über viele emotionale Aspekte sehr rational darüber nachdenken. Und das macht es dann manchmal einfacher, dafür Lösungen, wenn es Probleme sind, Lösungen zu finden. Aber man kann auch sehr kreativ sein und auch ganz andere Ansätze für bestimmte Probleme haben. Aber speziell fand ich immer so, wenn man Sport macht, dann hat man die Chance, sehr emotionale Probleme vielleicht oder Gedankengänge sehr rational betrachten zu können, die dann weniger emotional in dem Moment sind.
Björn: Eine andere Fähigkeit noch, die fällt mir gerade ein und das ist vielleicht auch bei vielen Unternehmen so. Die Fähigkeit, auch wenn jetzt wir von Sportlern sprechen, die eigentlich einen Sport haben, da gewinne nur ich. Das ist ja keine Fußballmannschaft, sondern da gewinne nur ich. Die Fähigkeit, andere im Umfeld dafür zu begeistern und nicht nur monetär, sondern für die Sache zu begeistern, dass ich diesen Sport betreibe und zwar auf einem Niveau, wo halt so viel Zeit drauf geht, dass ich nicht Zeit habe für alle. Auf einem Niveau, wo ich eventuell Weltmeister werde. Die Leute so sehr zu begeistern, dass sie mitziehen, dass sie mir mithelfen, dass sie an mich glauben. Das ist ja wie so ein, ich würde es nicht CEO sagen, aber wie jemand, der visionär arbeitet. Und das vermisst man vielleicht auch bei vielen Firmen, die aber nur Geld draufwerfen und sagen, wir sind ja alle super und wir haben das Megaprodukt und kümmern uns um alle, was in Wirklichkeit vielleicht gar nicht so ist. sondern die Fähigkeit, aktiv zu begeistern. Das brauchen Sportler und jemand, der das kann, der wird es auch immer wertschätzen, dass er ein hervorragendes Team um sich herum hat. Und das bringt er auch zum Ausdruck und nicht in irgendeinem Instagram-Post, was vielleicht manchmal ganz nett sein kann, sondern wirklich wird ehrlicher, mit ehrlicher Freude, mit ehrlicher Liebe den Leuten gegenüber, die ihm oder ihr geholfen haben.
Sebastian: Okay, das sind doch schöne Worte zum Abschluss. Und dann freuen wir uns auf den nächsten Podcast, wann auch immer der kommt. Und bis dahin wünschen wir euch ganz viel Spaß mit diesem Podcast.
Björn: Danke, bis dann. Ciao, ciao.