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Episode #68

Andreas Seewald – Weltmeister auf 32 Zoll

05. October 202675 min

In dieser Folge sprechen Peter Schermann und Björn mit Andreas Seewald, der in Primiero San Martino di Castrozza zum zweiten Mal Weltmeister im Mountainbike-Marathon geworden ist – nach seinem ersten Titel 2021 auf Elba.

Andi hat spät angefangen: mit 19, gegen Ende seiner Ausbildung zum Elektroniker, bei einem Mountainbike-Festival am Tegernsee. Er erzählt, wie er jahrelang neben dem Beruf auf internationalem Niveau gefahren ist, warum er kaum noch daran geglaubt hat, Vollprofi zu werden – und wie es sich anfühlt, wenn das Training plötzlich der Beruf ist.

Dann die Saison davor: Europameister, Gesamtsieg im Marathon-Weltcup, Deutscher Meister – und ausgerechnet bei der WM in der Schweiz kippt die Form. Was danach anders lief: ein Saisonplan, der ganz auf die WM ausgerichtet war, ein Höhenblock in Breckenridge rund um Leadville, eine starke Deutsche Meisterschaft – und ein 32-Zoll-Rad, auf das Andi erst sechs Tage vor dem Rennen komplett umgestiegen ist. Nach gut 40 Kilometern greift er am Anstieg an und fährt allein ins Ziel.

Zum Schluss geht es um zehn Jahre Zusammenarbeit von Athlet und Trainer: warum Vertrauen mitentscheidet, wie gut sich ein Körper anpasst, warum Björn Trainingspläne nur eine Woche im Voraus schreibt und warum man einen Athleten nicht in das eigene Modell pressen sollte.

Transkript

Episode 68 — Transkript (DE)

Björn [00:00:01] So, hallo. Eine neue Folge A Faster You mit Peter Schermann, meiner Wenigkeit und einem Special-Gast. Und zwar amtierender Weltmeister, neuer Weltmeister Andreas Seewald im Mountainbike-Marathon. Willkommen. Servus. Hallo zusammen. Das ist der zweite Take. Beim ersten haben wir leichte Netzprobleme gehabt. Und jetzt versuchen wir es mal. Wir haben damit angefangen, dass wir Andreas kurz vorgestellt haben. Und wir machen jetzt mal so ein bisschen Tour de Force. Ich spule mal kurz vor. Ich habe Andreas kennengelernt bei einem Crossrennen, das ich selber gefahren bin. Er ist eine andere Klasse gefahren. Zumindest fuhr er mit einem Reiserad und Schutzblechen und Gepäckträger und so weiter. Jamaika-Farben an den Seiten vom Rad und auch Trikot an durch die Gegend und es ist da vorne voll rumgestrahlt. Und da wusste ich, okay, der Junge kann irgendwas. Ein paar Tage später habe ich den Rasti, der Rasti hat einen Radladen in Lenggries getroffen. Der hat nämlich beim Bike Magazin als Mechaniker gearbeitet im Keller. Und dann habe ich ihn gefragt, ob er den Jungen kennt. Er sagte, ja klar, das ist der Andi Seewald, der hat richtig was drauf. Und so kam es dann langsam. Irgendwann auf der Eurobike hat mich der Rasti nochmal angesprochen, auf den Andreas, und hat gesagt, pass auf, der Junge ist so gut, habe ich da irgendwie eine Idee, dass wir den irgendwie in ein Team reinkriegen. Und dann haben wir ihn ins Centurion Vaude-Team gepresst, sozusagen, Clemens Hesse und ich, weil wir damals dort als Trainer, Performance-Manager gearbeitet haben. Und so war es. Aber jetzt muss Andi aber selber nochmal erzählen, weil der hat ja auch einen ganz anderen Hintergrund. Der hat ja gar nicht mit Mountainbiken angefangen, nämlich mit ganz, ganz anderen Sachen. Aber Andi, jetzt hast du es.

Andreas [00:01:54] Ja, ich habe ziemlich spät mit Mountainbiken angefangen. Erst mit, ich glaube, ich war 19, so Ende, gegen Ende meiner Berufsausbildung. Am Tegernsee Mountainbike Festival mitgefahren. Längste Strecke, wenig Konkurrenz in der U23. Hab dann das Rennen da gewonnen. War natürlich super cool. Und dann bin ich ziemlich schnell mit dem Rusty in Kontakt gekommen nach dem ersten Rennen und war seitdem Quasi jede freie Minute bin ich unten im Laden rumgehängt. Dann bin ich glaube ich im nächsten Jahr wieder ein Rennen gefahren. Rasti hat mich von Anfang an so gut wie es ging unterstützt. Hat mir immer seine eigenen Bikes gekauft. Sein erstes 29er. war mein erstes 29er und so weiter. Genau, und bis hin dann zur sechsmonatigen Radreise hat er mir auch sein Reiserad geliehen und einfach alles Mögliche. Er ist mit mir auf die Rennen gefahren, hat mir die Basics mit seiner Lebensgefährtin, der Jutta, echt gut beigebracht und auch einfach den Spaß dabei vermittelt. Also von Anfang an war das jetzt einfach nur cool unterwegs zu sein und genau so bin ich zum Radrennsport gekommen.

Peter [00:03:48] Und Andi, für die Zuhörer noch davor, also in deiner Kindheit als Jugendlicher, was hast du da für Sportarten gemacht, was ist der Hintergrund, wo kommt dieser Riesenmotor her?

Andreas [00:04:00] Ja, ich war im Skiclub Ski Alpin, in der Nachbargemeinde, im Skiclub Gaißach. Ja, wir haben jetzt eigentlich... Ich würde sagen, war jetzt kein krasses, riesiges Programm. Aber ich habe ein paar gute Trainer gehabt. Zirkeltraining halt das ganze Jahr über, dann Lauftraining und Radfahren im Sommer. Im Winter natürlich Skifahren, so viel es geht. Aber waren jetzt eigentlich keine verrückten Umfänge oder sonst was. Sondern wirklich... Ja, ganz normaler Jugendsport im Verein. Und habe dann 1915, 1916, ich glaube, aufgehört. Relativ abrupt.

Peter [00:04:57] Kurze Zwischenfrage noch, sorry. Warst du da schon besonders gut im Vergleich zu deinen damaligen Altersgenossen? Ist das dir leicht gefallen? Oder hat man da irgendwie schon Talent erkannt für Ausdauersportarten?

Andreas [00:05:17] Ja, doch schon teilweise. Es waren schon, vielleicht einmal im Jahr oder so, kleines Bergrennen am Walberg oder Hirschbachs Sattel oder Blomberg. Das sind so 20 Minuten Abhillrennen. Da waren tatsächlich auch schon dabei. Da war ich schon immer gut dabei. Oder auch kleinere Wald- oder Bergleute. Aber jetzt nicht so, dass irgendjemand angekommen wäre und dann gefragt hätte, ob ich jetzt zum Radsportverein gehe oder zum Laufverein.

Peter [00:06:00] Dann hast du das gemacht bis 2015, 2016. Das war, da hattest du dich eben unterbrochen.

Andreas [00:06:04] Genau, dann kam relativ oder ziemlich abrupt, habe ich aufgehört mit mit Skirennen, weil es nicht so lief. Ich glaube, es war ein ziemlich schlechter Winter, auch mit schlechten Trainingsbedingungen und dann schwierige Bedingungen, eisige Bedingungen und wenig bis keine Resultate gehabt. Und dann kam aber auch die Berufsausbildung als Elektroniker für Automatisierungstechnik und war immer mehr so. Richtung Technik-Nerd unterwegs für ein paar Jahre. Das ist aber auch die gute Internetverbindung bei dir. Ja, genau. Ja, und dann eben erst am Ende von der Ausbildung, also war ich so zwei, drei, vier Jahre ziemlich wenig sportlich unterwegs. Und Und am Ende der Ausbildung eben das relativ spontane Rennen am Tegernsee.

Björn [00:07:18] Jetzt machen wir mal einen Schritt vorwärts. Du hast deine Ausbildung gemacht, dann bist du zu Centurion Vaude gegangen. Da warst du ein paar Jahre, ich nenne es mal so, das dritte Rad am Wagen. Und mit Jochen Käß, Markus Kaufmann, Hermann Pernsteiner, Daniel Geismeier war da. Und noch ein paar andere, aber die habe ich jetzt gerade nicht so im Kopf mehr. Und dann bist du zu Kreidler gegangen mit Moritz Mielatz. zusammen. Das war eigentlich ein schönes Projekt. Markus Bauer. Markus Bauer, definitiv. Markus Bauer, nicht vergessen. Und dann ist das Ding dicht gemacht worden, nach den Olympischen Spielen in Rio. Und dann saßt du erstmal so ein bisschen auf der Straße, sag ich mal. Es gab dann noch ein kleines Team. Ein kleines Mountainbike-Team, das von Specialized Store hier in München unterstützt worden ist. Reisentele hat noch gesponsert und und und. Ähm... Und da hast du eigentlich schon gezeigt, dass du echt was kannst. Ich glaube, du warst sogar Sechster bei der WM als nicht Profi, sondern so als, du hast ja noch nebenbei was gemacht. Ich weiß nicht, ob du schon bei der Bundeswehr warst zu der Zeit, in der Sportfördergruppe. Das war später. Ja, das war später. Und dann weiß ich noch, dann gab es eine entscheidende Begegnung mit mir und Julian Biefang beim Bäcker in Utterföhring. Und zwar saß ich mit Julian zusammen und Julian war damals, ich weiß nicht, was er bei Canyon gemacht hat, ich glaube Mountainbike, Ausstattungsspecs und so weiter für Mountainbike.

Peter [00:09:04] Produktmanager, Mountainbike.

Björn [00:09:08] Zumindest hat Julian mich gefragt, okay, wen sollen wir mit ins Team nehmen? Und da hat er ein paar Leute vorgeschlagen und da habe ich gesagt, nimm mal den Andi Seewald. Und da hat er gesagt, Andi Seewald? Ah, ich weiß nicht. Das war, ich glaube, in dem Jahr kurz davor hattest du Forestier gewonnen. Da habe ich gesagt, nimm Andi Seewald. Der Typ schläft in seinem Ford Galaxy und fährt allen anderen davon am nächsten Tag. Und da waren jetzt ja keine Luftpumpen am Start in Forestier. Und da habe ich gesagt, ja, hin und her. Zumindest waren sie dann im Kontakt. Und dann hast du dein... Und dann habe ich ihm gesagt, pass auf, der wird Weltmeister. Hat Julian gesagt, ja, erzähl mal einen vom Pferd. Und dann hat er den Vertrag gemacht, glaube ich, für die Saison 2021. Von 20 auf 2021. Und Dann bist du Weltmeister, erst Europameister und dann Weltmeister geworden. Und so ging das eigentlich richtig, richtig los. Das war die Geschichte eigentlich, dass du davor zwar in Teams warst, aber eher wenig Geld verdient, um es schlicht und ergreifend zu sagen. Ich weiß nicht, wie es es bei Kreidler gab. Aber du wurdest immer gut unterstützt von den Teams, aber davon konnte man nicht leben, muss man ehrlich sagen. Und mit Canyon hat sich das dann dramatisch geändert. Und ja, jetzt bist du da, wo du bist. Und wir haben zwei... Wann haben wir angefangen, Andi? 2014? 2015? Irgendwie sowas? Ähm...

Andreas [00:10:54] Ja, 15, wo ich zu Centurion gekommen bin. Also 14 schon Kontakt gehabt.

Björn [00:11:02] Genau, da haben wir dann zusammen mit Clemens Hesse das aufgezogen. Und genau, seitdem machen wir das eigentlich.

Peter [00:11:15] Ich kann mich da auch noch an eine Anekdote erinnern. Ich glaube, das war die WM, die bin ich auch gefahren in Dolomiten in Italien, wo Andi, glaube ich, Sechster geworden ist. Ich glaube, Markus Bauer hatte kurz vorher seine Karriere beendet und hat sich verpflegt und den habe ich am Tag vorher da auf dem Parkplatz getroffen und dann hat er zu mir gesagt, Andi Seewald wird mal Weltmeister. Der wird Sechster, obwohl er noch am Arbeiten ist und wenn der die Unterstützung bekommt, wird er ein ganz großer in der Sportart und da habe ich mich dann natürlich später auch daran erinnert, als ich mit Julian auch darüber gesprochen habe, dass er dann quasi zu kennen kommt, was mich sehr gefreut hat. Das ist so ein bisschen der Durchbruch gewesen, wo du das dann als Vollprofi, sagen wir mal, die Sportart betreiben konntest, oder?

Andreas [00:12:10] Ja, absolut.

Peter [00:12:11] Wie war das für dich?

Andreas [00:12:16] Ja, war krass. Ich erinnere mich noch, zu Hause dann trainieren zu gehen, Montagmorgen um 8 Uhr und denkst so, was denken sich die Leute? Was macht der jetzt den ganzen Tag? Geht der arbeiten auch mal da oder was? Ja, war ein krasses Gefühl. Richtig dankbar, also immer noch dankbar, aber besonders damals. Am Anfang war es natürlich oft so, hey, jetzt Okay, ich gehe jetzt trainieren. Das ist meine Arbeit. Morgen wieder, ganz normal. Dann überlege ich, wann immer es in die Saisonplanung passt. Dann mache ich noch ein Trainingslager, egal wann. Es war einfach eine krasse Zeit. Ich habe die Jahre vorher fast nicht mehr daran geglaubt, dass ich noch Vollprofi werde. sondern dass das irgendwie einfach nicht möglich ist. Vielleicht auch einfach im Mountainbike-Marathonsport nicht möglich ist. Ja, krasser Lebenswandel damals, ja.

Peter [00:13:29] Und ich glaube, dass das auch ein Punkt ist, wenn man einmal diesen Sport auf dem Level, auf dem Andi schon war, während er noch beruflich gearbeitet hat, wenn man das ausgeübt hat, dann hat man, glaube ich, eine ganz andere Dankbarkeit, wenn man dann nochmal quasi die Möglichkeit bekommt, das als Vollprofi zu machen. Das sehe ich bei anderen Fahrern, die quasi noch nie gearbeitet haben, in Anführungszeichen, geht diese Dankbarkeit oder dieses Privileg, das zu machen, ist halt nicht so da, als wenn du schon mal das versucht hast, alles unter einen Hut zu bekommen. Das ist einfach, glaube ich, der Sache geschuldet. Und ich kenne das auch ein bisschen, natürlich auf einem ganz, ganz anderen Level, aber dieses Gefühl, dass andere Leute denken, was macht der eigentlich den ganzen Tag, weil man ja dann schon erstmal, sag ich mal, in dem Umkreis, wo man ist, so ein bisschen der Außenseiter ist, weil alle Leute gehen einer regulären Arbeit nach und man fährt dann dienstags morgens um 10 Uhr mit dem Rad in den Wald. Ja, aber cool, gute Story.

Björn [00:14:41] Geht mir genauso. Die Leute denken immer, was macht der denn? Aber ich muss dazu auch nochmal was sagen. Frage ich mich auch. Die Leute schmeißen mir einfach Geld in den Rachen. Ich verstehe nicht, wieso. Ich habe davor ja schon, vor allem mit Clemens, echt Erfolge gehabt. Also Stundenweltrekord, wir haben die Transalp mehrere Male gewonnen, Weltmeister auch schon gehabt, U23-Zeitfahren, Europameisterin-Straße mit Liane Lippert und, und, und. Und da hatten wir echt schon krasse Erfolge damals. Dann bin ich woanders hingegangen. Und da war ich, ich weiß gar nicht, zwei, drei Jahre, ich weiß es gar nicht mehr. Zumindest habe ich, gelief das so ein bisschen parallel, ja. Ich bin weggenommen aus dieser Firma, bei der ich war und habe dann gesagt, okay, jetzt mache ich halt alles alleine. Und in dem Jahr ist Andi dann auch Weltmeister geworden. Und das war halt krass, ja. Also das war einfach für mich auch als... Coach schon mal ja vielleicht, ich würde, wenn mich jemand fragen würde, vielleicht einer der bedeutendsten Wendepunkte, ja auch alles, was danach kam, Olympiasiege und und und, war gar nicht so groß im Vergleich zu den anderen Sachen. Guck mal, Peter ist weg. Wieso ist Peter jetzt weg? Dann schmeißen wir das jetzt allein an. Von daher kann man einfach sagen, dass dein Weltmeistertitel für mich auch definitiv ein großer Karriere-Wendepunkt war. Auch in der Wahrnehmung, was total lustig ist, weil davor ja auch schon echte Erfolge da waren, aber irgendwie wurde es nicht so wahrgenommen. Vielleicht mit Social Media und so weiter haben die Leute das nicht so richtig mitbekommen, weil ich habe damals noch gar nichts gemacht, beziehungsweise jetzt ja immer noch nicht viel. Aber das war so der definierende Moment für mich. Ja, aber jetzt wollen sie natürlich immer wissen, die Leser und die Hörer, Leser, alter Journalist, die letzten fünf Jahre, ja, wir haben dann in Dänemark... haben wir den zweiten Platz belegt, was auch eine mega Leistung war, weil der Kurs natürlich nicht unbedingt für Fahrer mit großen Bergfähigkeiten gut geeignet war. Da haben wir viel mit Aerodynamik gemacht, das hat mega funktioniert. Und dann kamen so ein paar Jahre, da hat es einfach nicht so gepasst. Wenn wir mal die Jahre reflektieren, wo es nicht so gut war, 2023 war Avicini Weltmeister, den habe ich auch trainiert. Du warst davor krank. Du hattest zweifelst drüber. Wie waren die Jahre danach?

Andreas [00:17:36] 1924 war USA. Nicht Lake Placid, sondern das andere USA. Ich hatte eigentlich auch ein gutes Rennen. Ich war im Finale dabei. habe wahrscheinlich taktisch ziemlich dummes Rennen gefahren. Ich weiß noch, da war so die erste Hälfte vom Rennen nur Trail, dann die zweite Hälfte nur Flach und Schotter und Viktor Koretzky, glaube ich, war vorne raus und ich hatte Stress oder Sorge, dass wir den nicht mehr einholen und habe relativ viel geführt auch. Und ja, im Finale irgendwie unter 200 Höhenmeter Anstieg oder was, 300. Ja, ging dann nichts mehr. Bin glaube ich Vierter geworden. Andreasen auch dabei, glaube ich. Oder hat gewonnen, glaube ich, ne? Andreasen hat gewonnen, genau.

Björn [00:18:43] Ja, ganz genau. Dann erzählen wir mal, lass uns mal reden von solchen Jahren. Letztes Jahr. Und ich weiß noch, ich saß im Auto und hatte den Ticker sozusagen an, von wie die Ergebnisse sind. Und ich war auf der Autobahn und dann habe ich die Ergebnisse gesehen und dachte so, oh Gott, was ist denn da passiert? Tim ist super gefallen, ist Sechster geworden. Ich glaube, du bist Vierzehn geworden, was immer noch ein super Resultat ist. Aber das Jahr hatte ich, und darüber haben wir ja schon ein bisschen gesprochen, hatte ich ja jetzt auch bei der WM dieses Jahr so ein bisschen verfolgt. Erzähl mal so ein bisschen.

Andreas [00:19:29] Ja, erst mit solchen Jahren war es ja nicht. Nein, also du bist ja Europameister geworden. Europameister, Marathon, Weltcup, Gesamtsieg. Deutscher Meister.

Björn [00:19:41] Deutscher Meister, ja. Wieso ich solchen ja sage, das muss ich ehrlicherweise ganz kurz reinschieben. Das Rennen, da hat jeder gesagt, wer, wenn nicht Andi Seewald, kann dort gewinnen. Weil du hast Streckenrekord, du hast alles, das Ding ist wie auf dich zugeschnitten. Ein Grand Raid, ja. Und alle haben sich gefragt, also keiner hat einen anderen gesehen. Aber sorry, mach weiter.

Andreas [00:20:14] Nein, ich weiß noch, es ist die ganze Saison quasi super gelaufen. Du hast mich immer schon zwischendrin gewarnt, lass das Rennen jetzt lieber aus, lass das lieber aus. Und ich immer so, ja, jetzt planen wir so eine harte Einheit und geht schon. Und dann ging es auch ums Gewichtsmanagement. Du hast mich vorgewarnt. 5.000 Höhenmeter sind nochmal was anderes als 3.000. Wenn wir noch ein Kilo leichter wären oder so, wäre gut und so. Und mir hat das aber eigentlich nicht wirklich interessiert zu dem Zeitpunkt. Ich habe also gedacht, jetzt bleibt mal locker. Ich habe mich jetzt zehn Jahre um mein Gewicht nicht gekümmert. Fangen wir jetzt auch nicht mehr damit an. Ja, und dann, wie es jetzt so ist, vom Rennen fahren wird mir witzigerweise eher schwer, besonders wenn man dann umso weniger zwischendrin trainiert. Und da ich war dann schon bei der WM schon einmal ein, zwei Kilo schwerer, als ich jetzt normal war, hat man aber auch nichts dabei gedacht. Wie viel wiegst du ungefähr, Arne? Ja, normal so 69. Und da war ich dann schon so 71, 72. Was ja eigentlich im Training und bei so nicht zu langen Rennen eigentlich richtig geil ist, weil du hast einfach immer Druck. Aber ja, die WM hat einfach 5000 Höhenmeter gehabt. Und Ja, ich war einfach den ganzen Tag irgendwie am Leiden. Aber es war jetzt auch nicht alleine das Gewicht schuld, sondern ja, kann man später erklären. Irgendwann kippte die Form halt einfach. Das war in anderen Jahren auch schon bekannt, dass die Höchstform jetzt nicht von April bis Oktober hält. Aber irgendwie hat man es immer weitergezogen. Oder ich habe es immer so weitergezogen. Und eben dieses, ja, gerade geht eh nichts schief. Habe ich immer einen guten Tag. Diese Einstellung war irgendwie schon da. Ja, und dann ging es irgendwie schief.

Peter [00:23:04] Wann hast du das gemerkt in dem, ich finde, das war ja meine letzte WM auch, ein wahnsinnig schwieriges Rennen. Wann hast du das gemerkt, gleich von Anfang an oder im Rennen gab es da irgendeinen Punkt, wo du gemerkt hast, heute wird es nicht reichend für den Angriff nach ganz vorne?

Andreas [00:23:25] Ja, war schon von Anfang an ein bisschen zäh. Das ist aber oft ein Kurzzeichen bei mir, dass das dann noch zwei, drei Stunden besser wird. Aber genauso noch drei Stunden ungefähr kommt der Anstieg, der Straßenanstieg bei dem Rennen.

Peter [00:23:41] Wo ich eigentlich jedes Jahr für mich nach fünf Stunden, nicht ganz, aber ich weiß, welcher Anstieg das ist, rauf zum Mandalon, also zum Straßenanstieg.

Andreas [00:23:58] Wo ich eigentlich jedes Jahr noch die Initiative ergriffen habe und eigentlich Tempo gemacht habe und attackiert habe und alleine oder nur noch zu zweit war. In dem Jahr war ich vorher schon zweimal abgehängt und bin in der Abfahrt wieder zurückgekommen. Also es war vorher schon zäh und an dem Anstieg war gar nicht an eine Attacke zu denken, sondern war froh mitzufahren. Wurde wieder abgehängt, bin wieder in der Abfahrt wieder hingekommen und dann im letzten langen Anstieg wieder abgehängt. vor der Laufpassage schon deutlich abgehängt. In der Laufpassage dann auch ist auch nichts mehr gegangen. War ziemlich schwer zu akzeptieren. Ja, genau.

Peter [00:25:00] Was durch diese Erfahrung dann, wie waren so die Tage danach und wie hat das deine Planung für die nächste Saison beeinflusst, beziehungsweise jetzt auch im Hinblick auf den WM-Titel jetzt, was davon hast du quasi geändert oder was hast du da mitgenommen aus dieser Erfahrung, dass es halt dann auch mal nicht so gelaufen ist?

Andreas [00:25:28] Ja, ich glaube, es war gut für mich, dass im Rennen schon so früh klar war, dass es nichts wert hat. Dann habe ich quasi im Rennen noch ein bis zwei Stunden Zeit gehabt, den ersten Schock zu verkraften. Und dann war ich direkt nach dem Rennen klar. Zwei Wochen hinterher war das Rennen mit das Primiero, wo dieses Jahr die WM war. Bin von der Schweiz aus direkt dahin weitergefahren, habe mir die Strecke angeschaut, bin ins Rennen mitgefahren, habe wieder einen eher durchwachsenen Tag gehabt. Aber es war eigentlich gleich klar, jetzt auch dem Team gegenüber und Markus, meinem Teamchef gegenüber, dass... Und ja, dass für dieses Jahr das Ziel absolut die WM wird, dass ich mich versuche zu beherrschen mit nicht zu vielen anderen Rennen zu fahren, obwohl es dann eigentlich, ja eigentlich ist es quasi nach außen hin, schaut es komplett nach dem Gegenteil aus. Die Saison war eigentlich, wenn man es mal so von außen betrachtet, äh, Einige Leute haben mir gesagt, wenn du das Programm durchziehst, das wird keine erfolgreiche Saison. Aber in Wirklichkeit war der Plan die ganze Zeit da. Bei der WM zählt es dann. Wie gesagt, das war eigentlich am Tag der WM von letztem Jahr klar, dass ich das dieses Jahr Versuche auszubügeln und als andere hat er deutlich niedrigere Prioritäten.

Peter [00:27:35] so wurden quasi die Weichen dann schon gestellt, direkt auch von der WM in der Schweiz zu dem Kurs Track Weekend quasi, das Rennen bisher noch gefahren, direkt ein Wochenende später. Dann wusstet ihr, was auch zukommt. Björn, habt ihr in der Vorbereitung oder im Training irgendetwas anders gemacht? Wir haben...

Björn [00:28:05] ein bisschen später gepiekt. Wir waren ja letztes Jahr, als wir Europameister waren, da waren wir halt schon in einer super Shape. Und dann kommt, wenn man in so einer geilen Shape ist, dann will man immer Rennen fahren. Ich weiß, wir saßen vor dem Plan. Und dann, ja, ich will noch das Rennen fahren und das Rennen, was er gerade beschrieben hat. Und da habe ich gesagt, ah, das ist zu viel. Ah, ganz locker. Und da gibt es natürlich immer Geld, ist mir schon klar. Du musst natürlich auch von was leben. Und Ich verstehe schon die Intention, es bringt Spaß zu gewinnen, man verdient Geld, es gibt Prämien und, und, und. Und ich war nicht so happy. Und eigentlich bin ich jemand, der das in der Regel durchsetzt, aber dann habe ich gesagt, okay, alles gut, kriegen wir schon hin. Das ist ja sein Kurs da jetzt, wenn wir Grand Raid fahren. Und nee, die Shape war einfach nicht mehr da. Fertig aus. Und dieses Jahr... haben wir klassisch vorbereitet, Epic und so weiter, haben aber alles ein bisschen nach hinten gezogen, haben natürlich auch andere Rennen gehabt, haben ein bisschen Gravel gemacht, dies und das, dann haben wir Leadville. Diesmal haben wir Leadville, haben wir mehr Fokus gegeben, sind wirklich deutlich früher hingefahren und das war so ein bisschen, wie soll ich sagen, wir wussten nicht, was auf uns zukommt, weil erstens lange Höhe, deutlich hoch, deutlich höher als sonst. Wie hoch hast du geschlafen? 2,8, Andi?

Andreas [00:29:29] Ungefähr 2,9. Breckenridge Zentrum.

Björn [00:29:33] Ja, das ist halt echt hoch. Und Training geht da halt auch nicht. Also du kannst auch nicht richtig runterfahren, um zu trainieren. Also du bist permanent in der Höhe. Das heißt, wir verlieren an einigen Ecken. Das heißt, Herzminutenvolumen und grundsätzlich Kraftverteilung und so weiter. Das lässt alles nach. Und wir haben gesagt, okay, wir wollen Leadville vernünftig fahren, gucken, wie es ist. Da haben wir auch noch mal Konkurrenz gesehen. Ja, Keegan ist ja auch da, Keegan Swenson. Und dann haben wir das Training dort relativ locker gestaltet. Für Andi nicht, aber wir haben jetzt keine krassen V2Max-Intervalle oder sonst irgendwas. Ich glaube, das Höchste, was wir gemacht haben, war Sweetspot. Bisschen Fatmax, viel auf die Frequenz geachtet.

Peter [00:30:21] Macht ja eine Höhe auch Sinn.

Björn [00:30:23] Ja, dann sind wir Leadwell gefahren, vernünftig, gut gefahren, nicht gewonnen, aber ich meine, ziemlich, ziemlich dicht vorne mit dran immer die ganze Zeit. Aber auch da haben wir sicher einige Learnings mitgenommen, was man dann noch verbessern kann. Und dann wusste ich, wenn wir nach Hause kommen, wir haben einen riesen Block an Volumen gehabt, müssen wir halt noch ein bisschen spritziger arbeiten. Und das haben wir dann umgesetzt und bei der DM war wir Nachdem ich die Werte bei der DM gesehen habe, war mir schon klar, okay, wir haben, das ist unglaublich. Und der Jakob Hartmann, der ja auch in einer hervorragenden Verfassung ist, der sagte zu mir nach dem Rennen, er kann sich keinen Fahrer vorstellen, der aktuell bei der WM an Andreas Seewald vorbeifahren kann. Das geht gar nicht. Das war so unglaublich, wie schnell der gefahren ist. Und da wusste ich, okay, wenn der Jacki das sagt, dann ist da mit Sicherheit schon eine Menge dran, weil der auch in einer echt verdammt guten Form ist. Und dann war der Martin Frey ja auch noch mit dem Jacki im Trainingslager in Livigno und da hat der Martin schon gesagt, ey, der Jacki fährt schon so schnell, das ist ja unglaublich, kann ich gar nicht mitfahren. Und da wusste ich, okay, das ist immer so... Hast du mal so die ganzen Informationen, die soften Informationen, aber du wusstest, okay, da sind wir in der richtigen Richtung. Und ich glaube, die Werte, die wir bei der WM gefahren haben, die waren halt so gut. Und einfach nach Kilometer 40 zu sagen, ich hau ab, ich fahr jetzt einfach weg. Und dann wurde noch so ein bisschen versucht mitzufahren. Ich glaube, Wout hat es ein bisschen versucht, Wout Alleman, der ist dann aber, ja, konnte nicht mehr. Und Andi ist dann nachher, glaube ich, auch nicht mehr alles gefahren von vorne, weil wir hatten ja genug Vorsprung und ist dann ein bisschen safe gefahren. Aber ja, die Werte waren schon krass. Und von daher war die Vorbereitung, ja, war richtig, war gut, hat gepasst.

Peter [00:32:18] waren die Werte noch mal besser bei der WM als bei der DM? Und was habt ihr jetzt? Anderer Kurs, ja.

Björn [00:32:26] Aber ich sage mal so, von der Steigleistung und so weiter war das schon... Ich habe zu Andi gesagt, das war das beste Rennen, das er je gefahren ist. Und ich weiß, letztes Jahr, beim ersten WM-Titel hat Andi mich gefragt nach dem Rennen, was können wir verbessern? Und da hatten wir auch schon irgendwie Ideen. Und dieses Jahr... Also es war schon richtig gut. Nicht stürzen vielleicht. Andi ist, glaube ich, so bis zwischendrin gestürzt im Rennen. Und vielleicht das Rad, das er gefahren hat, das 32-Zoll-Rad, vielleicht mal irgendwie zwei Monate vorher fahren und nicht eine Woche vorher anfangen damit zu fahren.

Peter [00:33:04] Genau, da wollte ich auch noch kurz Andi fragen.

Björn [00:33:10] Andi, schieß du mal los. Wie war es für dich?

Andreas [00:33:16] Das Rennen selber oder die Zeit vorher? Vorbereitung und das Rennen. Ja. Ich weiß noch, wir haben relativ oft hin und her getextet mit meinem Plan für Colorado, wo ich meine Unterkunft mache, wie lange vorher hin. Und am Schluss haben wir dann gesagt, okay, ich gehe jetzt so und so lange hin nach Breckenridge. Da ist geil zum Fahren. Und du hast dann, glaube ich, zurücksterben. Okay, wir machen das Beste daraus.

Björn [00:33:49] Ich war nicht so happy mit der Höhe.

Andreas [00:33:51] Ich wäre gerne so 600 Meter Tiefe gewesen. Ja, darum war es für mich. Ich habe es eigentlich probiert zu genießen da drüben. Ich bin, glaube ich, auch deutlich mehr Stunden gefahren wie im Plan.

Peter [00:34:06] Wie viele Stunden sind das so in der Woche dann? 35.

Andreas [00:34:11] Ja, ich glaube, wir waren die erste direkt zur 30er. Und dann war die Woche vor dem Rennen halt nur so 15. Und dann halt das Rennen nochmal 6 Stunden. Also waren es glaube ich auch so ein bisschen über 20. Und dann glaube ich direkt nochmal 30 drauf. In der Höhe.

Peter [00:34:32] Schon ein wahnsinniges Volumen dann in der Höhe.

Andreas [00:34:36] Ja, aber ich war drüben echt. Ich war alleine in der Unterkunft. Ähm. habe mich um nichts anderes gekümmert. Ich habe wirklich gesagt, ich bin jetzt hier drüben, ich stehe auf, gehe trainieren, verpflege mich, ruhe mich aus, schlafe am nächsten Tag wieder und kümmere mich jetzt mal um nichts. Und gehe einfach voll Risiko, entweder es wird dann ziemlich gut oder ziemlich schlecht. Und ja, dann weiß ich noch, wo ich dann zurück war und ja, mit Björn meistens telefonieren wir am Tag vor dem Rennen so, spätestens, also vor der DM jetzt. Und er hat so gesagt, ey, ich kann dir jetzt für morgen nicht versprechen, wie es läuft, weil was du jetzt da gemacht hast, hat jetzt sonst noch keiner gemacht, wo ich so kenne. Also es ist ein bisschen, ja, schau es dir einfach an. Dann war die DM schon super gut. Dann haben sie bei der DM das neue 32-Zoll-Rad mit nach Hause gegeben. Einfach mal ausprobieren. Dann haben wir nochmal ein paar echt krasse Trainings gemacht. Drei-, viermal 15 Minuten Schwelle mit einer Minute immer zwischendrin, also alle fünf Minuten eine Minute drüber. Und da habe ich dann so zwei Sätze mit dem 29er gemacht und dann gewechselt, nochmal zwei Sätze mit dem 32er. Das ging halt eigentlich ziemlich gut direkt, besonders am Berg. Ja, dann habe ich es mit zur WM genommen, bin auf der Strecke gefahren, habe erstmal direkt an den Reifen aufgeschlitzt, also habe es wirklich forciert in die Downhills, habe echt krass riskiert. Bin zuerst mit dem 29er, dann mit dem 32er gefahren und wirklich jedes Mal geschaut, was geht. Ja, mit dem 32 dann einen scharfen Felsen erwischt, Zeit wohl aufgeschlitzt irgendwo im Wald. 29 Zoll Schlauch eingebaut, was ziemlich schwierig ist, aber möglich. Mittlerweile habe ich auch 32 Zoll Schläuche. Ja, und dann quasi sechs Tage vor der WM habe ich dann den den Entschluss gefasst, okay, ich fahre jetzt nur noch auf den 32er und wenn ich bis Freitag irgendwie keine Beschwerden entwickle am Rücken oder sonst was, dann fahre ich es. Ja, war alles tipptopp.

Peter [00:37:47] Die Position auf den 32er, habt ihr die quasi versucht zu kopieren von der auf den 29er?

Andreas [00:37:57] Ja, das war erstmal so die Idee. Aber grundsätzlich war ich auf dem 29er auch, besonders für Leadwheel, schon ziemlich weit hinten. Also quasi für flache Strecke optimiert, relativ aerodynamisch. Darum war eh klar, dass ich die Position für das Rennen ändern werde, weiter vor wieder. Am Ende war es dann witzigerweise so, ich habe das 32 einfach so ähnlich wie es geht, wie das 29 eingestellt. Und wo ich dann immer hin und her gewechselt habe, hat mir irgendwann die Position am 29er im Anstieg gar nicht mehr taugt. Dann habe ich am 29er quasi wieder Richtung 32 eingestellt. Oder eigentlich so wie es 32 zahlt. Genau in der ersten Woche schon. Und Ich denke für das Bergrennen habe ich offensichtlich schon ein gutes Setup gefunden. Für die Fläche wird wahrscheinlich noch ein anderer Vorbau drauf kommen, wo es ein bisschen länger und tiefer geht. Aber sonst passt es ziemlich gut.

Peter [00:39:18] Also du bist vollkommen überzeugt davon und es ist ja nicht so spät quasi gewechselt, weil da ist ja auch immer ein gewisses Risiko dabei, beim Material kurz vor einer WM, wenn man weiß, man hat die Form, nochmal zu wechseln. Aber die Eindrücke im Training waren dann so gut, dass du gesagt hast, und die Komponenten und so weiter sind ja wahrscheinlich relativ ähnlich, dass du gesagt hast, ich wechsle, weil ich darauf schneller bin, waren auch andere Fahrer. auf 32 Zoll unterwegs? Oder warst du da noch einer der Einhörner?

Andreas [00:39:52] Ich war ziemlich der Einzige. Ich weiß nicht, ob irgendwo weiter hinten im Feld jemand auf 32 Zoll unterwegs war, aber ich habe keinen gesehen. Und ja, die Entscheidung, es war auch ein bisschen, ehrlich gesagt, klar, die deutsche Meisterschaft war gut und so, Aber ja, letztes Jahr Deutsche Meisterschaft war auch gut. Und zwei Wochen später, oder war es letztes Jahr auch zwei Wochen oder drei Wochen später WM? WM war dann nicht gut. Und darum... Ja, ich war noch nicht überzeugt, dass jetzt bei der WM auch was geht. Und darum war es auch so ein bisschen... Ja, ich probiere es jetzt, gehe volles Risiko und ja, eigentlich hat es dann beim Björn war eigentlich abgesprochen, okay, ich fahre einfach mit in der Gruppe und hinten raus probiere ich dann, ob was geht am Berg. Aber eigentlich unterm Rennen habe ich mir einen neuen Plan überlegt, also auch nach der Streckenbesichtigung dann noch. Einfach in dem Anstieg zu attackieren und irgendwie hauptsache 10, 20 Sekunden rausfahren und in die lange Abfahrt alleine gehen und da einfach eigentlich 120 Prozent Risiko fahren und irgendwie Lücken aufmachen. Hat dann in den Zwischenzeiten so ausschaut, dass es jetzt perfekt funktioniert. In Wirklichkeit hat es mich irgendwie nach einer Minute im Trail erstmal über den Denker geflogen. Das Video müsste irgendwo, der Massimo, der gefilmt hat, der müsste das irgendwo haben. Im Livestream war es leider nicht drin. Muss ich unbedingt noch auftreiben. Und dann war so Vollgas-Zeitfahrmodus für mich. Das sieht man im Livestream, hat man es ganz gut gesehen. Ein paar coole Szenen durchs Dorf durch, mit einigen Kurven und Ecken. Und ich schätze, da habe ich davon profitiert, dass die Gruppen hinten da einfach nicht so schnell durchkommt. Und ja, dann war so die mentale Komponente, wo ich drauf gepokert habe, dass wenn ich einmal vorn bin, dass es dann irgendwie durchzieht. Und ja, so hat es dann funktioniert. Ja. Ja.

Björn [00:42:34] Ja, richtig, richtig gut. Richtig gut. Aber, Andi, Saison ist nicht vorbei. Was steht noch an?

Andreas [00:42:45] Es kommen jetzt noch zwei Rennen vom Lifetime Grand Prix. Einmal 100 Kilometer Mountainbike, einmal 160 Kilometer Gravels. Ja. Ja, Lifetime Grand Prix haben wir einige Leute abgeraten zu fahren. Ähm, War ein schwieriger Saison-Einstieg. Anbau und Gravel hat ein ziemliches Loch reingehauen in meinem Shape und Zeitplan und alles. Ciotta war eigentlich auch für mich zu früh nach dem Epic und viel zu wenig Zeit auf dem Gravel-Bike vorher gewesen. Ging auch nicht besonders viel. Aber ja, im Endeffekt der Trip nach Colorado, eben wegen Lifetime Grand Prix für Lethville, Hat dann scheinbar den Unterschied jetzt gemacht. Und ja, darum bin ich froh, dass ich es riskiert habe und freue mich jetzt auf die letzten zwei Rennen umso mehr. Genau, und wenn das erledigt ist, geht es quasi mit einer Übernachtung Zwischenstopp zu Hause, geht es dann weiter nach Südafrika zum Gravel Burn. Ja, sieben Tage Etappenrennen und ja, Björn, ich hoffe, wir können den Shape irgendwie nochmal auspacken dann für das Rennen.

Peter [00:44:23] Jetzt irgendwie konservieren und ja, genau. Was machst du denn grundsätzlich lieber? Mountainbike oder Gravel, Andi? Gravel, Björn?

Andreas [00:44:36] Auf jeden Fall Mountainbiken, besonders die schönen Rennen heute, letztes Wochenende Latramon, 80% Trail-Anteil, das ist natürlich einfach. Du freust dich auf jede Abfahrt, du freust dich fast schon auf die Anstiege, weil die sind auch technisch cool.

Peter [00:45:01] Solange es trocken ist.

Andreas [00:45:05] Ja, genau. Ich bin auch eher für trockene Bedingungen. Ich bin das einmal gefahren, wo es nass war.

Peter [00:45:13] Katastrophe. Das ist ja schon einer der eher sehr technischen Marathon-Anstellungen.

Andreas [00:45:26] Ich fahre beides gerne, aber Mountainbike-Marathon ist halt... Ja, so viel abwechslungsreicher und so viel spannender irgendwie oder einfach... Wie beschreibt man das? Wie beschreibt man einen Mountainbike-Marathon?

Björn [00:45:52] Du musst einfach alles können.

Andreas [00:45:54] Bergfahren, Abfahrten fahren, du musst auch mal in der Fläche fahren können. Du musst einmal die Gruppe bei jedem Rennen ein bisschen anders auskennen.

Björn [00:46:07] Als ich im Trainingslager war, Sierra Nevada lief auch für die Tour de France anbauend live im Fernsehen. Und ich muss sagen, es ist einfach so ein scheiße langweiliges Rennen auch anzuschauen. Ich meine, es ist so... Wer denkt sich sowas aus? Ja. Also da verstehe ich schon, dass es... Es ist natürlich schon spannend, dass es dann über die Länge und so weiter, aber anzuschauen war es nicht besonders spannend.

Andreas [00:46:38] Genau. Ein paar Mal im Jahr ist es aber irgendwie auch ganz cool. Es ist einfach... Dieses Jahr war es wieder anders, aber normal ist es einfach ultra hart. Ultra hartes Ausscheidungsgefahren. Die Gruppe muss es natürlich erwischen. Aber wieder auf seine Art speziell. Ich finde es eine coole Abwechslung, auf jeden Fall. Ich möchte auch nächstes Jahr wieder ein paar der großen Gravel-Rennen fahren. Aber den Spaß bringt definitiv das Mountainbike.

Peter [00:47:12] Ich denke auch, weil du halt da die Möglichkeit hast, in einen gewissen Flow auch zu kommen, wenn du irgendwo runterfährst. Ja, und was ich beim Curvil cool fand, oder ich meine, das war was Neues, aber gerade im Training, wenn man jetzt, sagen wir mal, da wo ich wohne, hast du eher einfachere Strecken. Und mit dem Curvil-Rad, wenn du halt jahrelang gewöhnt warst, mit Mountainbike da durchzuflügen oder mit einem modernen Fullie, kommst du relativ viel abgenommen und mit dem Quevel-Rad musstest du halt nochmal ein bisschen schauen, wo du wie hinfährst, sodass das noch technisch auch nochmal ein bisschen anspruchsvoller war und dann Spaß gemacht hat. Und die Quevel-Rennen unterscheiden sich ja schon sehr in ihren sowohl physiologischen Sachen, die man braucht, wenn man jetzt zum Beispiel einen Trucker sieht, bist du auch schon gefahren, Andi, oder ein Rennen, jetzt der Gravel World Series, die eher wie Straßenrennen sind, ist das sehr abwechslungsreich, aber ich glaube, wenn man Mountainbiker ist, nimmt man das gerne mit, aber die absolute Liebe, die bleibt da beim Mountainbiken. hängen, auch wenn die Industrie das genau andersrum so ein bisschen sieht momentan.

Andreas [00:48:28] Ja, genau so sehe ich es auch. Und es ist auch kurz, es ist tatsächlich manchmal ein gutes Techniktraining und Strategietraining oder wie sagt man? Gruppenfahren, ein bisschen lernen, das Gefühl bekommen, wann fahre ich mit, wann vielleicht nicht. Das Auge bekommen, wann man nach vorne kommt. Also ich denke, ich habe sicher auch davon profitiert, dass ich bei Graberennen gefahren bin.

Peter [00:49:01] Ich habe noch eine Frage, bevor wir wahrscheinlich auch relativ gegen Ende gehen. Und zwar so ein bisschen, wie hat sich eure Zusammenarbeit, ihr hattet jetzt schon sehr lange Zeit, dass ihr zusammenarbeitet, wie hat sich das Ganze so ein bisschen entwickelt? Wie war das in der Anfangszeit? Jetzt nach so einer langen Zeit hat man wahrscheinlich auch sehr viel Vertrauen aufgebaut und ihr hattet ja auch sehr viel Erfolg zusammen. Und vielleicht nochmal aus deiner Sicht, Brille, Björn, was macht Andi als Athlet so besonders?

Björn [00:49:36] Ja, das ist jetzt mal eine gute Frage, Peter. Die bin ich gar nicht vorbereitet. Erstens auch die Frage nicht und zweitens das Gute, die du auch noch stellst.

Peter [00:49:52] Ich sag ja immer, ich bin schlau, als ich aussehe. Ähm...

Björn [00:50:03] Eigentlich hat sich gar nichts richtig geändert. Es hat sich nur insofern was geändert, dass beide sich besser kennen, aber die Grundzüge der Charaktere sind ähnlich. Das heißt, wenn Andi gerade ein gutes Gefühl hat im Training und so weiter, dann macht er auch mal ein bisschen mehr. das ist auch, er hat definitiv seinen eigenen Kopf. Dann, was Andi anders macht als andere, ist, oder nee, was Andi auch so macht wie die richtig gute Sportler. Vielleicht ist das der richtige Ausdruck. Ist die Fähigkeit zu sagen, okay, das lief jetzt nicht so gut, ich muss was ändern. Und das auch anzunehmen. Das definitiv. Das ist schon mal... Und das ist auch etwas, was wir so mit der Zeit immer, immer besser gemacht haben. Ich habe vorhin, als wir über die Weltmeisterschaften gesprochen haben, habe ich an die allererste Weltmeisterschaft mich zurückerinnert, die ich mit Andi bestritten habe. Das war noch mit Centurion Vaude. Das war das Jahr, als Alban gewonnen hat, Kaufmann, glaube ich, sechster Salaronda-Runde. Und jeder hatte so sein Nutrition-Zeugs. Andi hat aber sein eigenes Nutrition dabei, nämlich... Datteln, zermanscht, zum Moos mit, gekauft. Hat nicht funktioniert. So schlecht war es auch nicht. Ich glaube, ich war 15. Machst du echt so gut? Ja, okay. Aber dann wärst du halt 8. geworden. Oder vielleicht sogar 5. Zumindest... Wir haben gelernt, dass wir beide miteinander diskutieren. Wenn man sportlichen Erfolg beschreibt, dann ist es nie der Sportler und es ist auch nie der Trainer, sondern es ist immer dieses Gefüge aus Sportler und Trainer. Das ist so die Bubble und drumherum sind auch die anderen Sachen, Manager, Material, Physios und so weiter. Aber das ist so der Kern, weil die immer am meisten zusammen sind. Und da haben wir eine ganz gute, eine ganz gute, eine sehr gute, sonst würden wir die Erfolge nicht fahren, ganz gute Mischung gefunden, wie wir miteinander kommunizieren. Wir kommunizieren jetzt gar nicht so extra viel. Aber wir kommunizieren sehr genau. Das haben wir über die Jahre gelernt. Also wenn mir etwas nicht gefällt oder wenn ich sage, ich möchte das Training haben oder wenn ich merke, irgendwas läuft gerade nicht, dann können wir das eigentlich ganz gut ansprechen. Oder wenn ich Anima nicht erreiche, was auch normal ist, dann bin ich jetzt so ein bisschen entspannter als früher. ähm, ich weiß, ich hatte jetzt so, kurz vor der WM warst du irgendwie verschwunden, aber da warst du noch mit USA, Reisestress und so weiter, ähm, zugange und dann, genau, das ist eigentlich so. Und ich kommuniziere auch, jetzt würde ich nicht sagen extra viel, aber immer noch mit Thorsten Walter, dem Physio, der Andi auch sehr, sehr gut kennt, weil Thorsten immer deutlich mehr, dieses Jahr jetzt nicht, aber deutlich mehr, ähm, mit Andi Zeit verbracht hatte. Das heißt, als Physio bist du da, massierst die Beine, gibst die Flaschen und so weiter. Und Andi hat ja ein gutes Verhältnis zu Thorsten. Und da haben wir eigentlich so eine gute Konstellation, dass man auch so ein bisschen die Vibes wahrnimmt. Und da spielen Thorsten und ich uns immer so hin und her, was so ein Gefühl habe ich, was ein Gefühl hat er. Und dann können wir das ganz gut einschätzen. Also es hat sich so... Ja, man hat so ein Gefühl füreinander entwickelt, das ist es auch. Aber jetzt kann Andi jetzt noch was über mich erzählen. Das ist jetzt spannend für mich.

Andreas [00:54:07] Ich gehe mal pören.

Björn [00:54:14] Immer gut.

Andreas [00:54:15] Dann fange ich den da jetzt auf. Also wie du schon gesagt hast, so viel Kontakt haben wir gar nicht. Ich habe auch das Gefühl, ja, erst mal einen Plan durchziehen und nicht zu viele Fragen stellen. Funktioniert eigentlich immer ganz gut. Und ich kann eigentlich, ja, wir kommen immer zu guten, wie sagt man, zu guten Kompromissen, wenn mir was nicht taugt oder dir was nicht taugt. Das ist eigentlich immer ziemlich, ziemlich easy, dass wir uns da einigen. Ja, ich habe halt 100% Vertrauen, Deswegen auch, wie gesagt, wir kommunizieren gar nicht so viel, weil ich ca. 95% einfach den Plan durchziehe. Das Gefühl ist über die Jahre immer, fast immer weniger geworden. Und dann nur so phasenweise, dann aber umso detaillierter nochmal der Kontakt. Weil man viele Sachen halt immer eh immer gleich macht. Ja. Aber wenn es halt irgendwas Neues gibt und du sagst, okay, das probieren wir jetzt, dann mache ich es halt einfach. Ja, und das funktioniert jetzt seit über zehn Jahren. Ich glaube, da braucht man nicht mehr viel erklären dazu. Das ist eigentlich selbsterklärend. Ja. Sehr dankbar dafür.

Björn [00:56:30] Andi kommt drei, viermal im Jahr vorbei. Dann trinken wir einen Kaffee. Sind immer wieder erstaunt, dann sagen wir, haben wir wieder geschafft, weiß gar nicht wieso.

Andreas [00:56:42] Ja genau, das sind eigentlich so mittlerweile, das sind die meisten Fragen eigentlich. Wie haben wir das jetzt?

Björn [00:56:55] Und dann sage ich meistens, du bist halt richtig gut. Und dann sage ich, und ich bin auch richtig gut. Und deshalb klappt das auch. Nein, wir haben so ein bisschen, so ein kleines Virtual haben wir immer. Immer wenn Andi zum Flughafen, oder nicht immer, aber wenn er zum Flughafen fährt und ich gerade da bin, stellt er seinen Wagen bei mir ab und ich fahre ihn immer hin. Und dann haben wir halt so unsere halbe Stunde, dreiviertel Stunde, über die wir, da reden wir halt so, über Gott und die Welt. Was so gerade so passiert ist. Und Ja, das hat sich ganz gut eingebürgert. Das nächste Mal besorge ich auch mal Kuchen.

Andreas [00:57:32] Aber... Ja, jetzt ist ja Massephase bis zum Epic wieder.

Björn [00:57:38] Ja, genau. Jetzt kommt eh wieder Massephase, dann müssen wir wieder 45 Minuten drauf. In der Phase bin ich ganzjährig.

Peter [00:57:43] Immer schon. Danke.

Björn [00:57:51] Danke, Bernd. Nee, aber das hat sich echt ganz gut eingeschliffen. Und ich glaube, wir zählten gerade noch was ein. Ich weiß, als du dein... Welcher Titel war das? Ich glaube, es war ein DM-Titel. War es der erste DM-Titel? Ich weiß es nicht. Ich glaube, es war der erste DM-Titel.

Andreas [00:58:15] Der erste DM war ein Titel, ich sehe.

Björn [00:58:18] Ja, nee, dann war es nicht... genau, war das der oder war das, ich glaube, es war danach, ich glaube, es war nach dem Pfeiferschen Drüsenfieber.

Andreas [00:58:24] Ja, das war ein Single.

Björn [00:58:27] Ja, und da warst du, das war so ein bisschen so ein Wendepunkt, da war das erste Mal, das kann ich, oder das erste Mal, das ist jetzt falsch ausgedrückt, aber da habe ich, da hast du dich selber ein bisschen überrascht gefühlt und so eine richtig tiefe Dankbarkeit und Das hat mich auch als Trainer echt berührt. Wir sind nicht die Großen, was Emotionen uns, also wir beide, wenn wir so miteinander reden. Aber da hat man so gemerkt, okay, das geht mehr darüber hinaus, als nur über so, hey, good job und Schulterklopfen und so weiter. Sondern es war wirklich so, okay, da ist jetzt so eine Verbindung, die über Jahre schon wächst und gewachsen ist. Und dieser Titel ist jetzt nach so einem miesen oder nach dieser Krankheit und diesem miesen Start hat das nochmal so richtig mental nochmal richtig was gebracht und auch was für die Beziehung Trainer und Sportler nochmal echt hat nochmal was gebracht. Und das merke ich jetzt so bei jedem Titel, den wir so haben, dass da das ist halt deutlich mehr als nur da ist der Trainer und da ist der Sportler, sondern das ist wirklich schon... Ja, es ist Freundschaft auf alle Fälle, definitiv. Ja, Andi gehört zur Familie, das ist schon lange. Andi war im Trainingslager mit mir, mit meiner Family. Ich bin sogar weggefahren und er war nur noch mit meiner Frau und meinen Kindern da und hat sie bekocht. Nee, das ist das stille Familienmitglied, das ab und zu vorbeikommt. wo ich sogar meine Frau runterrufen muss, du, Andi ist gerade da. Ah, hi Andi, Glückwunsch zum WM-Titel und so. Ist so ein bisschen Normalität alles geworden, ja.

Peter [01:00:28] Nee. Gut, also ich glaube jetzt nicht, wenn ich mal von außen spreche, ist ja auch eine Bubble, in der man sich bewegt, Mountainbike-Marathon. Was mir aufgefallen ist oder was ich mir gedacht habe, wenn ich über die Jahre ja beobachtet habe und dann auch näher dran war, dass quasi immer irgendwie so ein Stück zum perfekten Marathonfahrer dazu gekommen ist. Ich kann mich zum Beispiel erinnern, dass auch dann zum Beispiel, wie fährt Andi im Berg runter? dass das quasi auch mal ein Fokus war oder zumindest so etwas war, wo man sagt, da ist noch eine Schraube, die man weiter anziehen kann. Und dass dann quasi so ein Gesamtpaket rausgekommen ist dann jetzt, wo vielleicht von der Wahrnehmung her ein Fahrer, der halt auch schon sehr, sehr stark war, Steigleistung, alpine Rennen, der dann aber auch bei einer WM Dänemark beispielsweise oder ein Rennen in Singen, das ein ganz anderes Profil hat, dass ihr das so hinbekommen habt, dass ihr auch da auf einem allerhöchsten Level vorne mitfahren könnt. Ich glaube, Sam Gaze damals, auch dieser zweite Platz, ich war da auch in Dänemark, da habe ich wirklich gedacht, okay, das ist jetzt was, was, glaube ich, nicht vielen Fahrern gelingt, Trainer-Fahrer-Konstellation, dass man erst mal immer weitere Evolutionsstufen erreicht, hin zu diesem Ideal, wie soll es aussehen und auch es physiologisch hinbekommt, dass man den Fahrer in Anführungsstrichen so umgebaut bekommt, dass er auch dort so konkurrenzfähig ist, ohne das zu verlieren, was ihn quasi ausgezeichnet hat, schon vorher. Weißt du, wie ich das meine, Björn?

Björn [01:02:28] Da muss man natürlich sagen, erstens, Andi adaptiert total gut. Aber was zur Adaption gehört, ist, und das hat Andi ja schon vorher gesagt, das Vertrauen. Ich mache natürlich auch Sachen, die dann vielleicht so ein bisschen bescheuert wirken oder ungewöhnlich vielleicht eher. macht Andi trotzdem. Dann sage ich, okay, wir fahren jetzt 20 Minuten in dieser Aeroposition. Weil das wird eventuell entscheidend für das Rennen werden. Trainieren wir einfach. Und solche Sachen, ja. Und Andi zieht da mit. Beziehungsweise viele Sportler ziehen da mit, ja. Zumindest die, die ich jetzt betreue. Und auch das Vertrauen. Ich glaube, wenn du an etwas dich anpassen möchtest, das ist wie in der Schule lernen. Wenn du sagst, okay, ich glaube daran und auch wenn es erstmal gerade doof ist, aber ich sehe einen Prozess und dieser Prozess hat sich ja über Jahre bewahrheitet. dann wird dein Körper auch immer besser adaptieren. Auch wenn ich ein Freund der großen Zahl bin und viele Simulationen und alles mache, das wissen ja die meisten, die Psychologie der Adaption ist einfach so unglaublich wichtig. Und wenn du keinen Bock hast, das zu machen, oder das mag ich nicht, diese Intervalle und wozu überhaupt, dann kannst du es vergessen. Dann wird es auch diesen vielleicht nachweisbaren Reiz, den es geben würde, Laut Studien, und auch da muss man natürlich immer vorsichtig sein, weil Sportstudien natürlich extrem große Probleme haben, was Wiederholbarkeit angeht. Dennoch, wenn du als Sportler glaubst, dass es funktioniert und dein Trainer dir nicht einen totalen Scheiß aufschreibt, dann wirst du definitiv positiv daraus rausgehen. Definitiv. Und es ist ein extrem hoher Faktor, den man nicht unterschätzen darf. Ich habe Trainer, ich arbeite mit Trainern zusammen und ich habe Sachen bei Trainern gesehen, da würde ich sagen, ob das jetzt funktioniert, aber der ist halt so gut, was die... mentale, psychologische Komponente angeht, wie dieser Trainer zum Beispiel, den ich gerade im Kopf habe, mit seinen Sportlern umgeht, die werden einfach gut. Der hat einfach ein gutes Gehör. Vielleicht könnte man sagen, hier nochmal eine Nuance und da nochmal, wird nochmal mehr bringen. Aber es gibt auch Leute, Trainer, die schreiben nur über RPE auf. Also wirklich nur, wie hast du dich gefühlt oder so sollst du dich fühlen im Training. Und das funktioniert. Definitiv, das funktioniert. Das ist Ich sage mal so, nicht meine Welt, oder ich sage mal so, die halbe Welt bei mir. Ich will natürlich immer Feedback haben und natürlich, das soll sich so und so anfühlen. Ich schaue immer noch auf die Zahlen. Aber wie gesagt, die Bereitschaft, die Schritte zu gehen, die ich mir als Trainer überlegt habe, das macht schon extrem viel aus. Das ist es vielleicht, ja.

Peter [01:05:35] Ich habe noch eine Frage zum Abschluss. Andi ist wirklich die Letzte. Dann entlassen wir dich. Vielen Dank schon mal für deine Zeit. Doch bevor ich die jetzt stelle, noch mal kurz, was Björn gesagt hat. Wie ich das jetzt so aus dem Gespräch und auch aus den letzten Jahren habe, liegt der Schlüssel darin, dass man auch die Stärken von einem Athleten oder die Eigenheiten eines Athleten wie jetzt Andi in dem Fall, dass man nicht versucht als Trainer das Korsett, was man selbst im Kopf hat, diesem Athleten überzustülpen, sondern vielmehr die Eigenarten oder die charakterliche Ausprägung des Athleten nutzt, um das für ihn passende zu machen. Das heißt quasi, dass man viel mehr, beispielsweise jetzt ein Beispiel einfach, ich habe einen Athleten, der fährt Grundlage immer mit 300 Watt, obwohl seine Grundlagenbereich 240 Watt ist. Also immer zu hoch. Was mir aber über den Athleten ja auch was sagt und was man ja quasi dann auch schreibt, wenn man es weiß, gewisserweise steuern kann und auch als Vorteil sieht, dass der quasi extremst motiviert ist und extremst Lust hat, das zu machen und das mir quasi so ein bisschen zunutze zu machen, ohne dass ich als Trainer so starr bin, weil ich das bei AthletX schon so gemacht habe, AthletY in das gleiche Korsett so ein bisschen zu zwängen. Weißt du, wie ich das meine, Björn? Ja, ja, absolut.

Björn [01:07:17] Das ist ja das, was... Es gibt einen britischen, ich glaube, es war ein britischer Psychologe oder vielleicht bin ich doch ganz falsch, vielleicht Mathematiker, ich weiß es nicht mehr. Wazen heißt er, glaube ich. Oder Watson, Wazen, ich weiß es nicht mehr. Zumindest in den 60ern hat er etwas beschrieben. Und zwar finde eine Reihenfolge oder was beschreibt 2, 4, 6? Welches grundlegende Konstrukt liegt dahinter? Und dann kannst du sagen, okay, das ist natürlich 2 plus 2 sind 4 plus 2 sind 6. Okay, gut. Man kann aber auch sagen, 2 mal 1,5 und 4 mal 1,5. Dann haben wir auch wieder 2 mal 1,5 sind 4 und 4 mal 1,5 sind 6. Oder wir können auch sagen, 4 ist die Mitte, ist der Durchschnitt von welchen Zahlen? führt zum gleichen Resultat. Ich beschreibe also. Ich kann aber auch sagen, es geht nur darum, etwas Aufsteigendes zu sehen. Wobei, das passt jetzt nicht. Aber ich habe jetzt nur diese Zahlenreihe beschrieben. Ich habe jetzt drei Möglichkeiten gehabt, oder ich kann auch sagen, minus, sechs minus und und und, habe ich auch diese Zahlenreihe beschrieben. Und der Grundgedanke dahinter ist eigentlich, Wir haben alle irgendein Modell im Kopf, das etwas beschreibt. Nehmen wir mal ein physiologisches, meinetwegen auch ein psychologisches Modell. So tickt der und so in diese Box muss es passen und so weiter. Und davon muss man sich lösen. So schwer das auch manchmal ist, zu sagen, okay, ich kann ein Problem, und da ist die Mathematik halt so toll, auf ganz, ganz viele unterschiedliche Weisen beschreiben. Oder eine Lösung beschreiben. Und wenn man diesen Gedanken erst mal vollzogen hat und nicht immer sagt, ich versuche mich in dieses Korsett oder die Person in dieses Korsett zu pressen, dann wird alles sehr, sehr viel einfacher. Also es gibt immer verschiedenste Arten, Möglichkeiten auszuloten. Wenn jemand hast, der grundsätzlich zu schnell fährt, sagst du, okay, das ist ein Energiedurchsatz, dann muss er halt im Training reduzieren. Und was passiert dann? Vielleicht muss ich da... Ich finde das Korsett oder natürlich musst du deinem Sportler auch irgendwie erklären. Aber wenn ich mir das Training anschaue, das ich mit den Sportlern mache, da ist klar, manchmal gibt es ähnliche Ideen oder ähnliche Pläne. Aber grundsätzlich ist es so, dass die Pläne doch sehr unterschiedlich sind. Findest du bei mir auch keine Bibliothek, die ich irgendwie nachbaue und dann immer reinziehe oder so, weil das ergibt gar keinen Sinn für mich. Oder zu sagen, ich baue einen Trainingsplan schon über vier Wochen. So bin ich ja. Ich hatte vor zwei Tagen erst ein Gespräch mit dem Raoul Feldran von Bora, ein guter Freund von mir, mit dem ich ja lange Zeit im Mountainbike bei Klimatisa zusammengearbeitet habe. Und da haben wir dann beide darüber gesprochen, über Trainingsplanung, wie lang und so weiter. Und er sagt, ja, eine Woche. Und alles andere verschwimmt dann. Das ist wie so komplizierte oder komplexe Sachen. Komplizierte Sachen kannst du auseinanderschrauben und wieder zusammensetzen und komplexe Sachen werden halt echt schwierig. Das ist wie bei der Wettervorhersage. Ich meine, drei Tage vorher Oder drei Tage im Voraus können wir einigermaßen gut voraussagen. Vielleicht auch noch fünf Tage. Aber alles, was danach kommt, wird halt super, super schwierig. Deshalb sage ich, okay, wir brauchen eine Woche Training, sehen, wo wir sind. Wie fühlt sich der Sportler? Deshalb baut man auch regelmäßig Tests ein oder hat zumindest physiologische Marker, wo ich sagen kann, okay, wir bewegen uns in die richtige Richtung. Und in vier Wochen passiert halt so unglaublich viel, dass man da... immer wieder anpassen muss, theoretisch als Trainer. Natürlich habe ich immer eine Idee, was voranschreiten soll in den nächsten vier Wochen, was passieren soll. Aber bevor ich das hinschreibe, weil da kommt wieder der faule Björn Kafka, wenn ich was hinschreibe und das bleibt stehen, dann habe ich keinen Bock mehr anzupassen. Also da bin ich einfach so, einer ist drin und ist schön gebaut, wieso soll ich was machen? Aber es widerstrebt mir. Ja, ein mündiger Sportler fängt dann selber an, was zu machen, aber es ist immer was Verwaschenes am Ende des Tages. Ich glaube, es gibt wenig Sportler, die einen Trainingsplan von A bis Z vier Wochen durchziehen. Und ich bin auch der Meinung, dass es nicht sinnvoll ist, das zu tun, weil sich in diesen vier Wochen etwa irgendeine Komponente ändern wird, die diesen Trainingsplan, wie der gestaltet ist, nicht so durchsetzbar macht, wie man sich das eigentlich wünscht oder gewünscht hat. Deshalb bin ich da immer eine Woche Planung. Alles andere, auch wenn das manchmal vielleicht nervig ist für die Leute, aber alles andere macht für mich keinen Sinn.

Peter [01:12:15] Ich mache das genauso, auch aus dem Grund heraus, dass ich oft gemerkt habe, dass ich von dir so gelernt habe. Ich habe es am Anfang auch da mal meistens zwei Wochen schon mal gemacht, aber ich habe dann auch einfach gemerkt, wie viel schon wieder hinfällig ist von dieser zweiten Woche, nachdem man sich die Woche Training angeschaut hat, dass das quasi eigentlich wenig Sinn macht.

Björn [01:12:38] Das muss kein Lebensmotto sein. Ich meine, Altersvorsorge, Rente und so weiter sollte man trotzdem können.

Peter [01:12:44] Bade Schnecks Ohren. Sorry, jetzt hast du lange Zeit nichts mehr gesagt. Zum Abschluss noch. Jetzt bist du zweifacher Weltmeister. Du bist Seriend Deutscher Meister. Ich glaube, vier Jahre jetzt in Folge. Europameister mehrfach. Was hast du noch vor? Was möchtest du noch erreichen? Wovon träumst du noch?

Andreas [01:13:19] Ja, im Grunde ist es Cape Epic. Das ist noch das große Ziel im Mountainbike-Bereich. Andere große Ziele habe ich mir im Moment jetzt gar nicht vorgenommen. Ja, das Epic fehlt noch. Und als Anderes möchte ich schon noch einiges auch neue Rennen noch fahren. Aber jetzt konkret Cape Epic gewinnen. Dann machen wir das jetzt endlich mal. Hoffentlich in fünf Jahren wieder Weltmeister werden. Dann bin ich eigentlich zufrieden.

Björn [01:14:09] Ja, das machen wir jetzt nochmal vorher. Sehr gut. Vielen Dank. Ah, und Leadville seid ihr auch noch gewesen. Ja, Leadville.

Andreas [01:14:26] Leadville ist definitiv auch noch Ziel.

Peter [01:14:33] Bin ich auch ein großer Fan von diesem Rennen, seit ich das da als Jugendlicher verfolgt habe. Wie Lance bei seinem Comeback da.

Björn [01:14:46] Vielen Dank für eure Zeit. Ich habe wieder was gelernt.

Peter [01:14:51] Vielen Dank, Andi. Vielen Dank, Björn. Ja, sehr gern. Wir hören uns. Dann bis bald. Bis dann, ciao.

Björn [01:14:53] Wir sehen uns beim nächsten Titel dann spätestens, Björn.

Peter [01:14:54] Ja, machen wir. Gut.

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